{"id":14641,"date":"2023-02-16T18:46:47","date_gmt":"2023-02-16T17:46:47","guid":{"rendered":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=14641"},"modified":"2023-02-16T19:34:36","modified_gmt":"2023-02-16T18:34:36","slug":"unvergessen-meine-persoenlichen-erinnerungen-an-das-grubenunglueck-am-16-02-1986-im-bergwerk-camphausen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=14641","title":{"rendered":"Unvergessen &#8211; Meine pers\u00f6nlichen Erinnerungen an das Grubenungl\u00fcck im Bergwerk Camphausen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Immer wieder im Februar erfasst mich eine gewisse Melancholie. Zu keiner anderen Zeit im Laufe eines Jahres muss ich \u00f6fters an meine Zeit &#8222;unter Tage&#8220; denken. Das Bergwerk Camphausen spielt in meinem Leben gewichtige Rolle. Heute arbeite ich in einem Dienstleistungsunternehmen. Auf meiner t\u00e4glichen Tour durch das Saarland, erblicke ich vielerorts alte F\u00f6rdert\u00fcrme, Berghalden, Absinkweiher und ehemaligen Bergarbeitersiedlungen. Unser Land, mit seinen D\u00f6rfern und St\u00e4dten, ist bis heute vom Bergbau gepr\u00e4gt. Hin und wieder f\u00fchrt mich mein Weg am ehemalige Bergwerk Camphausen vorbei. Die imposante Hammerkopfschachtanlage wirkt noch heute wie ein Mahnmal aus l\u00e4ngst vergangenen Tagen. Manchmal halte ich rechts an und bliebe eine Zeit lang stehen. Hier auf dieser Anlage, dem Bergwerk Camphausen, habe ich 5 harte Arbeitsjahre verbracht. Mein Blick verharrt auf die alte m\u00e4chtigen Schachtanlage. Bilder ziehen vorbei und ganz langsam kehren Erinnerungen zur\u00fcck. Heute ist nicht mehr viel \u00fcbrig vom einstigen Vorzeigebergwerk an der Saar.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Bilder f\u00fcr diesen Blog wurden mir von Kerstin Gorny zur Verf\u00fcgung gestellt. Diese seltenen Fotos zeigen das innere der Hammerkopfschachtanlage Camphausen. Vielen Dank an Frau Kerstin Gorny !<\/strong><\/p>\n<cite>Bildquelle: Kerstin Gorny<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Im Jahre 1871 beginnt die Geschichte der Grube Camphausen. Das Bergwerk tr\u00e4gt den Namen des preu\u00dfischen Finanzminister Otto von Camphausen (1812-1896) der seinerzeit die Grube befahren hatte. Im Oktober 1877 beginnt das Bergwerk mit der regelm\u00e4\u00dfigen Kohlef\u00f6rderung. Einen schweren R\u00fcckschlag erlebte das Bergwerk am 17.\/18.03.1885 durch eine schwere Schlagwetter- und Kohlenstaubexplosion. An diesen schicksalshaften Tagen fanden 180 Bergleute den Tod. Eine weitere Schlagwetterexplosion mit sieben Toten ereignete sich am 16.02.1986. Diesen Tag werde ich niemals vergessen. Ich war damals als Bergmann in der Abteilung 03, auf der Anlage Camphausen, besch\u00e4ftigt. Niemals h\u00e4tte ich mit einem solchen Ungl\u00fcck gerechnet. Das damalige Ungl\u00fcck war der Anfang vom Ende. Im Rahmen des im Jahre 1988 beschlossenen \u201eDrei-Standorte-Konzepts\u201c wurde die Grube Camphausen ein Bestandteil des Verbundbergwerkes G\u00f6ttelborn\/Reden. Am 12.November 1990 wurde die Kohlef\u00f6rderung auf dem Bergwerk Camphausen eingestellt. Ich wurde anschlie\u00dfend auf die Anlage Nordschacht verlegt.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"307\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/20230215_095248-700x307.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14647\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/20230215_095248-700x307.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/20230215_095248-300x132.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/20230215_095248-768x337.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/20230215_095248.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"303\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/20230215_095317-700x303.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14648\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/20230215_095317-700x303.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/20230215_095317-300x130.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/20230215_095317-768x332.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/20230215_095317.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Ein Sprichwort sagt: \u201eLehrjahre sind keine Herrenjahre\u201c. Ich kann dieses Zitat nur unterschreiben. F\u00fcr mich pers\u00f6nlich war die Anlage Camphausen die H\u00f6lle!