{"id":12395,"date":"2022-03-20T15:59:07","date_gmt":"2022-03-20T14:59:07","guid":{"rendered":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=12395"},"modified":"2022-03-31T12:53:10","modified_gmt":"2022-03-31T11:53:10","slug":"dirmingen-ein-tag-im-jahr-1664","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=12395","title":{"rendered":"Dirmingen &#8211; Ein Tag im Jahr 1664"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Dirmingen im sp\u00e4ten Mittelalter. Das heutige Saargebiet lag auch noch im Jahre 1664 in Tr\u00fcmmern. Die Auswirkungen des 30-j\u00e4hrigen Krieges waren immer noch deutlich zu sp\u00fcren. Ganz langsam erwacht das Land aus seiner Lethargie. Die Menschen in den D\u00f6rfern sind immer noch damit besch\u00e4ftigt, dass eigene \u00dcberleben zu sichern. Es waren schwere Zeiten voller Sorgen und Entbehrungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Wie aber sah es damals, kurz nach dem 30-j\u00e4hrigen Krieg, in unserem D\u00f6rfchen aus? Ein Versuch einen Tag in Dirmingen im Jahre 1664 zu rekonstruieren sollte naturgem\u00e4\u00df scheitern. Schlie\u00dflich war ich aus nat\u00fcrlichen Gr\u00fcnden selbst nicht dabei. Ich habe einmal mehr versucht einen Tag in Dirmingen, im Jahre 1664, nachzustellen. Ich werde bei diesem Versuch bestimmt nicht frei von Fehlern gehandelt haben. Dennoch oder \u201cgraad se l\u00e4\u00e4ds\u201d m\u00f6chte ich es wagen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong><em>Pfarrer Laurentius Auracher ist erst vor kurzer Zeit in dem kleinen Dorf, an Als und Ill angekommen. Das Kr\u00e4hen des Hahnes hat ihn aufgeweckt. Laurentius \u00f6ffnet die Augen und nimmt einmal tief Luft. Die Reisestrapazen stecken ihm noch immer in den Knochen. Die Bewohner haben ihm die letzten Tage Zeit gegeben anzukommen. Die Reise von Stra\u00dfburg nach Dirmingen war beschwerlich. Der K\u00fcster blickt kurz ins Zimmer, nickt und sagt:\u201c Sie sind wach, wollte den Herrn Pfarrer gerade aufwecken.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Der Pfarrer klettert aus seinem Bett und tritt vor den matten Spiegel. Sein Spiegelbild zeigt einen mageren, m\u00fcden und unrasierten Mann. Laurentius Auracher ist froh endlich in Amt und W\u00fcrden zu sein. Die Gemeinde hat ihrem neuen Pfarrer in dem 1634 erbauten Schulhaus, vor der Kirche, ein Zimmer eingerichtet. Dieses Zimmer diente schon seinem Vorg\u00e4nger Georg Zedinger, der von 1634 bis 1643, in den schlimmsten Kriegswirren, seinen Dienst in der kleinen Gemeinde leistete. Als Pfarrer Zedinger im Jahre 1643 das Dorf verlie\u00df, waren die Menschen bis zum Jahre 1664 ohne geistlichen Beistand. Nun wird Pfarrer Auracher sein schwieriges Erbe antreten. Was wird ihn erwarten? Wir schreiben das Jahr 1664 das Land ist noch immer vom 30-j\u00e4hrigen Krieg gezeichnet. Immerhin verf\u00fcgt das Dorf \u00fcber ein kleines Gotteshaus. &nbsp;Auracher sortiert seine m\u00fcden Knochen und w\u00e4scht sich noch einmal mit dem Wasser des Vortages sein Gesicht. Gerne w\u00e4re er noch liegen geblieben, aber der Meier des Dorfes Hans Sultzen verlangte danach ihn kennenzulernen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"600\" data-id=\"7792\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/40.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7792\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/40.jpg 900w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/40-300x200.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/40-700x467.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/40-768x512.