{"id":13726,"date":"2022-10-02T14:00:20","date_gmt":"2022-10-02T13:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=13726"},"modified":"2022-10-02T14:00:22","modified_gmt":"2022-10-02T13:00:22","slug":"dirmingen-ein-tag-im-jahr-1764","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=13726","title":{"rendered":"Dirmingen \u2013 Ein Tag im Jahr 1764"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Dirmingen im 18. Jahrhundert. Auf dem Gebiet des heutigen Saarlandes setzte zu dieser Zeit eine l\u00e4ngere Phase des Friedens ein. Die Grafschaft Nassau-Saarbr\u00fccken trieb die Entwicklung des Landes mit ambitionierten und teuren Bauprojekten voran. Mit dem Saarbr\u00fccker Schloss, der Ludwigskirche oder auch der Residenzstadt Blieskastel entstanden barocke Baukunstwerke. Auch unsere Heimatort war mit dem Neubau der Stengelkirche in der Ortsmitte davon betroffen. Nach dem &#8222;Vertrag von Bockenheim&#8220; im Jahr 1764 lie\u00dfen der K\u00f6nig von Frankreich und der deutsche Kaiser erstmals Grenzsteine in der Saarregion aufstellen. Das 18. Jahrhundert war durchaus gepr\u00e4gt von Ver\u00e4nderungen. Die Schulpflicht wurde eingef\u00fchrt, die Reform von Justiz und Verwaltung fundamentiert und die Gew\u00e4hrung von religi\u00f6ser Toleranz vorangetrieben. \u00dcberall an der Saar wurden Eisen- und Glash\u00fctten gef\u00f6rdert und der Steinkohlebergbau unter staatlicher Obhut systematisiert. In Dirmingen kamen die Menschen erstmals mit der Industrialisierung in Kontakt. Die bis dahin dominierende Landwirtschaft bekam gro\u00dfe Konkurrenz. Immer mehr M\u00e4nner versuchten ihr Gl\u00fcck beispielsweise im Bergbau.&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Wie aber sah es damals, in der zweiten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts in unserem D\u00f6rfchen aus? Ein Versuch einen Tag in Dirmingen im Jahre 1764 zu rekonstruieren sollte naturgem\u00e4\u00df scheitern. Schlie\u00dflich war ich aus nat\u00fcrlichen Gr\u00fcnden selbst nicht vor Ort. Dennoch habe ich einmal mehr versucht einen Tag in Dirmingen im Jahre 1764 nachzustellen. Ich werde bei diesem Versuch bestimmt nicht frei von Fehlern gehandelt haben. Dennoch oder \u201cgraad se l\u00e4\u00e4ds\u201d m\u00f6chte ich es wagen:<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"644\" height=\"749\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/20170417_141044-644x749.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3639\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/20170417_141044-644x749.jpg 644w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/20170417_141044-258x300.jpg 258w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/20170417_141044-768x894.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 644px) 100vw, 644px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Karte der Kalkgruben Dirmingen<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong><em>Es ist der 27. November 1764. An diesem nebelverhangenen Morgen betritt Meyer Valentin Schneider wutentbrannt seine Stube. Schnaufend setzt er sich an den K\u00fcchentisch und schl\u00e4gt mit der Faust auf die m\u00e4chtige Tischplatte. Seine Frau Luise erschrickt und fauchte ihren Mann b\u00f6se an: \u201eMuss das sein?\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Das Ortsoberhaupt blickt mit finsterer Mine zu seiner Frau und erwiderte:\u201c Die Kalkstollersch, k\u00f6nnen es nicht lassen, ich muss dem Oberamt Meldung machen\u201c. \u201eWas bitte kann unser Tisch f\u00fcr deine Wut? Habe ich dir nicht schon dutzendmale gesagt, dass deine Probleme im Dorf nichts in unserer Stube  verloren haben?\u201c<\/em> <em>faucht Luise Schneider zur\u00fcck. <\/em> <em>Valentin Schneider sch\u00fcttelt verlegen das Haupt: &#8220; Du musst das verstehen Frau, der Ackerer Johann Nikolaus Schneider war gerade bei mir und berichtet mir stolz von seinem gekauften Kalk aus der Mine auf dem Belker\u201c.