{"id":20472,"date":"2026-09-27T15:27:32","date_gmt":"2026-09-27T14:27:32","guid":{"rendered":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=20472"},"modified":"2026-09-27T15:49:07","modified_gmt":"2026-09-27T14:49:07","slug":"zwischenbilanz-der-generation-x-das-leben-der-nachkriegsenkel-und-kassettenkindern-zwischen-der-wende-dem-kalten-krieg-und-tschernobyl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=20472","title":{"rendered":"Zwischenbilanz der Generation X &#8211; Das Leben der Nachkriegsenkel und Kassettenkindern in Zeiten der Wende, dem kalten Krieg und Tschernobyl"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Die Generation X wird heute als vergessene Generation bezeichnet. Geboren zwischen 1965 und 1975, aufgewachsen im Schatten der geburtenstarken Babyboomer und lange bevor das Internet unser Leben ver\u00e4nderte. Wir waren die Kinder der 1970er und die Jugendlichen der 1980er Jahre. Wir waren die Generation dazwischen. Nicht laut genug, um st\u00e4ndig gesehen zu werden, aber stark genug, um vieles allein zu tragen. Die Generation X war rebellisch und stand dem Aufbruch und der Rebellion immer offen entgegen. Die Generation X bestand gr\u00f6\u00dftenteils aus Schl\u00fcsselkindern. Wenn die Schule vorbei war, musste die Wohnungst\u00fcr selbst ge\u00f6ffnet werden. Der Schl\u00fcssel lag meistens unter der Fu\u00dfmatte oder steckte in der Jackentasche. Viele Kinder waren gezwungen sich selbst etwas zu Essen zu machen und ihre Hausaufgaben ohne Unterst\u00fctzung zu bew\u00e4ltigen. Nicht, weil sich niemand um die Kinder der Generation X k\u00fcmmerte, sondern weil der Alltag und das Familienleben fr\u00fcher anders funktionierten. Die Kinder lernten fr\u00fch, selbstst\u00e4ndig zu sein. Die Kinder der Generation X wussten, wie man sich besch\u00e4ftigt, ohne st\u00e4ndig unterhalten zu werden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">So war das bei der Generation X. Bei mir pers\u00f6nlich lief das jedoch anders. Ich war kein Schl\u00fcsselkind. Meine Oma und meine Mutter waren immer Zuhause. Gott sei Dank blieb mir das Dasein eines Schl\u00fcsselkindes erspart. Unsere Kindheit verlief jedoch komplett analog. Wir hatten kein Internet, keine Smartphones und keine sozialen Medien. Niemand wusste jederzeit, wo wir waren. Wenn wir Freunde treffen wollten, klingelten wir an der Haust\u00fcr oder verabredeten uns am Vorabend. Wir schrieben Zettel, f\u00fchrten Telefonate mit einem Telefon, das noch fest an der Wand stand, und warteten geduldig darauf, dass jemand zur\u00fcckrief.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"515\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20260927_155433-700x515.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-20477\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20260927_155433-700x515.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20260927_155433-300x221.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20260927_155433-768x565.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20260927_155433.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Wir waren Kassettenkinder. Habt ihr schon einmal eine Musikkassette aus dem Bandsalat befreit? Vorsichtig, mit einem Bleistift oder Kugelschreiber, wurde das Band wieder aufgerollt. Jeder Millimeter musste stimmen, damit die Lieblingsmusik nicht verloren war. Wir sa\u00dfen mit dem Finger auf der Aufnahmetaste und warteten im Radio auf unseren Lieblingssong. Blo\u00df nicht zu fr\u00fch dr\u00fccken. Blo\u00df nicht die Stimme des Moderators mit aufnehmen. Und wenn das Lied endlich kam, war jeder Ton kostbar. Als sogenanntes \u201eKassettenkind\u201c konnte man jedes Lied auswendig mitsingen. Die 80-ger Jahre haben bis heute einen festen Platz in meinem Herzen. Das war meine Zeit: Zauberw\u00fcrfel, Kassettenrecorder, NENA -Poster an der Wand, ZDF &#8211; Hitparade und Wetten, dass ..?