{"id":4811,"date":"2019-11-06T18:44:38","date_gmt":"2019-11-06T17:44:38","guid":{"rendered":"http:\/\/echta-derminga.de\/?p=4811"},"modified":"2019-11-06T20:36:14","modified_gmt":"2019-11-06T19:36:14","slug":"erinnerungen-an-einen-echten-derminga-hermann-bock-schrieb-dirminger-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=4811","title":{"rendered":"Erinnerungen an einen ECHTEN DERMINGA \u2013 Hermann Bock schrieb Dirminger Geschichte"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Dieser Blogeintrag ist l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig und m\u00fcsste eigentlich schon l\u00e4ngst online sein. Oft werde ich gefragt woher ich die ganzen Informationen, Geschichten und alte Bilder aus unserem Dorf habe. In diesem Fall bleibe ich keine Antwort schuldig: \u201e\u2026von Hermann Bock\u201c.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">In vielen kleineren Ortschaften oder D\u00f6rfern gab es schon im vorigen Jahrhundert Heimatforscher. Ganz oft bekleidete dieses Amt ein pensionierter Lehrer oder ein Pfarrer. Trotz ihrer gemeinn\u00fctzigen Aktivit\u00e4ten wurden Heimatforscher sehr oft bel\u00e4chelt. Fr\u00fcher interessierten sich die Menschen vor allen Dingen f\u00fcr das Leben von Kaisern, K\u00f6nigen, F\u00fcrsten oder P\u00e4psten. Hingegen blieben die Chroniken der Heimatforscher oftmals jahrelang ungeachtet. Die Entwicklung unserer sozialen Strukturen sorgte letztlich daf\u00fcr, dass Heimatforschung pl\u00f6tzlich interessant wurde. Die gro\u00dfen Archive der Bibliotheken der H\u00f6fe und Universit\u00e4ten besa\u00dfen vor der Bildung von Gemeindestrukturen auf dem Land nicht gen\u00fcgend Informationen. In der Not griff man erstmals auf die Chroniken und Auflistungen von Heimatforschern zur\u00fcck. W\u00e4hrend meiner Arbeit als Heimatforscher habe ich mir schon oft die Frage gestellt, wann und in welchem Zusammenhang denn eigentlich was W\u00f6rtchen Heimat entstand? Unmittelbar nach dem 30-j\u00e4hrigen Krieg hatte das W\u00f6rtchen kaum eine gewichtige Bedeutung. Noch im 18. Jahrhundert verstand man unter dem Begriff Heimat das eigene Heim oder Haus, in dem man in der Regel sein ganzes Leben verbrachte. Mit der industriellen Entwicklung im 19. Jahrhundert setzte sich der Begriff Heimat vermehrt in unserem Denken fest. Die Menschen schafften sich eine Beziehung zu dem Ort, in dem sie lebten, arbeiteten und eine Familie gr\u00fcndeten. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"644\" height=\"407\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/historisch-schrift-644x407.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4818\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/historisch-schrift-644x407.jpeg 644w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/historisch-schrift-300x190.jpeg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/historisch-schrift-768x485.jpeg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/historisch-schrift.jpeg 1663w\" sizes=\"auto, (max-width: 644px) 100vw, 644px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Mit der Gr\u00fcndung des deutschen Heimatreiches im Jahre 1871 gr\u00fcndeten die vorhandenen politischen Machtverh\u00e4ltnisse ihren eigenen neuen Heimatbegriff. Unser Land wurde fortan als Heimatland verstanden. Bei den Menschen entstand erstmals eine Identifikation mit dem Land, in dem sie lebten. Nationalstolz und Ehre f\u00fchrten schlie\u00dflich auch zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Dieses schwarze Kapitel ist jedoch eine ganz andere Geschichte. Klar ist jedoch, dass viele Deutsche in den kommenden Weltkriegen ihre emotionale Bindung zum Heimatland missbrauchten. Heute droht diese Gefahr erneut! Viele Mitmenschen haben l\u00e4ngst ihre Wurzeln vergessen oder leben sie gar nicht oder eher falsch aus. Merke: Der Begriff Heimat geh\u00f6rt keineswegs zu irgendeiner extremen politischen Form. In den 1950-ger Jahren entstanden wieder vermehrt Heimatfilme und Heimatlieder. Die Zeit der Scharm war vorbei und die Menschen lernten wieder ihre Herkunft lieben. Gerade zu dieser Zeit bekamen Heimatforscher ma\u00dfgeblich R\u00fcckenwind. Chroniken wurden aufgelistet und Geschichten festgehalten und auf Papier gebracht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Eigentlich verf\u00fcgt jedes Dorf \u00fcber einen oder mehrere Heimatforscher, die an der Geschichte ihres Ortes interessiert sind.