{"id":3925,"date":"2019-06-13T17:27:02","date_gmt":"2019-06-13T16:27:02","guid":{"rendered":"http:\/\/echta-derminga.de\/?p=3925"},"modified":"2019-06-20T12:31:17","modified_gmt":"2019-06-20T11:31:17","slug":"dirminger-kulturecke-die-glocke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=3925","title":{"rendered":"Dirminger Kulturecke &#8211; Die Glocken"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>In der Dirminger Kulturecke erfahren Sie alles was Sie schon immer \u00fcber Dirmingen wissen wollten oder wissen sollten. Wussten Sie schon, dass es nachweislich seit dem Jahre 1716 eine Glocke im Turm der evangelischen Stengelkirche gibt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Die erste Nachricht \u00fcber eine Glocke, in unserem Kirchturm, finden wir im \u00e4ltesten Kirchbuch der evangelischen Kirchengemeinde Dirmingen. In einem Schriftzug aus dem Jahre 1716 wird auf eine Anschaffung einer Glocke hingewiesen. Der damalige Pfarrer Morch schreib dazu folgendes: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>\u201eAnno 1716, den 8.Juni, ist eine neue Glocke von 5 Zentnern und 15 Pfund Gewicht von unserem Gn\u00e4digsten Grafen und Landesherren, Herrn Friedrich Ludwig, Grafen von Ottweiler Nassau zu dieser Kirchen allhier gekauft und bezahlt worden vor (f\u00fcr) dreihundert und f\u00fcnfzehn Gulden\u201c.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Der Hinweis darauf, dass es sich um eine neue Glocke handelt, l\u00e4sst darauf schlie\u00dfen, dass schon vorher mindestens eine Glocke im Turm unserer Kirche vorhanden sein musste.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Die im Jahre 1716 geschenkte Glocke verrichtete 30 Jahre ihren Dienst. Dann zersprang die Glocke beim L\u00e4uten. Dies war in diesem Zeitalter keineswegs eine Seltenheit. Der Volksmund machte daraus jedoch einen Hokuspokus. Wenn eine Glocke w\u00e4hrend einer Amtshandlung zersprang war das f\u00fcr den Volksmund meistens ein Hexenwerk oder ein Fluch. In Wirklichkeit waren die damaligen Glocken einfach nicht robust genug. &nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Aus dem\nMetall der zersprungenen Glocke und f\u00fcr 70 Gulden hinzugekauftes\nGlockenmaterial lie\u00df die Gemeinde zwei neue Glocken gie\u00dfen. Die Anfertigung und\nden damit verbundenen Guss lag damals in der Hand einer Glockenfirma aus\nNiderlinxweiler. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Die gr\u00f6\u00dfte Glocke wog fast 4 Zentner und trug die Inschrift:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em>Ich r\u00fchre nur das Ohr von au\u00dfen mit dem Schall. Hilf, Jesu, dass dein Wort durchs Ohr ins Herz fall.<\/em><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Die kleinere Glocke wog 171 Pfund und trug die Inschrift:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em>Mein Gott, lasse mich vor allen Dingen zu deines Namens Ehre klingen.<\/em><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Die kleinere Glocke zersprang im Jahre 1768 beim L\u00e4uten einer Beerdigung.  Diese beiden Glocken l\u00e4uteten auch w\u00e4hrend des Neubaus der evangelischen Kirche 1746. Im Jahre 1776 trug unser Kirchturm erstmals drei Glocken. In diesem Jahr wurde erneut eine Glocke von F\u00fcrsten Ludwig von Nassau Saarbr\u00fccken der Gemeinde geschenkt. Bis zum Jahre 1838 verrichteten diese Glocken, in der Glockenstube des Turms ihren Dienst f\u00fcr die Gemeinde. Dann zersprang mal wieder die kleinste Glocke. Einige Jahre sp\u00e4ter im Jahre 1845 zersprang die gr\u00f6\u00dfte Glocke, die fast 100 Jahre ihren Dienst verrichtete.