{"id":2305,"date":"2018-10-09T20:16:24","date_gmt":"2018-10-09T19:16:24","guid":{"rendered":"http:\/\/echta-derminga.de\/?p=2305"},"modified":"2018-10-09T20:33:23","modified_gmt":"2018-10-09T19:33:23","slug":"als-dorfkind-geboren-und-stolz-drauf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=2305","title":{"rendered":"Als Dorfkind geboren und stolz drauf !"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Als echter Dirminger bist du als Dorfkind aufgewachsen. Eigentlich gibt es nichts Sch\u00f6neres, als in einem Dorf zu leben. Man sagt: Dorfkinder kennen Wege, die man nicht einmal auf Google Maps findet. Letztens habe ich im Netz einen coolen Spruch gefunden: \u201eLeg dich niemals mit einem Dorfkind an, wir kennen Orte, an denen dich niemand findet\u201c. Zugegebenerma\u00dfen ist diese Art von Humor einen Tick zu finster. Aber irgendwie hebt dieser Satz doch die Sonderstellung eines Dorfkindes hervor.<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/22.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2320\" width=\"302\" height=\"245\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/22.jpg 604w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/22-300x243.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 302px) 100vw, 302px\" \/><figcaption>&#8222;Kleiner Frank&#8220; mit Vater auf dem Belker<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Im Rundfunk habe ich in den letzten Tagen einen Bericht \u00fcber sogenannte Helikopter-Eltern geh\u00f6rt. Unter den Hubschrauber-Eltern oder als Fremdwort \u201eHelicopter Parents\u201c, versteht man im \u00fcbertriebenen Sinne \u00fcberf\u00fcrsorgliche Eltern, die sich st\u00e4ndig in der N\u00e4he ihrer Kinder aufhalten, um diese zu \u00fcberwachen und zu beh\u00fcten. So gesehen ist das zun\u00e4chst mal nichts Schlechtes. Lieber ein f\u00fcrsorgliches Elternpaar als das krasse Gegenteil. <strong>Eine liebe Freundin meines Jahrgangs sagte mal:\u201c Wir wurden als Kinder liebevoll vernachl\u00e4ssigt\u201c.<\/strong> Ich finde diesen Satz genial. Irgendwie ist damit alles gesagt. Nein unsere Eltern waren keine Rabeneltern. Im Gegenteil! Es waren halt andere Zeiten und unsere Eltern konnten noch loslassen. \u201eWehr dich\u201c, oder \u201edu bist alt genug, komm selbst zurecht\u201c waren S\u00e4tze, die unsere Erziehung pr\u00e4gten. Als Kind haben wir einmal gezeigt bekommen, wie der Weg zum Kindergarten oder zur Schule geht, danach mussten wir ihn selbst finden. Dorfkinder verlassen in aller fr\u00fche das Elternhaus und werden den ganzen Tag nicht mehr gesehen. \u201eSieh nur zu, dass du zum Abendessen wieder zuhause bist\u201c rief die Mutter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Auf der Stra\u00dfe gr\u00fc\u00dft du jeden, auch unbekannte Leute. Solltest du das einmal vergessen, gibt es einen Klaps. Im Winter haben wir gehofft, dass der Schulbus nicht kommt und im Sommer darauf gewartet, dass es endlich Hitzefrei gibt. Wir konnten noch im Winter auf der Stra\u00dfe Schlitten fahren und wurden im Sommer von einem Gartenschlauch abgespritzt. Wir waren immer unterwegs. Das ganze Dorf war unser Revier. Von fr\u00fch bis sp\u00e4t von einer Stra\u00dfe zur n\u00e4chsten und von einem Wald in den anderen. Das alles zu Fu\u00df oder mit dem Fahrrad. Immer mit dem Rad und das noch ohne Helm. Das war nat\u00fcrlich nicht gerade vorbildlich. Wir fanden immer einen Weg rechtzeitig Nachhause zu kommen denn am Ende kannte wir immer eine Abk\u00fcrzung. Sollten die Eltern mal unterwegs sein, war das kein Problem. Entweder lag der Schl\u00fcssel unter der Fu\u00dfmatte oder Oma war zuhause. Oma war eigentlich immer zuhause.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Um die Zeit zu verschwenden haben wir mit Kreide auf die Stra\u00dfe gemalt, Kaulquappen gefangen und Kastanien gesammelt. Den M\u00e4dchen haben wir aufgelauert und sie \u00fcberfallen. Hagebutte wurde am Kragen in den Pulli geworfen damit es sch\u00f6n juckt. Die gr\u00f6\u00dfte Mutprobe war \u201eDeckel hoch der Kaffee kocht\u201c. Genauere Angaben zu dieser Aktion werden an dieser Stelle verschwiegen. Wir waren st\u00e4ndig auf der Suche nach irgendwas. Wir kannten den Wald und die Wiesen wie unser Zimmer. Auch im Dorf kannten wir jede Ecke und Kante. \u00dcber unserem Dorf lag immer dieser Geruch von Biermaische, Hopfen und Malz. Wenn ich mich bem\u00fche kann ich das noch heute riechen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/33.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2322\" width=\"292\" height=\"226\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/33.jpg 584w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/33-300x232.