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/40-120x80.jpg 120w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"900\" height=\"675\" data-id=\"7791\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/20.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7791\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/20.jpg 900w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/20-300x225.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/20-700x525.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/20-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong><em>Beim Verlassen seines Zimmers klopft er noch einmal seinen staubigen Mantel aus. Als er seine Stube verl\u00e4sst geht er vorbei an dem leeren Schulraum und h\u00e4lt noch einmal kurz inne. Wann wird hier endlich wieder ein geregelter Unterricht stattfinden k\u00f6nnen. Der Pfarrer hat gro\u00dfen Respekt vor den Menschen in diesem Dorf. Das Schulhaus wurde im Jahre 1634 inmitten des verheerenden 30-j\u00e4hrigen Krieges erbaut. Woher nahmen die Menschen in dieser schweren Zeit ihre Kraft und Zuversicht. Auracher zieht den Kragenmantel hoch und bleibt kurz vor der Kirche stehen. Es ist kalt. Das alte Bauwerk ist, obwohl es den Krieg \u00fcberstanden hat, in die Jahre gekommen. Das kleine Kirchlein ist das einzig gemauerte Bauwerk in dem Dorf. Die anderen 30 H\u00e4user und H\u00f6fe bestehen aus Holz, Lehm und Stroh.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Gut, dass Graf Gustav Adolf von Nassau-Saarbr\u00fccken, sich an den Wiederaufbau des vom Krieg zerst\u00f6rten Landes machte und gefl\u00fcchtete Landeskinder zur\u00fcckholte. Das Dorf ben\u00f6tigt unbedingt Neusiedler. Am besten junge Familien mit Kindern. Die Landwirtschaft sucht helfende H\u00e4nde und die im Dorf vorhandenen Facharbeiter ben\u00f6tigen Arbeitskr\u00e4fte. Am Ende des Krieges lebten in dem Dorf noch 6 Menschen. Im Nachbarort Eppelborn hingegen fand man nur noch eine \u00e4ltere Frau vor. Es ist gut, dass es nun wieder aufw\u00e4rts geht. Das kleine Taldorf am Zusammenfluss der Als- und Illbach verf\u00fcgt \u00fcber reichlich Land. Der Ort ist umgeben von Wiesen, W\u00e4ldern und Fluren. Eigentlich wollte Auracher Pfarrer in einer gro\u00dfen Stadt werden. Am Ende konnte er froh sein, als er das Angebot von dem kleinen Illtaldorf erhielt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong><em>Die Stra\u00dfe ist noch vom Winter gezeichnet. Jeder Schritt ist schwer oder  landet in einer Pf\u00fctze. Der lehmige Untergrund erschwert das Gehen. Ein Viehwagen kommt ihm in H\u00f6he des Wagners entgegen. Der Bauer nimmt keine R\u00fccksicht und f\u00e4hrt einfach drauflos. Auracher muss mit einem kleinen Sprung zur Seite ausweichen. Es ist der M\u00fcller Veltes der m\u00fcrrisch seinen Weg nimmt und den Geistlichen anfaucht: \u201cSeid Eure Geistlichkeit der Neue?\u201c Auracher nickt und hebt die Hand zum Gru\u00df. \u201eHabt ihr Leut, beim Oberamt sitzen?\u201c Auracher sch\u00fcttelte den Kopf. Der M\u00fcller winkte w\u00fctend ab und l\u00e4sst den Geistlichen stehen. Auracher fragte sich, was der M\u00fcller wohl von ihm wollte.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"427\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/1-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2378\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/1-2.jpg 600w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/1-2-300x214.