&nbsp; Nach meiner Ausbildungszeit in der Lehrwerkstatt Fenne, dem Ausbildungszentrum Velsen und dem Lehrrevier Duhamel (Saarschacht) wurde ich w\u00e4hrend der Lehrzeit, im Januar 1986, nach Camphausen verlegt. In Camphausen herrschten im wahrsten Sinne raue Sitten und schlechte Wetter. Die Luftfeuchtigkeit war enorm hoch und die hohe Hitze war unertr\u00e4glich. Wenn mich eine Arbeitsstelle tats\u00e4chlich gepr\u00e4gt hat, dann war dies das Bergwerk Camphausen. Bis heute verbindet mich zu dieser Anlage eine gewisse Hass-Liebe. Der Umgangston untereinander war katastrophal. Hier wurde nicht miteinander geredet, sondern vielmehr miteinander geschrien. Es kam nicht selten vor, dass sogar \u201eUnter Tage\u201c getrunken wurde.  Auf der anderen Seite gab es in Camphausen eine hohe Identifikation der Bergleute mit ihrer Grube. Kameradschaft und Zusammenhalt wurde gro\u00df geschrieben. Irgendwie konnte ich mit diesen Widerspr\u00fcchen nie richtig umgehen. Erst viele Jahre sp\u00e4ter begriff ich, dass ich in Camphausen die beste Kameradschaft meines Lebens erfahren durfte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Das Wahrzeichen des Bergwerks Camphausen ist der F\u00f6rderturm von Schacht IV. Der Spatenstich erfolgte am 31.10.1908. Nach den Abteufarbeiten wurde der F\u00f6rderturm in den Jahren 1910\/1911 errichtet. Er misst 40,70 m H\u00f6he und besteht aus vier Hauptstockwerken. Bei dem Bau hat man sich dazu entschlossen, die F\u00f6rdermaschinen \u00fcber dem Schacht anzubringen. Bei den beengten Verh\u00e4ltnisse auf dem Grubenareal gab es keine andere M\u00f6glichkeit. Von der dritten Etage bis zum Dach ist auf den beiden Schmalseiten des F\u00f6rderturmes je ein Erker angebaut, in denen die elektrische Ausr\u00fcstung der F\u00f6rdermaschinen untergebracht ist. Diese Erker verleihen dem F\u00f6rderturm die Form eines Hammerkopfes. Daher r\u00fchrt auch die Bezeichnung \u201eHammerkopf-F\u00f6rderturm\u201c. Der F\u00f6rderturm Camphausen IV ist im Jahr 2016 von der Bundesingenieurkammer als \u201eHistorisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland\u201c ausgezeichnet worden.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"525\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/IMG_20180811_142844-Kopie-700x525-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14664\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/IMG_20180811_142844-Kopie-700x525-1.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/IMG_20180811_142844-Kopie-700x525-1-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"467\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325412355_1745693372606292_5544457976346971675_n-700x467.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14652\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325412355_1745693372606292_5544457976346971675_n-700x467.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325412355_1745693372606292_5544457976346971675_n-300x200.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325412355_1745693372606292_5544457976346971675_n-768x512.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325412355_1745693372606292_5544457976346971675_n.jpg 1094w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Mich pers\u00f6nlich erinnert dieser Turm immer wieder an meine lehrreiche und pr\u00e4gende Zeit im Bergwerk Camphausen<\/strong>. <strong>Im Januar 1986 wurde ich von der Anlage Saarschacht- Duhamel nach Camphausen verlegt. Das ganze geschah auf eigenen Wunsch. Zahlreiche Dirminger Bergleute standen in Camphausen in Lohn und Brot. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Pers\u00f6nliche Erinnerungen an das Bergwerk Camphausen &#8211; Februar 1986<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">&#8222;<em>Als ich meine Augen \u00f6ffne passiert unser Bus gerade den m\u00e4chtigen Hammerturm. Noch wenige Sekunden, bis ich den Bus verlassen und in die eisige K\u00e4lte muss. Es wehte ein eisiger Wind und ein leichter Nieselregen legt sich auf mein Gesicht. Ich ziehe meinen Kragen hoch und eile in Richtung Kantine. Riesenandrang an der Verkaufstheke. Ich ziehe mir einen hei\u00dfen Kaffee aus dem Automaten und lehne mich an die dreckige Kantinenwand. Ich bin wie immer hundem\u00fcde und mir graut vor der bevorstehenden Schicht. Motivation sieht definitiv anders aus!