Am 23. Mai 1991 erreichte die evangelische Kirchengemeinde Dirmingen ein Brief aus den Vereinigten Staaten. In diesem Schreiben bittet der bekannte Autor und Schriftsteller Arthur D. Hittner unsere Kirchengemeinde um einige Informationen. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte sich in Dirmingen kaum jemanden vorstellen, dass in einem der berühmtesten amerikanischen Spitzensportler echtes Dirminger Blut fließt.

Der Brief

Der Autor Arthur D. Hittner wollte wissen, ob noch kirchliche Urkunden von der Familie des Johann Peter Wagner existieren und wann der Familiennamen zum letzten Mal in den kirchlichen Unterlagen erwähnt wurde. Außerdem wollte der Biograph wissen, welchen Beruf Johann Peter Wagner in Dirmingen ausübte und ob es noch Kinder gibt, die in Dirmingen geboren wurden. Der Schriftsteller richtete einen echten Fragekatalog an die Kirchengemeinde in dem unter anderem auch die Frage aufgeworfen wurde, wie das Dorf Dirmingen im Jahre 1866 aussah und welchen Beruf die meisten Einwohner ausübten. Abschließend wollte der Autor auch wissen wie die ländlichen Verhältnisse zu dieser Zeit waren und welche Beweggründe eine Familie aus dem Saargebiet veranlassen könnte nach Nordamerika auszuwandern.

Die Kirchengemeinde antwortete umgehend und verwies in ihrem langen Schreiben zunächst auf die Geschichte des Dorfes Dirmingen.  Als Grund für eine mögliche Auswanderung nach Amerika wurde in dem Schreiben auf die „schlechten, unzureichenden wirtschaftlichen Verhältnisse“ hingewiesen. Als weiteren Auswanderungsgrund haben die damaligen Verwaltungsbehörden auch die „Liebe zur Veränderung“ angegeben. Nicht nur in den Staaten, sondern auch in dem damaligen Königreich Preußen herrschte eine Aufbruchstimmung mit Mut zur Veränderung. Die Menschen suchten ihr Glück und nahmen dafür auch große Reisen in Kauf. In den historischen Quellen finden wir zahlreiche Familien, die gerade im 19. Jahrhundert auswanderten und ihr Glück in der Ferne suchten.

Warum aber benötigte der Autor und Schriftsteller Arthur D.Hittner diese Informationen der Familie Johann Peter Wagner aus Dirmingen. Um was ging es hier eigentlich und welche Beweggründe hatte der Autor? Ganz einfach der Mann wollte ein Buch über einen der größten Sportler Amerikas schreiben. Als ich mich diesem Thema näher beschäftigte und mit meinen eigenen Forschungen begann, traute ich meinen Augen nicht.

Der Ackerer Johann Nikolaus Wagner (geb. 13.08.1804) und seine Ehefrau Christina Elisabeth Carolina Sorg (21.10.1803) aus Dirmingen hatten sieben Kinder. Als viertes Kind kam mit Johann Peter Wagner ein Sohn auf die Welt (geb. 05.06.1838). Der junge Johann Peter wurde Bergmann und heiratete am 05.12.1864 in Dirmingen die Dienstmagd Catharina Wolf aus Breitfurt. Johann Peter Wagner war, wie die meisten Dirminger zu dieser Zeit, Evangelisch. Die Taufeintragung und die Heiratsurkunde sind noch heute in den historischen Unterlagen der Kirchengemeinde zu finden. Das junge Paar suchte nach einigen Jahren trauter Zweisamkeit, in unserem Heimatdorf, nach einer Veränderung. Die Suche nach dem großen Glück endete schließlich in der Auswanderung nach Nordamerika.

Honus Wagner

Genau an dieser Stelle beginnt die Geschichte eines der bekanntesten Baseballspieler aller Zeiten. Der Dirminger Johann Peter Wagner und seine Ehefrau Catharina wurden in den Staaten zu Eltern von acht Kindern. Vier der Kinder starben schon im Kindesalter. Am 24. Februar 1874 wurde Johann Peter Wagner im Pittsburgher Stadtteil Chartiers geboren. Der Sprössling erhielt damals den gleichen Namen wie sein Vater. Von seinen Eltern wurde der Junge liebevoll Hans gerufen. Mit diesem Spitznamen wurde der junge Mann nur wenige Jahre später zu einer Legende. „Honus“ ist eine Abwandlung des deutschen Namens Hans. Schon mit zwölf Jahren verließ Johann „Hans“ Peter Wagner die Schule, um wie sein Vater und seine Brüder als Bergmann zu arbeiten. In seiner Freizeit spielte der Junge am liebsten Baseball. Johann „Honus““ Wagner und seine Brüder waren außerordentlich talentiert und wurden allesamt professionelle Baseballspieler. Der ältere Bruder von „Honus“, spielte im Jahre 1898 für ein Jahr in der Major League. Auf sein Drängen hin meldete sich der junge „Honus“ zu einer ersten Talentsichtung an.

Dieser Schritt war der Beginn einer Weltkarriere. Johannes Peter „Honus“ Wagner wurde einer der besten US-amerikanischen Baseballspieler auf der Position des Shortstops. Aufgrund seiner außergewöhnlichen Schnelligkeit bekam er den Beinamen „The Flying Dutchman“, was eigentlich so viel heißt wie der fliegende Holländer. Der Begriff „Dutchman“ wurde jedoch als Begriff sowohl für Niederländer als auch für Deutsche verwendet. Honus Wagner spielte fast während seiner ganzen aktiven Zeit von 1897 bis 1917 für die Pittsburgh Pirates in der National League der MLB. Wagner war einer der ersten fünf Spieler, die 1936 in die „Hall of Fame“ des Baseballs aufgenommen wurden. Dabei wurde Wagner noch vor der Baseball-legende Babe Ruth in die „Hall of Fame“ aufgenommen. Bis heute wird Honus Wagner von den meisten Baseball-experten als der beste Shortstop Spieler angesehen. Die Baseball-legende Ty Cobb nannte Wagner „den vielleicht größten Spieler, der je auf einem Baseballplatz stand”. Vor einiger Zeit wurde eine Sammelkarte von Honus Wagner privat für den Preis von 1,2 Millionen Dollar verkauft. Auch dies ist ein weiterer Indiz für den hohen Beliebtheitsgrad der Sport-legende.

Nach seiner Karriere versuchte sich Johann „Honus“ Peter Wagner als Baseball- Manager. Dieses Unterfangen verlief jedoch nicht ganz so erfolgreich. Bis zu seinem Lebensende wurde Honus Wagner als Spitzensportler verehrt und erlangte in den Staaten einen Ruf wie heute vergleichsweise berühmte Fußball-Nationalspieler.

Allein der Name „Honus“ Wagner „The Flying Dutchman“ ging in die Geschichtsbücher ein. Johann Peter Wagner heiratete im Jahre 1916 seine Lebensgefährtin Bessie Baine Smith. Aus dieser Ehe entstammten drei Töchter.

Am 6. Dezember 1955 starb Johann Honus Wagner in Carnegie, Pennsylvania. Es bleibt die Erkenntnis, dass in einem der größten Baseballspieler aller Zeiten echtes Dirminger Blut floss. Ob die Sportskanone jemals an die Heimat seiner Vorfahren gedacht hat, ist nicht bekannt. Wahrscheinlich wusste er noch nicht einmal wo Dirmingen liegt ! Obwohl…weiß Mann’s ?

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