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption>&#8222;Kl\u00e4se Haus&#8220; erbaut 17.Jahrhundert<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Der Pfarrer ahnt nicht, dass das Oberamt in Ottweiler regelm\u00e4\u00dfig die M\u00fchlenrechte eines Dorfes vergibt. In vielen D\u00f6rfern sorgte dies f\u00fcr einen harten Konkurrenzkampf und b\u00f6ses Blut. Immerhin verf\u00fcgt das Dorf \u00fcber eine Lochm\u00fchle, eine Wasserm\u00fchle und auch \u00fcber eine \u00d6lm\u00fchle. Jeder m\u00f6chte \u00dcberleben. Die Landwirtschaft hat sich in den letzten Jahren erholt und mittlerweile k\u00f6nnen die Menschen wieder vom Felde leben. Besonders in den Jahren von 1570 bis 1630 herrschte eine kalte Jahreszeit. Dies zog Missernten, Hungersn\u00f6te und b\u00f6se Epidemien wie zum Beispiel den schwarze Tod mit sich. Aurachers Familie hat die Pest \u00fcberlebt. Er fragt sich, wie es wohl hierzu Lande war.  Auf seinem Weg nach Dirmanges berichtete ihm der Rittmeister davon, dass viele Bewohner w\u00e4hrend des Krieges vor der anr\u00fcckenden Soldateska in die befestigten St\u00e4dte oder in die W\u00e4lder fl\u00fcchteten. Manche kehrten wieder Heim und Andere begannen woanders ein neues Leben. Viele Menschen starben nicht durch die Hand der Soldateska oder den marodierenden Landsknechten, sondern an Typhus, Grippe, Hunger oder der Pest.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong><em>Der Pfarrer atmet tief durch und blickt kurz zum Himmel. Auracher glaubt fest daran, dass der Teufel sein b\u00f6ses Spiel treibt. Der Krieg war nur ein Teil des Ganzen. Der Pfarrer ist sich sicher, dass b\u00f6se M\u00e4chte f\u00fcr Krieg und Krankheit verantwortlich sind und auch die Ernte zerst\u00f6rten. Als er seinen Weg fortsetzten m\u00f6chte, vernimmt er einen lauten Ruf. Margaretha die Frau des Wagners eilt schnellen Schrittes hinter ihm her. Auracher bleibt stehen und wartet auf die \u00e4ltere Frau. \u201eWas ist euer Begehren Weib?\u201c Die Wagners Frau ist au\u00dfer Atem und keucht: \u201eDie Anna das Weib des Kiefers ist eine Kr\u00e4uterhex\u201c. \u201eWas sagt ihr da Weib?\u201c fragt der Pfarrer ersch\u00fcttert.\u201c Ja, ich bin mir gewiss, dass es bei dem Kiefer mit dem Teufel zugeht.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Aurachers Mime verfinstert sich und sein Blick geht entschlossen zur\u00fcck in Richtung Ortsmitte. \u201eSagt, k\u00f6nnt ihr euren Verdacht begr\u00fcnden?\u201c sagte der Pfarrer. \u201eJo, gewiss, Sie hat seit letzten Sommer Sprossen im Gesicht und geht in der Fr\u00fch zur Kr\u00e4utersuche, sagt an Herr Pfarrer, geh\u00f6rt es sich nicht, in der Fr\u00fch des Mannes Leib zu versorgen?\u201c Auracher nickte zustimmend: \u201eKommt lasst uns sehen was sie dazu sagt, der Meier kann warten und hat gewiss auch noch sp\u00e4ter Zeit.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong><em>Jacob Veltes sieht den Geistlichen und die Frau an seinem Haus am Br\u00fchl vor\u00fcbergehen. \u201eWohin des Weges Pfaffe? Sagt, was treibt ihr mit des Wagners Weib?\u201c Auracher bleibt stehen und blickt zur Stallung des Bauers.\u201c Wir verlangen Zeugnis von der Kiefer Anna, man sagt sie w\u00e4re eine Gewitterhex\u201c Der Bauer spukt dreimal auf den Boden.\u201c Das k\u00f6nnte ich mir denken,\u201c raunt der Bauer. \u201eSeid der Kiefer Johann mit seinem Weibe hier lebt, ist die Ernte nichts wert<\/em>\u201c.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Auracher wei\u00df genau, dass gerade f\u00fcr Missernten die schwarze Magie verantwortlich gemacht wird. Der Pfarrer nickt dem Bauer zu und geht entschlossen seines Weges.