{"id":5337,"date":"2020-01-22T19:20:13","date_gmt":"2020-01-22T18:20:13","guid":{"rendered":"http:\/\/echta-derminga.de\/?p=5337"},"modified":"2020-01-22T19:49:45","modified_gmt":"2020-01-22T18:49:45","slug":"alte-buecher-und-dokumente-sind-historische-zeitzeugen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=5337","title":{"rendered":"Alte B\u00fccher, Niederschriften und Dokumente sind historische Zeitzeugen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Was w\u00e4re die Wissenschaft ohne historische Niederschriften, Dokumente und B\u00fccher. Besonders die Heimatforschung ist auf den geschichtlichen Hintergrund historische Schriften angewiesen. In den alten Schinken finden wir wichtige Details \u00fcber das Leben unserer Vorfahren. Unser heutiges Wissen basiert auf den Hinterlassenschaften der Menschen die fr\u00fcher alles niederschrieben und dokumentierten. Ohne Kirchenb\u00fccher, Tageb\u00fccher oder Erinnerungsskizzen w\u00e4re die Arbeit vieler Heimatforscher weitaus schwieriger und aufwendiger. Auch in Dirmingen gibt es viele alte historische B\u00fccher und Niederschriften. Immer wenn ich ein solches altes Exemplar in den H\u00e4nden halte, bekomme ich eine G\u00e4nsehaut. Was haben diese Zeilen nicht schon alles \u00fcberstanden? Oft sitze ich tagelang an den alten Schriften und versuche sie zu \u00fcbersetzen und zu verstehen. Wenn mich keiner beobachtet schlie\u00dfe ich die Augen und rieche an den B\u00fcchern. Alte B\u00fccher fesseln und faszinieren. In historischen Schriften finden wir wichtige Hinweise aus den Weltkriegen, dem Vereinsleben, der Kirchenarbeit oder den pers\u00f6nlichen Erinnerungen der Menschen. Manchmal reichen die Dokumente zur\u00fcck bis ins sp\u00e4te Mittelalter. Neulich konnte ich z.B wichtige Erkenntnis aus der Zeit des 30 -j\u00e4hrigen Krieges gewinnen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Der &#8222;Drei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg&#8220; z\u00e4hlt zu den blutigsten Kapiteln der Weltgeschichte. Heute kann man in vielen B\u00fcchern \u00fcber diesen brutalen Krieg lesen. Ich pers\u00f6nlich habe mich einmal mit der Frage besch\u00e4ftigt wie die Bewohner in unserem Dorf diese Weltkatastrophe erlebten. Was als Religionskonflikt zwischen Protestanten und Katholiken begann, endete in einer Katastrophe. Begonnen hatte alles mit dem Aufstand des protestantischen Adelsbundes gegen die gewaltsame Rekatholisierung durch die habsburgischen Landesherren. Nach dem sogenannten Prager Fenstersturz am 23. Mai 1618 begann einer der schrecklichsten Kriege Europas. Am Ende war der 30 -j\u00e4hrige Krieg nicht nur ein Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken, sondern auch zwischen den europ\u00e4ischen Gro\u00dfm\u00e4chten. Das Gemetzel dauerte ganze 30 Jahre lang. In diesem Zeitraum wurden gro\u00dfe Teile des Heiligen R\u00f6mischen Reich deutscher Nation verw\u00fcstet. Viele Millionen Menschen starben entweder an den Folgen des Krieges oder durch Hunger und Erkrankung. Am Ende ging es aber nicht nur um den &#8222;rechten&#8220; Glauben, sondern auch um eine europ\u00e4ische Vormachtstellung. Eigentlich bestand der Krieg aus mehreren Teilkonflikten. Auf der einen Seite stand das Heilige R\u00f6mische Reich mit dem Kaiser, seinen Verb\u00fcndeten und der sogenannten Katholischen Liga. Auf der anderen Seite standen die Protestantischen L\u00e4nder mit ihren Verb\u00fcndeten wie Schweden und Frankreich.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"644\" height=\"409\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/11-1-644x409.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5340\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/11-1-644x409.jpg 644w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/11-1-300x191.