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/dirmingen738.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3928\" width=\"312\" height=\"305\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/dirmingen738.jpg 624w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/dirmingen738-300x293.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 312px) 100vw, 312px\" \/><figcaption>Neue Glocken f\u00fcr den Kirchturm (1953)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Im Jahre 1908 beauftragte die Gemeinde die Glockengie\u00dferei Schilling in Apolda 4 neue Glocken mit den T\u00f6nen f, a, c, d zu gie\u00dfen. Diese Glocken hingen nur ein knappes Jahrzehnt im Turm. Es kam der erste Weltkrieg und im Juli 1917 wurden die Glocken bis auf die kleinste zu R\u00fcstungszwecken vom Turm geholt. F\u00fcr das Dorf und die Gemeinde waren dies schwierige Zeiten. Weil der deutschen R\u00fcstungsindustrie die Rohstoffe ausging, wurden 1917 auch Kirchenglocken beschlagnahmt. Die Glocken wurden eingeschmolzen. Dies war  f\u00fcr die Kirchen eine patriotische Tat. Die Kirchengemeinden wurden zun\u00e4chst aufgefordert, eine Auflistung ihrer Bronze-Glocken bereitzustellen. Je nach kunsthistorischem Wert sollten die Glocken einer von drei Kategorien zugeordnet werden. Glocken der Gruppe A mussten grunds\u00e4tzlich abgeliefert werden, eine Gruppe B mit m\u00e4\u00dfigem kulturellem und historischem Wert wurde zun\u00e4chst zur\u00fcckgestellt, Glocken der Gruppe C galten als gesch\u00fctzt. Au\u00dferdem sollte jede Kirche mindestens die kleinste ihrer Glocken behalten d\u00fcrfen. Dies wurde auch in Dirmingen so praktiziert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Von 1917 bis 1922 gab es nur eine Glocke in unserem Turm. Im Jahre 1922 wurde von der Gemeinde Wahlschied eine C- Glocke erworben. Nun waren wieder zwei Glocken im Turm.&nbsp;Im Jahre 1930 wurde ein gro\u00dfer Wunsch der Gemeinde erf\u00fcllt und es kamen wieder 4 Glocken in den Turm. Die gro\u00dfe Spendenbereitschaft der Gemeindeglieder war daf\u00fcr verantwortlich, dass man sich endlich wieder 4 Glocken leisten konnte. Wieder wurde die Gie\u00dferei Schilling beauftragt. Im Jahre 1932 wurden die 4 Glocken feierlich eingeweiht. Drei Glocken wurden angefertigt und kamen wieder zu der noch im Turm befindliche, \u00e4lteren Glocke hinzu. Am Ostersonntag 1932 war, unter der Beteiligung zahlreicher Schaulustiger, Glockenweihe angesagt. Wiederum taten diese Glocken nur 10 Jahre ihren Dienst. Auch die Nazis gingen im Zweiten Weltkrieg den Glocken an den Kragen. Schon am 5. September 1939, vier Tage nach Kriegsbeginn, untersagte der Staat das L\u00e4uten der Kirchenglocken, weil sie die Flak-Abhorchger\u00e4te behinderten. Erst Ende Oktober wurde f\u00fcr Sonn- und Feiertage das feierliche Einl\u00e4uten am Vorabend gestattet. An Wochentagen durfte bei Gottesdiensten in der Zeit von 8 bis 18 Uhr mit einer Beschr\u00e4nkung auf drei Minuten gel\u00e4utet werden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Am 19 April 1942 wurden wiederum die drei gro\u00dfen Glocken zur Kriegsr\u00fcstung aus ihrer Glockenstube entfernt. Erneut blieb nur die kleinere Glocke im Kirchturm h\u00e4ngen. Die Nazis befahlen im gesamten Reich die ber\u00fcchtigte \u201eGlockenabgabe\u201c an die R\u00fcstungsindustrie. Das war der H\u00f6hepunkt der so genannten \u201eMetallspende\u201c f\u00fcr den Krieg. Die Nazis klassifizierten die Glocken in Typen A, B, C und D. Die Typen C und D repr\u00e4sentierten historisch wertvolle Glocken. W\u00e4hrend A und B sofort hergegeben werden mussten, war Typ C in \u201eWarteposition\u201c, wohingegen Typ D gesch\u00fctzt war. Von 1942 bis 1953 l\u00e4utete nur eine Glocke in unserem Turm .Dabei handelte es sich um die aus dem Jahre 1908 gestiftete kleine Glocke von Pfarrer Bingel.