{"id":2786,"date":"2018-12-04T17:51:41","date_gmt":"2018-12-04T16:51:41","guid":{"rendered":"http:\/\/echta-derminga.de\/?p=2786"},"modified":"2022-03-31T12:56:30","modified_gmt":"2022-03-31T11:56:30","slug":"meine-gedanken-zum-barbaratag-erinnerung-an-den-bergbau-bewahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=2786","title":{"rendered":"Meine Gedanken zum Barbaratag &#8211; Erinnerung an den Bergbau bewahren"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Gl\u00fcck auf! Das Saarland und schlie\u00dflich auch das Ruhrgebiet wurden auf Kohle erbaut. Die heimische Steinkohle hat unsere Region zu dem gemacht was es heute darstellt. Generationen von Bergleuten fanden in den saarl\u00e4ndischen Gruben einen guten Arbeitsplatz. In Spitzenzeiten arbeiteten \u00fcber 60.000 Menschen in den saarl\u00e4ndischen Bergwerken. Im Ruhrgebiet waren sogar bis zu 600.000 Menschen in den Zechen besch\u00e4ftigt. Die Steinkohle und das Saarland waren fast 260 Jahre lang untrennbar miteinander verbunden. Die heutigen Generationen k\u00f6nnen kaum noch einsch\u00e4tzen welche Bedeutung der Bergbau f\u00fcr unser Land hatte. Kohle und Stahl gaben unserem Land die Identit\u00e4t, die es heute noch tr\u00e4gt. Das Ende des Bergbaus im Saarland, am&nbsp;30. Juni 2012, war f\u00fcr unser Land ein einschneidendes Erlebnis.&nbsp;Im Jahr 2018 ist nun endg\u00fcltig Schluss mit dem Bergbau in Deutschland. Auch im Ruhrgebiet wurde die letzte Zeche stillgelegt.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><strong><em>Historisches Gebet der Bergleute: \u201eOh heilige Barbara, du edle Braut, mein Leib sei dir anvertraut, sowohl im Leben, als im Tod, komm mir zu Hilfe in der letzten Not.\u201c<\/em><\/strong><\/p><\/blockquote>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Blog-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2791\" width=\"300\" height=\"375\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Blog-2.jpg 600w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Blog-2-240x300.jpg 240w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Die katholischen Christen gedenken am 4. Dezember 2017 der heiligen Barbara. Der Barbaratag gilt als Gedenktag f\u00fcr die christliche M\u00e4rtyrerin Barbara von Nikomedien. Obwohl ihre Existenz historisch nicht belegt ist, hat sich ihre bewegende Geschichte bis heute gehalten. Der \u00dcberlieferung zufolge lebte Barbara als Tochter eines reichen Kaufmanns im 3. Jahrhundert in Nikomedien in der heutigen&nbsp;T\u00fcrkei. Der heidnische Vater wollte Barbara gegen ihren Willen verheiraten. Die junge Frau hingegen wollte ihr Leben Christus widmen. Obwohl der Vater seine Tochter foltern lie\u00df behielt Barbara ihren christlichen Glauben. Der Legende nach brachte ihr Vater Barbara vor Gericht und enthauptete sie schlie\u00dflich eigenh\u00e4ndig. F\u00fcr die katholische Kirche ist die heilige Barbara eine M\u00e4rtyrerin, derer sie jedes Jahr am 4. Dezember, dem Barbaratag, gedenken. Aufgrund ihres starken Glaubens gilt die heilige Barbara auch als Schutzpatronin der Bergleute. Der \u00dcberlieferung zufolge suchte Barbara auf der Flucht vor ihrem Vater Schutz in einer Felsspalte, um sich zu verstecken. Der Felsen soll sich auf wundersame Weise vor ihr ge\u00f6ffnet haben. Auch die \u00dcberlieferung wonach Barbara in einem dunklen Turm eingesperrt und gefoltert wurde l\u00e4sst auf eine Verbindung zu den Bergleuten und ihrer Arbeit unter Tage schlie\u00dfen. Der dunkle finstere Turm der heiligen Barbara auf der einen und der finstere dunkle Stollen der Bergleute auf der anderen Seite haben sicherlich etwas Gemeinsames.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Auch mein Heimatort Dirmingen ist letztlich auf Kohle und Stahl geboren. Ich selbst war letztlich 18 Jahre im Saarbergbau t\u00e4tig. Ich erinnere mich, dass wir fr\u00fcher zum Barbaratag immer frei hatten und diesen Tag besonders feierten. Der Barbaratag wurde damals mit einem \u00f6kumenischen Gottesdienst und einer Feierstunde begangen. Obwohl es oftmals keine leichte Zeit war, bin ich heute doch sehr stolz ein Bergmann gewesen zu sein. Loyalit\u00e4t, Treue, Solidarit\u00e4t und Kameradschaft waren f\u00fcr den Bergmann selbstverst\u00e4ndlich. Diese Eigenschaften gehen heute Zusehens verloren. Heute erfahre ich vielerorts Neid und Missgunst gegen\u00fcber den Bergleuten. Viele Mitmenschen beneiden den Bergmann wegen seiner fr\u00fchzeitigen Pensionierung. Ich kann dies nicht ganz nachvollziehen! Die Arbeit eines Bergmanns unter Tage k\u00f6nnte man in seiner Intensit\u00e4t niemals bis zum 68 Lebensjahr vollziehen. Ich selbst habe w\u00e4hrend meiner T\u00e4tigkeit im Bergbau auch einmal in einem Streb gearbeitet. Ganz ehrlich: Es waren teilweise schlimme Arbeitsverh\u00e4ltnisse und unm\u00f6gliche Begleiterscheinungen. Nein, der Beruf des Bergmanns war kein leichter!<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><strong><em>Historisches Gebet der Bergmannskinder:\u201c Sankt Barbara, in jeder Nacht, fahr mit dem Vater in den Schacht! Steh du ihm bei in jeder Not, bewahr ihn vor dem j\u00e4hen Tod.