\u201c Margarethe, sieh zu, dass du Heim zu deinem Manne gehst,\u201c ruft Jacob Veltes der Wagner Frau hinterher. \u201eDas hier ist M\u00e4nnerwerk\u201c. Margarethe Wagner nickt versch\u00e4mt, bleibt stehen und geht mit gesenktem Haupt Nachhause.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong><em>Das Dorf besteht aus einem Ortskern und vielen Streuh\u00f6fen. Auf einem dieser H\u00f6fe in Richtung der Burg Kerpen, am Rande des Ortes, lebt der Kiefer Johann mit seiner Anna. Die Wagner Frau hat ihm den Weg beschrieben. Als er auf dem Hof des Kiefers ankommt schl\u00e4gt sein Herz. Das Geh\u00f6f besteht aus einer Stallung, einer Scheune und einem Fruchtspeicher der zudem als Vorratskeller dient.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Johann Kiefer ist damit besch\u00e4ftigt Holz zu schlagen und ruft dem Pfarrer zu:\u201c Ach, was f\u00fchrt den neuen Pfaffen auf meinen Hof? Sagt, was ist euer Begehren? Ich kann nichts mehr geben, habe erst im letzten Jahr der Kirche gestiftet. Die Zeiten sind hart und es reicht gerade f\u00fcr mein Weib und mich.&#8220; Der Pfarrer mustert den Bauern und fragt: \u201eSagt Bauer, wo ist eure Frau die Anna?\u201c Der Kiefer sagt besorgt: \u201eUnten an der Ill zum W\u00e4sche machen, warum?\u201c Der Pfarrer setzte sich auf einen Holzstamm und kramte eine Pfeife aus seiner Tasche: \u201eGeht Sie holen, ich werde euch berichten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em><strong>Als der Bauer mit seinem Weib zur\u00fcckkommt stehen beide mit ernster Mime und verschr\u00e4nkten Armen dem Geistlichen gegen\u00fcber. \u201eWas begehrt ihr Pfaffe?\u201c faucht die zierliche, rothaarige Anna den Pfarrer entgegen. \u201eMan sagt ihr seid des Teufels\u201c raunt der Pfarrer. Der Bauer holt tief Luft und nimmt sein Weib fest in den Arm.\u201c Meine Anna, sei mit dem Teufel? Wer sagt dies?\u201c<\/strong> <strong>Auracher mustert das Paar und pr\u00fcft jede Gestik. \u201eSagt, seid wann hat dein Weib diese Sprossen im Gesicht?\u201c Kiefer lacht und sagt: \u201eSchon immer, seid ich Sie zum Weibe nahm.\u201c Auracher f\u00e4hrt fort:\u201c Sagt, was macht euer Weib gen die Fr\u00fch im Walde und sammelt Kr\u00e4uter?\u201c Die beschuldigte Anna faucht zur\u00fcck:\u201c Genug damit, der Salbei ists, den ich brauche f\u00fcr die Frau des K\u00f6hlers. Sie ist geplagt von schweren Halsschmerzen.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Der Pfarrer zieht an seiner Pfeife und fragt: \u201eNehmt ihr des Teufels Hilfe an um der Frau zu helfen?\u201c Anna Kiefer antwortet mit Tr\u00e4nen in den Augen: \u201eNein, Gott sei mein Zeuge, ich bringe Salbei und hoffe auf Genesung, wer legt mir falsch Zeugnis?\u201c Der Pfarrer nickt und sagt: \u201eDes Wagners Frau ist\u2019s.\u201c Johann Kiefer verliert die Fassung: \u201eDie Margarethe hat schon immer ein Auge auf mich geworfen und mochte Anna noch nie leiden\u201c. \u201eNun gut\u201c sagte der Pfarrer. Ich pr\u00fcfe die Angelegenheit und zitiere euch beide zum Protokoll.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong><em>Der Pfarrer nimmt nachdenklich seinen Weg zur\u00fcck ins Dorf und kritzelt w\u00e4hrend dem Gehen ein paar Zeilen auf Papier. Auracher wei\u00df, dass er den Verdacht auch den Lothringern in Tholey melden muss. Bei diesem Gedanken dreht sich ihm der Magen. Mal wieder werden diese Katholiken \u00fcber seine reformierte Gemein urteilen und richten. Nein, er wird Anna dem guten nassauischen Amt Ottweiler \u00fcbergeben. \u201eEs ist schon \u00fcbel genug\u201c, denkt er, dass er nun Pfarrer an der Grenze zu Appelbrun sein muss. Das buseckische Appelbrun liegt ihm nicht und er f\u00fchlt sich seit seiner Ankunft in diesem Lande mehr denn je nassau- saarbr\u00fcckisch.