{"id":4992,"date":"2019-12-04T15:00:12","date_gmt":"2019-12-04T14:00:12","guid":{"rendered":"http:\/\/echta-derminga.de\/?p=4992"},"modified":"2019-12-04T15:00:48","modified_gmt":"2019-12-04T14:00:48","slug":"meine-gedanken-zum-barbaratag-mehr-solidaritaet-und-miteinander-koennte-nicht-schaden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=4992","title":{"rendered":"Meine Gedanken zum Barbaratag &#8211; Mehr Solidarit\u00e4t und Miteinander k\u00f6nnte nicht schaden !"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:19px\">Fr\u00fchschicht. Es ist kurz vor Schichtbeginn um 6:00 Uhr. Im Zechensaal herrscht reges Treiben. Jeder steht am Schalter seiner Abteilung und erh\u00e4lt von seinem Steiger seine Anweisungen. Pl\u00f6tzlich l\u00e4utet die Glocke. Jeder Bergmann zieht den Helm vom Kopf und schweigt auf der Stelle. Absolute Ruhe. Jeder geht in sich und sammelt seine Gedanken. Der eine oder andere wird vielleicht auch ein Gebet zum Himmel gesendet haben. Vielleicht dieses Gebet:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong><em>Wir richten, eh\u2019 wir niederfahren, Den Blick, o Gott empor zu dir.O woll uns, Herr, getreu bewahren, La\u00df wiederkehren uns nach hier. Schlie\u00df auf den Stollen Deiner Liebe, Den finsteren Schacht, in dem wir bauen. Schirm uns vor Ort und im Betriebe, La\u00df fromm und treu uns Dir vertrauen. Herr, segne Streben, Schacht und Stollen, Bewahr uns vor Flut und Brand.Herr, dem wir treu geh\u00f6ren wollen,Du hast die Welt in Deiner Hand.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Ein anderer wird vielleicht die heilige Barbara um ihren Schutz gebeten haben. Die Gedanken sind frei. Dann ert\u00f6nt der bekannte Bergmannsgru\u00df: Gl\u00fcck auf! Alle Bergleute erwidern: \u201eGl\u00fcck auf\u201c und setzen ihren Helm wieder auf. Das Gespr\u00e4ch scheint genau an der Stelle wieder ein zusetzen, an der es beendet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Vielleicht war es die enge Verbundenheit und die Treue zur heimischen Kohle, dem Saarbergbau und auch zu ihrer Schutzpatronin der heiligen St. Barbara die den Berufsstand des Bergmanns so besonders machte. Fast 20 Jahre durfte ich den Beruf des Bergmanns unter Tage aus\u00fcben. Heute bin ich sehr stolz darauf ein Teil dieser Geschichte gewesen zu sein. Kein anderer Beruf verbindet eine eigene Kultur derma\u00dfen mit Traditionen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Mit der endg\u00fcltigen Schlie\u00dfung des \u201eBergwerks Saar\u201c in Ensdorf endete im Jahre 2012 die \u00fcber 250 Jahre lange Geschichte des Bergbaus an der Saar. Ich erinnere mich noch gut an die ergreifende Mettenschicht und den schmerzlichen Abschied von der heimischen Kohle. Am Ende hatte sich der Kampf nicht gelohnt. Obwohl die Bergleute viele Jahre f\u00fcr ihren Arbeitsplatz k\u00e4mpften wurden die Zechen geschlossen. Nein, ausgezahlt hat sich dieser Arbeitskampf keineswegs. Dennoch bin ich heute der Meinung, dass sich dieser Kampf in jedem Fall gelohnt hat. Die Bergleute haben damals eindrucksvoll bewiesen, dass sie geschlossen mit viel Herzblut f\u00fcr ihre Werte und ihren Arbeitsplatz k\u00e4mpfen k\u00f6nnen. Wenn dieser Kampf am Ende auch nicht belohnt wurde, so hat er uns doch vor Augen gef\u00fchrt, was man mit gesundem Zusammenhalt auf die Beine stellen und bewirken kann. Die Demonstrationen in K\u00f6ln und Bonn suchen bis heute seines Gleichen. Ich erinnere mich daran, dass ich damals unter der Haupttrib\u00fcne des M\u00fcngersdorferstadions in K\u00f6ln geschlafen habe. Es war mitten im Winter und wir hatten nichts anderes als einen Schlafsack dabei. Es waren bewegende Tage mit unvergesslichen Momenten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Trotz aller Anstrengungen war der Bergbau am Ende nicht zu halten. In den Jahren von 2006 bis 2008 kam es im Fl\u00f6z Schwalbach, des Bergwerks Saar, zu mehreren schweren Ersch\u00fctterungen. Das Erdbeben am 23. Februar 2008 gilt bis heute als das st\u00e4rkste, jemals vom Bergbau ausgel\u00f6ste Erdbeben. Sp\u00e4testens seit diesem Tag hatte der langsame Scheidungsprozess der Bev\u00f6lkerung zu ihrem Bergbau begonnen. Die Forderungen wurden h\u00e4rter, die Luft d\u00fcnner und der Ton rauer. Das Ende vom Lied war die Schlie\u00dfung des letzten Bergwerks an der Saar. Was einmal war, wurde verdr\u00e4ngt und schnell vergessen. Wenn es dem Menschen an das eigene Hab und Gut geht, kennt er keine Freunde mehr.