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Endlich bin ich an der Reihe: Ein Wurstweck und eine neue Dose \u201eGletscherprise\u201c bitte! Keine Antwort, nur ein schweigendes nicken. Ich nehme meinen Kram und bewege mich in Richtung \u201eWei\u00df Bad\u201c. Jeder Schritt f\u00e4llt mit schwer, ich will Nachhause. An meiner Rolle angekommen setzte ich mich auf die lange Holzbank und nehme einen letzten Schluck lauwarmen Kaffee. Ich kann mir nicht vorstellen, diesen Job bis zur Rente zu erledigen. Ich lasse meine Kleiderrolle runterfallen und ziehe meine &#8222;wei\u00dfen<\/em>&#8220; <em>Kleider aus. Langsam und beh\u00e4big h\u00e4nge ich meine Kram an die W\u00e4scherolle. Mit gesenktem Haupt gehe ich vorbei an den Duschr\u00e4umen hin\u00fcber in das \u201eSchwarz- Bad\u201c. Jeder redet wild durcheinander und ist mit sich selbst besch\u00e4ftigt. Erste kurze Anweisungen, Absprachen und Hinweise werden weitergegeben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"467\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325327661_1309383733241238_4635085806298620454_n-700x467.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14653\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325327661_1309383733241238_4635085806298620454_n-700x467.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325327661_1309383733241238_4635085806298620454_n-300x200.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325327661_1309383733241238_4635085806298620454_n-768x512.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325327661_1309383733241238_4635085806298620454_n.jpg 1094w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Bildquelle: Kerstin Gorny<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"620\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325414249_3145907292367710_5385059399296607445_n-700x620.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14654\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325414249_3145907292367710_5385059399296607445_n-700x620.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325414249_3145907292367710_5385059399296607445_n-300x266.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325414249_3145907292367710_5385059399296607445_n-768x680.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325414249_3145907292367710_5385059399296607445_n.jpg 1087w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Wieder lasse ich meine W\u00e4scherolle im &#8222;Schwarz-Bad&#8220; von der Decke hinunterkrachen und stehe vor einem schwarzen, dreckigen klumpen Kleider. Schon beim Anziehen meiner Unterw\u00e4sche zieht ein schwerer muffeliger Geruch in meine Nase. Ein Blick in meine Arbeitstasche gibt mir die Gewissheit, dass ich mein frisches Schwei\u00dfhemd zuhause vergessen habe. Ich atme tief ein und lasse mir nichts anmerken. Ich streife einfach das Schwei\u00dfhemd des Vortags \u00fcber und schl\u00fcpfe in die lange Unterhose. Das Hemd ist noch nicht ganz getrocknet vom Vortag. Ich nehme meine schwarze Hose und klopfe sie noch einmal an der W\u00e4schetrommel aus. In k\u00fcrzester Zeit bin ich angezogen und bereit mich in den Zechensaal zu begeben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Im gro\u00dfen Zechensaal herrscht reges Treiben. In verschiedenen Gruppen stehen die Bergleute am Schalter ihrer Abteilung und warten auf die Arbeitseinteilung ihres Steigers. Ich gehe zum Getr\u00e4nkeautomaten und f\u00fclle mein Blech mit einem isotonischen Getr\u00e4nk. Ich stecke das Blech in meine Jacke zu meinem Brot und gehe zum Wasserhahn. Dort nehme ich einen tiefen Schluck Wasser und fahre mir anschlie\u00dfend mit den nassen H\u00e4nden durch mein Gesicht. Es ist Zeit, ich muss zu meinem Steiger!<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"1049\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325591039_539009364848367_7269275424508096375_n-700x1049.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14655\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325591039_539009364848367_7269275424508096375_n-700x1049.