{"id":12918,"date":"2022-06-11T12:38:41","date_gmt":"2022-06-11T11:38:41","guid":{"rendered":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=12918"},"modified":"2022-06-11T12:49:16","modified_gmt":"2022-06-11T11:49:16","slug":"dirmingen-ein-tag-im-jahr-1922","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=12918","title":{"rendered":"Dirmingen &#8211; Ein Tag im Jahr 1922"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Dirmingen in den 1920-er Jahren. Das Saargebiet \u2013 Franz\u00f6sisch Territoire du Bassin de la Sarre, w\u00f6rtlich \u201eSaarbeckengebiet\u201c \u2013 ist mit einer Fl\u00e4che von 1912 km\u00b2 und 770.030 Einwohnern um ein Viertel kleiner als das heutige Bundesland Saarland. Mit dem Statut, das am 10. Januar 1920 in Kraft tritt, wird das Gebiet zum ersten Mal in seiner Geschichte zu einem, wenn auch k\u00fcnstlich geschaffenen, geschlossenen politischen Territorium zusammengefasst. Hermann R\u00f6chling, Max Braun und der Eppelborner Bartholom\u00e4us Ko\u00dfmann sind zu dieser Zeit herausragende saarl\u00e4ndische Pers\u00f6nlichkeiten.<\/strong> <strong>In die Geschichtsb\u00fccher gingen die 1920-er Jahre als die sogenannte V\u00f6lkerbundzeit ein.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Wie aber sah es damals, kurz nach dem ersten Weltkrieg, in unserem D\u00f6rfchen aus? Ein Versuch einen Tag in Dirmingen im Jahre 1922 zu rekonstruieren sollte naturgem\u00e4\u00df scheitern. Schlie\u00dflich war ich aus nat\u00fcrlichen Gr\u00fcnden selbst nicht dabei. Ich habe einmal mehr versucht einen Tag in Dirmingen, im Jahre 1922, nachzustellen. Ich werde bei diesem Versuch bestimmt nicht frei von Fehlern gehandelt haben. Dennoch oder \u201cgraad se l\u00e4\u00e4ds\u201d m\u00f6chte ich es wagen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em><strong>Georg Schneider ist v\u00f6llig au\u00dfer Atem. Es ist Sonntagmorgen. Der Bergmann hat mit dem Fahrrad den schweren Aufstieg zum \u201eWetschert\u201c genommen. Die Sonne hat an diesem warmen Fr\u00fchlingstag schon einige Kraft.<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Georg Schneider l\u00e4sst sein Rad in die Wiese sinken und blickt schon beim Absteigen gebannt in Richtung des provisorisch angelegten Spielfeldes. \u201eWie steht\u2019s\u201c, fragt er einen vorbeigehenden Bauern. \u201cKeine Ahnung, wenn k\u00fcmmert diese Balltippelei, die w\u00fcrden besser in die Kirche gehen\u201c, raunt der Bauer und zieht seinen Weg.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Seit einigen Monaten trifft sich die DJK auf dem \u201eWetschert\u201c, um Fu\u00dfball zu spielen. Schneider ist fasziniert von diesem Sport und w\u00fcrde zu gerne mitspielen. Leider ist er nicht mehr der J\u00fcngste und seine Beine machen im in letzter Zeit schwer zu schaffen. Der Krieg hat auch bei ihm und seiner Familie tiefe Wunden hinterlassen. Der Fu\u00dfball bringt Abwechslung in diese schwere Zeit. Er spart jeden Franc, um sich eine Zeitung zu kaufen, um darin die neusten Ergebnisse zu erfahren.<\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"428\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/djk-700x428.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12925\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/djk-700x428.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/djk-300x184.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/djk-768x470.