&nbsp; Die Grundlage der Heimatforschung unseres Dorfes wurde unter anderem von Hermann Bock gelegt. Ohne seine wertvolle Vorarbeit und seine detaillierten Auflistungen und Sammlungen w\u00e4re die Dirminger Heimatforschung um einiges \u00e4rmer. Hermann Bock hat vieles gesammelt, fotografiert und zusammengetragen. Die Sammlung von Hermann Bock ist ein Segen und hilft uns zu verstehen was fr\u00fcher alles geschah und wie unsere Vorfahren dachten, wirkten und lebten. Selbst das Kulturamt Eppelborn und das Staatsarchiv Saarbr\u00fccken greift auf die gro\u00dfe Sammlung, des Dirmingers zur\u00fcck. Schon zweimal besuchte ich das Staatsarchiv in Saarbr\u00fccken und staunte immer wieder dar\u00fcber wieviel unsere Vorfahren Otto Gordner, Pfarrer Wilhelm Engel oder auch gerade Hermann Bock zusammengetragen haben. Nat\u00fcrlich gab es in unserem Dorf noch viele andere gute Leute, die sich f\u00fcr die Heimatforschung interessiert haben und Dinge gesammelt und aufgelistet haben. Aus meiner Sicht geh\u00f6rt jedoch die Sammlung von Hermann Bock und Otto Gordner zu den gr\u00f6\u00dften und interessantesten Hinterlassenschaften. Vieles was Hermann Bock zusammengetragen hat befindet sich nun in im Besitz meines Kollegen Hans Werner Guth\u00f6rl und meiner Wenigkeit. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"644\" height=\"846\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/IMG_20191017_173919_BURST002-644x846.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4820\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/IMG_20191017_173919_BURST002-644x846.jpg 644w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/IMG_20191017_173919_BURST002-228x300.jpg 228w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/IMG_20191017_173919_BURST002-768x1009.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/IMG_20191017_173919_BURST002.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 644px) 100vw, 644px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Wenn ich an meine Kinderzeit denke, erinnere ich mich gerne an den gro\u00dfen, ruhigen Mann mit den zur\u00fcckgek\u00e4mmten Haaren. Ganz ruhig und besonnen sah ich ihn durch unser Dorf schreiten und Bilder machen. Damals hatte ich mich kaum f\u00fcr den \u00e4lteren Herrn interessiert. Heute kann ich mir meine Heimatforschung ohne die wertvolle Sammlung von Hermann Bock kaum vorstellen.<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Vor einigen Jahren bekamen mein Freund Hans-Werner Guth\u00f6rl\nund ich eine Vielzahl von alten Bildern geschenkt. Hartmut Bock, ein Sohn, des\nDirmingers Hermann Bock \u00fcbergab uns diese wertvolle Sammlung. Aus dieser\nBildersammlung basieren die drei \u201eHeimatlichen Bilderabende\u201c die am Ende zu\nwertvollen Benefizveranstaltungen wurden. Ohne die Bilder von Hermann Bock w\u00e4re\ndie Verwirklichung eines Bilderabends kaum m\u00f6glich gewesen. Das im Jahre 2014 herausgebrachte\nHeimatbuch \u201cDirminger Hausnamen \u2013 Unser Dorf erz\u00e4hlt aus alter Zeit\u201c basiert\nebenfalls auf einer Idee von Hermann Bock. Hermann Bock war Gr\u00fcndungsmitglied\ndes Heimat -und Verkehrsvereins Dirmingen. Schon sehr fr\u00fch hat sich der\nDirminger mit der Geschichte unseres Heimatortes befasst. Dabei f\u00fchrten seine\nForschungen bis in fr\u00fche 19 Jahrhundert. Irgendwann reifte in ihm die Idee,\nsich dem Thema H\u00e4usernamen anzunehmen und diesbez\u00fcglich Nachforschungen zu\nmachen. In m\u00fchevoller Kleinarbeit erfasste er die Herkunft und Bedeutung der\nHausnamen und ebnete somit den Weg f\u00fcr das sp\u00e4tere Heimatbuch. Gemeinsam mit\nseinen Weggef\u00e4hrten Paul Hoffmann und Nikolaus Spaniol dokumentierte er ca. 60\nHausnamen in Dirmingen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>In diesem Jahr kontaktierte mich erneut Hartmut Bock. Wiederum durfte ich mich \u00fcber eine Vielzahl von B\u00fcchern, Dokumenten, Bildern und Auflistungen freuen. Ich bin der Familie Bock f\u00fcr das mir entgegengebrachte Vertrauen sehr dankbar. Als ich mich Zuhause um die Dokumente und Hinterlassenschaften k\u00fcmmerte, glaubte ich zu tr\u00e4umen. Vor mir lag ein echter historischer Schatz: Niederschriften, Dokumente und Berichte aus dem fr\u00fchen 19. Jahrhundert mit vielen Bilder, die bis zu den Zeiten des ersten Weltkrieges entstanden. Einen ganzen Abend sa\u00df ich wie gebannt vor diesem Material und versuchte zu deuten, \u00fcbersetzen und zu verstehen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Neben seiner ehrenamtlichen T\u00e4tigkeit in der Heimatforschung war Hermann Bock auch eine politische Gr\u00f6\u00dfe. Nachdem die Gebiet- und Verwaltungsreform im Jahre 1973 beschlossen wurde f\u00fchrte Hermann Bock als letzter B\u00fcrgermeister der Gemeinde Dirmingen unseren Heimatort in die heutige Gemeinde Eppelborn. Ganz reibungslos verlief dies jedoch damals nicht! Der Dirminger Gemeinderat war mit der Eingliederung in die Gemeinde Eppelborn nur bedingt zufrieden und pl\u00e4dierte zun\u00e4chst daf\u00fcr keineswegs zum Landkreis Saarlouis zu geh\u00f6ren. Der damalige B\u00fcrgermeister von Dirmingen Hermann Bock und sein Gemeinderat favorisierten im Falle einer Ablehnung die Eingliederung in die Gemeinde Marpingen oder in die Gemeinde Illingen. Viele \u00e4ltere Zeitgenossen vertreten noch heute die Meinung, dass aufgrund dieses Beschlusses des Dirminger Gemeinderates erste Spannungen zwischen Eppelborn und Dirmingen entstanden. Letztlich geht Hermann Bock als letzter B\u00fcrgermeister unseres Heimatdorfs in die Geschichte ein. Hermann Bock liebte unser Heimatort und diente den Menschen in jeder Hinsicht.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"622\" height=\"468\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/dirmingen1240.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4816\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/dirmingen1240.jpg 622w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/dirmingen1240-300x226.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 622px) 100vw, 622px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Heute verstehe ich die Sammlung von Hermann Bock keineswegs als mein Eigentum, sondern vielmehr als Verm\u00e4chtnis. Nein diese Sammlung geh\u00f6rt nicht mir, sondern allen Dirmingern. Ich sehe meine Aufgabe allein darin diesen Schatz zu beh\u00fcten und davon zu berichten. Auch wenn meine Frau sich oft kopfsch\u00fcttelt die Frage stellt: \u201eWohin mit dem ganzen Zeug\u201c, h\u00fcte ich die Hinterlassenschaft wie einen kleinen Schatz. Wenn ich mir das Verm\u00e4chtnis von Herman Bock heute so ansehe, gewinne ich immer mehr den Eindruck, dass ich der damit verbundenen Herausforderung nie im Leben gerecht werden kann. Hermann Bock hat den Weg zu meiner ganz pers\u00f6nlichen Heimatforschung geebnet. Ich bin der Familie Bock, insbesondere Hartmut Bock sehr dankbar, dass er mir diesen Schatz \u00fcberlassen hat.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Seit 2016 arbeite ich an meinem pers\u00f6nlichen Buch. Zurzeit durchlebe ich eine echte Schreibblockade. Mir fehlen die Worte und ich wei\u00df nicht wo ich anfangen und wie ich enden soll. Mit dem Blick auf die Arbeit von Hermann Bock w\u00e4chst in mir Demut und ein Gef\u00fchl der Ohnmacht. Ich glaube ich werde es nie schaffen\u2026.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Hermann Bock war Heimatforscher, Vordenker, Vorbild und ein \u201eechta Derminga\u201c<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Blogeintrag ist l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig und m\u00fcsste eigentlich schon l\u00e4ngst online sein. Oft werde ich gefragt woher ich die ganzen Informationen, Geschichten und alte Bilder aus unserem Dorf habe. In diesem Fall bleibe ich keine Antwort schuldig: \u201e\u2026von Hermann Bock\u201c. In vielen kleineren Ortschaften oder D\u00f6rfern gab es schon im vorigen Jahrhundert Heimatforscher. 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