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Als am 30. Juni 2012 die Mettenschicht gefeiert wurde l\u00e4utetet im ganzen Land die Glocken. Schon dies war ein deutliches Zeichen der Verbundenheit zwischen den Menschen und dem Bergbau. Als das Steigerlied erklang und das letzte St\u00fcck Kohle \u00fcberreicht wurde sah man vielerorts harte M\u00e4nner weinen. Das Ende einer \u00c4ra war vollzogen. Viele Jahre war man stolz darauf ein Bergmann gewesen zu sein. Heute leidet dieser alte Berufsstand unter der Diskussion des Klimawandels. Aus Sicht vieler Zeitgenossen tr\u00e4gt der Bergbau mit seinem CO 2 Emissionen eine gro\u00dfe Mitverantwortung an der weltweiten Klimakrise. Am Ende muss man sich also noch f\u00fcr seine gef\u00e4hrlicher Arbeit unter Tage sch\u00e4men. Heute erinnert noch so manches an den Bergbau an der Saar. In unserem Land gibt es immer noch zahlreiche F\u00f6rdert\u00fcrme und auch der Saarpolygon in Ensdorf erinnert an die heimische Steinkohle.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"644\" height=\"483\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Blog-3-644x483.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2793\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Blog-3-644x483.jpg 644w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Blog-3-300x225.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Blog-3-768x576.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Blog-3.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 644px) 100vw, 644px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Zum Barbaratag 2019 blicke ich auf meine kleine Barbarafigur in meinem Zimmer und erinnere  mich gerne an meine Zeit als Bergmann unter Tage zur\u00fcck. Obwohl wir Protestanten es nicht so toll mit der Heiligenverehrung am Hut haben, hat mich seltsamerweise meine Verh\u00e4ltnis zur heiligen St. Barbara bis heute gepr\u00e4gt. Jedes Jahr am 04. Dezember erinnere ich mich an meine Zeit im saarl\u00e4ndischen Bergbau. Der Gedenktag unserer Schutzpatronin hat bis heute nichts von seiner Wirkung verloren. \u00dcberall im Land findet Gedenkveranstaltungen und Feierstunden statt. Irgendwie l\u00e4sst mich das Gef\u00fchl nicht los, dass sich die Zeiten immer wiederholen. Heute 7 Jahre nach dem Bergbauende befindet sich unser Land erneut in einer Krise. Viele Firmen haben wirtschaftliche Probleme und sogar die Dillinger H\u00fctte hat Kurzarbeit angemeldet. Wohin f\u00fchrt der Weg des Industrielandes Saar? Wird die Stahlindustrie bald dem Bergbau folgen? Nein, ich glaube ganz soweit wird es nicht kommen. Dennoch sind beim genauen Hinsehen gewisse \u00c4hnlichkeiten auff\u00e4llig. Auch die Stahlindustrie leidet unter Billigprodukten aus China. Sogar unsere Autoindustrie bekommt zusehends Probleme. Das Resultat sind Entlassungen oder Vertragsaufl\u00f6sungen. Das ganze am besten noch, wie bei \u201eHalberg Guss\u201c geschehen, vor Weihnachten. Ich werde das Gef\u00fchl nicht los, dass die Manager und Politiker ohnm\u00e4chtig vor einem Berg gro\u00dfer Probleme stehen und nicht weiter wissen. Genauso war es auch beim Ende des Bergbaus.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Die heilige St.Barbara oder genauer gesagt Barbara von Nikomedien war eine christliche Jungfrau und M\u00e4rtyrin, die der \u00dcberlieferung zufolge im 3. Jahrhundert von ihrem Vater enthauptet wurde. Barbara weigerte sich, ihren christlichen Glauben und ihre jungfr\u00e4uliche Hingabe zu Gott aufzugeben. Die Standhaftigkeit, mit der die M\u00e4rtyrerinnen ihre Folter und ihren Tot hinnahm, ist bemerkenswert. Standhaftigkeit ist auch heute im Jahre 2019 gefragt. Erneut m\u00fcssen Menschen f\u00fcr ihren Arbeitsplatz und ihre Rechte auf die Stra\u00dfe gehen. Die heilige Barbara war aber auch bekannt f\u00fcr ihren unersch\u00fctterlichen Glauben. Genau dieser Glaube an das Gute und an eine liebensw\u00fcrdige Zukunft geht heute immer mehr verloren. Es herrscht Egoismus, Schuldzuweisung, Neid, Hass und Gr\u00f6\u00dfenwahn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Wenn mich der Bergbau eines gelehrt hat, so ist dies Hilfsbereitschaft, Kameradschaft, Solidarit\u00e4t und Zusammenhalt. Diese Tugenden sind heute vom Aussterben bedroht. Unter Tage hat man sich noch gegenseitig geholfen und respektiert. Manchmal w\u00fcnsche ich mir, dass nur einige wenige dieser Eigenschaften des Bergmanns wieder in Mode geraten.<\/strong> <strong>Schaden w\u00fcrde es uns nicht !<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Gl\u00fcck auf !<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fr\u00fchschicht. Es ist kurz vor Schichtbeginn um 6:00 Uhr. Im Zechensaal herrscht reges Treiben. Jeder steht am Schalter seiner Abteilung und erh\u00e4lt von seinem Steiger seine Anweisungen. Pl\u00f6tzlich l\u00e4utet die Glocke. Jeder Bergmann zieht den Helm vom Kopf und schweigt auf der Stelle. Absolute Ruhe. Jeder geht in sich und sammelt seine Gedanken. 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