{"id":15297,"date":"2023-06-24T11:38:12","date_gmt":"2023-06-24T10:38:12","guid":{"rendered":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=15297"},"modified":"2023-06-24T11:38:14","modified_gmt":"2023-06-24T10:38:14","slug":"die-musig-wor-sei-laewe-erinnerungen-einer-echten-dirmingerin-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=15297","title":{"rendered":"&#8222;Die Musig wor sei L\u00e4we&#8220; &#8211; Erinnerungen einer echten Dirmingerin"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Mit Blick auf unseren einheimischen Dialekt bin ich st\u00e4ndig auf der Suche nach neuen Erkenntnissen. Dabei ist mir vor kurzer Zeit ein \u00e4lterer Text der Dirmingerin Hannelore Schwammbach in die H\u00e4nde gefallen. Sprache unterscheidet die Menschen wobei die Mundart und der Dialekt immer auf der Stra\u00dfe entsteht. Wenn wir unseren Dialekt auch weiterhin nutzen und \u201eschw\u00e4tze\u201c geht er uns niemals verloren.<\/strong> <strong>Die Dirmingerin Hannelore Schwammbach ist mittlerweile verstorben. Vor ihrem Tot hatte Sie mich und meine Heimatforschung mit Bildmaterial und Texten unterst\u00fctzt. Hannelore hatte vor vielen Jahren einen Text, auf Mundart im Dirminger Dialekt entworfen und in einem kleinen saarl\u00e4ndischen B\u00fcchlein ver\u00f6ffentlicht. Sie hatte mir diesen Text zur Verf\u00fcgung gestellt und mir das Versprechen abgenommen, dass ich diese Zeilen einmal ver\u00f6ffentlichen werde. Gesagt, getan! Ich pflege meine Versprechen zu halten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em><strong>Von Hannelore Schwammbach, Dirmingen<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em><strong>So schw\u00e4ddse mir\u2026\u2026.<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em><strong>Die Musig wor sei L\u00e4we<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em><strong>\u201eVom Babbe\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Eich benn enne musikalisch Familie e ren gebor. De Babbe on ach mei zwei Gro\u00dfv\u00e4dda ware gro\u00dfe Musiger, se han de Derminger Musikverein gegr\u00fcndet. De Babbe hat drei Instrumente gespilt, Klarinet, Saxefon on Gei. Er wor Dirigend vom Musikverein. In Eppelborn hat er im Sinfonieorchester mitgespilld. Im Kriech wor er in Worms bei da Milid\u00e4rkappell.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Mei zwei Br\u00fcrer on eich durften jerer e Instrumend leere, obwohl mei Mame net vill Geld hott, weil se nau gebaud horre. Se hat bes en die Nachd enenn gen\u00e4d. De Babbe wor en Russland. Vom Gaade, vom Schwein, da Gei\u00dfe on da Hinkele han mir us ern\u00e4hrt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Vor alle Dinge von de Mame ihra N\u00e4herei. Eich han schon frie koche geleerd. Met 12 han eich schon alles konnd, do hot de Mame kenne an da N\u00e4hmaschin setze bleiwe kenne.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Bei us on ach beim Gro\u00dfvadder es vill geong wor, bei jerem Familiefeschd. Eich han schon mit f\u00fcnf Johr all\u00e4n en da Kersch vor da Frau Sch\u00e4fer Klavier spille geleerd. Mei \u00e4lschda Brurrer ess ach in de Klavierstonn gang.\u00a0 Et Klavier konnd de Mame us net k\u00e4fe, user Onkel Rudolf hat us dat Geld geleend. Er wor Junggesell on hot of da Grub gud verdiend.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>De Manfred, usa J\u00fcngschda, wor de Sonneschein im Kriech. Der hott de ganze Dach gesong. Von deh\u00e4m bes en de Kennegade. Als die Amis komm senn, es er durch die Stro\u00df gelaft on hot gesong: \u201e Wir werden weitermaschieren wenn alles in Scherben f\u00e4llt, denn heude geh\u00f6rt uns Deutschland und morgen die ganze Welt\u201c. Mei Mame hat geschreid: \u201eManfred, beschde ruhig!\u201c der wussde net, wieso er off \u00e4mol nemme senge soll.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Als mei Babbe 1948 aus russischa Gefangenschaft komme ess, hott a die Danzkapell Dacapo gegr\u00fcndet. Ma wore 6 Mann. Geprobt han ma en usem Wohnzemmer. De Babbe hot vill Geduld met us. Ma wore e Schlagzejer, e Trombeder, 2 Saxefonspilla, mei Mame Akkordeon on eich Klavier. Zu der Zeit stand noch en jerem Saal e Klavier. Vor meich wor dat ziemlich anstrengend, vor allen Denge an Fasend, wenn ma drei N\u00e4chde durchspille moschde. Eich han die Arme nemme gespierd. De Babbe hot emma de \u00dcwablick on alles em Greff. Wenn ma mol e kleen Paus mache wollde, hat der ganze Saal geschreid: \u201eDie Musig hat Schlof !\u201c Mei Babbe hot gro\u00df Geduld on Ausdauer.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>\u00c4hna Vorfall wll eich noch vazehle: Ma han em Nachbarort Berschweller e Familieowend dorf Rote Kreuz gespillt. De Sanit\u00e4tsarzt on die Apothekerin wore ach do. Se hann metenanna gedanzd. Of eimol kemmd der junge Mann, der schon sehr angedrunge wor, schreid us an: \u201eDir kenne net spille\u201c, rei\u00dfd die Node von da St\u00e4nna on werft se of de Borrm. Mei Babbe wor die Seel von em Mensch, awwer hei har asich schwer beherrsche messe. Mir han die B\u00e4hn geschlockerd, awwa de Babbe hat auch die Situation gerettet.