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/djk.jpg 1100w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><figcaption>DJK Dirmingen<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Schneider kennt alle Tricks und Regeln und widmet seine gesamte Freizeit dem Fu\u00dfballsport. Seine Frau findet seine Liebe zum Fu\u00dfball nicht so gut und w\u00fcnschte sich, dass er \u00f6fter zu Hause w\u00e4re. W\u00e4hrend der Woche ist er als Bergmann unter Tage besch\u00e4ftigt. Jeden Tag als \u201eHartf\u00fc\u00dfler\u201c zur Grube wandern und am Wochenende das eigene Vieh zu versorgen kostet viel Kraft. Seine Frau Luise h\u00e4lt ihm den R\u00fccken frei und betreibt die hauseigene Landwirtschaft. Im Jahre 1922 verf\u00fcgt Frankreich \u00fcber die Gruben an der Saar. Mehr als 70.000 Bergleuten im Saargebiet arbeiten t\u00e4glich f\u00fcr die Franzosen. Auch in der Elektrizit\u00e4tswirtschaft, dir Stahlindustrie und das Bankwesen hat Frankreich eine dominierende Stellung. Dies st\u00f6\u00dft bei den Menschen an der Saar nicht auf Gegenliebe. Immer mehr Leute wollen zur\u00fcck und sehnen sich nach einer Wiedereingliederung ins Deutsche Reich.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Gebannt beobachtet Georg Schneider das Spiel der DJK und bemerkt dabei nicht, dass sein Freund Toni Br\u00fcck hinter ihm steht: \u201eNa du, warst heute sp\u00e4t an, mein Freund, dachte schon du kommst heute nicht.\u201c Georg Schneider blickt grinsend nach hinten, dreht sich um und klopft seinem Freund anerkennend auf die Schulter. Toni Br\u00fcck ist ein gutes St\u00fcck j\u00fcnger und spielt in den \u00dcberlegungen von Georg Schneider eine gro\u00dfe Rolle.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">&nbsp;<em>\u201eWei\u00dft du, wie es steht\u201c? Br\u00fcck sch\u00fcttelt den Kopf und sagt: \u201eKeine Ahnung, aber das, was die DJK hier bietet hat nichts mit Fu\u00dfball zu tun.\u201c Schneider kaut auf seinen Lippen und entgegnet: \u201eImmerhin versuchen Sie Fu\u00dfball zu spielen\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>\u201eGlaubst du, einige dieser Jungs schlie\u00dfen sich uns an?\u201c, fragte Br\u00fcck. Schneider zuckt mit den Schultern und fl\u00fcstert leise: \u201cEgal, es muss auch so gehen\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Toni Br\u00fcck schmunzelt und raunt: \u201eDir kann es wohl nicht schnell genug gehen? Wir brauchen Zeit und m\u00fcssen es behutsam angehen\u201c. Schneider nimmt tief Luft, bei\u00dft auf die Lippen und nickt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>\u201eEin Bier?\u201c, fragt Toni Br\u00fcck seinen Freund und h\u00e4lt ihm eine braune Flasche \u201eSch\u00e4fer Bier&#8220; entgegen. \u201eJa klar\u201c, er l\u00e4chelt und nimmt umgehend einen tiefen Schluck.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Die beiden M\u00e4nner lassen sich in das hohe Gras fallen und beobachten das Fu\u00dfballspiel.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>\u201eGlaubst du, dass der 1. FC N\u00fcrnberg Deutscher Meister wird?\u201c, fragt Georg seinen Freund. \u201eKeine Ahnung, ich habe gelesen, dass der Hamburger SV eigentlich recht gut sein soll.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>\u201eMeinst du, wir k\u00f6nnen einige dieser DJKler f\u00fcr unsere Sache gewinnen\u201c, fragt Schneider erneut.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>\u201eGeorg\u201c, raunt Toni Br\u00fcck, \u201ewir m\u00fcssen zusehen, dass unsere Sache auf festen Beinen steht. Die DJK ist ein kirchlicher Verein, der sich der Sache aus Spa\u00df annimmt. \u201eWenn wir uns dazu entscheiden, will ich richtig Fu\u00dfball spielen, ich meine gegen andere St\u00e4dte und D\u00f6rfer nicht nur so eine Fu\u00dftippelei auf der Wiese.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Georg Schneider nickt zustimmend und prostet seinem Freund zu. \u201cVor allen Dingen brauchen wir einen richtigen Platz, hier auf \u201eWetschert\u201c k\u00f6nnen wir nicht spielen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>\u201eWei\u00dft du Toni\u201c, sagt Schneider, \u201eich sch\u00e4tze den Mut und die Entschlossenheit dieser Jungs da auf der Wiese. Mir dauert das alles viel zu lange, es muss heute passieren.