{"id":5360,"date":"2020-01-26T14:31:07","date_gmt":"2020-01-26T13:31:07","guid":{"rendered":"http:\/\/echta-derminga.de\/?p=5360"},"modified":"2020-01-28T16:04:21","modified_gmt":"2020-01-28T15:04:21","slug":"weremember-75-jahre-danach-auch-bei-uns-dehemm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=5360","title":{"rendered":"#WeRemember &#8211; 75. Jahre nach Ausschwitz- Judenverfolgung auch bei uns Dehemm"},"content":{"rendered":"\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><strong><em>\u201e\u2026\u2026Und viele sagen immer noch, So schlimm ist das doch wirklich nicht, Es ist doch hier weit und breit, Kein neues Drittes Reich in Sicht\u2026\u201c<\/em><\/strong><\/p><cite><strong><em>Liedtext: Sie brauchen keinen F\u00fchrer \u2013 Udo Lindenberg<\/em><\/strong><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Am 27. Januar 1945 wurde das deutsche Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau von der Roten Armee befreit. Seitdem steht der Name Auschwitz als Synonym f\u00fcr den Holocaust. Der Mord an rund sechs Millionen Juden h\u00e4ngt bis heute wie eine dunkle schwere Wolke \u00fcber unserem Land. Letztendlich ging das KZ Auschwitz-Birkenau als das bekannteste und schrecklichste deutsche Vernichtungslager in die Geschichtsb\u00fccher ein. Mit einer Kapazit\u00e4t von bis zu 200.000 Gefangenen diente es alleine der T\u00f6tung von Menschen. Neben Juden wurden auch Sinti und Roma, Kranke und Behinderte Menschen deportiert, gequ\u00e4lt und get\u00f6tet. In den insgesamt sieben Gaskammern wurden Sch\u00e4tzungen zufolge 1,1 Millionen Menschen ermordet. Darunter waren mehr als 900 000 Juden aus ganz Europa.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">In Erinnerung an dieses schreckliche Verbrechen an der Menschheit habe ich mich einmal intensiv mit der Judenverfolgung in unserer Heimat besch\u00e4ftigt. Wie war das damals in unserem sch\u00f6nen Illtal? War das alles weit weg von uns und wussten unsere Leute wirklich nicht was in den vielen Konzentrationslagern geschah? M\u00f6glicherweise lebten zur Zeit des Nationalismus auch in Dirmingen Juden. Im Saarbr\u00fccker Staatsarchiv fand ich jedoch keine Hinweise darauf, dass in unserem Dorf Juden deportiert wurden. Nachweislich wurden jedoch auch bei uns politisch Verfolgte verhaftet, in ein KZ gesteckt oder hingerichtet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>In Illingen bestand bis zum Jahre 1940 eine j\u00fcdische Gemeinde. Wahrscheinlich wurde diese Gemeinde in die Zeit des 18. Jahrhunderts gegr\u00fcndet. Im Jahre 1763 lebten ca. neun j\u00fcdische Familien in unserem sch\u00f6nen Illtal. Darunter nachweislich in Illingen, Wemmetsweiler und Eppelborn. Mit seiner Darstellung \u201eTempo, Tempo! Raus, nach Pal\u00e4stina! \u2013 Antisemitismus in der B\u00fcrgermeisterei Eppelborn&#8220; verfasste der Heimatforscher Hans G\u00fcnther Maas einen lesenswerten Bericht. Darin werden die Anfeindungen gegen die j\u00fcdischen Familie von Viktor Gottschalk und der Familie von Silbermann\/Theis verdeutlicht. Zu lesen sind auch die Bem\u00fchungen und das Scheitern dieser Familien, sich in das d\u00f6rfliche Leben einzugliedern. Es gab also auch in unserer Gegend j\u00fcdische Familien die verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Ich denke wir d\u00fcrfen nie aufh\u00f6ren unseren Kindern zu erz\u00e4hlen, was damals geschehen ist.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><strong><em>\u201e\u2026.Und viele sagen immer noch: Das wird sich niemals wiederholen! Aber seht ihr denn nicht an den H\u00e4userw\u00e4nden Dieselben alten neuen Parolen?\u201c<\/em><\/strong><\/p><cite><strong><em>Liedtext: Sie brauchen keinen F\u00fchrer \u2013 Udo Lindenberg<\/em><\/strong><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Der im Jahre 1895 gebildete Synagogenbezirk Illingen umfasste alle in Illingen, Gennweiler, Merchweiler, Quierschied und Heiligenwald lebenden j\u00fcdischen Personen. Die Gemeinde war im Besitz einer j\u00fcdischen Volksschule und hatte zeitweise einen eigenen Rabbiner. Die Juden in Illingen und Umgebung hatten viel f\u00fcr die Entwicklung und die Infrastruktur in unserer Heimat geleistet. Heute erinnert sich kaum noch jemand an die j\u00fcdischen Familien die in unserer Heimat lebten.