{"id":5261,"date":"2020-01-10T20:56:37","date_gmt":"2020-01-10T19:56:37","guid":{"rendered":"http:\/\/echta-derminga.de\/?p=5261"},"modified":"2020-01-10T22:44:09","modified_gmt":"2020-01-10T21:44:09","slug":"100-jahre-saargebiet-oder-auf-der-suche-nach-der-eigenen-identitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=5261","title":{"rendered":"100 Jahre Saargebiet oder auf der Suche nach der eigenen Identit\u00e4t"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Das Saargebiet, wie wir es heute kennen, feiert in diesem Jahr sein 100- j\u00e4hriges Bestehen. Inoffiziell wird der 10. Januar 1920 als das Gr\u00fcndungsjahr des heutigen Saarlandes gefeiert. Vor 100 Jahren entstand also gro\u00dfes im Kleinen. Nachdem das Deutsche Reich den 1. Weltkrieg verloren hatte, wurde im Friedensvertrag von Versailles beschlossen, das sogenannte \u201eSaargebiet\u201c zu schaffen. Dabei machten es sich die damaligen Staaten alles andere als einfach. Politisch geh\u00f6rte das neue Saargebiet zum Deutschen Reich, wirtschaftlich wurde es Frankreich angeschlossen, verwaltet vom internationalen V\u00f6lkerbund. Dieser Status hatte ganze 15 Jahre Bestand. Im Jahre 1935 gab es in unserem L\u00e4ndchen eine deutliche Mehrheit, die zur\u00fcck ins Deutsche Reich wollte und daf\u00fcr auch bei einer Ur-Wahl stimmte. Die saarl\u00e4ndische Industrie mit ihren zahlreichen Gruben spielte bei diesem Possenspiel zwischen Deutschland, Frankreich und dem V\u00f6lkerbund eine gewichtige Rolle. Die vielen Bergwerke waren den Franzosen zugesprochen worden. Damals arbeiteten \u00fcber 70.000 Menschen in den saarl\u00e4ndischen Bergwerken. Die meisten Bergleute mussten t\u00e4glich zu Fu\u00df \u00fcber sogenannte Bergmannspfade auf die Arbeit. So entstanden die sagenumwobenen &#8222;Hartf\u00fc\u00dfler&#8220;. Dieser Begriff leitete sich von dem selbstgemachten Schuhwerk der Bergleute ab. Gutes Schuhwerk war zu dieser Zeit lebenswichtig. Der gute alte \u201eFranc\u201c galt im Saargebiet als Zahlungsmittel. Letztlich war es wohl so, dass dieser Status quo den Menschen im Saargebiet keine klare Perspektive bot. Die Saarl\u00e4nder f\u00fchlten sich Deutsch wobei die Sprache bei solchen Entscheidungen mit Sicherheit eine gewichtige Rolle spielte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/11.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5267\" width=\"406\" height=\"317\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/11.jpg 406w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/11-300x234.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 406px) 100vw, 406px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Im Jahre 1935 stimmten die Saarl\u00e4nder also dar\u00fcber ab, ob sie weiterhin vom V\u00f6lkerbund regiert werden wollten, zu Frankreich geh\u00f6ren oder wieder Heim ins Deutschen Reich wollten. Mit \u00fcberw\u00e4ltigender Mehrheit entschied sich die Bev\u00f6lkerung f\u00fcr den Anschluss an das nationalsozialistische Deutschland. Heute wei\u00df man, dass dies keine sehr gute Entscheidung war. Als am 13. Januar 1935 fast 90% der Saarl\u00e4nder f\u00fcr einen Anschluss an Nazi-Deutschland votieren gab es kein zur\u00fcck mehr. Es folgten schwierige Jahre mit viel Leid und Elend. Hitler erkl\u00e4rte das Saarland zum Kampfgebiet f\u00fcr seinen Krieg gegen Frankreich. Aus diesem Grund wird ein sogenannter \u00bbWestwall\u00ab eingerichtet der das ganze Saargebiet mit 4.100 Bunkern, 340 Minenfeldern, 100 km Panzergr\u00e4ben und 60 Kilometer H\u00f6ckerlinien \u00fcbers\u00e4t. Bauern werden enteignet und Fl\u00fcsse gestaut oder umgeleitet. Am Tag der Kriegserkl\u00e4rung dem 7. September 1939 m\u00fcssen 300.000 Saarl\u00e4nder ihre Heimat verlassen. In den St\u00e4dten und D\u00f6rfern m\u00fcssen sich schreckliche Szenen abgespielt haben. In Dirmingen d\u00fcrfte dies den Berichten zu folge noch recht kultiviert abgegangen sein. Ohnehin war damals alles im Fluss und im Dorf herrschte ein st\u00e4ndiges Kommen und Gehen. Berichten zufolge wurden vielerorts Frauen und Kinder einfach nach Franken oder Hessen abtransportiert. Als die M\u00e4nner von der Arbeit kamen mussten sie ihre Familien suchen. Viele mussten ihr Hab und gut zur\u00fccklassen. In Sonderz\u00fcgen werden die Saarl\u00e4nder aus der Heimat ins Innere des Reichs verfrachtet. Dabei stie\u00dfen die Saarl\u00e4nder nicht \u00fcberall auf offene Arme. Es entstanden die heute noch bekannten Begriffe wie z.B \u00bbSaarfranzosen\u00ab, \u00bbStockfranzosen\u00ab oder das \u00bbZigeunervolk\u00ab. \u00a0Erst nach einem Jahr in der Fremde durften die Evakuierten wieder in ihre Heimat zur\u00fcck. Die meisten Saarl\u00e4nder hatten Gl\u00fcck und fanden ihre H\u00e4user unbesch\u00e4digt wieder. Ich glaube das damals ein gewisses Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl unter den Saarl\u00e4ndern entstand. Irgendwie waren wir alle mal auf der Flucht. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"455\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/22.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5269\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/22.jpg 640w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/22-300x213.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Bei der zweiten Abstimmung im Jahre 1955 verhielt es sich ganz \u00e4hnlich. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges und dem Untergang des Nazi-Regimes wurde das Saarland zum zweiten Mal aus dem deutschen Staatsgebiet herausgel\u00f6st. Es entstand ein autonomer Staat zwischen den Gro\u00dfm\u00e4chten Deutschland und Frankreich. Dieser Status hat die Identit\u00e4t der Saarl\u00e4nder bis heute gepr\u00e4gt. Es entstand ein ausgesprochen gro\u00dfes Gemeinschaftsgef\u00fchl.<\/strong> <strong>Viele Saarl\u00e4nder glauben noch heute, dass in der Zeit von 1947 bis 1956 der Ursprung der eigenen Identit\u00e4t unseres Landes liegt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Der Saarl\u00e4nder hat irgendwie das Beste daraus gemacht. Gro\u00dfes entsteht nun mal im Kleinen und wenn man schon auf keine gro\u00dfen Errungenschaften oder eine gro\u00dfe Geschichte deuten kann muss man halt seine eigene Kultur erfinden und eigene neue Wege gehen. Genau das ist in den letzten 60 Jahren geschehen. Wenn man mal von den Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen absieht sind wir das kleinste und auch j\u00fcngste Bundesland. Im Jahre 1957 wurde das heutige Saarland Mitglied der Bundesrepublik Deutschland. Seitdem liegt unser L\u00e4ndchen irgendwie am Rande und doch mittendrin. Die N\u00e4he zu Frankreich und Luxemburg hat einen besonderen Charme entwickelt. Der Saarl\u00e4nder liebt das Leben und gutes Essen. Schwenker, Lyoner und Bier geh\u00f6ren zu den Staatssch\u00e4tzen und sind mittlerweile echtes saarl\u00e4ndisches Kulturgut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Heute ist das Saarland eine beliebte Anlaufstelle f\u00fcr den sanften Tourismus. Kaum zu glauben, aus der ehemals grauen Maus mit zahlreichen Gruben und H\u00fcttenwerken wurde eine gr\u00fcne Oase, die viele Menschen aus der Republik und den Nachbarl\u00e4ndern anzieht. Immerhin gibt es an der Saar einiges zu sehen und zu erleben. Sch\u00f6ne Natur mit gro\u00dfen Mischw\u00e4ldern, Radwege und Wanderwege und nat\u00fcrlich das Naturereignis schlechthin die \u201eSaarschleife\u201c. \u00a0Au\u00dferdem gibt es in unserem L\u00e4ndchen mit dem V\u00f6lklinger H\u00fctte ein echtes UNESCO-Weltkulturerbe. Es gibt schon so einiges zu sehen und erleben im kleinsten und sch\u00f6nsten Bundesland der Welt. Das besondere an diesem L\u00e4ndchen ist jedoch der Saarl\u00e4nder selbst. Fr\u00fcher verspottet und verh\u00f6hnt, heute stolz und selbst\u00e4ndige. Der Saarl\u00e4nder ist stolz auf sein Land, seine etwas seltsame Sprache und seine selbstentwickelte Kultur. Man ist wieder &#8222;wer&#8220; im kleinsten und sch\u00f6nsten Bundesland der Welt. Nicht umsonst spricht man davon, dass die Saarl\u00e4nder den europ\u00e4ischen Gedanken mehr als alle anderen in Deutschland leben.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"568\" height=\"772\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/33.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5271\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/33.jpg 568w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/33-221x300.jpg 221w\" sizes=\"auto, (max-width: 568px) 100vw, 568px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Mittendrin liegt Dirmingen. Unsere Heimat! Wie mag es wohl unseren Landsleuten zu Zeiten der beiden Saarabstimmungen ergangen sein. Fakt ist, auch in Dirmingen hat man sich zweimal deutlich f\u00fcr die Eingliederung ins Deutsche Reich beziehungsweise in die Bundesrepublik Deutschland entschieden. Warum sollte das anders gewesen sein als in dem restlichen Teil des Saargebietes? Unser Heimatdorf ist ebenfalls auf Kohle und Stahl geboren und verf\u00fcgt zudem \u00fcber eine gro\u00dfe Tradition in der Landwirtschaft. Im Landkreis Ottweiler war Dirmingen bekannt als wohlhabendes Bauerndorf. Schade, heute ist davon nicht mehr viel zu sehen. Dirmingen liegt im Herzen des Saarlandes. Die Geschichte unseres Dorfes ist nat\u00fcrlich eng mit dem Saargebiet verbunden. 100 Jahre Saargebiet. Das bedeutet 100 Jahre Suche nach der eigenen Identit\u00e4t. Heute scheint man im Saarland angekommen zu sein und das ist gut so!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Saargebiet, wie wir es heute kennen, feiert in diesem Jahr sein 100- j\u00e4hriges Bestehen. Inoffiziell wird der 10. 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