{"id":1972,"date":"2018-08-26T12:32:57","date_gmt":"2018-08-26T11:32:57","guid":{"rendered":"http:\/\/echta-derminga.de\/?p=1972"},"modified":"2021-03-04T16:09:54","modified_gmt":"2021-03-04T15:09:54","slug":"ein-altes-friedhofskreuz-als-mahnmal-vom-frueheren-verhaeltnis-der-katholen-und-evangelen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=1972","title":{"rendered":"Ein altes Friedhofskreuz als Mahnmal \u2013 Vom fr\u00fcheren Verh\u00e4ltnis der Katholen und Evangelen"},"content":{"rendered":"\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><strong><em>Ein Christ ist ein solcher Mensch, der gar keinen Hass noch Feindschaft wider jemand wei\u00df, keinen Zorn noch Rache in seinem Herzen hat, sondern eitel Liebe, Sanftmut und Wohltat. <\/em><\/strong><\/p><cite><strong><em>(Martin Luther)<\/em><\/strong><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Heute leben Protestanten und Katholiken friedlich miteinander in unserem Dorf. In den letzten Jahren wird zudem immer \u00f6fter an die \u00d6kumene gedacht. Es spielt l\u00e4ngst keine Rolle mehr welcher Konfession man angeh\u00f6rt und ob man nun letztlich zum Gottesdienst geht oder die heilige Messe besucht. In Dirmingen lebten seit der Reformation 1575, \u00fcber viele Jahrhunderte, \u00fcberwiegend protestantische Einwohner. Heute hat sich dies relativiert und beide Konfessionen haben ihren festen Platz in der Mitte unserer Gesellschaft. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Nat\u00fcrlich gibt es immer noch Unterschiede zwischen den katholischen und den evangelischen Christen. Die gr\u00f6\u00dften Streitpunkte liegen im Verh\u00e4ltnis zum Papsttum, des Z\u00f6libats und in der Art und Weise wie man das Abendmahl feiert. W\u00e4hrend bei den Katholiken w\u00e4hrend des Abendmahls das Brot gewandelt wird, erinnern die evangelischen Christen w\u00e4hrend ihrer Zeremonie an den Tod Jesu Christi. Bei den Katholiken ist die Wandlung von Brot und Wein ein Zeichen daf\u00fcr, dass Jesus Christus wirklich in der Feier des Gottesdienstes anwesend ist. Bei uns Protestanten hingegen sind Brot und Wein beim Abendmahl eher ein Symbol f\u00fcr die Liebe Jesu Christi zu den Menschen. Letztlich d\u00fcrfen in der evangelischen Kirche alle Christen das Abendmahl gemeinsam feiern. Bei den Katholiken hingegen wird in diesem Fall keinen Wert auf die \u00d6kumene gelegt. In Dirmingen dauerte es viele Jahrhunderte bis sich das Verh\u00e4ltnis zwischen Katholischen und evangelischen Christen entspannte. \u00dcber viele Jahre herrschte ein angespannte und oftmals sogar feindliches Verh\u00e4ltnis, das sich letztlich sogar in er Politik widerspiegelte.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/P1000111_1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1997\" width=\"450\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/P1000111_1.jpg 600w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/P1000111_1-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><figcaption>Kapelle an der katholischen Kirche Dirmingen.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Die Geschichte der Katholen und Evangelen in unserem Dorf ist gepr\u00e4gt von Missgunst, Vorurteil und Abneigung. Bereits die Kinder wurden fr\u00fcher in konfessionelle Kinderg\u00e4rten und Schulen geteilt. In meiner Kinderzeit war bereits das schlimmste \u00fcberstanden und wir besuchten gemeinsam erst die alte evangelische Schule, in der heutigen Urexweilerstrasse, und sp\u00e4ter die heutige Alsbachschule. Immer wieder gab es zwischen beiden Konfessionen Reibereien. Viele Jahre wurde z.B dar\u00fcber diskutiert aus welchem Grunde wir eigentlich \u201eKerb\u201c feiern. Eines vorab, unsere \u201eKerb\u201c hat nichts