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Auf seinem Weg fragt sich der Pfarrer immer wieder, ob die Anna wirklich eine Hexe ist. Der Geistliche beginnt zu zweifeln und grummelt vor sich hin: &#8222;Sie ist ein h\u00fcbsches, junges Ding und soll schon so fr\u00fch dem Teufel verfallen sein?&#8220; Auracher wei\u00df, dass ein m\u00f6glicher Prozess nicht lange w\u00e4hrt und die Hexen in der Regel auf dem Richtplatz unterhalb des Schaumberges verbrannt werden. Der Pfarrer tr\u00f6stet sich selbst und murmelt: \u201eNein den Lothringern lasse ich Sie nicht. Auf der alten Schaumburg werden ohnehin nur schweren Vergehen gerichtet. Ich \u00fcberlasse meine Leut\u2018 nicht den lothringischen Katholiken.\u201c In Gedanken nimmt er seinen Weg vorbei an der Hohlgasse. Es stinkt nach G\u00fclle und vereinzelt bellt ein Hund. Vor der Kirche tummeln sich eine Handvoll Kinder.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em><strong>Ein lautes Husten rei\u00dft ihn aus seinen Gedanken: \u201cAch\u2018 was, da ist ja unser neuer Pfaffe\u201c sagte der Meier. \u201eEinfach so sitzen l\u00e4sst er mich. Sagt an, was denkt ihr euch dabei, glaubt ihr ich habe Zeit genug euch abzuwarten? Pfarrer Auracher blickt den Meier verlegen an und sch\u00fcttelt das Haupt. \u201eGehabt euch wohl, nein wei\u00df Gott nicht, edler Meier. Des Wagners Frau hegte den Verdacht, dass des Kiefers Anna eine Hex w\u00e4r\u2018\u201c Der Meier beginnt lauthals zu lachen: \u201cAha, jetzt ist es also die Anna. Das d\u00fcrft ihr nicht glauben. Margarethe ist verr\u00fcckt und sieht Gespenster. Jeden Tag deutet sie eine andere Frau als Hex. Ihr seid ihr auf dem Leim gegangen.\u201c Der Meier lacht und h\u00e4lt sich den Bauch.<\/strong> <strong>Der Pfarrer sagt verlegen: \u201eIch werde den Wagner zur Rede stellen\u201c. Der Meier nickt zustimmend, klopft dem Pfaffen auf die Schulter und lenkt ein:\u201c Kramt euch nicht, kommt mein Weib hat Bier gebraut und Fleisch zubereitet.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Im Hause des Meiers angekommen, zieht Auracher seinen schweren Mantel aus. Die Frau des Meiers Catharina blickte den Pfaffen pr\u00fcfend an und musterte ihn von oben bis unten: \u201eDer soll unser Gemein\u2018 heilen? Da ist nix dran, den werden wir erstmals fett machen m\u00fcssen\u201c Der Meier lacht wieder laut und klopft seiner Frau auf den Hintern. \u201cSetzt euch Pfaffe, erz\u00e4hlt wie es euch bis dato ergangen ist, gef\u00e4llt euch unser D\u00f6rflein?\u201c fragt der Meier.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1440\" height=\"2560\" data-id=\"5342\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/20170630_173212-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5342\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/20170630_173212-scaled.jpg 1440w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/20170630_173212-169x300.jpg 169w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/20170630_173212-644x1145.jpg 644w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/20170630_173212-768x1365.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/20170630_173212-864x1536.jpg 864w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/20170630_173212-1152x2048.jpg 1152w\" sizes=\"auto, (max-width: 1440px) 100vw, 1440px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"845\" data-id=\"5341\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/22-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5341\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/22-1.