<\/em> <em>Luise wirkt sichtlich gereizt: &#8222;Und was bitte hat diese Kalkmine in unserer Stube verloren?\u201c Schneider erwidert: \u201eAch Weib, du verstehst nichts von Politik, mach dein Geschirr und schweig\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em><strong>Valentin Schneider tr\u00e4gt seit einigen Jahren als Meyer f\u00fcr die Ortschaften Berschweiler, Dirmingen, Exweiler, Hierscheid, Gennweiler und Uchtelfangen <\/strong><\/em><strong><em>Verantwortung<\/em><\/strong><em><strong>. Seit einigen Monaten besch\u00e4ftigten sich einige M\u00e4nner aus Dirmingen und Exweiler mit der Kalkgewinnung auf dem Dirminger Belker. Der Meyer hat diese Gruppe schon mehrmals darauf hingewiesen, dass die Gewinnung und der Verkauf von Kalk nicht ohne die Meldung bei ihm pers\u00f6nlich, dem Oberamt Ottweiler beziehungsweise einem Obersch\u00f6ffen stattfinden darf. Wie zu h\u00f6ren ist, haben sich die M\u00e4nner zum wiederholten Male seiner Aufforderung widersetzt und ohne Genehmigung weiter nach Kalk gegraben.<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Der Meyer kochte vor Wut. Entschlossen erhebt er sich von seinem Stuhl, an dem schweren Tisch und geht in Richtung Haust\u00fcr. Als er nach seinem schweren Mantel greift blickt er nochmal \u00fcber die Schultern zu seiner Frau und sagt: &#8220; Ich muss nach Dirmingen nach einem Boten suchen und dem Oberamt Meldung machen\u201c. Luise schenkt ihrem Mann nur wenig Beachtung und nuschelt:\u201e Tu was du nicht lassen kannst, Mann, aber bleib nicht so lange, du wei\u00dft, dass deine Tochter heute vorbeikommen wollte.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong><em>Valentin Schneider lebte mit seiner Familie in Berschweiler. Z\u00e4hneknirschend spannt er sein einziges Pferd vor das Gespann und nimmt den Weg vorbei an der Alsbach in Richtung Dirmingen. Als er an der im Jahre 1746 erbauten Kirche vorbeif\u00e4hrt, drehte er den Kopf in Richtung Wustweiler.<\/em> <em>Von Ferne sieht er den &#8222;Kammer Fritz&#8220; an seinem Hause arbeiten. Schneider lenkt seine Kutsche in seine Richtung und grummelt sich in den Bart: \u201eM\u00f6chte wissen, mit welchem Putz der Fritz sein Haus macht. Bestimmt hat er den Kalk vom Belker bekommen.&#8220; Am Anwesen des &#8222;Kammer Fritz angekommen zieht er die Z\u00fcgel und herrscht den jungen Mann an: \u201eSag mal Fritz, woher nimmst du deinen Kalk zum Putz deines Hauses ?\u201c \u201eGuten Morgen lieber Meyer, na&#8216; von den Kalkstollersch uff\u2019m Belker nat\u00fcrlich. Die verkaufen billig und liefern schnell\u201c. \u201eJa\u201c, erwidert der Meyer \u201eschnell und unerlaubt\u201c. &#8222;Wie meinst du das?&#8220; fragt der junge Mann verlegen zur\u00fcck. Margarethe die Frau des &#8222;Kammer Fritz&#8220; tritt an die Seite ihres Mannes. Beide sehen sich in die Augen und zucken mit den Schultern. Die rothaarige Margarethe blickt den Meyer kritisch an und fragt: &#8222;Sagt, bekommen wir jetzt Probleme. Wir wollen doch nur unser neues Haus fertigmachen\u201c. \u201eNein\u201c knirscht der Meyer \u201eihr bekommt keine Probleme, aber die da oben schon\u201c.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Valentin Schneider gibt seinem Pferd die Rute und setzt seine Fahrt in Richtung Pfarrhaus fort. Auf halbem Wege kommt ihm Pfarrer Johann Heinrich Wagner entgegen. \u201eWohin des Weges?\u201c ruft der Gottesmann dem Ortsoberhaupt zu. \u201eIch suche Peter, den Boten, damit ich Meldung beim Oberamt machen kann.\u201c \u201eMeldung?  Was treibt dich an meinen Freund? Du wei\u00dft, Wut ist ein schlechter Ratgeber\u201c. \u201eAch, die Kalkgr\u00e4ber rauben mir den letzten Nerv. Obwohl ich ihnen st\u00e4ndig die Anmeldung ihres Werks ans Herz lege, kommen Sie meiner Aufforderung nicht nach, jetzt ist es genug und meine Geduld ist am Ende.