mit dem Patronatsfest der St. Wendalinusgemeinde zu tun. Als eine der wenigen Kirmessen im Saarland wird die \u201eDerminga Kerb\u201c anl\u00e4sslich der Einweihung der evangelischen Kirche in der Ortsmitte gefeiert. Auch im Sport hatte man verschiedene Auffassungen. W\u00e4hrend es die Evangelischen mehr zum Handballsport hinzog, wurde bei den Katholiken der Fu\u00dfball bevorzugt. Heute pflegen die Evangelische Kirchengemeinde Dirmingen und die Katholische St. Wendalinusgemeinde ein gutes und harmonisches Miteinander, dabei spielt es l\u00e4ngst keine Rolle mehr warum wir eigentlich \u201eKerb\u201c feiern. Hauptsache ist, wir &#8222;Derminga&#8220; feiern sie gemeinsam. Das war bei Leibe nicht immer so und hat sich erst vor wenigen Jahrzehnten relativiert. Unser Ortsbild wird gepr\u00e4gt vom Turm der heutigen evangelischen Kirche in der Ortsmitte. Auch diese Kirche war \u00fcber viele Jahre Streitpunkt zwischen beiden Konfessionen. Am Ende wurde die Kirche den Evangelischen zugesprochen. Auch diese Entscheidung sorgte keineswegs f\u00fcr eine Entspannung zwischen den beiden Konfessionen. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1981\" width=\"450\" height=\"253\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/3.jpg 600w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/3-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><figcaption>Evangelische Kirche Dirmingen.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Ich pers\u00f6nlich finde, dass die evangelische Kirche in der Ortsmitte das echte Wahrzeichen unseres Dorfes darstellt. Immerhin war die Kirche vor der Reformation im Jahre 1575 Katholisch. Ich habe aus meinem Traum nie einen Hehl gemacht: Warum schaffen wir es nicht, dass beide Konfessionen eine Kirche nutzen und dort abwechselnd Gottesdienst oder Messe feiern. Auch das Gemeindehaus k\u00f6nnten wir gemeinsam nutzen. Leider sind wir noch nicht soweit und es trennt uns noch so einiges.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Immerhin fand in der heutigen evangelischen Kirche Dirmingen das wohl sch\u00f6nste Ereignis zwischen katholischen und evangelischen Christen in Dirmingen statt. Nach der Bombardierung der alten katholischen Kirche auf dem Rothenberg, am 21.Februar 1945, stellte die Evangelische Kirchengemeinde ihre Kirche zur Verf\u00fcgung. Es wurde das sogenannte Simultaneum abgehalten. Berichten zufolge war das Verh\u00e4ltnis beide Konfessionen zu dieser Zeit ausgesprochen gut und ausgeglichen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Heute erinnert kaum noch etwas an das schwierige Verh\u00e4ltnis zwischen den Katholen und Evangelen in Dirmingen. Die Betonung liegt dabei auf \u201eKaum noch etwas\u201c! Da gibt es tats\u00e4chlich eine winzige Kleinigkeit. <strong>Auf dem Dirminger Friedhof erinnert noch heute ein altes Kreuz an die Geschichte und die Entwicklung beider Konfessionen in unserem Dorf.<\/strong> Auf der rechten Seite des Friedhofes steht am oberen Ende des Weges, der den \u00e4ltesten Friedhofsteil in zwei gleich gro\u00dfe Fl\u00e4chen teilte, unter B\u00e4umen ein mit einem Kruzifix geschm\u00fccktes steinernes Kreuz. Um dieses Kreuz, auf dessen Sockel die Jahreszahl 1899 steht, hat es eine besondere Bewandtnis. Die Geschichte des Kreuzes spiegelt das gemeindliche Zusammenleben von Katholiken und Protestanten in unserem Ort. Dieses Kreuz erinnert daran, dass fr\u00fcher eine deutliche Kluft zwischen den Katholischen und den evangelischen Einwohnern unseres Heimatortes klaffte.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/4.