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325591039_539009364848367_7269275424508096375_n-200x300.jpg 200w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325591039_539009364848367_7269275424508096375_n.jpg 730w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Bildquelle: Kerstin Gorny<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"1049\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325592718_533882435375288_4559123448597707228_n-700x1049.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14656\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325592718_533882435375288_4559123448597707228_n-700x1049.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325592718_533882435375288_4559123448597707228_n-200x300.jpg 200w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325592718_533882435375288_4559123448597707228_n.jpg 730w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Gl\u00fcck auf in die Runde. Mein Gru\u00df wird murmelnd und launig erwidert. Die Glocke l\u00e4utet! Alle Bergleute ziehen ihren Helm vom Kopf und stellen jegliches Gespr\u00e4ch ein. Es herrscht absolute Ruhe! Nach einer halben Minute ruft jemand laut durch den ganzen Zechensaal: Gl\u00fcck auf! Der Gru\u00df wird lauthals erwidert und jeder Bergmann widmet sich sofort wieder seiner Arbeit.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Der Steiger kommt und mischt sich mit einem launigen Gru\u00df unter seine Leute. Nach drei, vier kurzen S\u00e4tzen mit nur wenigen Informationen teilt er die Arbeit ein. Als sein Blick auf mich f\u00e4llt, wei\u00df ich genau was mir bl\u00fcht: \u201eIn de Streb, guck&#8216; das die Schilder beigefahr gen und guck no der Dross\u201c. Ich nicke tapfer und stecke meine Handschuhe in die beiden Schienbeinschoner. Gemeinsam mit den Anderen geht es in Richtung Lampenstube. Zuerst nehme ich meine Staubmaske und stecke den Filterselbstretter in den Lampeng\u00fcrtel. An der anderen Seite des G\u00fcrtels befestige ich meine Kopflampe. Ich greife nach meiner Fahrmarke und strecke diese zwischen meine Z\u00e4hne. Bis zum Schacht h\u00e4nge ich meine Kopflampe \u00fcber meine Schultern.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Der Weg bis zum gro\u00dfen Hammerturm m\u00fcssen wir durch Wind und Wetter nehmen. Es ist kalt, mein feuchtes Schwei\u00dfhemd klebt an meinem K\u00f6rper. Ich ziehe den Jackenkragen hoch und gehe so schnell ich kann zum Schacht. In Reih und Glied stehen die M\u00e4nner vor der Anlage und warten darauf den Korb betreten zu d\u00fcrfen. Irgendjemand reicht mit eine Dose Schnupftabak. Ohne den Mann anzuschauen, greife ich zu und nehme einen kr\u00e4ftigen Zug.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"1049\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325448729_1374858853260966_506392526458918534_n-700x1049.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14657\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325448729_1374858853260966_506392526458918534_n-700x1049.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325448729_1374858853260966_506392526458918534_n-200x300.jpg 200w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325448729_1374858853260966_506392526458918534_n.jpg 730w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"931\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325652412_2778631518972372_6765646983568505511_n-700x931.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14658\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325652412_2778631518972372_6765646983568505511_n-700x931.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325652412_2778631518972372_6765646983568505511_n-226x300.jpg 226w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325652412_2778631518972372_6765646983568505511_n.jpg 710w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Bildquelle: Kerstin Gorny<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Ein lauter Gong weckt mich aus meinem kurzen Tagtraum. Es ist so weit. Wir betreten den Korb und r\u00fccken eng zusammen.\u201c Do gedd noch enna renn, rutschen mol zesamme\u201c faucht der Anschl\u00e4ger. Als das schwere Gittertor nach unten f\u00e4llt und auf den rostigen Korb aufschl\u00e4gt geht alles pl\u00f6tzlich ganz schnell. Der Anschl\u00e4ger l\u00e4utet siebenmal und dann wieder zweimal H\u00e4ngen zur Seilfahrt. Dann f\u00e4llt der Korb in den Abgrund. Mit bis zu 7 Meter pro Sekunde schie\u00dfen wir in Richtung H\u00f6lle. Alles ist dunkel, es riecht nach Schwei\u00df. Keiner redet! Ab und zu schie\u00dfen wir an einer Sohle vorbei. F\u00fcr Bruchteile von Sekunden wird es hell. Dann wird der Korb langsamer und kommt schlie\u00dflich auf unserer 16. Sohle zum Stillstand. Ein muffeliges, warmes Wetter weht uns entgegen. Das schwere Gittertor wird hochgezogen und die Bergleute rennen in Richtung Zug. Ich h\u00f6re tausendmal \u201eGl\u00fcck auf\u201c. Jeder redet wild durcheinander und m\u00f6chte schnell einen guten Platz im Zug ergattern.