<\/em> <em>\u201eWisst ihr, lieber Valentin\u201c entgegnete der Pfarrer, &#8222;ihr wart schon lange nicht mehr im Gottesdienst. Mir scheint euch fehlt der Segen unseres Allm\u00e4chtigen\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong><em>\u201eMag sein\u201c erwiderte Schneider und setzt kopfsch\u00fcttend das Gespann in Fahrt. Pfarrer Wagner kann sich sein Grinsen nicht verkneifen und setzt ebenfalls seinen Weg in Richtung Kirche fort<\/em>. <em>In der Fr\u00fchwies an der Ill angekommen h\u00e4lt Schneider seine Kutsche erneut an. Eine kr\u00e4ftige Frau Namens Greta kommt aus dem Haus und mustert den Meyer mit kritischen Blicken. Sie legt ihren Kopf zur Seite und fragt den Meyer: &#8222;Was gibt\u2019s Valentin, kann ich dir helfen ?&#8220;<\/em> <em>&#8222;Sagt, gute Frau, ist euer Peter im Hause, ich brauche einen Boten nach Ottweiler?\u201c Greta schaut den Meyer kopfsch\u00fcttelnd an und erwidert: \u201eUnser Pit ist heute Morgen aufs Feld gegangen und danach wollte er noch zu den Kalkstollersch um sich dort ein paar Groschen dazu zu verdienen.\u201c<\/em> <em>\u201eWas\u201c schrie der Meyer \u201eh\u00f6re ich da richtig? Zu den Kalkstollersch?\u201c, Greta stutze und erwiderte:  \u201eWas regt ihr euch so auf? Die Arbeit auf dem Feld reicht l\u00e4ngst nicht mehr aus und mit der Industrie kann man heutzutage gutes Geld verdienen. Habt ihr vom Fritz geh\u00f6rt? Der arbeitet jetzt auf einer Grube und muss jeden Morgen zeitig zu Fu\u00df nach G\u00f6ttelborn, dabei verdient er gutes Geld. Die Landwirtschaft lohnt sich l\u00e4ngst nicht mehr und jetzt gibt es sogar bei uns ein Stollen auf dem Belker. Was spricht dagegen?&#8220;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">\u201e<em>Was dagegenspricht\u201c fragt der Meyer zerknirscht \u201edie fehlende Sch\u00fcrferlaubnis\u201c. Greta zuckt mit den Schultern und l\u00e4sst den verzweifelnden Meyer achtlos zur\u00fcck. Bevor sie die schwere Haust\u00fcr hinter sich zuzieht, ruft sie dem Meyer zu: \u201eIch muss in die K\u00fcche und hab keine Zeit f\u00fcr deine Probleme. Sieh besser zu, dass es deinen Leuten gutgeht. Die Nassauer haben genug Geld und Protz.&#8220;<\/em> <em>Der Meyer spuckt seine Wut auf die staubige Stra\u00dfe und zieht sich den Kragen seines Mantels \u00fcber beide Ohren. Es ist kalt geworden und auf das Dorf wartet ein harter Winter. \u201eIch kann schon verstehen, dass die Menschen im Dorf zu aller erst mal an sich selbst denken und dabei auch gerne die Formalit\u00e4ten zur Seite schieben\u201c.<\/em> <em>Als er seinem Rappen erneut die Rute geben m\u00f6chte, f\u00fchrt sein Blick in Richtung Pfarrhaus vorbei am gegen\u00fcberliegenden Geh\u00f6ft den steilen Hang hinauf. Zwei junge M\u00e4nner kommen im Gespr\u00e4ch versunken den Berg herab. Ihr Gang ist m\u00fcde und ihr Gesicht mit Staub bedeckt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong><em>\u201eDa sind die Burschen\u201c, faucht der Meyer und steigt von seiner Kutsche. \u201eHey, ihr da Bergleute, wartet mal, bleibt stehen\u201c. Die beiden jungen M\u00e4nner sehen sich erstaunt an: \u201eWas gibt\u2019s?&#8220;,  erwidert einer der beiden M\u00e4nner dem heraneilenden Meyer.<\/em> <em>\u201eIch werd\u2019s euch sagen, Freunde\u201c faucht Schneider die beiden M\u00e4nner an. \u201eSagt mal, habt ihr heute wieder im Stollen nach Kalk gegraben?<\/em>&#8220; <em>\u201eJa nat\u00fcrlich, was spricht dagegen Meyer?\u201c Valentin Schneider sch\u00fcttelt entr\u00fcstet den Kopf und schreit die beiden jungen M\u00e4nner an: &#8222;Ich habe euch schon mehrmals gesagt, dass ihr euer Werk dem Oberamt melden sollt. Was ihr macht, ist verboten. Jedes Sch\u00fcrfen und Graben nach Kalk muss genehmigt werden.