{"id":19567,"date":"2026-02-16T16:31:50","date_gmt":"2026-02-16T15:31:50","guid":{"rendered":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=19567"},"modified":"2026-02-16T16:38:23","modified_gmt":"2026-02-16T15:38:23","slug":"kindheitserinnerungen-an-die-faasend-warum-eigentlich-hoppla-hopp","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=19567","title":{"rendered":"Erinnerungen an die &#8222;Faasend&#8220; meiner Kindheit"},"content":{"rendered":"\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>\u201eS is Faasenaachd, \u2019s is Faasenaachd, die Kischelcher genn gebagg; eraus demedd, eraus demedd,ma schdesche se in de Sagg.\u201eUnn wenn die Mamme k\u00e4\u00e4 Kischelscher baggd, dann bloose ma \u00e4wwe off die Faasenaachd\u201c<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Mit diesem uralten saarl\u00e4ndischen Fastnachtslied verbinde ich bis heute die sch\u00f6nsten Kindheitserinnerungen. Mit &#8222;Kischelcher&#8220; waren nat\u00fcrlich die \u201eFaasendkischelscher&#8220;, also Berliner gemeint. Meine Oma und meine Mutter backten am Fastnachtssonntag immer gemeinsam die leckeren, fettigen Hefeteilchen. Angeblich wollte im Jahre 1756 ein Berliner B\u00e4cker seinem Herrscher Friedrich dem Gro\u00dfen dienen. Nachdem der Mann als Wehruntauglich abgelehnt wurde, bekam er jedoch die M\u00f6glichkeit als B\u00e4cker die das Regiment zu versorgen. Angeblich soll der B\u00e4cker als &nbsp;Dank, die&nbsp;kanonenkugelrunden&nbsp;Hefeteigb\u00e4llchen&nbsp;zubereitet&nbsp;haben.&nbsp;Weil&nbsp;es&nbsp;zu dieser Zeit jedoch keinen&nbsp;Backofen&nbsp;gab,&nbsp;wurden die Teilchen in der&nbsp;Fettpfanne&nbsp;\u00fcber&nbsp;offenem&nbsp;Feuer&nbsp;zubereitet. Immerhin haben sich die Hefeteilchen bis heute als &#8222;Berliner Pfannkuchen&#8220; in den Kochb\u00fcchern unserer Republik gehalten. Ob diese Legende tats\u00e4chlich der Wahrheit entspricht, entzieht sich meiner Kenntnis. Fakt ist, dass im Saarland die Berliner oder Krapfen fest zum Karnevalsbrauchtum geh\u00f6ren.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Das Wort \u201eFasching\u201c wurde erstmals im 13. Jahrhundert belegt. Damals verstand man unter dem \u201eFastenschank\u201c den letzten Ausschank von Alkohol vor Beginn der strengen Fastenzeit. Wie auch immer, der Begriff &#8222;Fastnacht\u201c, \u201eFasnacht\u201c oder &#8222;Fasenacht&#8220; orientiert sich eng am kirchlichen Jahreslauf der katholischen Kirche. Mein pers\u00f6nlicher Karrierestart als &#8222;Faasebooz&#8220; begann als Kind einer protestantischen Familie eher holprig. Meine Familie distanzierte sich schon ein wenig von dem herk\u00f6mmlichen karnevalistischen Brauchtum der katholischen Kirche. Als Kind war das alles schwer zu verstehen. Ich bekam am Aschermittwoch nie ein Aschekreuz und f\u00fchlte mich manchmal schon etwas ausgegrenzt. Meine Eltern waren keine echten &#8222;Faasebooze&#8220; und beteiligten sich auch nie an einer Kappensitzung. Am Fastnachtssonntag und Rosenmontag wurde jedoch das Wohnzimmer mit Luftschlangen und bunter Fastnachtsdekoration geschm\u00fcckt. Mein Bruder und ich liefen als Cowboys oder Indianer (ups jetzt habe ich es tats\u00e4chlich das &#8222;verbotene Wort&#8220; ausgeschrieben) durch das Wohnzimmer und verfeuerten unsere Platzpatronen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"686\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/20260213_061756-700x686.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-19571\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/20260213_061756-700x686.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/20260213_061756-300x294.