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Ich komme nicht nach. Ich bin viel zu m\u00fcde und tr\u00e4ge zum Laufen. Als ich den Zug erreiche sind die besten Pl\u00e4tze vergeben. Ich zw\u00e4nge mich in den letzten Wagon und ziehe meinen Helm vom Kopf. \u201eLicht aus\u201c raunt einer der Kumpel und legt seinen Kopf an die kalte Wagonwand. Ich lege meinen Helm auf meinen Scho\u00df und l\u00f6sche das Licht. Es ist dunkel. Zeit zum Durchatmen. Ich verliere mich \u201eUnter Tage\u201c in Tagtr\u00e4umen. Acht Bergleute sitzen eng gequetscht in einem kleinen Personenwagen. Als Bergmann lernt man in den unbequemsten Stellen zu schlafen. Wir fahren \u00fcber eine halbe Stunde bis zu unserem Arbeitsplatz. Die R\u00e4der h\u00e4mmern auf das Gleisen. Jeder Schlag f\u00e4hrt in die Knochen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Endlich sind wir am Ziel. Helm auf den Kopf und raus aus dem Wagon mit Riesenschritten in Richtung Stappel 11. Danach zum Kuli. Jetzt ist Eile geboten. Wir sind schon jetzt nass geschwitzt. Die Leute im Abbau sollen verdammt nochmal zusehen, dass sie als erstes einen Platz auf dem Kuli ergattern. Ich bin wieder mal zu sp\u00e4t! Die Pl\u00e4tze sind besetzt. Drei weitere Kollegen haben ebenfalls keine Sitzm\u00f6glichkeit gefunden. Mein Puls steigt. Mein Partiemann faucht uns an:\u201c Kommt her, wir r\u00fccken zusammen\u201c. Obwohl es fast unm\u00f6glich ist quetschen wir uns auf den 8 Sitzer. Wir wagen kaum zu atmen. Die wilde fahrt beginnt! Herauslehnen strengstens verboten. Millimeter vorbei an spitzen Bergen und aufgerissenen Matten und abstehenden Rohren, durch zahlreiche Wettert\u00fcren hinauf in Richtung Streb. Mit einem gewaltigen Schlag stoppt das Transportger\u00e4t. Die M\u00e4nner zw\u00e4ngen sich aus der Sitzvorrichtung und eilen in die Fu\u00dfstrecke. Die Maschine ist gerade in der Kopfstrecke angekommen. Kurze Zeit zum Durchatmen. Ich ziehe meine Jacke aus und h\u00e4nge sie an einen Kabelhacken. Blo\u00df weit weg von den Rohrspreizen. Auf keinen Fall sollen sich die M\u00e4use wieder an meinem Brot erfreuen<\/em>. S<em>chutzbrille auf die Nase, Maske auf den Mund dann geht es los !<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"934\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/330369705_749086876805242_2680637991748918375_n-700x934.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14659\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/330369705_749086876805242_2680637991748918375_n-700x934.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/330369705_749086876805242_2680637991748918375_n-225x300.jpg 225w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/330369705_749086876805242_2680637991748918375_n-768x1025.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/330369705_749086876805242_2680637991748918375_n.jpg 979w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Bildquelle: Kerstin Gorny<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"1051\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/330735642_2464255970406656_3290682559094837530_n-700x1051.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14660\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/330735642_2464255970406656_3290682559094837530_n-700x1051.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/330735642_2464255970406656_3290682559094837530_n-200x300.jpg 200w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/330735642_2464255970406656_3290682559094837530_n-768x1153.