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/11-1.jpg 691w\" sizes=\"auto, (max-width: 644px) 100vw, 644px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Im Jahr 1574 erbte Graf Philipp III. die Grafschaft \u201eNassau-Saarbr\u00fccken\u201c und f\u00fchrte die Reformation nach lutherischem Bekenntnis ein. Nur kurze Zeit sp\u00e4ter im Jahre 1575 wurde auch Dirmingen reformiert. Zu diesem Zeitpunkt gab es unter der Bev\u00f6lkerung unseres Heimatortes kaum noch Katholiken. Als der Drei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg 1618 ausbrach war die heutige Saargegend zun\u00e4chst kaum davon ber\u00fchrt. Erst im Jahre 1624 erschienen erstmals Soldaten an der Saar. Im Sommer 1635 erreichten die Schrecken des Krieges die Region des heutigen Saarlandes mit voller Wucht. Das Schicksal der Zivilbev\u00f6lkerung geriet zusehends in Gefahr. Immer \u00f6fter kam es zu erbitterten K\u00e4mpfen zwischen schwedisch-franz\u00f6sischen und kaiserlichen Truppen. Am 30. September 1635 wurde St. Johann und wenige Tage sp\u00e4ter Saarbr\u00fccken von den kaiserlichen Soldaten erobert. In Saarbr\u00fccken tobte der 30- j\u00e4hrige Krieg besonders f\u00fcrchterlich. Im Jahre 1637 lebten nur noch 70 Menschen in der v\u00f6llig zerst\u00f6rten Stadt. Die Soldateska trieben auf f\u00fcrchterliche Weise ihr Unwesen und scheuten auch nicht davor zur\u00fcck den ausgelaugten D\u00f6rfern zu sch\u00e4nden. H\u00f6fe wurden niedergebrannt, Felder verw\u00fcstet, das Vieh vertrieben, Menschen verjagt, gefoltert, gesch\u00e4ndet oder massakriert. Diejenigen die nicht umgebracht wurden, starben letztlich an Hunger oder Krankheit. Genauso muss es sich auch in Dirmingen zugetragen haben. In der Dirminger und Berschweiler Renovatur Protocollum aus dem Jahre 1741 erfahren wir Details \u00fcber den damaligen Zustand unseres Heimatortes Dirmingen. Am 26. November 1641, sieben Jahre vor Ende des 30-j\u00e4hrigen Krieges schreib Graf Johann von Saarbr\u00fccken an den Kaiser: <\/strong><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><strong><em>\u201eWas zuvor unerh\u00f6rtes Elend \u00fcber das arme Volk ergangen, kann ich nicht denken, dass mir nicht daf\u00fcr graue. Denn ich selbsten in St\u00e4tt, Flecken und D\u00f6rfern kommen, da man nicht ein Haus gefunden, darin nicht vor Hunger verschmachtete tote K\u00f6rper gelegen. Ja, ich hab gesehen, dass die Leute vor Hunger nicht allein allerhand unnat\u00fcrliche Speisen und sich untereinander selbst gefressen, sondern rasend worden, wie die unvern\u00fcnftigen Tier die Sprach verloren.\u201c <\/em><\/strong><\/p><cite>Originalbericht Graf Johann von Saarbr\u00fccken<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Die Eindr\u00fccke die Graf Johann von Saarbr\u00fccken auf seiner Reise durch das Saargebiet sammelte, spiegelten die Zust\u00e4nde in den D\u00f6rfern. Krieg, Hungersnot, Pest und Elend verwandelten das Land in eine H\u00f6lle. In Dirmingen lebten am Ende des 30-j\u00e4hrigen Krieges, im Jahre 1648, noch ca. 10 Menschen. Das Leben kam nur langsam wieder zur\u00fcck. In unserem Nachbarort Eppelborn lebte nach dem Krieg nur noch eine Frau.Heute gilt der \u201eDrei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg\u201c als der l\u00e4ngste und blutigste Religionskrieg unserer Geschichte. Am Ende ging es jedoch l\u00e4ngst nicht mehr um den Kampf zwischen Protestanten und Katholiken. Viele S\u00f6ldner k\u00e4mpften wechselnd auf beiden Seiten und orientierten sich an denjenigen die mehr Sold zahlten. Unvorstellbare Szenen m\u00fcssen sich damals zugetragen haben. \u00dcberall lagen erschlagene, gefolterte, vergewaltigte Menschen, die nicht begraben wurden und einfach vor sich hin verwesten. Ausgebrannte St\u00e4dte, verw\u00fcstete D\u00f6rfer, kahle \u00c4cker und verbrannte Erde. Unter den Adligen sagte man damals: \u201eWer da noch lebte, lebte nicht mehr lange\u201c. Europa lag in Tr\u00fcmmern. Heute