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Am annere Dach, eich han en da Abodeg em Haushalt geschafft, es de Dokda erriwwa komm on hat gesad: \u201e Hannelore, sag deinem Babbe, dass es mir sehr, sehr leid dud, ich will mich entschuldigen. Ich hann de Herr Rothe sehr beleidigt!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Dann pl\u00f6tzlich aus heiterem Himmel es mei Babbe an em Schlaganfall met 62 Joahr 1966 gestorb. Vor meich es e Weld zesamme gebroch. Die Kapell Dacapo muschde ma aufl\u00f6se. Eich hann nur noch mei Klavier on die Erinnerunge.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>En da Begegnungsst\u00e4tte vom Rote Kreuz spill eich noch Volkslieder on alde Schlager. Die komme net aus der Mode. Die anderen Noden hann eich an junge Musiger verschenkt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>(Quelle und Text: Hannelore Schwammbach, Dirmingen)<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"644\" height=\"419\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/1-644x419.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1846\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/1-644x419.jpg 644w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/1-300x195.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/1-768x499.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/1.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 644px) 100vw, 644px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Aus den Erz\u00e4hlungen von Hannelore Schwammbach:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Im Jahre 1948 wurde die Tanzkapelle \u201eDa Capo\u201c gegr\u00fcndet. Hannelore Schwammbach war Gr\u00fcndungsmitglied dieser Kapelle und berichtet im originalen Wortlaut:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">\u201eMein Vater August Rothe hat 1948, als er aus der russischen Gefangenschaft kam, die Tanzkapelle \u201eDa Capo\u201c gegr\u00fcndet. Er war einer der letzten Heimkehrer aus Dirmingen. Zu der Kapelle geh\u00f6rten: Helmut \u201eSchlesse\u201c Wagner am Schlagzeug, Herbert Kiefer Trompete, G\u00fcnter Kiefer Saxophone, mein Mann Manfred am Akkordeon und ich (Hannelore Schwammbach) am Klavier. Mein Vater spielte Klarinette, Saxophon und Violine. Geprobt wurde in unserem Wohnzimmer. Wir spielten nicht nur in Dirmingen. Da es zu der Anfangszeit noch keinen Lautverst\u00e4rker gab, war es f\u00fcr mich sehr anstrengend an der Fastnacht drei N\u00e4chte in die Tasten zu hauen. Es war nicht immer leicht die Leute in Stimmung zu bringen. Einmal im &#8222;Hesedenz Saal! waren die Leute au\u00dfer Rand und Band und wir hatten Angst die Decke st\u00fcrzt ein. Im &#8222;Johne Saal&#8220;, beim Lumpenball, lagen sie alle auf dem Boden. Der &#8222;Johne Wirt\u201c sah immer zufrieden dem Treiben zu. Wenn wir mal Pause machen wollten schrie der ganze Saal: &#8222;Die Musik hat schloof&#8220;. Mein Vater hatte immer gute Laune und eine Himmelsgeduld und Ausdauer. Beim dicken Paul, am fetten Donnerstag, bekamen wir zur Pause einen prall gedeckten Tisch. Es gibt sch\u00f6ne und auch nicht so sch\u00f6ne Erinnerungen. Ich k\u00f6nnte aus dieser Zeit ein Buch schreiben. Als mein Vater 1966, im Alter von 62 Jahren, verstarb mussten wir die Kapelle aufl\u00f6sen. F\u00fcr mich brach damals eine Welt zusammen. Mein Klavier und die Erinnerungen sind mir geblieben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Soweit der Originalbericht im Wortlaut von Hannelore Schwammbach.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Blick auf unseren einheimischen Dialekt bin ich st\u00e4ndig auf der Suche nach neuen Erkenntnissen. Dabei ist mir vor kurzer Zeit ein \u00e4lterer Text der Dirmingerin Hannelore Schwammbach in die H\u00e4nde gefallen. Sprache unterscheidet die Menschen wobei die Mundart und der Dialekt immer auf der Stra\u00dfe entsteht. Wenn wir unseren Dialekt auch weiterhin nutzen und \u201eschw\u00e4tze\u201c geht er uns niemals<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1847,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_crdt_document":"","footnotes":""},"categories":[1,8],"tags":[216,1065,5,1066,618,127,310],"class_list":["post-15297","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-sellemols-und-awweile","tag-derminge","tag-dialekt-mundart","tag-dirmingen","tag-echte-derminga","tag-gemeinde-eppelborn","tag-landkreis-neunkirchen","tag-saarland"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15297","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15297"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15297\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15299,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15297\/revisions\/15299"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1847"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15297"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15297"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15297"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}