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/22-1-249x300.jpg 249w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/22-1-644x777.jpg 644w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong><em>Meier Hans Sultzen war ein liebensw\u00fcrdiger Zeitgenosse mit einem vernarbten Gesicht und gro\u00dfen H\u00e4nden. Auracher nahm den Hut vom Kopf und legte ihn auf ein gro\u00dfes Fass. Er sehnte sich nach Ruhe, einem Bad und einem guten Essen. Durstig nimmt er den Kelch mit Bier und leert ihn in einem Zuge. Der Meier schmunzelte und nickte zufrieden. Auracher wusste, was der Meier gro\u00dfe Hoffnung in ihn legte. Das Dorf sollte endlich wieder zur Ruhe kommen und einer besseren Zukunft entgegenblicken. Pfarrer Laurentius Auracher sollte der ins Wanken geratenen Gemeinde endlich wieder Halt geben. Die Menschen sollen sich fortan wieder mehr von Gottes Wort leiten lassen.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>\u201eWisst ihr\u201c, sagte der Meier. \u201eVor Jahren fand man hier nur verbrannte Erde und kahlen Acker. Unser Dorf lag in Tr\u00fcmmern. Seht, hier hab ich eine Schrift des Grafen Johann von Saarbr\u00fccken. Diese gab mir einst der Rentmeister. Lest, wie schlimm es um uns bestellt ward.\u201c Der Pfarrer nimmt das Schriftst\u00fcck zur Hand und liest laut: <strong>\u201eWas zuvor unerh\u00f6rtes Elend \u00fcber das arme Volk ergangen, kann ich nicht denken, dass mir nicht daf\u00fcr graue. Denn ich selbsten in St\u00e4tt, Flecken und D\u00f6rfern kommen, da man nicht ein Haus gefunden, darin nicht vor Hunger verschmachtete tote K\u00f6rper gelegen. Ja, ich hab gesehen, dass die Leute vor Hunger nicht allein allerhand unnat\u00fcrliche Speisen und sich untereinander selbst gefressen, sondern rasend worden, wie die unvern\u00fcnftigen Tier die Sprach verloren.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Auracher legt das Papier zur Seite und blickte den Meier tief in die Augen. \u201eWas wollt ihr von mir?\u201c Hans Sultzen nimmt einen Schluck Bier und sagt: \u201eIch habe eine Auflistung gemacht. In dieser Schrift erkennt ihr wie es seit Jahr und Tag um unser Dorf bestellt ist. Im Jahre des Herren 1650 gab es im D\u00f6rflein nur sechs Haushalte die insgesamt sieben Pferde hielten. Meine Meier-Schrift beweist, dass es von Jahr zu Jahr besser wird.\u201c Auracher nimmt sich das B\u00fcchlein zur Hand und bl\u00e4ttert durch die Seiten. Der Pfarrer nickt anerkennend.\u201c Sch\u00f6n und gut\u201c, sagt Auracher.&#8220; Aber was soll ich damit?&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong><em>Der Meier lacht und nimmt erneut einen gro\u00dfen Schluck aus seinem Kelch. Seine Frau st\u00f6\u00dft ihn zur Seite und stellt Fleisch und Brot auf den Tisch. Auracher f\u00fchlt sich geehrt. Er hat seit Tagen nichts au\u00dfer Brot, vertrocknenden K\u00e4se und Petersilie gegessen. Der Pfarrer wei\u00df ganz genau, dass es in diesen Zeiten nur selten Fleisch gibt \u201eFresst nicht wie die Schweine und achtet darauf nicht zu stopfen\u201c, herrscht die Meier-Frau die beiden M\u00e4nner an.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Die beiden M\u00e4nner sehen sich an und m\u00fcssen unwillk\u00fcrlich lachen. \u201eWas wollt ihr von mir?\u201c wiederholt der Pfarrer seine Frage. Der Meier holt tief Luft und sagt:\u201c Ich verlange von euch, dass ihr desgleichen tut. Verfasst ein Kirchenbuch, in dem ihr genau auflistet, wer st\u00fcrbt oder getauft w\u00fcrde.