\u201c<\/em> \u201e<em>Lieber Meyer\u201c, sagt einer der beiden jungen M\u00e4nner besonnen. &#8222;Der Hans ist im Stollen auf dem Belker. Teilt ihm euer Begehren mit. Uns ist heut nicht nach Streit. Es war eine schwere Schicht und einer unserer Leute wurde gestern im Stollen von herabfallendem Gestein erschlagen. Was habt ihr gegen unsere Arbeit? Die Menschen in unserem Dorf brauchen unser Kalk zum Verputzen ihrer H\u00e4user und die Bauern brauchen das \u201ewei\u00dfe Gold\u201c zum D\u00fcngen und zum \u201eWei\u00dfen&#8220; ihrer St\u00e4lle und beim Kampf gegen den Sch\u00e4dling. Das Kalken der Baumst\u00e4mme soll angeblich echte Wunder bewirken. Was regt ihr euch so auf alter Mann, ihr solltet uns dankbar sein.\u201c Die beiden M\u00e4nner lassen den verzweifelten Meyer stehen und ziehen ihres Weges.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Mittlerweile ist es Mittag geworden und es schl\u00e4gt die 9. Stunde. Valentin Schneider sehnt sich nach einem hei\u00dfen Kaffee. Er beschlie\u00dft ein letztes mal mit dem \u201eSchuhledersch Hans\u201c, dem Leiter der \u201eKalkstollersch&#8220; zu reden. Entschlossen und voller Zorn macht sich der Meyer zu Fu\u00df auf den Weg zu den Stollen auf dem Belker.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong><em>Georg M\u00fcller zieht den gewaltigen Sack mit dem wei\u00dfen Kalk aus dem Stollen. Mit seinen gro\u00dfen H\u00e4nden wischt er sich den Schwei\u00df von seinem Haupt. Seine Augen m\u00fcssen sich noch an das Tageslicht gew\u00f6hnen. Trotz der K\u00e4lte tr\u00e4gt er lediglich eine Hose und ein Hemd. Im Stollen ist es warm und stickig. Als er in der Ferne einen gro\u00dfen Mann ersp\u00e4ht, reibt er sich die m\u00fcden Augen. &#8222;Das ist doch nicht etwa der Meyer Schneider, orra?&#8220;<\/em> \u201eHans\u201c, ruft Georg M\u00fcller in den Stollen \u201ekomm mal raus, wir haben Besuch.\u201c \u201eSchuhledersch Hans\u201c ist ein gro\u00dfer Mann mit blonden Haaren und einem Vollbart. Mit grimmiger Mine blickt er dem Ortsvorsteher entgegen und raunt seinen Kumpel Georg M\u00fcller an: &#8222;Mach weiter, wir haben keine Zeit. Ich kl\u00e4r\u2018 das\u201c.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Valentin Schneider ist v\u00f6llig au\u00dfer Atem. \u201eWas f\u00fchrt euch zu uns, werter Meyer?\u201c, raunt der Bergmann. \u201eDas wisst Ihr genau, Hans, Tu nicht so unschuldig. Seit Wochen sage ich euch, dass ihr euer Werk dem Oberamt melden m\u00fcsst. Heute fr\u00fch erfahre ich, dass immer noch ohne Erlaubnis Kalk an die Dorfbewohner verkauft wird.&#8220; \u201eNat\u00fcrlich verkaufen wir den Kalk, Meyer, sonst brauchten wir ja nicht danach zu graben\u201c, erwidert der Kalkgr\u00e4ber. \u201eWarum folgt ihr nicht meinen Anweisungen\u201c raunt der Meyer. \u201eWer sagt, dass wir das nicht tun?\u201c erwidert der Bergmann. \u201eWie meinst du das?\u201c ,fragt der Meyer. \u201eWir haben schon gestern einen Boten mit einem Formular an das Oberamt in Ottweiler gesendet. Wir brauchten Zeit, bis wir so weit waren. Immerhin mussten wir unsere Kumpel in Urexweiler mit einbeziehen. Das Kalkfl\u00f6z  mit einer M\u00e4chtigkeit von etwa 2 Fu\u00df verl\u00e4uft von Osten her ab dem Faulenberger Hof bei Hirzweiler \u00fcber Urexweiler bis hin nach Dirmingen auf den Belker. Nicht alles liegt in unserer Hand, werter Herr. Wir haben unl\u00e4ngst den Antrag eingereicht und glauben fest daran, dass Sch\u00fcrfrecht zu bekommen. Bis dahin machen wir weiter unsere Arbeit&#8220;.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong><em>Der Meyer nimmt seinen Hut ab und setzt sich ersch\u00f6pft auf einen Holzklotz. &#8222;Und das sagt ihr mir erst jetzt, nachdem ich den Weg von Berschweiler den Belker hinauf erklimmen musste? Habt ihr keinen Verstand? Wisst ihr nicht, dass ihr auch mich in Kenntnis setzen m\u00fcsst?