\u00a0 am Samstagabend, erstes \u201eSch\u00e4fer-Bier\u201c, Walkman auf dem Kopf und die erste Liebe im Herzen. Jede Kassette erz\u00e4hlte eine Geschichte. Die erste Seite f\u00fcr gute Laune, die zweite f\u00fcr Herzschmerz. Manche Kassetten wurden so oft \u00fcberspult, bis das Band fast durchsichtig war. Und wenn die Kassette irgendwann leierte, wussten wir trotzdem noch genau, an welcher Stelle unser Lieblingslied begann.<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"387\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20210522_162602-700x387.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-20478\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20210522_162602-700x387.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20210522_162602-300x166.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20210522_162602-768x424.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20210522_162602-1536x849.jpg 1536w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20210522_162602-2048x1132.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Wir sammelten Schallplatten. Jede Woche fuhr ich mit dem Zug in den n\u00e4chsten Plattenladen. Wir wussten, wie vorsichtig man eine Nadel aufsetzen musste. Wir pusteten Staub von der Platte, h\u00f6rten das leise Knacken und wussten: Jetzt beginnt etwas Besonderes. Musik war kein Hintergrundger\u00e4usch, das jederzeit verf\u00fcgbar war. Wir mussten sie ausw\u00e4hlen, kaufen, aufnehmen oder mit jemandem teilen. Vielleicht hat sich das Vinyl gerade deshalb so tief in unsere Erinnerung eingebrannt und erlebt heutzutage wieder eine <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Renaissance\"><\/a>Renaissance. Wir hatten Plattenschr\u00e4nke, Kassettenboxen und Lieder, die uns durch ganze Lebensabschnitte begleiteten. Ich pers\u00f6nliche verf\u00fcge noch heute \u00fcber einen Teil meiner ersten Plattensammlung.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"468\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20210522_162515-700x468.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-20479\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20210522_162515-700x468.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20210522_162515-300x200.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20210522_162515-768x513.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20210522_162515.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Wir waren Kinder der 80er. Eine Zeit voller Gegens\u00e4tze. Bunte Farben, gro\u00dfe Frisuren, Punks und Popper, Schulterpolster und Neon. Gleichzeitig aber auch eine Zeit, in der die Angst vor der Zukunft st\u00e4ndig sp\u00fcrbar war. Die atomare Aufr\u00fcstung und der Kalte Krieg geh\u00f6rten zu unserer Wirklichkeit. Wir wussten, dass die Welt jederzeit aus den Fugen geraten k\u00f6nnte. Die Vorstellung einer m\u00f6glichen Zerst\u00f6rung war keine Filmszene, sondern etwas, das Erwachsene ernsthaft besch\u00e4ftigte und das auch wir Kinder sp\u00fcrten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Die achtziger Jahre waren gezeichnet von politischer Bewegung. Die Saarl\u00e4nderin Nicole gewann 1982 mit \u201eEin bisschen Frieden\u201c den ESC und Tennislegende Steffi Graf begeisterte die Sport- und M\u00e4nnerwelt. Die Musik dieses Zeitalters hat bis heute einen hohen Stellenwert. Ich behaupte: Die Musik von heute wurde in den 80er Jahren gepr\u00e4gt. Echte handgemachte Rockmusik, mit echten Instrumenten und S\u00e4ngerinnen und S\u00e4ngern ganz ohne KI gesteuerte T\u00f6ne. Die 80-ger waren schrill und vielf\u00e4ltig. Punks und Popper stritten \u00fcber den besten Stil und in den Kinos lief \u201eFootloose\u201c, \u201eLa Boum\u201c oder \u201eFlaschdance\u201c. Im Fernsehen hingegen liefen mit \u201eDallas\u201c und \u201eDenver-Clan\u201c die ersten \u201eDaily Soaps\u201c wobei der Tatort mit Horst Schimanski seinen ersten Kult-Kommissar bekam. Im Radio liefen die Ohrw\u00fcrmer in Dauerschleife Von \u201e99 Luftballons\u201c bis \u201eForever Young\u201c \u00fcber \u201eThriller\u201c bis hin \u201eMaterial Girl\u201c. Ich habe mich mein Leben lang nach den besten wei\u00dfen Turnschuhen der Welt, die ADIDAS -Allround, gesehnt. Bekommen habe ich sie leider nie.