\u201c Toni Br\u00fcck grinst, nickt und nimmt einen kr\u00e4ftigen Schluck Bier.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>\u201eLass uns doch mal wieder zum Turnverein gehen, man sagt, die haben neue \u00dcbungsger\u00e4te bekommen und immer mehr junge M\u00e4nner haben sich zuletzt dem Verein angeschlossen. Vielleicht k\u00f6nnten wir zusammen\u2026\u201c.\u201cNein\u201c faucht Schneider seinen Freund an. Er sch\u00fcttelt den Kopf und sagt: \u201eNein, Toni, ich will Fu\u00dfball spielen. Leibes\u00fcbungen musste ich im Krieg zu gen\u00fcge absolvieren.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>\u201eSag mal, hast du von diesem Hitler gelesen? Die Bayern wollen den nun als unerw\u00fcnschten Ausl\u00e4nder aus Deutschland in sein Heimatland \u00d6sterreich ausweisen\u201c. \u201eHitler\u201c, raunt Schneider, \u201e&#8230; sitzt der nicht wegen Landfriedensbruch im Gef\u00e4ngnis?\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>\u201eKeine Ahnung, immerhin wehrt sich dieser Kerl und k\u00e4mpft f\u00fcr seine Heimat. Ich bin diese franz\u00f6sischen Besatzer leid. Die Saar sollte endlich wieder deutsch werden.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>\u201eMag sein\u201c, raunte Schneider, \u201emir geht es um Fu\u00dfball. Ich m\u00f6chte einmal in einem eigenen Stadion ein Spiel ansehen. Die paar Franc, die ich auf der Grube verdiene, reichen kaum aus meiner Familie zu ern\u00e4hren. Wenn das so weiter geht, droht uns eine Inflation. Was k\u00fcmmert mit mich da ein Hitler\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Die Kirchenglocken schl\u00e4gt 12 Uhr mittags. Georg Schneider springt auf, nimmt den letzten Schluck Bier und steigt auf sein Rad. \u201eBis heute Mittag. Ich muss los, Luise hat gekocht.\u201c Sein Freund bleibt entspannt im Gras sitzen, nickt und winkt hinterher.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Luise Schneider steht am Herd und r\u00fchrt in einer m\u00e4chtigen Sch\u00fcssel. Als ihr Mann das Zimmer betritt, sieht sie ihn kopfsch\u00fcttelnd an. \u201eDu bist zu sp\u00e4t Georg, warst du wieder bei der Fu\u00dftippelei\u201c, Georg Schneider sch\u00fcttelt den Kopf und raunt seine Frau an: \u201eDu verstehst es nicht Luise, das ist jetzt eine entscheidende Phase wir sind auf dem Weg.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Luise Schneider schaut ihren Mann l\u00e4chelnd an und fl\u00fcstert ihm \u00fcber den Tisch zu: \u201eNa hoffentlich findet deine Familie bei diesen Pl\u00e4nen auch einen Platz. Der Garten muss bestellt werden, es gibt viel zu tun\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Georg Schneider nickt und setzt sich an den gro\u00dfen Tisch inmitten der K\u00fcche: \u201eDu verstehst es nicht Luise. Du m\u00fcsstest es einmal sehen, wenn Tausende Menschen eine Mannschaft anfeuern, das ist ein Zauber\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Luise lacht und fragt: \u201eBleibst du heute zu Hause? Es gibt viel zu tun.\u201c Georg f\u00e4hrt sich durchs Haar und wirkt verlegen. \u201eDu wei\u00dft doch, was heute f\u00fcr ein Tag ist, Luise. Wir treffen uns doch, um die Sache zu besiegeln.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Luise wirkt ruhig und gefasst. Sie stellt ihm seinen Teller auf den Tisch und faucht ihn an: \u201eWerde endlich erwachsen Georg, das ist nur ein Spiel\u201c. \u201eNein\u201c, entgegnet George Schneider, \u201ees ist nicht nur ein Spiel. Es ist etwas Besonderes, Luise. Warum willst du das nicht verstehen?