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/dirmingen742.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3930\" width=\"320\" height=\"284\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/dirmingen742.jpg 640w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/dirmingen742-300x266.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><figcaption>Ankunft der Glocken in Dirmingen<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Nach dem zweiten Weltkrieg hatte die Gemeinde andere Sorgen als eine neue Glocke zu erwerben. Das Dorf musste zun\u00e4chst zur Ruhe kommen und vorrangige Aufbauarbeiten bewerkstelligen. Immerhin geh\u00f6rte Dirmingen zu den am meisten bombardierten Landgemeinden unserer Region. Erneut rief das Presbyterium, in den 1950- ger Jahren, die Gemeindglieder auf f\u00fcr neue Glocken zu Spenden. Ab dem Januar 1953 fanden monatliche Sammlungen statt. Die Gemeindeglieder waren erneut sehr Spenden-freundlich. Im September des Jahres 1953 kamen die neuen Glocken in Dirmingen an. Das Gel\u00e4ut wurde erneut bei der Glockengie\u00dferei Paccard Annecy in Auftrag gegeben. Die kleine, \u00e4ltere von Pfarrer Bingel gestiftete Glocke wurde umgegossen. So entstand ein Gel\u00e4ut aus Bronze mit der Zusammensetzung: G, b, C, d, D<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Die Kosten des Gel\u00e4utes beliefen sich auf 1184590 ffrs (damals etwa 9900 DM) Der ganze Betrag wurde von der Gemeinde (Sammlung) finanziert. Die Glockenweihe fand am 20. Sepmtember 1953 in der evangelischen Kirche statt. Zuvor standen die Menschen in Zweierreihen an der Stra\u00dfe, um die Ankunft der neuen Glocken zu feiern. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/dirmingen746.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3934\" width=\"320\" height=\"236\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/dirmingen746.jpg 640w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/dirmingen746-300x221.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><figcaption>Warten auf die Glocken (1953)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Zu dieser Zeit waren die Glockenanlage in der evangelischen Kirche noch auf Hand-l\u00e4uten eingestellt. Die Stricke hingen in der Eingangshalle es Kirchturmes. Damals musste das l\u00e4uten gelernt sein. Bei zu kr\u00e4ftigem ziehen schlugen die Glocken oftmals \u00fcbereinander.&nbsp; Einzig der alte Dirminger K\u00fcster Jakob Franz \u2013 Franze Babbe &#8211; verstand sich aufs l\u00e4uten. Dennoch wurde in diesem Jahr 1953 beschlossen eine Glockenanlage zu k\u00e4uflich zu erwerben. Die Gefahr, dass die Glocken \u00fcberschlugen und dadurch kaputt gingen, war einfach zu gro\u00df. Sp\u00e4ter hie\u00df es in Dirmingen der K\u00fcster Franz l\u00e4utet nicht mehr, sondern er l\u00e4sst es l\u00e4uten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Glocken symbolisieren den Klang der Heimat ! Mein Herz \u00f6ffnet sich, wenn ich die Glocken meiner Kirche h\u00f6re !<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Dirminger Kulturecke erfahren Sie alles was Sie schon immer \u00fcber Dirmingen wissen wollten oder wissen sollten. 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