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"512\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20260927_155504-700x512.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-20480\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20260927_155504-700x512.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20260927_155504-300x220.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20260927_155504-768x562.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20260927_155504.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Dann kam Tschernobyl. Pl\u00f6tzlich war etwas Unsichtbares in der Luft. Es wurde dar\u00fcber gesprochen, ob man drau\u00dfen spielen durfte, ob Regen gef\u00e4hrlich war und ob bestimmte Lebensmittel gegessen werden konnten. Wir verstanden vielleicht nicht jedes Detail, aber wir sp\u00fcrten die Unsicherheit. Die Welt war nicht so sicher, wie wir sie als Kinder gern geglaubt h\u00e4tten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Wir erlebten die Wende. Wir sahen, wie Grenzen sich \u00f6ffneten, wie Mauern fielen und wie sich ein ganzes Land ver\u00e4nderte. F\u00fcr viele war es ein Moment der Hoffnung, f\u00fcr andere auch ein Moment der Verunsicherung. Wir waren alt genug, um zu begreifen, dass Geschichte nicht nur in B\u00fcchern geschieht. Wir erlebten sie selbst. F\u00fcr mich pers\u00f6nlich der Sturz der Mauer ein absoluter Gl\u00fccksfall. Die Diskussion um Wessis und Ossis habe ich nie verstanden. Aus meiner Sicht wuchs am 09. November 1989 zusammen, was zusammengeh\u00f6rt. Die endlosen Diskussionen \u00fcber den besseren Lebensstandard h\u00e4ngen mir zum Hals raus. Ich pers\u00f6nlich war oft genug in den \u201eneuen Bundesl\u00e4ndern\u201c und konnte mich davon \u00fcberzeugen, dass deren St\u00e4dte und Stra\u00dfen besser sind als bei uns im Saarland. Die Wiedervereinigung ist auch nach so vielen Jahren l\u00e4ngst nicht abgeschlossen. Der Osten h\u00e4ngt in vielerlei Hinsicht noch hinterher. Die L\u00f6hne und Renten sind geringer als im Westen und die Anzahl der Menschen, die von Sozialhilfe leben ist weitaus h\u00f6her als bei uns. Es gibt also noch einiges zu tun.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"525\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/240968898_4283483851688834_6197395564612246281_n-700x525.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-20481\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/240968898_4283483851688834_6197395564612246281_n-700x525.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/240968898_4283483851688834_6197395564612246281_n-300x225.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/240968898_4283483851688834_6197395564612246281_n-768x576.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/240968898_4283483851688834_6197395564612246281_n-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/240968898_4283483851688834_6197395564612246281_n.jpg 1548w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Die 1980er waren meine Zeit. Erinnerungen an das erste \u201eSch\u00e4fer Bier\u201c, die K\u00fcche meiner Oma Erna, meine Stammkneipe \u201eAlte Post\u201c und mit der ersten liebe in \u201eCharly\u2019s Disco\u201c. W\u00e4hrend im Jahre 1989 Geschichte geschrieben wurde, drehte sich die Welt im beschaulichen Dirmingen weiter. Unser Dorf hatte gegen Ende der 1980-ger Jahre das alte Gemeindehaus, die alte evangelische Schule, die \u201eAlte M\u00fchle\u201c und das alte Doktorhaus durch Abbrucharbeiten verloren. Binnen weniger Jahre ver\u00e4nderte sich das Ortsbild unseres Dorfes. Die Welt war im Wandel, dass sp\u00fcrte man auch in meinem Heimatdorf Dirmingen. Im Herbst 1989 war der verst\u00e4rkte Ausreisestrom aus der ehemaligen DDR<\/strong> <strong>bis nach Dirmingen sp\u00fcrbar. Immer mehr