\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Valentin Wagner ist ein umsichtiger und interessierter Ortsvorsteher. Das Dorf hat im Ersten Weltkrieg viel gelitten. Zahlreiche junge M\u00e4nner sind nicht mehr nach Hause gekommen und an der Front gefallen. Die Menschen in dem Dorf haben viele Sorgen und Wagner versucht, die Dorfgemeinschaft zusammenzuhalten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Als Valentin Wagner den Brauereiberg in Richtung Gemeindehaus geht, kommt ihm Georg Schneider entgegen. \u201eUnd\u201c, fragt der Ortsvorsteher \u201eWohin des Weges?\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>\u201eIch muss noch einige Gespr\u00e4che f\u00fchren\u201c, raunt Schneider. \u201eSag mal\u201c sagt der Ortsvorsteher \u201emacht ihr wirklich ernst? Wollt ihr einen Fu\u00dfballverein gr\u00fcnden? Habt ihr euch das gut \u00fcberlegt?\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Schneider schaut seinen Ortsvorsteher entschlossen an und entgegnet ihm: \u201eWas sollte dagegensprechen, wir wollen doch nichts anderes als Fu\u00dfball spielen.\u201c Der Ortsvorsteher lacht und klopft Schneider anerkennend auf die Schulter: \u201eJa, da spricht tats\u00e4chlich nichts dagegen. Aber macht doch gemeinsame Sache mit dem Turnverein, da w\u00e4re doch allen geholfen. Lasst euch doch zumindest beraten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Schneider schmunzelt und sagt: \u201eWir bilden eine Fu\u00dfballmannschaft und keine Regierung, mein lieber Ortsvorsteher. Ich wei\u00df, was ich will und wohin der Weg f\u00fchren soll. Entlang der Ill haben bereits einige D\u00f6rfer einen Fu\u00dfballverein gegr\u00fcndet. Ich bin mir sicher, dass wir das auch schaffen werden.\u201c &nbsp;Die beiden M\u00e4nner grinsen, nicken sich zu und gehen ihren Weg.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Als Schneider schon einige Meter davon ist, h\u00f6rt er den Ortsvorsteher rufen: \u201eBleibt es bei euren Pl\u00e4nen bez\u00fcglich \u201eKirschborn\u201c? \u201eJa, da wollen wir spielen\u201c, erwidert Schneider. \u201eDer Turnverein turnt gerade im Br\u00fchl\u201c, erwidert der Ortsvorsteher. \u201cNa, da wollen wir nicht im Wege stehen\u201c, sagt Schneider und geht seinen Weg.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Schneider hat es eilig. Er m\u00f6chte zu Hermann Spier und mit ihm \u00fcber seine Pl\u00e4ne reden. Hermann Spier k\u00f6nnte das Kassenwesen \u00fcbernehmen. Leider ist der Sportsfreund von dieser Idee nicht so begeistert.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Als Georg Schneider das Haus von Hermann Spier verl\u00e4sst, ist er voller Zuversicht. Zuhause angekommen umarmt er seine Frau Luise: \u201eWir werden es schaffen, mein Engel\u201c, fl\u00fcstert er ihr ins Ohr.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Sie l\u00e4chelt und erwidert: \u201eDu und dein Fu\u00dfball!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Es ist 15:05 Uhr. Georg Schneider sitzt an der Theke des Gasthauses \u201eJohne Saal\u201c und blickt gebannt auf die Eingangst\u00fcr. Wer wird Wort halten und seiner Einladung folgen? Im Laufe der Woche hat er \u00fcber 30 M\u00e4nner des Dorfes zu einer Gr\u00fcndungsversammlung eingeladen. Die bisherigen Besprechungen verliefen chaotisch und lie\u00dfen wenig Grund zur Hoffnung.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Toni Br\u00fcck kommt zur T\u00fcr herein und winkt seinen Freund zu. Georg Schneider wei\u00df, dass er sich auf seinen Freund verlassen kann. Mit seiner Gr\u00f6\u00dfe und seine elegante Spielweise wird er der Mannschaft helfen k\u00f6nnen. Wie oft hat er davon getr\u00e4umt, eine eigene Fu\u00dfballmannschaft anf\u00fchren zu d\u00fcrfen. Jetzt steht er kurz davor, seinen Traum zu verwirklichen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Als n\u00e4chstes betreten Albert, Willi und Ernst Gehres die Gastst\u00e4tte. Schneider winkt kurz und nimmt einen kr\u00e4ftigen Schluck Bier.