{"id":1012,"date":"2018-04-05T14:50:15","date_gmt":"2018-04-05T13:50:15","guid":{"rendered":"http:\/\/echta-derminga.de\/?p=1012"},"modified":"2018-04-05T19:13:32","modified_gmt":"2018-04-05T18:13:32","slug":"vom-kolonialwarenladen-zum-discounter-von-der-sehnsucht-nach-einer-neuen-einkaufsmoeglichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=1012","title":{"rendered":"Vom Kolonialwarenladen zum Discounter \u2013 Von der Sehnsucht nach einer neuen Einkaufsm\u00f6glichkeit"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_1018\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1018\" class=\"wp-image-1018 size-medium\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/d4191e0b84-300x208.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"208\" \/><p id=\"caption-attachment-1018\" class=\"wp-caption-text\">Im Laden bei Tante Ida<\/p><\/div>\n<p><strong>Ich kann mich noch gut erinnern, wenn an der T\u00fcr die Glocke klingelte, hatte das etwas einladend Heimisches. Die fr\u00fcheren Kolonialwarenl\u00e4den waren mit ihrem nostalgischen Einkaufscharme eine lokale Kommunikations- und Informationsst\u00e4tte.<\/strong><\/p>\n<p>Als kleiner Junge schickten mich meine Eltern \u00f6fter zum Einkaufen. Dies war, im Gegensatz zu heute, kein Problem. Der n\u00e4chste Kolonialwarenhandel war direkt in meiner Stra\u00dfe, praktisch vor der Haust\u00fcr. Heute ist das undenkbar! In den meisten saarl\u00e4ndischen Kommunen befindet sich nicht einmal mehr ein B\u00e4cker oder Metzger. Auf dem Land wird der Weg zum Einkaufen immer l\u00e4nger und aufwendiger. Die gro\u00dfen Discounter locken mit geringeren Kosten mit Schn\u00e4ppchenpreisen. Die etwas teureren Dorfl\u00e4den wurden somit in den letzten Jahren zusehends unter Druck gesetzt. Die Fachleute gehen davon aus, dass in den n\u00e4chsten Jahren noch mehr Menschen ihre Einkaufsm\u00f6glichkeiten in der N\u00e4he verlieren werden.<\/p>\n<p><strong>Fr\u00fcher gab es fast an jeder zweiten Ecke einen kleinen \u00bbTante-Emma-Laden\u00ab. F\u00fcr die Menschen bedeutete dies eine enorme Erleichterung. In meiner Stra\u00dfe der \u201eHerreng\u00e4rten\u201c befand sich ebenfalls einer dieser Kolonialwarenl\u00e4den. <\/strong><strong>In der Zeit von 1957 bis 1977 f\u00fchrte dort Ida Gordner, zusammen mit ihrer Tochter Gretel Maue, einen sogenannten \u201eTante-Emma Laden\u201c. <\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_1031\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1031\" class=\"wp-image-1031 size-medium\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Ida-Gordner-3-300x191.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"191\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Ida-Gordner-3-300x191.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Ida-Gordner-3.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-1031\" class=\"wp-caption-text\">Kolonialwarenladen Ida Gordner<\/p><\/div>\n<p><strong>Nach dem Tode ihres Ehegatten Albert Gordner, im November 1956, war sie aufgrund ihrer nur kleinen Rente gezwungen ihr Einkommen, durch die Leitung ihres Gesch\u00e4ftes, zu erh\u00f6hen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Nach einer abgeschlossenen Umschulung war sie berechtigt ein Lebensmittelgesch\u00e4ft zu f\u00fchren. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Ida Gordner war eine warmherzige und gutm\u00fctige Frau und suchte immer den Dialog zu ihren Kunden. Genau diese Eigenschaft geht heute im Zeitalter des Discounters verloren. <\/strong><strong>Besonders im l\u00e4ndlichen Raum dienten die \u00abTante-Emma-L\u00e4den\u00ab der Nahversorgung mit Lebensmitteln. Viele Menschen waren fr\u00fcher von diesen Kolonialwarenladen abh\u00e4ngig. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Nicht jeder war mobil und im Besitz eines eigenen PKWs. Heute bestimmen die Gro\u00df-Discounter den Markt. Nat\u00fcrlich hat auch dies seine Vorz\u00fcge.<\/strong><\/p>\n<p>Der kleine Laden in den &#8222;Herreng\u00e4rten&#8220; wurde im Jahre 1977 geschlossen. Ida Gordner verstarb am 11.11.1994. Aus meiner Sicht verstarb mit ihr ein Mitglied einer besonderen Generation. Heute w\u00fcnscht man sich sehr oft einen kleinen \u00bbTante-Emma-Laden\u00ab zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Dem l\u00e4ndlichen Raum gehen zusehends Einkaufsm\u00f6glichkeiten verloren. Mit der Schlie\u00dfung des Discounters \u201eNah und Gut\u201c musste unser Dorf einen schmerzhaften Verlust hinnehmen. Vor kurzem schloss zudem unsere letzte einheimische B\u00e4ckerei, f\u00fcr immer, ihre Pforten.<\/p>\n<div id=\"attachment_1015\" style=\"width: 213px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1015\" class=\"wp-image-1015 size-medium\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/dirmingen704-203x300.jpg\" alt=\"\" width=\"203\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/dirmingen704-203x300.jpg 203w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/dirmingen704.