Menschen fl\u00fcchteten \u00fcber Ungarn nach Deutschland. Ohne Gewalt, mit viel Beharrlichkeit, setzte sich die sogenannte \u201eMacht der Stra\u00dfe\u201c St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck durch. Wir sa\u00dfen damals ganz oft zusammen am Stammtisch und fragten uns wie das wohl enden wird und wie lange die DDR -F\u00fchrung noch stillh\u00e4lt. Keiner konnte sich vorstellen, dass diese Vorkommnisse zum Fall der Mauer f\u00fchren w\u00fcrden. Damals gab es auch kritische Stimmen, die sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz machten. Die Frage: Wer das alles bezahlen sollte, stellte sich schon damals. An solchen Diskussionen habe ich mich niemals beteiligt. Ich konnte sehr gut nachvollziehen, dass die Menschen sich nach Freiheit sehnten. Ich habe mich schon damals von jeder Art der Fremdenfeindlichkeit distanziert. Zur Wahrheit geh\u00f6rt jedoch sehr wohl, dass es auch in unserer Region nicht nur Beifall f\u00fcr die friedlichen Demonstrationen im Osten gab.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Die Generation X sammelte im Gegensatz zu dem \u201eBabyboomern\u201c und Nachkriegskindern wieder den Mut zur politischen Meinungs\u00e4u\u00dferung. Die \u201eGr\u00fcnen\u201c standen pl\u00f6tzlich zur Wahl und die stillen Konflikte zwischen Nachkriegskindern und Nachkriegsenkel wurden deutlich sp\u00fcrbar. Die Frustration der Generation x endete in Sex, Drugs und Rock\u2018n Roll. Die Zeiten wurden schriller, lauter und spezieller. &#8222;No Future&#8220;: ein Leben zwischen &#8222;Hosen&#8220;, &#8222;Onkelz&#8220;, Maffay, Gr\u00f6nemeyer und \u00c4rzten. Aber auch zwischen Roland Kaiser, Udo J\u00fcrgens und dem ganzen Schlagerkarussel. Im Dorf waren wir irgendwo zwischen Punk und Pop. Zur absoluten Extreme fehlte oft der letzte Mut. Die 80er Jahren waren eine Zeit voller Sehns\u00fcchte und Tr\u00e4ume: Kaugummi-Automaten, Berg-und Talbahn oder Autoscooter fahren, erster Kuss, erste Liebe, erste Entt\u00e4uschung. Geblieben sind die Lieder und die damit verbundenen Erinnerungen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"481\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/dirmingen1323-700x481.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-20486\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/dirmingen1323-700x481.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/dirmingen1323-300x206.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/dirmingen1323-768x528.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/dirmingen1323-1536x1056.jpg 1536w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/dirmingen1323-2048x1408.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Wir sind die Nachkriegsenkel. Unsere Eltern waren gepr\u00e4gt von Entbehrungen, Aufbau und der festen \u00dcberzeugung, dass man im Leben durchhalten muss. Vieles wurde nicht erkl\u00e4rt, sondern vorgelebt. Sparsamkeit. P\u00fcnktlichkeit. Ordnung. Pflichtbewusstsein. Zuverl\u00e4ssigkeit. Die Generation X hatte zu gehorchen. Man reparierte, was kaputt war. Man warf nicht alles sofort weg. Man half den Nachbarn. Man hielt sein Wort. Wenn man etwas zugesagt hatte, dann galt das. Pragmatismus war keine Mode, sondern eine \u00dcberlebenshaltung. Man machte weiter, auch wenn es schwierig wurde. Steh\u2018 auf, wisch dir den Mund ab, putz die die Nase, h\u00f6r auf zu heulen und mach weiter. Gef\u00fchle waren ein Zeichen der Schw\u00e4che und durften niemals \u00f6ffentlich gezeigt werden. Bei Jungs ging das schonmal \u00fcberhaupt nicht: \u201eBoys dont cry\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">In der Schule und zu Hause herrschten Regeln, die heute kaum noch vorstellbar sind. Eine Ohrfeige galt damals noch als Erziehungsmittel. Das machte sie nicht richtig, aber es geh\u00f6rte zu einer Zeit, in der Erwachsene ihre \u00dcberforderung und ihre Strenge oft anders auslebten. Wir lernten, uns anzupassen, leise zu sein und durchzuhalten. Wir lernten aber auch, dass sich Zeiten ver\u00e4ndern m\u00fcssen. Unsere Jugend war nicht immer einfach. Aber sie war echt. Wir standen stundenlang drau\u00dfen, fuhren Fahrrad, spielten Fu\u00dfball auf der Stra\u00dfe und kamen nach Hause, wenn es dunkel wurde. Wir hatten aufgeschlagene Knie, nasse Schuhe und Geschichten, die niemand fotografiert hat. Ich habe tausend Bilder von diesen Zeiten in meinem Kopf. Wir spielten noch auf Brasche Fu\u00dfball und mussten noch mit einem Lederball kicken. Bei Regen wurde dieser Ball tonnenschwer.