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Der Gastwirt Johne Dick rei\u00dft Georg Schneider aus seiner Haltung. \u201eIch habe den Nebenraum fertig gemacht, seht zu, dass ihr um 18:00 Uhr fertig seid. Der M\u00e4nnergesangsverein hat heute noch seine Probe\u201c. Schneider nickt und nippt nerv\u00f6s an seinem Bier.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Georg Sievert und Hermann Zimmer betreten das Lokal und gehen winkend vorbei in Richtung Nebenraum. Es folgen Georg Meyer, Walter Guth\u00f6rl und Heinrich Heintz.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Schneider verl\u00e4sst die Theke und bewegt sich ebenfalls langsam in Richtung des Nebenraums. In dem gro\u00dfen Saal angekommen nimmt er langsam Platz und versucht den Gespr\u00e4chen der anwesenden Sportfreunde zu folgen. Schneider m\u00f6chte seine Nervosit\u00e4t verbergen und setzt ein breites Grinsen auf.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Martin Neu und Hermann Spier betreten im Gespr\u00e4ch versunken den Nebenraum uns nehmen unmittelbar in Schneiders N\u00e4he Platz. Hermann Spier blickt Schneider lange in die Augen, nickt zustimmend und nimmt seinen Hut vom Kopf.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Mittlerweile ist es 15:30 Uhr und die Sitzung sollte jetzt beginnen. \u201eSch\u00f6n, dass ihr alle da seid\u201c, ruft Schneider in den Raum. Die M\u00e4nner blicken ihn freundlich an. \u201eBitte nehmt jetzt alle einmal Platz, wir wollen gleich beginnen\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Die T\u00fcr \u00f6ffnet sich und Heinrich Herzog, Heinrich Wagner und Friedrich Guth\u00f6rl betreten den Raum. Verlegen schwenken Sie ihren Hut und setzen sich an einen der gro\u00dfen Tische.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>\u201eNun gut\u201c, f\u00e4hrt Schneider fort, \u201eWir sind heute hier zusammengekommen, um\u2026\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Die T\u00fcr \u00f6ffnet sich abermals und Hermann Weyand und Hugo Gordner kommen herein gestolpert. \u201eEntschuldigung\u201c, raunen sie verlegen in die Runde und suchen eine Sitzgelegenheit.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Schneider nickt freundlich und nimmt Luft, um fortzufahren: \u201eAlso, wo waren wir stehengeblieben? Wir haben uns heute hier versammelt, um\u2026\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Vor der Eingangst\u00fcr des Nebenraums h\u00f6rt man pl\u00f6tzlich lautstarke M\u00e4nnerstimmen. Die T\u00fcr \u00f6ffnet sich abermals und Karl Br\u00fcck, Kurt Meng, Jakob Regitz, Ulrich Jakob und der DJK-ler Albert Schaly treten ein. Als sie in die Runde blicken, m\u00fcssen alle Beteiligten unwillk\u00fcrlich lachen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>\u201eJetzt wird es aber Zeit\u201c, faucht Schneider die f\u00fcnf M\u00e4nner an.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>\u201eNur langsam, Rom wurde auch nicht an einem Tage erbaut\u201c, beruhigt Jakob Regitz und zeigt mit seinen Fingern auf eine freie Tischgruppe: \u201eKommt, da ist noch Platz.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Schneider nickt zufrieden und nimmt erneut Anlauf, um mit seiner Rede fortzufahren. Pl\u00f6tzlich \u00f6ffnet sich erneut die schwere Eingangst\u00fcr zum Saal. Schneider senkt fassungslos den Kopf und schl\u00e4gt sich mit der flachen Hand vor die Stirn.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Es ist der Schankwirt Johne Dick, der bewaffnet mit einem gro\u00dfen Block seine Bestellung aufnehmen m\u00f6chte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>\u201eWas belieben die Herren zu trinken?\u201c, raunt der gro\u00dfe schwere Mann.