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/20260213_061756-768x753.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/20260213_061756-1536x1506.jpg 1536w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/20260213_061756-75x75.jpg 75w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/20260213_061756.jpg 1704w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Ich erinnere mich an die alten Fernsehsendungen &#8222;Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht&#8220; und an die \u00dcbertragungen der K\u00f6lner Karnevalsumz\u00fcge. Im Hause Klein auf der Hohl herrschte an Fastnacht immer eine ausgelassene Stimmung. Fastnacht hat immer viel mit Brauchtum, Tradition, Heimat und dem eigenen Dialekt zu tun. Jede Familie tr\u00e4gt ihre eigene Geschichte, in der auch der Karneval mal mehr oder weniger eine gewisse Rolle spielt. In der heutigen Zeit geraten alte Br\u00e4uche und Sitten immer mehr in Vergessenheit. Im Saarland gab es fr\u00fcher den alten Brauch, dass die Kinder an Rosenmontag und Veilchendienstag \u201csingen gehen\u201d oder \u201cklingeln gehen\u201d. Kost\u00fcmiert zogen die Kinder in kleinen Gruppen von Haus zu Haus um dort zu \u201cklingeln\u201c und zu betteln. \u00d6ffnete sich eine T\u00fcr, begannen die Kinder damit, einen kleinen Reim oder ein kleines Liedchen vorzutragen. In Dirmingen und sicherlich auch im ganzen Saarland lautete der Reim meistens wie folgt:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>\u201eIch bin ein kleiner K\u00f6nig,<\/strong> <strong>gib mir nicht zu wenig, lass mich nicht zu lange stehen, ich muss noch ein Haus weitergehen.\u201c<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">F\u00fcr Kinder bot dieser alte Heische Brauch die Gelegenheit sich vor der Fastenzeit nochmal so richtig mit S\u00fc\u00dfigkeiten \u201cvoll zu stopfen\u201c. Meistens wurden die Kinder nach ihrem Vortrag mit S\u00fc\u00dfigkeiten oder Kleingeld belohnt. Schade, heutzutage findet dieser alte Heische Brauchtum kaum noch Anklang. Mit dem Brauchtum ist es wie mit unserem einheimischen Dialekt, der ja regionalbedingt zur Fastnacht auch eine gewichtige Rolle spielt. Wenn wir unsere &#8222;Sprooch&#8220; nicht ehren und reden, wird sie irgendwann in Vergessenheit geraten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Fasnacht ist ein christliches Fest und eng verbunden mit der darauf folgenden 40-t\u00e4gigen christlichen Fastenzeit als Vorbereitung auf das Osterfest. Das wird schon am Namen deutlich: Denn das Wort \u201eFasnacht\u201c bezeichnet den Zeitraum vor Anbruch der Fastenzeit. Der Ursprung des Wortes Karneval findet sich im Lateinischen. \u201eCarne vale\u201c hei\u00dft \u00fcbersetzt so viel wie: \u201eFleisch, leb wohl\u201c. Seit dem 12. Jahrhundert stellen die Christen den vierzig heiligen Tagen der Fastenzeit eine Zeit der Sinneslust und V\u00f6llerei voran. Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit und die Kirche begleitet Jesus in dieser Zeit auf seinem Weg durch Leid und Tod bis zur Auferstehung an Ostern. Karneval und Fastenzeit geh\u00f6ren eng zusammen, denn die Fastnacht definiert sich ja von der Fastenzeit her.<\/strong>\u00a0<strong>Im Hause Klein hatte Fastnacht nicht allzu viel mit Christentum, Kirche und Glaube zu tun.<\/strong> <strong>Lediglich am Fastnachtswochenende verwandelte sich unser Wohnzimmer in eine Narrhalla.<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"726\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/20260216_161009-700x726.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-19604\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/20260216_161009-700x726.