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"492\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/001-9-700x492.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-20482\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/001-9-700x492.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/001-9-300x211.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/001-9.jpg 759w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Wir bauten unsere eigene Welt. Mit Freunden, mit Musik, mit B\u00fcchern, mit Spielen und mit Gespr\u00e4chen, die bis sp\u00e4t in den Abend gingen. Wir wussten, wie man wartet. Auf einen Brief. Auf einen Anruf. Auf eine neue Folge im Fernsehen. Auf ein Lied im Radio. Geduld habe ich trotz dieser intensiven Zeit dennoch nicht gelernt. &nbsp;Generation X bedeutet nicht, dass fr\u00fcher alles besser war. Unsere Zeit hatte ihre Schatten, ihre \u00c4ngste und ihre Fehler. Aber sie hat uns gepr\u00e4gt. Sie hat uns gelehrt, Verantwortung zu \u00fcbernehmen, auch wenn niemand zusah. Sie hat uns gezeigt, dass man nicht alles besitzen muss, um gl\u00fccklich zu sein. Und sie hat uns eine Form von Freiheit geschenkt, die heute verloren scheint.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Generation X.\u00a0 Wir sind die Schl\u00fcsselkinder. Die Kassettenkinder. Die Nachkriegsenkel. Die Kinder der 80er. Die Generation zwischen gestern und morgen. Kassettenkinder wissen noch, wie sich ein Mixtape angef\u00fchlt hat, dass man ganz pers\u00f6nlich zusammengestellt hat. Wir kennen das Ger\u00e4usch einer Schallplatte, das Klicken des Kassettenrekorders und das Warten auf den richtigen Moment. Wir haben gelernt, ohne Navi ans Ziel zu kommen, ohne Helm Fahrrad zu fahren und ohne im Internet nach Antworten zu suchen und ohne Smartphone den Kontakt zu halten. Leider habe ich diese Gabe im Laufe der Jahre verdr\u00e4ngt und verloren. Heute lebe ich sehr gerne mit meinem Smartphone.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Im Juni dieses Jahres ist meine Mutter verstorben. Meine Eltern geh\u00f6ren zu den Nachkriegskindern. Jede Zeit hat ihre Geiseln und jede Zeit hat ihre wunderbaren Momente. Flower-Power, die Beatles, die Rolling Stones und der gute alte Rock&#8217;n Roll entstanden zu dieser Zeit. Seltsam, erst kurz vor ihrem Tod nannte ich meine Mutter wieder &#8222;Mama&#8220;. Die Jahre rief ich Sie immer nur Mutter. Meine Mutter war eine sehr herzliche Person die ihren Lebensmittelpunkt in ihren Kindern und sp\u00e4ter in ihren Enkel- und Ur-Enkelkinder fand. Meine Mutter starb viel zu fr\u00fch. Manchmal frage ich mich, wie Sie ihre Jugendzeit durchlebte. Im Grunde wei\u00df ich viel zu wenig von ihr. Mit ihrem Tod wurde mir ein St\u00fcckweit mehr vor Augen gef\u00fchrt, dass wir die Generation X irgendwann die N\u00e4chsten sein werden. Wir hoffen, dass dauert noch ein wenig. Wer wei\u00df, wohin der Wund uns treibt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"472\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20260927_1610061-700x472.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-20484\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20260927_1610061-700x472.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20260927_1610061-300x202.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20260927_1610061-768x517.