{"id":4503,"date":"2019-09-20T18:04:38","date_gmt":"2019-09-20T17:04:38","guid":{"rendered":"http:\/\/echta-derminga.de\/?p=4503"},"modified":"2019-09-20T18:17:23","modified_gmt":"2019-09-20T17:17:23","slug":"der-turm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=4503","title":{"rendered":"Der Turm"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Nicht majest\u00e4tisch, gro\u00df, gigantisch und prachtvoll, sondern vielmehr schlicht, bescheiden, gew\u00f6hnlich und bodenst\u00e4ndig. Wie selbstverst\u00e4ndlich nehmen wir t\u00e4glich ohne Beachtung unseren Weg an ihm vorbei. Irgendwie war er schon immer da und hat die Geschichte unseres Dorfes mit geschrieben. Er ist Teil unserer Identit\u00e4t und unseres Lebens. Schon als Kind haben wir an ihm hoch gesehen. Irgendwie begleitet er uns seit Kindesbeinen. Mittlerweile steht er schon \u00fcber 750 Jahren an seiner Stelle in der Ortsmitte. Er hat Krieg, Elend, Not, Leid, Freude, Jubel und Euphorie gesehen. Er ist Wahrzeichen und fester Bestandteil unseres Dorfes. Um ihn ranken sich Mythen, Legenden und Geschichten. Vermutlich stand er schon an seinem Platz, als unser Dorf noch nicht seinen heutigen Namen trug. Er ist Heimat, Stolz und Identit\u00e4t. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Er ist: Der Turm<\/h4>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/IMG-20190123-WA0001-644x1097.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4507\" width=\"322\" height=\"549\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/IMG-20190123-WA0001-644x1097.jpg 644w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/IMG-20190123-WA0001-176x300.jpg 176w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/IMG-20190123-WA0001.jpg 651w\" sizes=\"auto, (max-width: 322px) 100vw, 322px\" \/><figcaption>Historische Aufnahme vor dem 2. Weltkrieg<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Den historischen Quellen zufolge soll bereits an der Stelle, an der heute die evangelische Kirche steht im Jahre 1225 eine Kirche gestanden haben. Wie unser Dorf damals genau genannt wurde ist heute nicht mehr festzustellen. Nachweislich nannte man unser Dorf zum Zeitpunkt der ersten urkundlichen Erw\u00e4hnung, im Jahre 1281, Diermanges. Etwas sp\u00e4ter im Jahre 1296 wurde unser Heimatort Dyrmendingas genannt. Mit den sich st\u00e4ndig ver\u00e4nderten Sprachformen \u00e4nderte sich auch der Ortsname. Im Jahre 1337 wurde unser Dorf D\u00f6rmingen und im Jahre 1452 Diermingen genannt. Immerhin ver\u00e4nderte sich unser Ortsname im Mittelalter in die uns heute bekannte Richtung. Im Jahre 1467 trug das Dorf den Ortsnamen Diermeringen und im Jahre 1471 Dyrmingen. Gemeint war letztlich immer das Gleiche Dorf. Der Ortsname Dirmingen leitet sich von dem angels\u00e4chsischen \u201eDeormund\u201c ab, was so viel hei\u00dft wie \u201eTiermund\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Im 8 Jahrhundert begann mit der Christianisierung in unserem Heimatland die Zeit der Kapellen und Kirchenbauten. Wann jedoch genau erstmals eine Kirche in Dirmingen erbaut wurde l\u00e4sst sich heute nicht mehr feststellen. Einer historischen Niederschrift zufolge soll vor dem heutigen Kirchenbau eine St. Michaelskapelle auf einer Anh\u00f6he im M\u00fcndungsgebiet des Alsbaches mit der Illbach gestanden haben.War dies der Vorg\u00e4ngerbau unserer heutigen Kirche ? Die vorliegenden historischen Niederschriften lassen darauf schlie\u00dfen, dass vielleicht schon viel fr\u00fcher als vermutet ein Kirchenbau in Dirmingen existierte. Der \u00dcberlieferung zufolge wurde im 11. Jahrhundert aus der schlichten Kapelle eine Kirche gemacht. Diese erste Dirminger Kirche, mit unserem alten historischen Turm, wurde der heiligen Katharina geweiht. Bis zum Neubau der Kirche im Jahre 1746 befand sich auf der Dorfseite des Turms das sogenannte Katharinenkreuz. W\u00e4hrend des Kirchenneubaus 1746 wurde das alte Monument mit Putz \u00fcberzogen. Wie dem auch sei, Fakt ist, dass in einem alten Di\u00f6zesanverzeichnis aus dem Jahre 1075 eine r\u00f6misch-katholische St. Katharinagemeinde in unserer Heimatgegend existierte. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/IMG_20190507_213854_resized_20190508_022541450-644x952.