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/330735642_2464255970406656_3290682559094837530_n-1023x1536.jpg 1023w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/330735642_2464255970406656_3290682559094837530_n.jpg 1094w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Es ist hei\u00df und laut! \u00dcberall wird geh\u00e4mmert, gezogen und gemacht. \u201eSteh net nur bl\u00f6d herum, helft den Ecken zu verbauen\u201c herrscht mich mein Partiemann an. Ich helfe so gut ich kann und mache mich anschlie\u00dfend an meine Arbeit im Streb. Der Streb ist gerade mal ein Meter hoch. Wenn die Maschine gegen die Wetter f\u00e4hrt erkennt man die Hand vor den Augen nicht. Ich bin schwei\u00dfgebadet und tausende von Staubk\u00f6rnern brennen in meinen Augen. Der Stressfaktor ist enorm hoch! Die Schr\u00e4mmaschine macht Meter. Wir brauchen Kohle! Die ganze Schicht in geb\u00fcckter Haltung hinter der Maschine her, die Drosse in die Halterung legen, Schilder freiputzen und bei Fahren. Pl\u00f6tzlich stille. Der Panzer wurde angehalten und die Maschine kommt zum Stillstand. Als ich in den \u201ealten Mann\u201c sehe gibt es einen kr\u00e4ftigen Schlag. Egal, keine Regung. Sowas passiert hier st\u00e4ndig. Man lebt mit der Gefahr.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Schichtende! Ich krabbele aus dem Streb und bin froh wieder gerade stehen zu k\u00f6nnen. Ich kontrolliere meinen K\u00f6rper auf Kratzer oder Schnittwunden. Wenn Berge runterfallen, k\u00f6nnen sie scharf wie ein Fallbeil sein. <em>Die Abl\u00f6sung ist l\u00e4ngst vor Ort<\/em> Zwei, drei kurze S\u00e4tze, dann sind die Jungs an ihrer Arbeit. Ich gehe zu meiner Jacke, nehme einen tiefen Schluck aus meinem Blech und greife nach meinem Brot. Ich setze mich auf ein St\u00fcck Holz und beginne zu essen. Zwei Kollegen setzen sich neben mich. Nach einer Weile reicht mir einer der Beiden ein St\u00fcck Priemtabak. Ich schlucke die letzten Reste meines Brotes hinunter und nehme den triefenden in Schnaps eingelegten Tabak und quetsche ihn zwischen meine Backenz\u00e4hne. Der bittere Geschmack breitet sich in meinem Mund aus. Ich spucke zu Boden und nicke den Kollegen zu. Endlich ein St\u00fcck Menschlichkeit. Wir reden \u00fcber M\u00e4dchen und Fu\u00dfball. Dann geht es wieder schnell: \u201eAuf was wartet ihr? der Kuli f\u00e4hrt gleich\u201c. Nix wie in Richtung Schacht, nix wie Heim.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1011\" height=\"692\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/berg.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-443\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/berg.jpg 1011w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/berg-300x205.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/berg-768x526.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/berg-676x463.jpg 676w\" sizes=\"auto, (max-width: 1011px) 100vw, 1011px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"466\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/1-1-700x466.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12033\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/1-1-700x466.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/1-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/1-1-768x511.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/1-1.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Am Schacht angekommen, binde ich meinen Schal um den Hals und kn\u00f6pfe meine Jacke zu. Es ist Februar und \u201e\u00fcber Tage\u201c herrschen Minusgrade. Am Schacht zieht es und die Gefahr einer Erk\u00e4ltung ist immer gegeben. Endlich Seilfahrt! Der Anschl\u00e4ger h\u00e4mmert die Glocke 7-mal und dann wieder 3- mal und dann geht es los. Der Korb bewegt sich in Richtung \u201e\u00fcber Tage\u201c. Zum ersten Mal merke ich so etwas wie Gelassenheit. Irgendwie beschleicht mich ein Gef\u00fchl des Stolzes. Ich denke an meine Leute Zuhause. Nein, dieser Job ist nix f\u00fcr Weicheier. Hin und wieder vernehme ich ein Lachen oder einige laute Wortfetzen. Mir egal, ich will nur raus! Endlich oben, wir k\u00f6nnen es kaum erwarten den Korb zu verlassen. Wieder geht alles schnell. Wenn du im Wege stehst, wirst du umgesto\u00dfen. Jeder will weg, jeder will Heim.