{"id":17691,"date":"2024-08-09T16:19:30","date_gmt":"2024-08-09T15:19:30","guid":{"rendered":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=17691"},"modified":"2024-08-09T16:35:09","modified_gmt":"2024-08-09T15:35:09","slug":"kindheitserinnerungen-am-balken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=17691","title":{"rendered":"Kindheitserinnerungen &#8211; Am Balken"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Ich d\u00fcrfte 10 Jahre alt gewesen sein: Voller Energie, Tatendrang und Lebensfreude. Obwohl mir die ganze Welt offenstand und ich viele Wege h\u00e4tte w\u00e4hlen k\u00f6nnen, gab es da ein einziges Hindernis, dass ich unbedingt \u00fcberqueren wollte oder musste. Wie einst \u201eDon Quichote\u201c, vor seinen Windm\u00fchlen, stand ich am Ufer der Alsbach vor dem schmalen Balken, der die beiden Ufer miteinander verbindet. Ganz fr\u00fcher soll an dieser Stelle schon einmal eine alte Br\u00fccke gestanden haben. Als die Zeichen der Zeit diesem alten Bauwerk zu arg zusetzten, lie\u00df man nach dem Abriss der Br\u00fccke einfach den Balken stehen. Ich habe bis heute nicht verstanden, wie man damals zu diesem Entschluss kommen konnte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Nun stand ich also vor diesem Balken und musste irgendwie r\u00fcber auf die andere Seite. Jeder schafft dass und so wird es auch mir irgendwie gelingen m\u00fcssen. Ich redete mir selbst Mut zu und rieb meine feuchten H\u00e4nde an meiner Hose ab. Rainer hatte mittlerweile die Nerven verloren und herrschte mich an: \u201eWas ist denn? Beeil dich\u201c. \u201eNichts\u201c, kein Problem, nur kein Stress\u201c, entgegnete ich l\u00e4ssig. Schlie\u00dflich war es doch nur ein Balken und zudem die einzige M\u00f6glichkeit von der einen Seite des Albachsufers zur anderen Seite zu gelangen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>L\u00e4ngst bevor die heutige Alsbachbr\u00fccke zwischen Borrwieshalle und der heutigen Grundschule gebaut wurde, gab es dort halt nur diesen einen eisernen Balken, der von einer vorherigen Br\u00fcckenkonstruktion stammte. Zugegebenerma\u00dfen musste man schon etwas balancieren k\u00f6nnen, um diesen Balken zu \u00fcberqueren. F\u00fcr die meisten war das \u00dcberlaufen dieses Balkens kein Problem. Ich pers\u00f6nlich hatte immer mit mir selbst zu k\u00e4mpfen. Selbstvertrauen und Sicherheit geh\u00f6rten als Kind nicht unbedingt zu meinen St\u00e4rken. Rainer war schon dr\u00fcben und ich musste nun auf die andere Seite. Langsam ging ich Schritt f\u00fcr Schritt \u00fcber das Geb\u00e4lk. Auf der anderen Seite angekommen lie\u00df ich mir nichts von meiner Nervosit\u00e4t anmerken. \u201cKein Problem, los es geht weiter\u201c. Rainer konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen und folgte mir in Richtung Alsbachauen.<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"480\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/dirmingen216-700x480.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-17696\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/dirmingen216-700x480.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/dirmingen216-300x206.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/dirmingen216-768x526.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/dirmingen216-1536x1053.jpg 1536w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/dirmingen216-2048x1404.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Der Balken hatte bestenfalls eine Breite von ca. 20 cm. Bei einer Fallh\u00f6he von 1, 80 Metern konnte dem \u00dcberl\u00e4ufer ohnehin nicht allzu viel passieren. T\u00e4glich nutzten zahlreiche Menschen den Balken als Abk\u00fcrzung. Obwohl ein paar Meter weiter in Richtung Ortsmitte noch eine Br\u00fccke die Alsbach \u00fcberquerte, nutzen viele Einheimische den Balken um Zeit zu gewinnen. Nach au\u00dfen hin tat ich immer sicher und souver\u00e4n, wenn ich jedoch allein war, vermied ich die \u00dcberquerung des Balkens. Immerhin war meine Sorge nicht unbegr\u00fcndet. Wenn das Eisen erstmal nass war, stieg die Rutschgefahr enorm. Au\u00dfer einer nassen Kleidung, ein paar blauer Flecken und einem Bad in der