\u201c Kopfsch\u00fcttelnd blickt der Meyer den Bergmann an. &#8222;H\u00f6rt zu Valentin&#8220; ,sagt der Bergmann, &#8222;was wir brauchen, ist eine allgemeine f\u00fcrstliche Verordnung f\u00fcr den bergm\u00e4nnischen Betrieb aller Kalkgruben im Nassauer Land. Der Beruf des Kalkgr\u00e4bers muss endlich anerkannt werden. Immerhin gibt es in unserer Grafschaft nur wenig Kalk zu gewinnen. Anstatt das du stolz auf dein Heimatland blickst, machst du dir Sorgen \u00fcber das Sch\u00fcrfrecht. Wir werden die Erlaubnis bekommen und somit f\u00fcr deinen ruhigen Schlaf sorgen.&#8220;<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Der Meyer muss unwillk\u00fcrlich schmunzeln und senkt seinen Blick zu Boden. Als er aufsieht, f\u00e4llt sein Blick in den Stolleneingang. In dem tiefen Schwarz nimmt er einige M\u00e4nner wahr. \u201eSagt mal, wie macht ihr das \u00fcberhaupt in dem Stollen? \u201eWir haben m\u00e4chtige Holzst\u00fctzen, die das Hangende halten.&#8220; erwidert der Kalkgr\u00e4ber. &#8222;Hilft aber nicht immer, orra?&#8220;, fragt der Meyer. \u201eStimmt\u201c raunt der Bergmann \u201eletzte Nacht haben wir einen guten Mann verloren.&#8220;. Valentin Meyer nickt anerkennend. Zwei Bergleute kommen aus dem Stollen gekrochen und ziehen zwei gro\u00dfe S\u00e4cke hinter sich her. \u201eGl\u00fcck auf, Meyer!  Was treibt euch zu uns?&#8220; \u201eAch, Peter&#8220;, sagt der Meyer &#8222;du hast mir gerade noch gefehlt. Wenn man dich einmal braucht. Alles hat sich gegen mich verschworen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em><strong>\u201eSchuhledersch Hans\u201c muss laut lachen. Mit seiner gro\u00dfen Hand klopft er dem Ortsvorsteher auf die Schultern: \u201eJetzt ist es ja nach deinen W\u00fcnschen, was dir fehlt ist ein Bier, orra ?\u201c Der Meyer nickt und muss wieder Mals l\u00e4cheln. \u201e Ja, dass w\u00e4re gut.\u201c Der Bergmann gie\u00dft aus einem Ledersack den edlen Gerstensaft in zwei schmutzige, gebrauchte Holzbecher. Als er eines der beiden Gef\u00e4\u00dfe dem Meyer r\u00fcber reichte, grinste er ihn verschmitzt an und raunte: \u201cNa, sind wir wieder Freunde ,Meyer?\u201c Beide M\u00e4nner mussten pl\u00f6tzlich lauthals lachen, prosten sich zu und nehmen ein kr\u00e4ftiger Schluck.<\/strong> <strong>&#8222;Gl\u00fcck auf&#8220;,  raunte der Bergmann, &#8222;Gl\u00fcck auf&#8220;, erwiderte der ersch\u00f6pfte aber auch zufriedene Meyer.<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Im Jahre 1773 wurde die erwartete f\u00fcrstliche Verordnung f\u00fcr bergm\u00e4nnische Kalkgruben durch die nassauische Regierung angeordnet. Mit dieser Verordnung wurde der Beruf des Kalkgr\u00e4bers endg\u00fcltig anerkannt. In Dirmingen wurde auch noch im 19. Jahrhundert Kalk aus den Minen auf dem Belker gewonnen. Die Stollen waren auch noch in den 1980er Jahren zu finden. Heute erinnert nichts mehr an den Abbau der Kalkader. Gerade im 18. und 19. Jahrhundert war der Abbau von Kalk f\u00fcr die Menschen in unserem Dorf ein Segen. Das wei\u00dfe Gold wurde in Kalk\u00f6fen zu Kalkstein gebrannt, so dass er feink\u00f6rnig bis pulvrig verarbeitet werden konnte. Durch die Erfindung des Zements und der D\u00fcngemittel wurde die Kalkgewinnung unrentabel, zumal die Kalkfl\u00f6ze mit grade mal zwei Fu\u00df nicht sonderlich m\u00e4chtig und daher nicht so ergiebig waren. Noch heute findet man in unserem Heimatort \u00e4ltere Bauern- und Wohnh\u00e4user, die mit Dirminger Kalkm\u00f6rtel verputzt wurden. Im zweiten Weltkrieg dienten die alten Stollen auf dem Belker, besonders den Bewohnern des Ober- und Mitteldorfes, als Schutzbunker vor den amerikanischen Bombern.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"644\" height=\"568\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG_20190404_212142_resized_20190426_051956570-644x568.