{"id":15702,"date":"2023-09-20T16:37:10","date_gmt":"2023-09-20T15:37:10","guid":{"rendered":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=15702"},"modified":"2023-09-20T16:37:12","modified_gmt":"2023-09-20T15:37:12","slug":"echte-derminga-das-gaensegretel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=15702","title":{"rendered":"Echte &#8222;Derminga&#8220;: Das G\u00e4nsegretel"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Das alte evangelische Pfarrhaus steht seit vielen Jahren unter Einzeldenkmalschutz. Die links neben dem Pfarrhaus verlaufende Stra\u00dfe hat ihren Namen \u201eHerreng\u00e4rten\u201c wohl in \u201eAnlegung an die Herrschaft derer die das sp\u00e4tere Pfarrhaus im Jahre 1736 erbauten und dort lebten\u201c. In unseren Chroniken finden wir Hinweise darauf, dass die Stra\u00dfe bereits im Jahre 1684 \u201eHohlgasse\u201c genannt wurde. Ihren eigentlichen Namen \u201eHerreng\u00e4rten\u201c bekam die Stra\u00dfe jedoch erst viel sp\u00e4ter in den 1960-er Jahren. In den Chroniken finden wir unter der Rubrik Flurbezeichnungen den Text: \u201eIm Besitz der Herren des Ortes, die in einem Ortsteil zusammenwohnen und als die reichsten Bauern des Ortes gelten. Wahrscheinlich sind dies die \u00e4ltesten Siedler (Freisassen). Nicht ausgeschlossen ist auch, dass es sich um die G\u00e4rten der \u201eH\u00e4re\u201c d.i der Geistlichen handelte\u201c.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Vieles deutet darauf hin, dass dieses Pfarrhaus zuvor als Jagd sitz der Herrscherfamilie Nassau-Saarbr\u00fccken genutzt wurde. Bis heute ranken sich viele Sagen und Geschichten um das barocke Anwesen. Eine der bekanntesten Erz\u00e4hlungen handelt von der saarl\u00e4ndischen F\u00fcrstin Katharina Kest, die im Volksmund auch \u201eG\u00e4nsegretel\u201c genannt wurde. Katharina Kest oder besser das G\u00e4nsegretel ist wohl die bekannteste Pers\u00f6nlichkeit mit Dirminger Wurzeln. Das M\u00e4dchen aus einfachen Verh\u00e4ltnissen entwickelte sich im Laufe ihres Lebens von einer Magd zur M\u00e4tresse und schlie\u00dflich zur Freifrau und Reichsgr\u00e4fin von Ottweiler, Herzogin von Dillingen und sp\u00e4terer F\u00fcrstin von Nassau Saarbr\u00fccken. Katharina war die Ehefrau des F\u00fcrsten Ludwig von Nassau-Saarbr\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Die Mutter der F\u00fcrstin, eine gewisse Barbara Wohlfahrt, wohnte in Dirmingen und soll Magd am ehemaligen Jagdschloss oder Pfarrhaus in Dirmingen gewesen sein. Aus den Chroniken geht hervor, dass das Ehepaar Johann Christoph Kest, aus Fechingen und Anna Barbara Wohlfahrt aus Dirmingen heirateten. Die Eltern von Anna Barbara Wohlfahrt waren einfache Bauern aus Dirmingen. Den historischen Quellen zufolge diente Anna Barbara Wohlfahrt (Wagner) als Magd in dem kleinen Jagdschloss derer von Nassau-Saarbr\u00fccken. In Dirmingen lernte Sie auch irgendwann ihren sp\u00e4teren Ehemann Johann Georg Kest kennen und lieben. Die beiden wurden ein Ehepaar zogen nach Fechingen. In ihrer neuen Heimat bekamen die Beiden eine gemeinsame Tochter: Das M\u00e4dchen wurde auf den Namen Katharina getauft und ging als \u201eG\u00e4nsegretel\u201c in die saarl\u00e4ndische Geschichte ein.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"497\" height=\"717\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/katharina_kest.