wissen wir jedoch, dass die oft zitierte Entv\u00f6lkerung in den D\u00f6rfern in vielen F\u00e4llen nur eine vor\u00fcbergehende Erscheinung war. Viele Dorfbewohner waren vor den anr\u00fcckenden Soldaten in die befestigten St\u00e4dte oder in die W\u00e4lder gefl\u00fcchtet und kehrten zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt zur\u00fcck. Nachweislich starben die meisten Menschen nicht durch Soldaten, sondern an Typhus, Pest oder Hunger. Der 30-j\u00e4hrige Krieg wurde schlie\u00dflich durch den \u201eWestf\u00e4lischen Frieden\u201c von M\u00fcnster und Osnabr\u00fcck im Jahre 1648 beendet. Die D\u00f6rfer im Saargebiet brauchten noch sehr lange bis sie sich von den f\u00fcrchterlichen Kriegswirren erholt hatten.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"644\" height=\"777\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/22-1-644x777.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5341\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/22-1-644x777.jpg 644w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/22-1-249x300.jpg 249w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/22-1.jpg 700w\" sizes=\"auto, (max-width: 644px) 100vw, 644px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:19px\"><strong>Die ersten Eintragungen im \u00e4ltesten Kirchenbuch der evangelischen Kirchengemeinde Dirmingen aus dem Jahre 1664 berichten von vier Kindern, die getauft wurden. In diesem ersten Kirchenbuch finden wir in der Zeit von 1664 bis 1670 insgesamt 34 Taufeintragungen und 15 Beerdigungen. Dies zeugt nicht gerade von einer schnellen Wiederbev\u00f6lkerung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">In den letzten Monaten habe ich meine Heimatforschung dazu genutzt um in einigen alten Kirchenb\u00fcchern zu w\u00e4lzen. Selbstverst\u00e4ndlich habe ich diese historischen Sch\u00e4tze nicht bei mir Zuhause rumliegen. Vielmehr habe ich im Laufe der Zeit ganze Seiten kopiert oder einfach abfotografiert. Aus meiner Sicht ist es enorm wichtig diese alten Kirchenb\u00fccher zu sch\u00fctzen. Von daher begr\u00fc\u00dfe ich den Umgang unserer Gemeinden, Organisationen und Archive mit dem Umgang historischer Schriften. Jedes alte Dokument sollte gesch\u00fctzt und gut und sicher aufbewahrt werden. Historische Niederschriften helfen uns zu verstehen und zu erinnern. Die Pflege dieser alten Dokumente und B\u00fccher ist enorm wichtig. Manchmal schadet es auch nicht, daf\u00fcr etwas Geld in die Hand zu nehmen. Unsere Aufgabe liegt immerhin darin Erinnerungen zu bewahren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Letztens bekam ich von Freunden ein historisches Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg ausgeliehen. Jeden Abend versuche ich das schwierige S\u00fctterlinschrift zu entziffern. Ich stelle mir vor, was genau in den Zeiten geschah als dieses Werk verfasst wurde. Ich stelle mir die Frage, ob wir heute sorgf\u00e4ltig genug mit diesen historischen Hinterlassenschaften umgehen. Ich denke, jede M\u00fchle lohnt sich!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"644\" height=\"1104\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/20170630_173212-1-644x1104.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5343\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/20170630_173212-1-644x1104.jpg 644w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/20170630_173212-1-175x300.jpg 175w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/20170630_173212-1-768x1317.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/20170630_173212-1.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 644px) 100vw, 644px\" \/><\/figure><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was w\u00e4re die Wissenschaft ohne historische Niederschriften, Dokumente und B\u00fccher. 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