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Schneider platz der Geduldsfaden und sagt laut: \u201eBring einfach nur Bier, die erste Runde geht auf mich\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Johne Dick nickt und geht zur T\u00fcr hinaus. Als Schneider endlich zur Tagesordnung schreiten m\u00f6chte, \u00f6ffnet sich die T\u00fcr aufs Neue. Der Ortsvorsteher Valentin Schneider betritt den Saal, nimmt seinen Hut vom Kopf und gesellt sich zu den M\u00e4nnern. \u201eLasst euch nicht st\u00f6ren\u201c, raunt der gro\u00dfe Mann.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Schneider nickt seinem Ortsvorsteher zu und blickt nerv\u00f6s zur T\u00fcr. Bevor er erneut das Wort ergreifen m\u00f6chte, blickt er noch mal in die Runde. \u201eKann es nun losgehen?\u201c fragt Schneider und versucht erneut die Versammlung zu er\u00f6ffnen: \u201eLiebe Freunde, wir haben uns heute hier versammelt, um\u2026\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>\u201eWie soll sich dein Verein den nennen\u2026\u201c, unterbricht ihn Jakob Regitz aus der hintersten Reihe.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Schneider legt seinen Stift auf den Tisch, klappt seine Mappe zu und nimmt resigniert tief Luft: <strong>\u201eSportverein Dirmingen 1922, ich denke, das w\u00e4re der richtige Name.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Ein Raunen f\u00e4hrt durch den Raum. Die M\u00e4nner nicken sich zustimmend zu.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Toni Br\u00fcck erhebt sich von seinem Platz und sagt: <strong>\u201eDann lasst es uns endlich beginnen.\u201c <\/strong>\u00a0<\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"410\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/1-700x410.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12922\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/1-700x410.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/1-300x176.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/1-768x450.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/1.jpg 1100w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><figcaption>von links: Spier Hermann, unbekannt, Br\u00fcck Wilhelm, Mathias Neu, Richard Gehres, Eduard Seufert, Georg Meyer, Toni Br\u00fcck, Albert Gehres, Heinrich Heintz, Zimmer, unbekannt, Theo Schorr. Ganz rechts der erste Vorsitzende Georg Schneider.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Diese Geschichte ist auf der Grundlage historischer Ereignisse frei erfunden, wobei es die namentlich erw\u00e4hnten Personen tats\u00e4chlich gegeben hat. Ziel ist es den Lesern und Menschen unseres Heimatortes die Geschichte Dirmingens n\u00e4her zu bringen und dem Vergessen entgegenzuwirken. So wie in dieser frei erfundenen Geschichte, k\u00f6nnte es sich am Ende tats\u00e4chlich zugetragen haben<\/strong>&nbsp;<strong>!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Der SV Dirmingen wurde im April des Jahres 1922 im Gasthaus &#8222;Johne Saal&#8220; gegr\u00fcndet. Neben dem langj\u00e4hrigen Vorsitzenden Georg Schneider geh\u00f6rten folgende fu\u00dfballbegeisterte M\u00e4nner zu den Gr\u00fcndungsmitgliedern: Gehres Albert, Gehres Willi, Gehres Ernst, Br\u00fcck Toni, Sievert Georg, Zimmer Hermann, Meyer Georg, Guth\u00f6rl Walter, Heintz Heinrich, Neu Martin, Spier Hermann, Herzog Heinrich, Wagner Heinrich, Guth\u00f6rl Friedrich, Weyand Hermann, Gordner Hugo, Schaly Albert, Br\u00fcck Karl, Meng Kurt, Regitz Jakob und Ulrich Jakob.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Herzlichen Gl\u00fcckwunsch zum 100 Vereinsjubil\u00e4um !<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dirmingen in den 1920-er Jahren. Das Saargebiet \u2013 Franz\u00f6sisch Territoire du Bassin de la Sarre, w\u00f6rtlich \u201eSaarbeckengebiet\u201c \u2013 ist mit einer Fl\u00e4che von 1912 km\u00b2 und 770.030 Einwohnern um ein Viertel kleiner als das heutige Bundesland Saarland. 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