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4444\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/katharina_kest.jpg 497w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/katharina_kest-208x300.jpg 208w\" sizes=\"auto, (max-width: 497px) 100vw, 497px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Das G\u00e4nsegretel<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"565\" height=\"787\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Grenzi.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4441\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Grenzi.jpg 565w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Grenzi-215x300.jpg 215w\" sizes=\"auto, (max-width: 565px) 100vw, 565px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Grenzsteine Nassau-Saarbr\u00fccken in Dirmingen<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Katharina Kest, das G\u00e4nsegretel, wurde am 1. M\u00e4rz 1757 in Fechingen als Leibeigene geboren. Ihr Vater erzog Katharina zur Magd, wobei das F\u00fcttern der G\u00e4nse schon fr\u00fch zu ihren Aufgaben geh\u00f6rte. Ob ihr Name \u201eG\u00e4nsegretel\u201c vom H\u00fcten der G\u00e4nse abgeleitet wurde, ist nicht nachzuweisen. Der Legende zufolge bekam sie ihren Spitznamen, aufgrund der Tatsache, dass Sie die entlaufene Gans ihres Religionslehrers rettete. Katharina befreite die Gans und bewahrte diese vor der Misshandlung einiger Jugendlicher. Katharina brachte die Gans heil zu ihrem Besitzer zur\u00fcck und erhielt postum den Namen \u201eG\u00e4nsegretel\u201c. Als ihr Vater starb musste Katharina und ihre Mutter, nach einem langj\u00e4hrigen Rechtsstreit \u00fcber das Verm\u00f6gen der Gro\u00dffamilie, Haus und Hof verlassen. Gemeinsam zogen die beiden in die Landeshauptstadt Saarbr\u00fccken. Dort erhofften sich Mutter und Tochter bessere Lebensbedingungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Freifrau Frederike Amalie von Dorsberg war zu dieser Zeit die offizielle M\u00e4trese des F\u00fcrsten Ludwig von Nassau Saarbr\u00fccken. Sie hatte zwei uneheliche Kinder mit dem F\u00fcrsten. Die Freifrau stellte damals die erst 15-j\u00e4hrige Katharina als Kinderm\u00e4dchen und Kammerzofe ein. Katharina war damals sehr frisch, bescheiden und flei\u00dfig. Die Freifrau von Dorsberg wollte die Zofe f\u00f6rdern und ihr eine Ausbildung geben. Auf Bitten der F\u00fcrstin Amalie von Dorsberg lie\u00df F\u00fcrst Ludwig die gute Katharina in Metz zur Dame ausbilden. Der F\u00fcrst \u00fcberzeugte sich selbst bei einer routinem\u00e4\u00dfigen Fahrt von den Fortschritten des M\u00e4dchens. In Paris und Nancy wurde Katharina schlie\u00dflich zu einer vollendenden Dame ausgebildet. Ostern 1774 kehrte sie mit 16 Jahren zu ihrer G\u00f6nnerin und dem F\u00fcrsten nach Saarbr\u00fccken zur\u00fcck und wurde zur neuen M\u00e4tresse des F\u00fcrsten. Am 1. September 1774 schloss Ludwig, der seit 1766 verheiratet war und zudem zwei uneheliche Kinder mit Frederike Amalie von Dorsberg hatte, mit Katharina eine morganatische Ehe (\u201eEhe zur linken Hand\u201c). Katharina bekam den Titel Freifrau von Ludwigsberg verliehen. Im Jahre 1775 reiste der F\u00fcrst mit Frau Dorsberg und Katharina zu einem Jagdschloss nach J\u00e4gersfreude. Dort kam es zu einem Eklat, der in Adelskreisen zu einem echten Skandal aufgeputscht wurde. Der F\u00fcrst machte Katharina den Hof. Dies lie\u00df sich Freifrau von Dorsberg nicht gefallen und zog ihre Konsequenzen. Bald darauf gingen die Freifrau und der F\u00fcrst getrennte Wege.