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 203px) 100vw, 203px\" \/><p id=\"caption-attachment-1015\" class=\"wp-caption-text\">Kolonialwarenladen Schwammbach<\/p><\/div>\n<p>Generationen wuchsen praktisch mit den Br\u00f6tchen dieser kleinen, aber feinen, B\u00e4ckerei auf.<\/p>\n<p>Dies hat nun ein Ende und ein weiteres Kapitel Dirminger Geschichte wurde beendet. Nat\u00fcrlich sind wir froh dar\u00fcber, dass wir noch eine weitere B\u00e4ckerei in Dirmingen haben. F\u00fcr unsere Bev\u00f6lkerung gibt es jedoch immer weniger M\u00f6glichkeiten. Man muss heute schon froh sein, wenn man \u00fcberhaupt noch Gesch\u00e4fte in seinem Dorf vorfindet.<\/p>\n<p>An dieser Stelle sollten wir uns alle auch einmal selbstkritisch hinterfragen. Haben wir die vorhandenen Einkaufsm\u00f6glichkeiten ausreichend genutzt? Haben wir nicht zu oft den Weg zum n\u00e4chsten Discounter gew\u00e4hlt? Diese Frage muss sich jeder selbst beantworten.<\/p>\n<p><strong>Neben dem Kolonialwarenladen von Ida Gornder, gab es in Dirmingen weitere bekannte \u201eTante Emma-L\u00e4den\u201c. In der heutigen Mozartstrasse z.B war der Kolonialwarenladen \u201eB\u00f6ttcher\u201c ans\u00e4ssig. Au\u00dferdem gab es weitere L\u00e4den im M\u00fchlbach, in der heutigen Urexweilerstrasse und auf dem Hundsberg u.s.w. Auch die L\u00e4den \u201eH\u00e4rtel\u201c oder \u201eSchwammbach\u201c waren bei der Bev\u00f6lkerung sehr beliebt. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Im Laufe der Jahre wurden viele L\u00e4den ge\u00f6ffnet und nach einiger Zeit wieder geschlossen. <\/strong><\/p>\n<p><strong>In diesen \u201eTante- Emma-L\u00e4den\u201c fanden die Einheimischen alles was Sie zum Leben ben\u00f6tigten: Br\u00f6tchen, Milch, frisches Obst, Gem\u00fcse, Wurst, Seife, Waschpulver oder Getr\u00e4nke. Heute denkt man mit Wehmut an diese Zeit zur\u00fcck. Es ist nun mal so wie es ist!<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_1014\" style=\"width: 257px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1014\" class=\"wp-image-1014 size-medium\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/A-H\u00e4rtels33-247x300.jpg\" alt=\"\" width=\"247\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/A-H\u00e4rtels33-247x300.jpg 247w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/A-H\u00e4rtels33-644x782.jpg 644w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/A-H\u00e4rtels33.jpg 700w\" sizes=\"auto, (max-width: 247px) 100vw, 247px\" \/><p id=\"caption-attachment-1014\" class=\"wp-caption-text\">Kolonialwarenhandel H\u00e4rtel<\/p><\/div>\n<p>In anderen Ortschaften geht man mittlerweile wieder \u201eBack to the Roots\u201c und versucht durch B\u00fcrgerinitiativen oder Genossenschaften eine Selbstversorgung zu gew\u00e4hrleisten. Die Bem\u00fchungen um eine neue Verkaufsst\u00e4tte in unserem Dorf laufen auf Hochtouren. Gerade f\u00fcr die \u00e4lteren Menschen w\u00e4re ein neues Gesch\u00e4ft dringend von N\u00f6ten. Aufgrund seiner vorhandenen Infrastruktur ist Dirmingen f\u00fcr Gewerbetreibende kein schlechtes Pflaster.<\/p>\n<p><strong>Ich habe davon geh\u00f6rt, dass ein gro\u00dfer Discounter Interesse ge\u00e4u\u00dfert h\u00e4tte, eine Filiale in Dirmingen zu er\u00f6ffnen. Obwohl noch einige Details gekl\u00e4rt werden m\u00fcssen, w\u00e4re diese Entwicklung nat\u00fcrlich zu begr\u00fc\u00dfen. Nat\u00fcrlich m\u00fcssen vorher einige Fragen beantwortet werden. Die Frage: Wer baut wann, was, wohin? Stellt sich nat\u00fcrlich jedem echten Dirminger. Geredet wird viel und keiner wei\u00df genaueres! Ob es tats\u00e4chlich in naher Zukunft eine neue Einkaufsquelle in Dirmingen gibt, steht noch in den Sternen. Ich w\u00fcnsche mir trotz allen H\u00fcrden, einen offenen und fairen Dialog. Schuldzuweisungen bringen am Ende keinem etwas. <\/strong><\/p>\n<p>Ich gehe mal davon aus, dass jeder der in diesem Dorf lebt etwas Gutes f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung bewirken m\u00f6chte. In diesem Fall sollten wir alle partei\u00fcbergreifend die Kr\u00e4fte mobilisieren. Wir alle sollten die zwischenmenschlichen Beziehungen hintenanstellen und zusehen, dass wir wieder eine neue Einkaufsm\u00f6glichkeit f\u00fcr unser Dorf schaffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich kann mich noch gut erinnern, wenn an der T\u00fcr die Glocke klingelte, hatte das etwas einladend Heimisches. Die fr\u00fcheren Kolonialwarenl\u00e4den waren mit ihrem nostalgischen Einkaufscharme eine lokale Kommunikations- und Informationsst\u00e4tte. Als kleiner Junge schickten mich meine Eltern \u00f6fter zum Einkaufen. Dies war, im Gegensatz zu heute, kein Problem. 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