{"id":2373,"date":"2018-10-15T18:17:28","date_gmt":"2018-10-15T17:17:28","guid":{"rendered":"http:\/\/echta-derminga.de\/?p=2373"},"modified":"2018-10-15T18:39:51","modified_gmt":"2018-10-15T17:39:51","slug":"vom-historischen-klaese-haus-und-seinem-alten-haehloch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=2373","title":{"rendered":"Vom historischen \u201eKl\u00e4se Haus\u201c zum alten \u201eH\u00e4hloch\u201c"},"content":{"rendered":"\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><strong><em>\u201eWas zuvor unerh\u00f6rtes Elend \u00fcber das arme Volk ergangen,kann ich nicht denken, dass mir nicht daf\u00fcr graue. Denn ich selbsten in St\u00e4tt , Flecken und D\u00f6rfern komme, da man nicht ein Haus gefunden, darin nicht vor Hunger verschmachtete tote K\u00f6rper gelegen. Ja, ich hab gesehen, dass die Leute vor Hunger nicht allein allerhand unnat\u00fcrliche Speisen und sich untereinander selbst gefressen, sondern rasend worden, wie die unvern\u00fcnftigen Tier die Sprach verloren.\u201c<\/em><\/strong><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"has-regular-font-size wp-block-paragraph\">Mit diesem Schreiben vom 26.November 1641 informierte Graf Johann von Saarbr\u00fccken seinen Kaiser \u00fcber das Leben der Menschen in seiner Grafschaft.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/2-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2379\" width=\"250\" height=\"146\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/2-2.jpg 500w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/2-2-300x175.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><figcaption>&#8222;Kl\u00e4se Keller&#8220; Heute<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-regular-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Am Ende des drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges gab es kaum noch Leben in den einzelnen D\u00f6rfern. In Dirmingen lebten nachweislich noch 6 Menschen. In unserem Nachbarort Eppelborn wohnte nach Angaben der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden nur noch eine \u00e4ltere Frau. Heute wei\u00df man, dass die w\u00fcsten, leeren D\u00f6rfer, von denen historische Quellen berichten, in vielen F\u00e4llen<\/strong> <strong>nur vor\u00fcbergehende unbewohnt waren. Viele Bewohner waren vor den anr\u00fcckenden Heeren in die befestigten St\u00e4dte oder in die W\u00e4lder gefl\u00fcchtet und kehrten zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt zur\u00fcck. F\u00e4lschlicherweise wurden damals in die Gesamtsumme der Kriegsopfer auch die Opfer der damaligen gro\u00dfen Epidemien wie z.B die Pest eingerechnet. Die meisten Menschen starben nicht von der Hand der Soldaten oder \u201emarodierenden Landsknechten\u201c sondern an Typhus, Grippe oder Pest. Hunger und elende Lebensbedingungen hatten dazu beigetragen, dass die meisten Ansteckungskrankheiten t\u00f6dlich verliefen.<\/strong> <strong>Nat\u00fcrlich gab es auch gerade in den D\u00f6rfern Raub, Pl\u00fcnderungen, Vergewaltigungen sowie Mord und Totschlag. Ganze Heere auf der Suche nach Nahrung verw\u00fcsteten und pl\u00fcnderten das Land.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-regular-font-size wp-block-paragraph\">Alle Hauser und Stallungen auf dem Land waren in der Regel aus Holz gebaut und mit Stroh gedeckt. Wenn bei einem Angriff ein Strohdach angez\u00fcndet wurde, brannte meistens das ganze Dorf ab. Kirchen waren die einzigen Steinbauten. Gemauerte Kirchen, Bauernh\u00e4user und Pfarrh\u00e4user hatten gute Chancen zu \u00fcberstehen. Die steinernen Bauten brannten eben schlecht. Im Saarland waren vor der fast fl\u00e4chendeckenden Zerst\u00f6rung des 30j\u00e4hrigen Krieges \u00fcberwiegend Streuh\u00f6fe zu finden. Auf einem Gel\u00e4nde standen das Haus und die Stallungen. Au\u00dferdem gab es weitere Geb\u00e4ude die als Scheune, Fruchtspeicher und Keller genutzt wurden. Die seit dieser Zeit noch strohgedeckten, in Fachwerkbauweise vorhandenen Geb\u00e4ude wurden Zug um Zug durch Steinbauten ersetzt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/3-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2381\" width=\"350\" height=\"263\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/3-2.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/3-2-300x225.