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Im \u201eSchwarz-Bad\u201c sitze ich an meiner Rolle und nehme einen gro\u00dfen Schluck Wasser. An meinem K\u00f6rper gibt es kaum noch eine Stelle, die nicht schwarz oder nass ist. Meine Augen brennen, ich bin m\u00fcde und stinke. Die Kleider kleben an meiner Haut. Ich gehe unter die Dusche und lasse das Wasser auf mich rieseln. Jemand legt mir ohne Worte seine Hand auf meine Schulter, nimmt meinen Schwamm und beginnt mir den R\u00fccken zu schrubben. Als er mit seiner Arbeit fertig ist, reicht er mir seinen Schwamm und dreht sich um. Irgendwie kommt man sich im Bergbau n\u00e4her als gedacht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Kaffeek\u00fcche. Die Leute warten auf ihren Bus. Zeit f\u00fcr ein Bier und kurzes Gespr\u00e4ch mit den Kollegen. \u201eSch\u00e4fer Bier\u201c, ein St\u00fcck Heimat. Ich nehme einen tiefen Schluck und atme tief durch. Geschafft!<\/em> <em>Jetzt bin ich stolz, dass ich es wieder mal geschafft habe.<\/em>&#8222;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"1020\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/20201214_092628-Kopie-1-700x1020-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14662\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/20201214_092628-Kopie-1-700x1020-1.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/20201214_092628-Kopie-1-700x1020-1-206x300.jpg 206w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"933\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/329718754_508283751495958_7490108880275740213_n-700x933.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14663\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/329718754_508283751495958_7490108880275740213_n-700x933.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/329718754_508283751495958_7490108880275740213_n-225x300.jpg 225w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/329718754_508283751495958_7490108880275740213_n.jpg 720w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Am Sonntag,16. Februar 1986 ersch\u00fcttern kurz nach 19 Uhr zwei Explosionen den Streb 2-Nord, Fl\u00f6z 3, achte Sohle, in 1100 Metern des Bergwerks Camphausen. An diesem Sonntag verloren sieben Bergm\u00e4nner ihr Leben. Sonntags arbeiteten in der Regel nur wenige Bergleute unter Tage. Acht Bergleute befanden sich bei der Arbeit \u201eunter Tage\u201c. Wie ein Wunder hatten alle Bergleute die Explosion \u00fcberlebt. Als sie dies \u00fcbergl\u00fccklich nach \u201e\u00fcber Tage\u201c meldeten, gab es eine zweite Schlagwetterexplosion. Sieben Bergleute fanden dabei den Tod. Ein Bergmann konnte verletzt geborgen werden. An diesem Sonntag, dem Ungl\u00fcckstag, war ich Zuhause. Ich hatte am n\u00e4chsten Tag Fr\u00fchschicht und ging fr\u00fch zu Bett. Folglich bekam ich die Nachricht von dem Ungl\u00fcck erst am n\u00e4chsten Morgen mitgeteilt. W\u00e4hrend mein Vater immer Fr\u00fchschicht hatte, musste ich Wechselschicht fahren. An diesem Montagmorgen fuhren wir ungeachtet des schrecklichen Ungl\u00fccks mit dem Auto zur Anlage Camphausen. Ich kann heute nicht mehr nachvollziehen, warum wir das gemacht hatten. Wir wussten l\u00e4ngst Bescheid und waren dar\u00fcber informiert, dass an diesem Tag ohnehin kein Bergmann einfahren wird. Warum wir dennoch nach Camphausen fuhren, kann ich mir heute nicht mehr erkl\u00e4ren. Ich wei\u00df noch, dass wir auf der Hinfahrt kaum miteinander redeten. Als wir auf dem Parkplatz der Anlage angekommen waren, stellten wir fest, dass doch einige Bergleute zur Anlage gekommen waren. Warum eigentlich? War es Neugier? War es Solidarit\u00e4t? Wir standen fassungslos vor der Anlage. \u00dcberall waren Absperrungen und irgendjemand sagte, ohne vorher gefragt worden zu sein: \u201cSie haben alle Opfer gefunden\u201d. Ob Angeh\u00f6rige vor Ort waren? Ich wei\u00df es beim besten Willen nicht mehr! Im Fernsehen gab es Berichte mit den ersch\u00fctternden Szenen, als die Toten geborgen und nach oben gebracht wurden. Die Leichen wurden in der Turnhalle der Grube Camphausen aufgebahrt. Nicht auszudenken, wie viele der 1500 auf der Anlage besch\u00e4ftigten Bergleute an einem Werktag gestorben w\u00e4ren. H\u00e4tte es mich auch erwischt? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Es war das letzte Grubenungl\u00fcck im Saarbergbau. Wenige Tage sp\u00e4ter nahmen fast 2000 Trauerg\u00e4ste Abschied von den Toten. Tragischerweise gab es dabei ein weiteres Ungl\u00fcck: Emil Salzmann, der Dirigent der Bergkapelle, starb, w\u00e4hrend das Ensemble vor der Kirche auftrat. Ich war nicht bei der Beerdigung. Warum nicht? Ich wei\u00df es nicht mehr!