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20260927_1610061.jpg 1400w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Wenn ich heute irgendwo eine alte Kassette leise rauschen h\u00f6re, eine alte Schallplatte knistert oder ein Lied aus den 80ern erklingt, dann ist pl\u00f6tzlich alles wieder da: der Geruch der Kindheit, von Biermaische, Missthaufen, die Stimmen von fr\u00fcher, die Stra\u00dfen unserer Jugend, mein Dorf, der Wald meiner Kindheit, die Gesichter, die wir nie vergessen haben und dieses besondere Gef\u00fchl, das nur wir kennen. Das Gef\u00fchl, aus einer Zeit zu kommen, die es so nicht mehr gibt.<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"591\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20260417_2205241-700x591.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-20483\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20260417_2205241-700x591.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20260417_2205241-300x253.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20260417_2205241-768x648.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20260417_2205241-1536x1296.jpg 1536w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20260417_2205241-2048x1728.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Zwischenbilanz. Die Generation X befindet sich nun im fortgeschrittenen Alter. Mein Jahrgang befindet sich inmitten in der 50ger Jahre und blickt gespannt ihren 60gern entgegen. Was kommt noch? Bleiben wir gesund? Die H\u00e4lfte des Lebens d\u00fcrfte vorbei sein und die ersten Gedanken an das Sterben werden sp\u00fcrbar. Die Einschl\u00e4ge kommen n\u00e4her. &nbsp;Die Haare sind nicht mehr so voll und das H\u00fcftgold wird zusehends f\u00fclliger. Auch unsere M\u00e4dels haben mit den Zeichen der Zeit zu k\u00e4mpfen, wobei sie noch weitaus besser davonkommen als wir Jungs. Wir kommen nun in ein Alter in den verschiedenen K\u00f6rperstellen schon mal wehtun k\u00f6nnen. &nbsp;Mitten im Sp\u00e4tsommer des Lebens sollte man eine Zwischenbilanz ziehen. Daf\u00fcr ist in erster Linie jeder selbst verantwortlich. Es ist immer das, was man daraus macht. Ans Ende sollten wir jedoch noch lange nicht denken. Es liegt noch vieles vor der Generation X. Meine pers\u00f6nliche Zwischenbilanz als Mitglied der Generation X lautet: Hurra, wir leben noch, soweit so gut, durchatmen, Aufstehen, Knochen richten und weitermachen. Genauso wie wir es als Kassettenkinder gelernt haben: Aufgeben ist keine Option. Machen wir unser pers\u00f6nliches Ding daraus. Es liegt noch ein langer Weg vor uns Sp\u00e4tsommerkindern der Generation X<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Generation X wird heute als vergessene Generation bezeichnet. Geboren zwischen 1965 und 1975, aufgewachsen im Schatten der geburtenstarken Babyboomer und lange bevor das Internet unser Leben ver\u00e4nderte. Wir waren die Kinder der 1970er und die Jugendlichen der 1980er Jahre. Wir waren die Generation dazwischen. Nicht laut genug, um st\u00e4ndig gesehen zu werden, aber stark genug, um vieles allein zu<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":20476,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,902,8],"tags":[5,618,726,298,127,1248,310],"class_list":["post-20472","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-meine-meinung","category-sellemols-und-awweile","tag-dirmingen","tag-gemeinde-eppelborn","tag-generation-x","tag-heimatliebe","tag-landkreis-neunkirchen","tag-persoenlich","tag-saarland"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20472","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=20472"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20472\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20502,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20472\/revisions\/20502"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/20476"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=20472"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=20472"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=20472"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}