„Der wor e wunnerbarer Lehrer“ – Ludwig Harig’s Zeit in der Volksschule Dirmingen

Ludwig Harig gehört zu den bedeutendsten saarländischen Schriftstellern. Mit seiner Literatur beschreibt er wie kaum ein anderer die identitätsstiftende Wirkung zum Saarland. Schon Zeit seines Lebens wurde Ludwig Harig mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Die Kritiker stellten fest, dass sein Loblied auf die „Saarländische Freude“ sehr früh den Fokus von Literaturfreunden auf unser kleines Heimatland gelenkt hat.

Soweit so gut, nur was hat das Ganze nun mit unserem Heimatort Dirmingen zu tun? Die Erklärung ist schlussendlich recht simpel: Ludwig Harig war von 1950 bis 1956 als Lehrer an der evangelischen Dirminger Volksschule tätig. In seinen biografischen Werken wird deutlich, wie sehr ihn gerade seine ersten Arbeitsjahre in Dirmingen prägten. Harig stand für eine neue Unterrichtsform und wollte seinen Schülern die Prinzipien der Reformpädagogik weitergeben. Im Jahre 1996 erinnert Ludwig Harig in seinem autobiographischen Roman „Wer mit den Wölfen heult, wird Wolf“ an seine frühen Jahre als junger Lehrer in unserem Dorf. Darin beschreibt er sehr einfühlsam, die umständliche Anreise von Sulzbach aus, zu Fuß über den Bergmannspfad nach Brefeld, von dort aus mit dem Zug nach Dirmingen. Diesen beschwerlichen Weg nahm er ganz oft in Begleitung von Kollegin Brigitte Gottschall auf sich. Diese Begegnung blieb nicht ohne Auswirkung. Im Jahre 1957 heiratet Harig seine Freundin Brigitte Gottschall.

Dirmingen hat den Lehrer und Schriftsteller Harig geprägt. Als Harig  Jahrzehnte später nochmals die Dirminger Volksschule aufsuchen wollte, ist diese längst abgerissen. Harig reagierte traurig als er mit viel Wehmut schrieb: „Es war ein wunderbares Haus, ein behäbiges Gebäude mit Walmdach, fast quadratisch im Grundriss, mit sparsam gesetzten Jugendstilelementen ein Schmuckstück des ganzen Dorfes!“

Evangelische Volksschule Dirmingen

In seiner Zeit in Dirmingen verfasste er angespornt von seiner Tätigkeit erste wirksame Texte. Die im Unterricht verfassten Texte bewahrte er auf und veröffentlichte Jahre später einen Teil davon in seinem Werk: „Und sie fliegen über die Berge weit durch die Welt: Aufsätze von Volksschülern, herausgegeben von ihrem Lehrer Ludwig Harig“. Das mit viel Liebe zusammengestellte Buch enthält kleine Geschichten seiner Schüler aus Dirmingen und auch Friedrichsthal, wohin Harig 1956 wechselte. Die damalige Schülerin Irmgard Rech schrieb in ihrem Aufsatz „Der wor e wunnerbarer Lehrer“

Bei seinen Schülern war Harig sehr beliebt. Seine Reformpädagogik war revolutionär und begeisterte die Schülerinnen und Schüler. Der Begriff „Reformpädagogik“ ist nicht einfach zu erklären. Darin enthalten sich viele Aspekte und unterschiedliche pädagogische Strömungen. Grundsätzlich werden Ideen zusammengefasst, um den Schulunterricht und die Erziehung zu reformieren. Noten und Leistungsdruck werden abgelehnt, der Schüler/in und seine Persönlichkeitsentwicklung steht im Vordergrund. Der Unterricht, Bildung und Erziehung zielen darauf, die Selbstständigkeit des Schülers entwickeln.

Mein Vater Horst Klein war ein Schüler von Ludwig Harig. Noch heute schwärmt mein Vater von seinem damaligen Lehrer. Er erinnert sich an viele schöne Stunden und originelle Unterrichtsformen. Bei einer Wanderung hatte sich mein Vater, der zu den kleinsten Schülern seiner Klasse gehörte, eine kleine Verletzung zugezogen. Ludwig Harig trug meinen alten Herrn fast den gesamten Weg auf den Schultern.

Ludwig Harig wird im Jahre 1927 in Sulzbach geboren und ist der erste von zwei Söhnen. Harig stirbt am 5. Mai 2018 in seinem Geburtsort.

Quelle: LiteraturLand Saarland

Das Magazin der „Spiegel“ schreibt in seinem Nachruf: „Sein Werk ist immer aktueller geworden, und es nimmt Wunder, dass sein Wohnhaus im saarländischen Sulzbach nicht längst Ziel von Pilgerwanderungen wurde. Der 1927 geborene Literat hat mit bemerkenswerter Sturheit jene Themen behandelt, die uns heute besonders beschäftigen: Wie versöhnt man Identität und Toleranz? Wie liebt und beschreibt man seine Heimat, ohne die Neugier auf die Welt zu verlieren, ohne den Fremden auszuschließen? Und wie lebt man, wenn man doch jeden Tag schreckliche Mühe damit hat, die Zumutungen der Wirklichkeit mit den Mitteln der Vorstellungskraft in die Schranken zu weisen?“(Quelle: Der Spiegel Nr. 20/2018 – Nils Minkma)

Quellennachweise, Bildnachweise und Infos: Buch:”Wer mit den Wölfen heult, wird Wolf“( Ludwig Harig), LiteraturLand-saar.de, der Spiegel Nr. 20/2018),Saarländischer Rundfunk,Literaturarchiv Saar-Lor-Lux-Elsass

Quellenangabe

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