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4509\" width=\"322\" height=\"476\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/IMG_20190507_213854_resized_20190508_022541450-644x952.jpg 644w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/IMG_20190507_213854_resized_20190508_022541450-203x300.jpg 203w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/IMG_20190507_213854_resized_20190508_022541450.jpg 700w\" sizes=\"auto, (max-width: 322px) 100vw, 322px\" \/><figcaption>Kirchenglocken<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Am 28.Dezember 1281 wird Dirmingen erstmals urkundlich erw\u00e4hnt. Zu diesem Zeitpunkt stand nachweislich schon eine kleine Kirche am Zusammenfluss von Ill &#8211; und Alsbach. Im Jahre 1575 f\u00fchrte die Grafschaft Nassau-Saarbr\u00fccken die Reformation in der Herrschaft Ottweiler ein. Das ehemalige katholische Kirchenhaus, in unserer Dorfmitte, wurde Evangelisch. Der Turm der Kirche hatte zu diesem Zeitpunkt schon einige Jahre auf dem Buckel. Nachweislich stammt der Turm unserer Kirche aus der ersten H\u00e4lfte des 13. Jahrhunderts. Der unterste Teil des Turms, bis unterhalb der Kirchenuhr, ist somit das \u00e4lteste Gem\u00e4uer unseres Dorfes. Als das Kirchenschiff im Jahre 1746 neu erbaut wurde hat man den alten Turm erhalten und saniert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Die vier Geschosse des alten Kirchturms sind durch einfache Schr\u00e4ge abgesetzt. Die ehemalige romanische Schallhaube erhielt ein Profil aus Platte und Schmiege. Unmittelbar \u00fcber den alten Geschossen wurde das im Jahre 1746 errichtete Stockwerk mit rundbogigen geschlossenen Schall\u00f6ffnungen angef\u00fcgt. Der oberste und j\u00fcngste Teil des Turms tr\u00e4gt eine sogenannte welsche Haube mit Zwiebelaufsatz. Im inneren des Turms befindet sich im Untergeschoss ein Kreuzgew\u00f6lbe. Im oberen Teil des Turms finden sich noch heute die vermauerten Schall\u00f6ffnungen aus dem 13. Jahrhundert. In der Glockenstube der evangelischen Kirche h\u00e4ngen vier Glocken in den T\u00f6nen g- b- c- d. Diese wurden von der Firma Palcard in Annecy in Frankreich gegossen. Am 20. September 1953 wurden die Glocken feierlich ihrer Bestimmung \u00fcbergeben. Die heutige Kirchenuhr stammt aus dem Jahre 1967. Ich pers\u00f6nlich hatte schon so einige mal das Gl\u00fcck und durfte im inneren des Turms den Aufstieg bis hin zum Dachgeschoss wagen. Zugegeben, der Aufstieg ist schon etwas beschwerlich vielleicht sogar gef\u00e4hrlich und gleicht einem kleinen Abenteuer. F\u00fcr mich ist der Aufenthalt im Turm inneren jedoch immer noch eine emotionale Angelegenheit. Was hat dieses Gem\u00e4uer nicht schon alles erlebt ?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/33992888_450742902005336_1491235326893490176_n-644x960.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4510\" width=\"322\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/33992888_450742902005336_1491235326893490176_n.jpg 644w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/33992888_450742902005336_1491235326893490176_n-201x300.jpg 201w\" sizes=\"auto, (max-width: 322px) 100vw, 322px\" \/><figcaption>Der Turm<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Wenn man unsere Kirche betritt und einen Moment im Eingangsbereich des Turmes verweilt kann man sich gut vorstellen was dieses Gem\u00e4uer schon alles durchgemacht hat. Im 30-j\u00e4hrigen Krieg wurden vielerorts Kirchen zerst\u00f6rt und Gemeinden aufgerieben. Unsere Kirche mit ihrem Turm blieb erhalten. Im 18. Jahrhundert wurde die Kirche bauf\u00e4llig und musste gesperrt werden. F\u00fcr die Menschen begann eine Zeit des Hoffens und Bangens. Nach der Zusage des F\u00fcrsten konnte die Kirche 1746 neu erbaut werden. Der erste Weltkrieg kam mit seinem Schrecken und zahlreichen Toten. Im zweiten Weltkrieg schliefen Fl\u00fcchtlinge im Kirchschiff und suchten Schutz vor den Kriegswirren. Insgesamt 25 Luftangriffe hat die Kirche und somit auch ihr Turm \u00fcberstanden. Der Turm steht noch heute und erinnert uns t\u00e4glich daran, dass alles im Leben seine Zeit hat und das Best\u00e4ndigkeit und Beharrlichkeit einen Sinn ergeben. Der Turm ist ein Teil unserer Identit\u00e4t und unserer Heimat. Leider gibt es in Dirmingen nicht soviel auf das wir Stolz sein k\u00f6nnen. Wir haben keine prachtvollen Geb\u00e4ude oder erfolgreiche Gesch\u00e4ftsstra\u00dfen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Auf der Suche nach der eigenen Identit\u00e4t gibt es nicht vieles was wir finden k\u00f6nnen. T\u00e4glich gehen wir achtlos an unserem Turm vorbei und nehmen dies als Selbstverst\u00e4ndlichkeit hin. Dabei ist der Turm viel mehr als nur ein Teil eines Kirchengeb\u00e4udes. Der Turm ist ein Teil unserer Geschichte. Der Turm ist Dirmingen! \u00a0<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht majest\u00e4tisch, gro\u00df, gigantisch und prachtvoll, sondern vielmehr schlicht, bescheiden, gew\u00f6hnlich und bodenst\u00e4ndig. Wie selbstverst\u00e4ndlich nehmen wir t\u00e4glich ohne Beachtung unseren Weg an ihm vorbei. Irgendwie war er schon immer da und hat die Geschichte unseres Dorfes mit geschrieben. Er ist Teil unserer Identit\u00e4t und unseres Lebens. 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