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Aus Ludwig und Katharina wurde nun ganz offiziell ein Paar. Zuvor rang Katharina der F\u00fcrst jedoch das Versprechen ab, dass ihre Verbindung f\u00fcr immer halten sollte und ohne Schande f\u00fcr Sie \u00fcber die B\u00fchne ging. Der F\u00fcrst war erstaunt \u00fcber dieser naiven Freimut, k\u00fcsste sie und streifte ihr einen Goldreif \u00fcber den Finger. Katharina trennte sich nie mehr von diesem Ring und trug diesen bis zu ihrem Tod an ihrem Finger. Obwohl der F\u00fcrst immer noch offiziell mit Wilhelmine von Schwarzenburg -Rudolstadt verheiratet war und mit ihr auch einen gemeinsamen Sohn hatte, legte der F\u00fcrst sein Hauptaugenmerk auf Katharina. Der F\u00fcrst liebte seine Katharina, und sie liebte ihn. Davon geben Dutzende Briefe, sicher in den Archiven verwahrt, und zahlreiche Erz\u00e4hlungen von Zeitgenossen Zeugnis. Jedoch vor allem bei der Geistlichkeit stie\u00df diese Verbindung auf gro\u00dfen Widerstand. Die F\u00fcrstin lebte noch und war \u00e4u\u00dferst beliebt beim Volk. Thomas Baltasar Roll\u00e9, f\u00fcrstlicher Hofprediger, berichtete von einem typischen Vorfall. Katharina besuchte die Schlosskirche an einem Sonntag und setzte sich in den Kirchenstuhl der F\u00fcrstin. Roll\u00e9 war emp\u00f6rt und rief ihr zu: \u201eHure, weiche deiner F\u00fcrstin!&#8220; Katharina eilte sofort zum F\u00fcrsten und forderte Rache. Der befahl den Pastor zu sich und legte seine Waffen bereit, um ihn zu erschie\u00dfen. Die Freunde baten Roll\u00e9 h\u00e4nderingend, der Aufforderung nicht nachzukommen und erst einmal abzuwarten, bis der schlimmste Zorn verraucht w\u00e4re. Aber der ging zu seinem F\u00fcrsten mit der Bibel unterm Arm: \u201eIch bin gerufen, ich werde gehen&#8220;. Vor dem F\u00fcrsten \u00f6ffnete er die Bibel mit den Worten: \u201eHier steht es geschrieben, Teufel kratz es aus!&#8220; Ludwig imponierte diese Haltung. Er lie\u00df die Waffen unber\u00fchrt und lud den Prediger an seine Tafel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Der F\u00fcrst erreichte beim Kaiser, dass Katharina im Jahre 1783 in den Stand einer Reichsgr\u00e4fin von Ottweiler erhoben wurde. Im Jahre 1784 wurde Katharina zur Reichsgr\u00e4fin von Ottweiler erkoren und 1789 zur Herzogin von Dillingen benannt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Nachdem F\u00fcrstin Wilhelmine 1780 verstarb, durften Ludwig und Katharina endlich heiraten. Am 28 Januar 1787 schlossen die beiden ihre Ehe. Wenige Tage sp\u00e4ter wurde Katharina zur F\u00fcrstin von Nassau Saarbr\u00fccken berufen. Im Jahre 1789 wurde Adolf, das einzige eheliche geborene ihrer insgesamt sieben Kinder geboren. Als 1793 die franz\u00f6sische Revolution das Saarland erreichte floh die f\u00fcrstliche Familie nach Mannheim und sp\u00e4ter nach Aschaffenburg. Im Jahre 1794 starb F\u00fcrst Ludwig. Katharina kehrte nach Mannheim zur\u00fcck und verstarb am 11. Dezember 1829. Tragischerweise starben mit Ausnahme von Tochter Luise alle ihre Kinder vor der Gr\u00e4fin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Bis heute wird das Andenken der Gr\u00e4fin von Ottweiler gepflegt und als touristische Attraktion vermarktet. Das \u201eG\u00e4nsegretel\u201c hat einen hohen Stellenwert in unserem beschaulichen L\u00e4ndchen. Dabei sollte bei allem Respekt niemals vergessen werden, dass das \u201eG\u00e4nsegretel\u201c echtes &#8222;Derminga&#8220; Blut in sich trug. \u00a0<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das alte evangelische Pfarrhaus steht seit vielen Jahren unter Einzeldenkmalschutz. Die links neben dem Pfarrhaus verlaufende Stra\u00dfe hat ihren Namen \u201eHerreng\u00e4rten\u201c wohl in \u201eAnlegung an die Herrschaft derer die das sp\u00e4tere Pfarrhaus im Jahre 1736 erbauten und dort lebten\u201c. 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