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3644\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG_20190404_212142_resized_20190426_051956570-644x568.jpg 644w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG_20190404_212142_resized_20190426_051956570-300x264.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG_20190404_212142_resized_20190426_051956570-768x677.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG_20190404_212142_resized_20190426_051956570.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 644px) 100vw, 644px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"644\" height=\"580\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG_20190404_212037_resized_20190426_051955989-644x580.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3641\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG_20190404_212037_resized_20190426_051955989-644x580.jpg 644w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG_20190404_212037_resized_20190426_051955989-300x270.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG_20190404_212037_resized_20190426_051955989-768x692.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG_20190404_212037_resized_20190426_051955989.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 644px) 100vw, 644px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Diese Geschichte ist auf der Grundlage historischer Ereignisse frei erfunden, wobei es die namentlich erw\u00e4hnten Personen tats\u00e4chlich gegeben hat. Ziel ist es den Lesern und Menschen unseres Heimatortes die Geschichte Dirmingens n\u00e4her zu bringen und dem Vergessen entgegenzuwirken. So wie in dieser frei erfundenen Geschichte, k\u00f6nnte es sich am Ende tats\u00e4chlich zugetragen haben<\/strong>&nbsp;<strong>!<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"527\" height=\"853\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Lampe.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13738\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Lampe.jpg 527w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Lampe-185x300.jpg 185w\" sizes=\"auto, (max-width: 527px) 100vw, 527px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Alte Grubenlampe aus dem 19. Jahrhundert<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dirmingen im 18. Jahrhundert. Auf dem Gebiet des heutigen Saarlandes setzte zu dieser Zeit eine l\u00e4ngere Phase des Friedens ein. Die Grafschaft Nassau-Saarbr\u00fccken trieb die Entwicklung des Landes mit ambitionierten und teuren Bauprojekten voran. Mit dem Saarbr\u00fccker Schloss, der Ludwigskirche oder auch der Residenzstadt Blieskastel entstanden barocke Baukunstwerke. Auch unsere Heimatort war mit dem Neubau der Stengelkirche in der Ortsmitte<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":13735,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_crdt_document":"","footnotes":""},"categories":[1,973],"tags":[5,618,1016,127,795,310],"class_list":["post-13726","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-dirmingen-ein-tag-im-jahr","tag-dirmingen","tag-gemeinde-eppelborn","tag-kalkgruben-dirmingen","tag-landkreis-neunkirchen","tag-ortsvorsteher-dirmingen","tag-saarland"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13726","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13726"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13726\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13757,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13726\/revisions\/13757"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/13735"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13726"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13726"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13726"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}