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/20260216_161009-289x300.jpg 289w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/20260216_161009-768x797.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/20260216_161009-1481x1536.jpg 1481w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/20260216_161009-1975x2048.jpg 1975w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Nat\u00fcrlich wurde fr\u00fcher ganz anders Fastnacht gefeiert, als heutzutage. Die damaligen Umz\u00fcge waren l\u00e4ngst nicht so prunkvoll. Im Wesentlichen spielte sich das fastn\u00e4chtliche Treiben in den gro\u00dfen S\u00e4len unseres Heimatortes ab. Auch das Fastnachtswochenende wurde l\u00e4ngst nicht so exzessiv gefeiert. Der Rosenmontag hatte in meiner Kindheit einen h\u00f6heren Status als in der heutigen Zeit. In meinen Erinnerungen wurde der Rosenmontag immer v\u00f6llig unbeschwert mit viel Freude und vielen bunten Farben begangen. Luftschlangen, Konfetti und fettige S\u00fc\u00dfwaren waren allgegenw\u00e4rtig.<\/strong> <strong>Schon am fr\u00fchen Morgen war in der K\u00fcche Hochbetrieb. Bunte Luftschlangen zierten den Raum und lustige Karnevalslieder wurden auf dem Schallplattenspieler abgespielt. Mein Vater machte sich einen Spa\u00df daraus, dass ganze Zimmer zu dekorieren.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Kinder liefen, geschminkt und verkleidet durch das Dorf und pflegten alte Heische Br\u00e4uche. Meine Oma bastelte immer Kapit\u00e4ns M\u00fctzen aus Papier. Meine Eltern, meine Gro\u00dfmutter und mein Bruder versammelten sich vor dem Fernseher um die Karnevalsumz\u00fcge in K\u00f6ln, D\u00fcsseldorf und Mainz zu verfolgen. Meine Kindheitserinnerung an die Fastnacht sind durchweg positiv und unbeschwert. Ein Tag voller Freude, Spa\u00df und wundersch\u00f6ner Momente in einer eher beschwerlichen Zeiten. Als Kind war insbesondere der Rosenmontag f\u00fcr mich ein ganz besonderer Tag. Heute habe ich, nicht zuletzt wegen meiner Mitgliedschaft im KKV Dirmingen eine andere, aber nicht weniger, besondere Verbindung zur Fastnacht. Die Fastnacht hat f\u00fcr mich, auch als protestantischer Christ, einen enorm hohen Stellenwert. Kein anderes Fest identifiziert sich derma\u00dfen mit Heimat, Tradition und Dorfkultur wie die Fastnacht. Seltsamerweise finden sich meine Kindheitserinnerungen in der heutigen Form der Fastnacht kaum wieder. So ist das Leben, jede Zeit hat ihre Besonderheiten. Obwohl die Fastnacht in ihrer ureigenen Form immer gleich bleibt, wird sie doch von Generation zu Generation anders gefeiert und gelebt. Gut so, Hoppla Hopp !<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"666\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/20260216_160935-700x666.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-19605\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/20260216_160935-700x666.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/20260216_160935-300x285.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/20260216_160935-768x730.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/20260216_160935-1536x1461.jpg 1536w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/20260216_160935.jpg 1936w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eS is Faasenaachd, \u2019s is Faasenaachd, die Kischelcher genn gebagg; eraus demedd, eraus demedd,ma schdesche se in de Sagg.\u201eUnn wenn die Mamme k\u00e4\u00e4 Kischelscher baggd, dann bloose ma \u00e4wwe off die Faasenaachd\u201c Mit diesem uralten saarl\u00e4ndischen Fastnachtslied verbinde ich bis heute die sch\u00f6nsten Kindheitserinnerungen. 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