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Und heute? Wir schreiben das Jahr 2023 und ich frage mich, was vom Bergbau tats\u00e4chlich \u00fcbriggeblieben ist. Immer \u00f6fter erreichen mich Totes Botschaften von alten Weggef\u00e4hrten. Ich f\u00fcrchte, die Erinnerung an den Bergbau wird mit dem letzten Bergmann aussterben<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"1049\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/324891792_582413443236437_7234529558618445949_n-700x1049.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14665\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/324891792_582413443236437_7234529558618445949_n-700x1049.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/324891792_582413443236437_7234529558618445949_n-200x300.jpg 200w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/324891792_582413443236437_7234529558618445949_n.jpg 730w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Bildquelle: Kerstin Gorny<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"693\" height=\"1077\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325315941_1200211357590028_7880830408225649717_n.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14667\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325315941_1200211357590028_7880830408225649717_n.jpg 693w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325315941_1200211357590028_7880830408225649717_n-193x300.jpg 193w\" sizes=\"auto, (max-width: 693px) 100vw, 693px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Was ist geblieben vom Bergbau. Die Politik erwartet eine gewisse Erinnerungskultur und in den sozialen Medien finden sich junge Leute die in der Bergmannskluft dien Bergbau als Identit\u00e4tsfaktor feiern. Die Verdienste, die der Bergbau um unser Volk hat, sind unbestritten. Wo w\u00e4ren wir heute ohne Kohle und Stahl? Seltsam, diejenigen die einst die Kohle f\u00fcr Tod erkl\u00e4rten, enden heute ihre Reden mit &#8222;Gl\u00fcck auf &#8222;. Ist das nicht ein Hohn f\u00fcr diejenigen die tats\u00e4chlich die Kohle gerochen haben oder sogar daf\u00fcr gestorben sind ? Was bleibt vom Bergbau und und wie bewahren wir uns eine gewisse Erinnerungskultur.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Am 12.11.1990 wurde die Kohlef\u00f6rderung auf dem Bergwerk Camphausen eingestellt. Das Wahrzeichen der Anlage Camphausen ist der \u201eHammerkopf-F\u00f6rderturm\u201c. Dieser wurde mittlerweile als \u201eHistorisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland\u201c ausgezeichnet. Seltsamerweise muss ich jedes Jahr im Februar verst\u00e4rkt an meine Zeit im Bergwerk Camphausen denken. Ich habe dieses Kapitel meines Lebens noch immer nicht aus meinen Knochen gesch\u00fcttelt. Das Bergwerk Camphausen hat mich gepr\u00e4gt und wird f\u00fcr immer in meiner Erinnerung bleiben. Schlie\u00dflich ist nichts so schlecht, dass es nicht auch f\u00fcr etwas gut w\u00e4re ! Am Ende habe ich in Camphausen auch einiges gelernt: B\u00fcck dich f\u00fcr den Anderen, Steh f\u00fcr den N\u00e4chsten auf, teile dein letztes St\u00fcck Brot und hilf wo du helfen kannst. Vergiss nie: Dein Kamerad ist wichtig, pass gut auf ihn auf ! Gl\u00fcck auf !<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"467\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325358613_3318726155042813_8163378957073667084_n-700x467.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14649\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325358613_3318726155042813_8163378957073667084_n-700x467.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325358613_3318726155042813_8163378957073667084_n-300x200.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325358613_3318726155042813_8163378957073667084_n-768x512.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/325358613_3318726155042813_8163378957073667084_n.jpg 1094w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer wieder im Februar erfasst mich eine gewisse Melancholie. Zu keiner anderen Zeit im Laufe eines Jahres muss ich \u00f6fters an meine Zeit &#8222;unter Tage&#8220; denken. Das Bergwerk Camphausen spielt in meinem Leben gewichtige Rolle. Heute arbeite ich in einem Dienstleistungsunternehmen. Auf meiner t\u00e4glichen Tour durch das Saarland, erblicke ich vielerorts alte F\u00f6rdert\u00fcrme, Berghalden, Absinkweiher und ehemaligen Bergarbeitersiedlungen. 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