\u201c<\/em><\/strong><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Wenn ich an meine Zeit \u201eUnter Tage\u201c denke, erinnere ich mich an: Hitze, Staub, schwere Last, rauer Umgangston, schwer-verletzte und sogar Tote. Ich erinnere mich aber auch an: Schulterklopfen, Zuspruch, Ermutigung und Kameradschaft. Ich denke gerade am Barbaratag sollten wir Saarl\u00e4nder nicht nur der Schutzpatronin der Bergleute, sondern auch dem Berufsstand des Bergmannes selbst gedenken. Immerhin haben uns Kohle und Stahl zu dem gemacht, was wir heute noch sind! Ich erinnere mich daran, dass nach dem Ende des Bergbaus an der Saar der damalige SPD-Landesvorsitzende und Wirtschaftsminister Heiko Maas auf die &#8222;Wurzel der saarl\u00e4ndischen Gesamtkultur&#8220; verwies und die F\u00f6rdert\u00fcrme an der Saar als &#8222;Leuchtt\u00fcrme unserer Geschichte&#8220; bezeichnete. Sind sie das wirklich?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Am Ende habe ich nicht das Gef\u00fchl, dass jeder gerne an den Bergbau zur\u00fcckdenkt. Ich h\u00f6re von Interessengemeinschaften und B\u00fcrgerinitiativen und ich h\u00f6re von Klagen und einem nicht endenden Rechtsstreit wegen Grubenflutungen. Ist das am Ende alles was bleibt? &nbsp;Was ist mit den Bergleuten, die diesem Land ihr Leben opferten? Sind die Ehre und der Stolz der Bergleute heute nichts mehr wert ? Ich denke wir gehen nicht sorgf\u00e4ltig genug mit dem Gedenken an den Bergbau um. Unser Land hat dem Bergbau vieles zu verdanken. Nat\u00fcrlich leben wir heute in anderen Zeiten und nat\u00fcrlich hat jeder zurecht die M\u00f6glichkeit f\u00fcr sein Recht zu klagen. Wenn ich mich bem\u00fche kann ich alles verstehen und kann auch durchaus nachvollziehen, wie sich die Bergbau-betroffenen im westlichen Saarland, nach den vielen Erdst\u00f6\u00dfen, f\u00fchlten.<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Blog-3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2793\" width=\"400\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Blog-3.jpg 800w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Blog-3-300x225.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Blog-3-768x576.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Blog-3-644x483.jpg 644w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Am Ende des Tages bleibt jedoch ein ungutes Gef\u00fchl. Ich glaube wir pflegen keine gute Erinnerungskultur und werden irgendwann den Bergmann vergessen. Die kommenden Generationen werden von dem Beruf des Bergmanns bestenfalls noch im Geschichtsunterricht erfahren. Es liegt auch an uns selbst dagegen einzuwirken. <strong>Mein Ur-Gro\u00dfvater, mein Gro\u00dfvater, mein Vater und ich selbst arbeiteten \u201eUnter Tage\u201c.<\/strong> Der Bergbau hat meine Familie ern\u00e4hrt und gepr\u00e4gt. Ich w\u00fcnsche allen ehemaligen Bergleuten und allen Freunden einen besinnlichen Barbaratag und uns allen das Gedenken an den Bergbau. Gl\u00fcck auf !<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>St.-Barbara-Lied ( Komponiert von Peter Marx):&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><em><strong>O, St. Barbara, o, St. Barbara, aller Knappen Besch\u00fctzerin. In den Gefahren wollt uns bewahren. Sch\u00fctze uns, sch\u00fctze uns, St. Barbara. O, St. Barbara, o, St. Barbara, aller Knappen Besch\u00fctzerin. Sei uns Erretter bei schlagend Wetter. Sch\u00fctze uns, sch\u00fctze uns, St. Barbara. O, St. Barbara, o, St. Barbara, aller Knappen Besch\u00fctzerin. Wollst uns erhalten, wenn Felsen spalten. Sch\u00fctze uns, sch\u00fctze uns, St. Barbara. O, St. Barbara, o, St. Barbara, aller Knappen Besch\u00fctzerin. Im letzten Streite steh&#8216; uns zur Seite. Sch\u00fctze uns, sch\u00fctze uns, St. Barbara.<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gl\u00fcck auf! Das Saarland und schlie\u00dflich auch das Ruhrgebiet wurden auf Kohle erbaut. Die heimische Steinkohle hat unsere Region zu dem gemacht was es heute darstellt. Generationen von Bergleuten fanden in den saarl\u00e4ndischen Gruben einen guten Arbeitsplatz. In Spitzenzeiten arbeiteten \u00fcber 60.000 Menschen in den saarl\u00e4ndischen Bergwerken. Im Ruhrgebiet waren sogar bis zu 600.000 Menschen in den Zechen besch\u00e4ftigt. Die<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2795,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_crdt_document":"","footnotes":""},"categories":[1,9],"tags":[543,545,544,17,546],"class_list":["post-2786","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-dorfgetratsche","tag-barbaratag","tag-bergbau-ende","tag-bergbau-saar","tag-gedenken","tag-heilige-barbara"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2786","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2786"}],"version-history":[{"count":19,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2786\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12490,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2786\/revisions\/12490"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2795"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2786"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2786"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/echta-derminga.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2786"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}