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1985\" width=\"448\" height=\"569\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/4.jpg 597w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/4-236x300.jpg 236w\" sizes=\"auto, (max-width: 448px) 100vw, 448px\" \/><figcaption>Altes Friedhofskreuz<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Der \u00e4lteste Dirminger Friedhof lag ehemals um die evangelische Kirche. Die Kirche wurde, wie bereits erw\u00e4hnt, nach der Reformation im Jahre 1575 und dem darauffolgenden Frieden von Ryswyk von 1697 den Protestanten zugesprochen. Die Katholiken durften die Kirche mitbenutzen wobei die evangelische Kirchengemeinde den Friedhof um die Kirche als Eigentum betrachtete. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Nachdem die verstorbenen der katholischen Einwohner zun\u00e4chst auf dem evangelischen Friedhof geduldet wurden mussten die Katholiken ab dem Jahre 1774 auf dem Friedhof in Urexweiler bestattet werden. Im Jahre 1894 beschloss der Dirminger Gemeinderat den Bau eines Zivilfriedhofes auf dem Distrikt \u201eBamert\u201c an der Stra\u00dfe zwischen Dirmingen und Eppelborn. Im Jahre 1896 wurde der Friedhof nach evangelischem Ritus vom damaligen Pfarrer Otto Bingel eingeweiht. Im Jahre 1899 richtete die katholischen B\u00fcrger Dirmingens ein Gesuch an den Gemeinderat um \u00dcberlassung eines Teiles des neuen Friedhofes. Die katholischen Mitb\u00fcrger hatten, bis dahin, aufgrund der eigenen Bestattungsmodalit\u00e4ten mit diversen Schwierigkeiten zu k\u00e4mpfen und f\u00fchlten sich benachteiligt. Der Dirminger Gemeinderat entsprach dem Wunsch der katholischen Einwohner und bewilligte ihnen einen Viertel des neuen Friedhofes. So wurden etwa ab Mitte des Jahres 1899 die verstorbenen katholischen Einwohner auf dem zugewiesenen Teil des Friedhofes beigesetzt. Am 03.06.1899 wurde auf dieser zugewiesenen Fl\u00e4che ein von dem Bildhauer Johann Naumann angefertigtes Friedhofskreuz aufgestellt. Die Katholiken hatten dieses Kreuz in Auftrag gegeben und bezahlt. Nach einem Einspruch der Protestanten und dem Bedenken der Trierer Bezirksregierung, die eine Problem damit hatte, dass der Friedhof nach konfessionellen Gesichtspunkten eingeteilt war wurde das Friedhofskreuz am 14. Juli 1900 im Auftrag der Ortspolizeibeh\u00f6rde in die Mitte des Friedhofes versetzt. Am 02. Februar wurde die erste Friedhofsordnung erlassen. Diese Ordnung sah vor, dass die Verstorbenen in der Reihenfolge des Todeseintrittes ohne konfessionelle Trennung beigesetzt werden sollen. Nach erneuten Meinungsverschiedenheiten von Mitgliedern beider Konfessionen versetzten die katholischen Einwohner das Kreuz an seine jetzige Stelle. Heute, \u00fcber 120 Jahre sp\u00e4ter, erinnert das Kreuz immer noch an die damaligen Probleme zwischen Katholiken und Protestanten in unserem Ort. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Der jetzige Friedhof wurde im Jahre 1951 auf die Gr\u00f6\u00dfe von 12000 qm erweitert. Im Jahre 2012 besitzt der Friedhof neben den \u00fcblichen Gr\u00e4bern einige Urnenw\u00e4nde und ein Urnentiefengrabfeld. Die Geschichte unseres Friedhofes spiegelt also auch die Geschichte unseres Heimatortes und der Menschen, die dort lebten und leben wieder.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong><em>Die wahre Kirche besteht in der Erw\u00e4hlung und Berufung durch Gott (Martin Luther).<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Christ ist ein solcher Mensch, der gar keinen Hass noch Feindschaft wider jemand wei\u00df, keinen Zorn noch Rache in seinem Herzen hat, sondern eitel Liebe, Sanftmut und Wohltat. (Martin Luther) Heute leben Protestanten und Katholiken friedlich miteinander in unserem Dorf. In den letzten Jahren wird zudem immer \u00f6fter an die \u00d6kumene gedacht. 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