\u201c Der Pfarrer nickt zustimmend und nimmt einen weiteren Schluck Bier aus seinem Kelch.\u201c Ja, genau, eine gute Sache. So soll es sein.\u201c Beide M\u00e4nner heben die Kelche und schlagen diese aneinander. L\u00e4chelnd nicken sie sich zu: \u201eJa\u201c, sagt der Meier. \u201eEine gute Sache\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"644\" height=\"417\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/00-2-644x417.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5338\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/00-2-644x417.jpg 644w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/00-2-300x194.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/00-2.jpg 700w\" sizes=\"auto, (max-width: 644px) 100vw, 644px\" \/><figcaption>Historisches Kirchenbuch<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Diese Geschichte ist auf der Grundlage historischer Ereignisse frei erfunden, wobei es die namentlich erw\u00e4hnten Personen tats\u00e4chlich gegeben hat. Ziel ist es den Lesern und Menschen meines Heimatortes die Geschichte Dirmingens n\u00e4her zu bringen und das Vergessen zu verhindern. So wie in dieser erfundenen Geschichte, k\u00f6nnte es sich am Ende tats\u00e4chlich zugetragen haben<\/strong>&nbsp;<strong>!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote has-medium-font-size is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><strong>Die ersten Eintragungen, im \u00e4ltesten Kirchenbuch der evangelischen Kirchengemeinde Dirmingen, aus dem Jahre 1664 berichten von vier Kindern, die getauft wurden. In diesem ersten Kirchenbuch finden wir in der Zeit von 1664 bis 1670 insgesamt 34 Taufeintragungen und 15 Beerdigungen. In den Kirchenb\u00fcchern der evangelischen Kirchengemeinde Dirmingen finden wir zudem deutliche Hinweise auf die Entwicklung unseres Dorflebens. <\/strong><\/p><cite>Quelle: &#8222;Gedenket den vorigen Tagen &#8211; Pfarrer Wilhelm Engel<\/cite><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dirmingen im sp\u00e4ten Mittelalter. Das heutige Saargebiet lag auch noch im Jahre 1664 in Tr\u00fcmmern. Die Auswirkungen des 30-j\u00e4hrigen Krieges waren immer noch deutlich zu sp\u00fcren. Ganz langsam erwacht das Land aus seiner Lethargie. Die Menschen in den D\u00f6rfern sind immer noch damit besch\u00e4ftigt, dass eigene \u00dcberleben zu sichern. Es waren schwere Zeiten voller Sorgen und Entbehrungen. Wie aber sah<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5340,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_crdt_document":"","footnotes":""},"categories":[1,973],"tags":[5,85,618,568,127,310],"class_list":["post-12395","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-dirmingen-ein-tag-im-jahr","tag-dirmingen","tag-evangelische-kirche-dirmingen","tag-gemeinde-eppelborn","tag-katholische-kirchengemeinde","tag-landkreis-neunkirchen","tag-saarland"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12395","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12395"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12395\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12411,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12395\/revisions\/12411"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/5340"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12395"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12395"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12395"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}