Alsbach konnte jedoch nicht viel passieren. Von daher lag meine Sorge nicht darin mich zu verletzen oder nass zu werden, sondern vielmehr darin mich zu blamieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Ich hatte eigentlich immer schon ein Talent daf\u00fcr, mich zu blamieren. Von daher war dieser Balken f\u00fcr mich eine echte Herausforderung. Blo\u00df nicht fallen, dass g\u00e4be ein Gel\u00e4chter. Rainer hatte andere Probleme. Zur Anfertigung eines Baumhauses musste eine Leiter von der einen Uferseite zur anderen Seite \u00fcber den Balken transportiert werden. \u201eDas geht nicht Rainer\u201c fauchte ich meinen Kameraden an. \u201eWieso soll das nicht gehen\u201c erwiderte er entschlossen. Gekniffen hatte ich noch nie also w\u00fcrde ich auch diese Aufgabe angehen. Also ging es mit der Leiter auf der rechten Seite (Grundschulseite) \u00fcber den Balken. Rainer ging voraus und ich bildete das Ende. In der Mitte des Balkens kamen wir zum ersten Mal ins Wackeln. \u201eHalte ruhig\u201c fauchte Rainer mich an.\u201c Ich bin ruhig\u201c geh jetzt endlich weiter\u201c. Es konnte nicht gut gehen. Als Rainer die andere Seite erreichte und naturgem\u00e4\u00df eine kleine Kurve gehen musste war es um mich geschehen. Ich sah die Alsbach immer n\u00e4herkommen und schlug schlie\u00dflich mit einem gewaltigen \u201eRumms\u201c ins Gew\u00e4sser.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Rainer hatte seinen Spa\u00df und kam aus dem Lachen nicht mehr raus. F\u00fcr mich galt: Wie sag ich\u2019s meiner Mutter?! Schlie\u00dflich hatte Sie mir verboten \u00fcber den Balken zu gehen. Es nutzte nichts. Nass bis auf die Haut nahm ich den Weg auf mich und ging Nachhause. Meine Oma rette schlie\u00dflich die Situation und gab mir trocken Kleidung. Mutter wei\u00df bis heute nichts von diesem Vorfall.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"471\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/B-Borrwies-700x471.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-17697\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/B-Borrwies-700x471.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/B-Borrwies-300x202.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/B-Borrwies-768x517.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/B-Borrwies.jpg 1300w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Nur wenige Jahre sp\u00e4ter hatte ich einen Mini-Job als Zeitungsjunge angenommen. Alle zwei Wochen musste ich Zeitschriften und Fernsehzeitungen zu den Leuten bringen. Bereits nach einigen Monaten machte mir die Arbeit keinen Spa\u00df mehr. Mein Vater bestand jedoch darauf, dass ich meine Arbeit fristgerecht erledigte. Die Zeitungen mussten immer von der Wochenmitte bis zum Wochenende verteilt werden. Ich hatte nie Zeit und Lust f\u00fcr diesen Job und nutzte jede m\u00f6gliche Ausrede und Abk\u00fcrzung. Eines Tages regnete es stark und der Balken war eigentlich viel zu nass zum \u00fcberqueren. Ich war jedoch aufgrund meines Fu\u00dfballtrainings in gro\u00dfer Eile. Immerhin warteten die Jungs bereits auf dem Belker. Ich stand unter enormen Zeitdruck und der uns\u00e4gliche Regen gab mir den Rest. Um Zeit zu gewinnen, w\u00e4hlte ich mit dem Balken die denkbar schlechteste Variante. Warum hatte ich nicht auf mein Bachgef\u00fchl geh\u00f6rt? Ich wusste doch genau, dass nasses Eisen gef\u00e4hrlich glatt werden kann. Nat\u00fcrlich endete auch diese Geschichte f\u00fcr mich in der Alsbach. Diesmal war nicht nur meine Kleidung, sondern auch alle Zeitungen und Zeitschriften klatschnass. Von den Kunden gab es Beschwerden und von meinen Eltern Hausarrest.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>\u00dcbrigens nahm ich auch schon mal in der Ill ein unfreiwilliges Bad. Aber dass, ist eine andere Geschichte !<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich d\u00fcrfte 10 Jahre alt gewesen sein: Voller Energie, Tatendrang und Lebensfreude. Obwohl mir die ganze Welt offenstand und ich viele Wege h\u00e4tte w\u00e4hlen k\u00f6nnen, gab es da ein einziges Hindernis, dass ich unbedingt \u00fcberqueren wollte oder musste. 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