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/3-2-644x483.jpg 644w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><figcaption>Weihnachtsbaumverkauf vor dem Keller<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-regular-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Das in den fr\u00fchen 1960-ger Jahren abgebrochene historische \u201eKl\u00e4se Haus\u201c d\u00fcrfte eines der letzten Zeitzeugen aus dieser Epoche gewesen sein. In vorliegenden Quellen wird davon berichtet, dass das alte \u201cKl\u00e4se-Haus\u201c zum Zeitpunkt des Abrisses \u00fcber 400 Jahre lang in der Ortsmitte stand. Im Volksmund entstand ein Mythos, der sich bis heute gehalten hat. Obwohl heute nur noch der alte Gew\u00f6lbekeller existiert, ist die Geschichte des ehemaligen \u201cKl\u00e4se-Hauses\u201c eng mit der Geschichte unseres Heimatortes verbunden. Der heutige \u201eKl\u00e4se Keller\u201c ist das letzte was an das alte \u201eKl\u00e4se Haus\u201c erinnert. Fr\u00fcher diente der Keller als \u201cH\u00e4hloch\u201c und in Kriegszeiten als \u201cLuftschutzkeller<\/strong>\u201c.<strong> Heute dient der historische \u201eKl\u00e4se-Keller\u201c dem Kulturverein Dirmingen zu diversen kulturellen Zwecken. Im \u201eKl\u00e4se-Keller\u201c wird das \u201eKerwe-Lisje\u201c wachgek\u00fcsst, werden Weihnachtsb\u00e4ume verkauft oder werden kleinere Feierlichkeiten durchgef\u00fchrt. Gerade im zweiten Weltkrieg diente der Keller als Luftschutzraum. Dieser Luftschutzraum diente jedoch in erster Linie der psychologischen Beruhigung der Menschen. Bei einem tats\u00e4chlichen direkten Treffer h\u00e4tte der Keller wohl kaum geholfen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-regular-font-size wp-block-paragraph\">Vor den beiden Weltkriegen und besonders in den vorigen Jahrhunderten wurde der \u201eKl\u00e4se-Keller\u201c als sogenanntes \u201eH\u00e4hloch\u201c genutzt. In einem vorliegenden Zeitungsartikel wird darauf hingewiesen, dass Keller dazu diente Wertgegenst\u00e4nde und Lebensmittel zu verstecken. In den Bericht steht geschrieben<strong>:\u201c Dieser Bergkeller hinter dem uralten Bauernhaus war, wie man heute noch zu sagen pflegt ,ein\u201cH\u00e4hloch\u201c,d.h ein Versteckraum f\u00fcr Kriegs-und Notzeiten der letzten Jahrhunderte\u201c. <\/strong>Weiter hei\u00dft es: <strong>\u201cBesonders der 30 j\u00e4hrige Krieg von 1618-1648 zwang die Bev\u00f6lkerung dazu, notwendiges Lebensgut und Wertsachen vor pl\u00fcnderten Kriegshorden zu verstecken.\u201c<\/strong> Auch heute noch werden vielerorts nach dem Abbruch alter H\u00e4user solche \u201cH\u00e4hl\u00f6cher\u201c entdeckt. Manchmal findet man dort wertvolle Gegenst\u00e4nde oder sogar Geld. Zu Kriegszeiten wurde die Bev\u00f6lkerung gezwungen eigene Verstecke und Schutzr\u00e4ume zu errichten. Nach dem Krieg mussten alle Luftschutzstollen auf Befehl unbrauchbar gemacht werden. Vielerorts sind dennoch alte Spuren und Hinweise auf alte \u201eH\u00e4hl\u00f6cher oder Luftschutzr\u00e4ume vorhanden. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/4-4.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2384\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/4-4.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/4-4-300x200.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/4-4-644x429.jpg 644w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><figcaption>Ausgrabung des &#8222;Kerwe-Lisjes&#8220;<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-regular-font-size wp-block-paragraph\">Der Dirminger\u201cKl\u00e4se-Keller\u201c, als ehemaliges \u201eH\u00e4hloch\u201c, hat sich bis heute erhalten. Das Wort \u201eH\u00e4hloch\u201c entstammt der saarl\u00e4ndischen Mundart wobei ich noch nicht wirklich dahintergekommen bin, woher das W\u00f6rtchen genau kommt. Sei\u2019s drum, der \u201eKl\u00e4se Keller\u201c ist Kult. Irgendwie ist der Keller die Wiege der Dirminger Kultur. Wiederum ist es dem Engagement vieler ehrenamtlicher Einheimischer zu verdanken, dass sich der Keller in einem guten Zustand befindet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-regular-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Bald wird in Dirmingen \u201eKerb\u201c gefeiert. F\u00fcr alle Besucher ist dies wieder eine Gelegenheit, die Magie des alten historischen \u201eKl\u00e4se Keller\u201c zu erleben<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWas zuvor unerh\u00f6rtes Elend \u00fcber das arme Volk ergangen,kann ich nicht denken, dass mir nicht daf\u00fcr graue. 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