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 292px) 100vw, 292px\" \/><figcaption>Dorfkinder<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Nach der Schule ging&#8217;s auf den Bolzplatz oder manchmal einfach auf der Stra\u00dfe kicken. Kein Nachbar st\u00f6rte sich daran. Wirklich kein Nachbar? Naja, die wenigsten. Am Wochenende ging es in den Kindergottesdienst. Allein ins Dorf, vorbei an der Hauptstra\u00dfe bis hin zu der gro\u00dfen Kirche in der Ortsmitte. Mit den anderen Kindern basteln, malen, spielen. Immer die gleichen Gesichter um mich herum. Viele meiner Freunde kenne ich seit Kindesbeinen. Viele haben sich ver\u00e4ndert und gehen heute ihren eigenen Weg. Wenn man jedoch genau hinsieht erkennt man noch das Kind im Mann oder der Frau. Kinder erkennen sich eben am Gang. Bis heute sind da irgendwie immer die gleichen Leute. So ist es halt im Dorf. Ich finde es erschreckend, dass immer mehr junge Familien in die Stadt ziehen m\u00f6chten. Im Dorf zu leben ist l\u00e4ngst nicht mehr angesagt. Dabei hat das Leben als Dorfkind definitiv auch seine Vorteile. Der Zusammenhalt ist st\u00e4rker und das Miteinander intensiver. Das Leben als Dorfkind war und ist unkompliziert. Wenn du irgendwo bei einem Freund zu Besuch warst, wurdest du automatisch zum Essen eingeladen. War doch klar, dass immer ein Teller mehr aufgestellt wurde.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"> Dann kam die Jugendzeit. Ein Mofa musste her, am besten frisiert und nat\u00fcrlich schneller als erlaubt. Die ersten Cliquen wurden gebildet und man musste zusehen, dass man irgendwo unterkam.Die Jugendfreizeiten mit den Konfirmandengruppe oder die Abschlussfahrten mit den Fu\u00dfballern waren legend\u00e4r und unerreicht. Erstes Fieber, erste Liebe, erster Charme und erster Schmerz. Dorfkinder haben eine raue Schale und ein weiches Herz. Legend\u00e4re Partys und erster Kontakt mit dem Alkohol: \u201eSch\u00e4fer Bier\u201c welch ein Genuss! Am Anfang noch als \u201eGespritztes\u201c und sp\u00e4ter als Pils. Dann der erste Besuch in Charlys Disco. Disco-Fox bis zum Abwinken. Sogar auf \u201eSmoke on the Water\u201c wird Fox getanzt. Dorfkinder wissen wie man feiert. Dann kommt die Zeit, in der man nur noch weg m\u00f6chte. Man kann die vertrauten Gesichter nicht mehr sehen und m\u00f6chte raus. Der sehns\u00fcchtige Wunsch, den F\u00fchrerschein machen zu k\u00f6nnen, um endlich in die n\u00e4chste Stadt zu fahren wird immer gr\u00f6\u00dfer. Das Fernweh w\u00e4chst mit jedem Tag. Du stellst fest, deinen wilden Jahren auf dem Dorf sind vorbei. Du willst neue Leute Kennenlernen und neue Wege gehen. Irgendwann merkst du jedoch, dass auch diese Erfahrung wichtig ist und dich pr\u00e4gt. <strong>Ein Sprichwort sagt:\u201c Man wei\u00df nicht, was man an der Heimat hat, bis man in die Ferne kommt.\u201c<\/strong> Irgendwie muss sich jedes Dorfkind einmal die H\u00f6rner absto\u00dfen. Am Ende erkennen sich jedoch alle Dorfkinder am Stallgeruch wieder. Es zieht uns halt immer \u201ewedda Hemm\u201c.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/44.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2324\" width=\"315\" height=\"208\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/44.jpg 629w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/44-300x198.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 315px) 100vw, 315px\" \/><figcaption>Mein Dorf<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Im Dorf zu leben ist nicht einfach. Der demographische Wandel ist besonders im l\u00e4ndlichen Raum deutlich zu sp\u00fcren. Viele Bauern haben ihre H\u00f6fe aufgegeben, die Gesch\u00e4fte schlie\u00dfen der Reihe nach und Schulen und Kitas werden zusammengelegt. Wir haben genug damit zu tun, die Kirche im Dorf zu lassen. Schwere Zeiten f\u00fcr Dorfkinder. Hat das Leben auf dem Land noch Zukunft? Ja absolut! Auf dem Land ist man bekannterweise stolz, stur und sehr ausdauernd ! Wir werden auch diese Zeiten \u00fcberstehen und an den Aufgaben wachsen. Lasst uns unsere Sprache \u201eschw\u00e4tze\u201c und unsere Werte und Traditionen pflegen. Wenn wir das tun, bek\u00e4mpfen wir das Vergessen.\u00a0<\/strong><strong>Vor allen Dingen sollten wir jedoch versuchen unsere Kinder zu pr\u00e4gen. Es ist nichts Schlechtes daran ein Dorfkind zu sein. Wir m\u00fcssen lernen loszulassen und sollten uns dazu entschlie\u00dfen unsere Kinder \u201eliebevoll zu vernachl\u00e4ssigen\u201c!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als echter Dirminger bist du als Dorfkind aufgewachsen. Eigentlich gibt es nichts Sch\u00f6neres, als in einem Dorf zu leben. Man sagt: Dorfkinder kennen Wege, die man nicht einmal auf Google Maps findet. 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