&nbsp;In der ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts lebten die j\u00fcdischen Familien vor allem vom Vieh-, Lumpen- und Warenhandel. Die Juden waren immer schon gute H\u00e4ndler und flei\u00dfige Arbeiter. Sch\u00fcrte genau dies den Hass und die Abneigung in der Bev\u00f6lkerung? In der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts wurden von vielen j\u00fcdischen Kaufleuten zahlreiche Gewerbe er\u00f6ffnet und betrieben. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in Illingen und Umgebung \u00fcber 200 j\u00fcdische Einwohner gez\u00e4hlt. Die j\u00fcdischen Mitb\u00fcrger versuchten sich auch w\u00e4hrend des Nationalismus zu integrieren. Zahlreiche j\u00fcdische Mitb\u00fcrger waren Mitglied in Sportvereinen, kulturellen Vereinen oder k\u00e4mpften im ersten Weltkrieg f\u00fcr ihr deutsches Vaterland.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>W\u00e4hrend meiner Recherchen zu diesem Thema wurde mir erz\u00e4hlt, dass es in Dirmingen in den 1920-ger Jahren j\u00fcdische Kaufleute gegeben hatte. Vermutlich geh\u00f6rte auch diese Familie zur j\u00fcdischen Gemeinde Illingen. Das Schicksal dieser Familie ist mir nicht bekannt. Im Jahre 1933 lebten noch 107 j\u00fcdische Menschen in Illingen. Bereits kurz nach der Angliederung des Saarlandes an das Deutsche Reich im Jahre 1935, entschlossen sich viele der j\u00fcdischen Einwohner zur Auswanderung. Beim Novemberpogrom 1938 kam es auch in Illingen zu schweren Ausschreitungen und Misshandlungen von j\u00fcdischen Einwohnern. Am 22. Oktober 1940 wurden die noch verbliebenen 19 j\u00fcdischen Einwohner nach Gurs deportiert.&nbsp;Die meisten saarl\u00e4ndischen Juden wurden in das franz\u00f6sische Lager &#8222;Camp de Gurs&#8220; deportiert.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Nein es war nicht weit weg, es war hier! Genau hier in unserer Heimat. Antisemitismus ist heute so aktuell wie schon lange nicht mehr!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Im Jahre 1747 wurde in Illingen ein j\u00fcdischer Friedhof angelegt. Bis 1831 wurden hier auch die Toten der j\u00fcdischen Gemeinden Neunkirchen und Ottweiler beigesetzt. W\u00e4hrend der NS-Zeit wurde der Friedhof im Jahre 1938 zerst\u00f6rt. Im Jahre 1949 wurde er weitgehend wieder hergerichtet wobei etwa 180 intakte Grabsteine erhalten blieben. Im gleichen Jahr wurde ein Mahnmal mit folgender Inschrift errichtet: <strong><em>&#8222;Die Synagogengemeinde Illingen, ihrem zerst\u00f6rten Gotteshaus, ihren Toten und Opfern der Gewalt zur ehrenden Erinnerung! Errichtet von Zivilgemeinde Illingen &#8211; Synagogengemeinde Saar 1949&#8220;<\/em><\/strong>.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Einer Studie zufolge hat sich nur jeder zweite Deutsche mindestens einmal in einem ehemaligen KZ ein Bild von den Gr\u00e4ueltaten der Nazis gemacht. In letzter Zeit gibt es vermehrt Forderungen nach Pflichtbesuchen von Sch\u00fclern in Gedenkst\u00e4tten. Ich habe gelesen, dass gerade junge Leute das gut f\u00e4nden. Ich pers\u00f6nlich habe hingegen so mein Problem mit Zwang und Pflicht. Ich denke es muss von jedem selbst kommen. Aufrichtiges Bedauern und Mitgef\u00fchl kann man nicht erzwingen. Aufkl\u00e4rung w\u00e4re viel wichtiger! Ob man f\u00fcr diese Aufkl\u00e4rung ein KZ-Besuch erzwingen muss? Keine Ahnung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Vor 75 Jahren am 27. Januar 1945 wurde das KZ Auschwitz von sowjetischen Soldaten befreit. Gerade in den letzten Jahren und Monaten h\u00f6rt man immer wieder von Sch\u00e4ndungen der j\u00fcdischen Friedh\u00f6fe. Das Ganze bereitet mir echte Sorgen. Antisemitismus in unserer Heimat, kann das sein? Haben wir nun aus unserer Geschichte gelernt oder steuern wir erneut einer Katastrophe entgegen? Wir sollten uns besinnen und den Zeitgeist wahrnehmen. Zu glauben, dass wir mit der Nazi-Zeit nichts mehr zu tun haben w\u00e4re ein fataler Irrtum. Wir sind in der Verantwortung, die Erinnerung an die grausamen Verbrechen der Nazis wachzuhalten und allen rechten Bewegungen entgegenzutreten und zu verhindern, dass sich dieses dunkelste Kapitel unserer Geschichte wiederholt. F\u00fcr mich steht eines klar fest<strong>: Nie wieder Antisemitismus!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><strong><em>\u201cIhr seid nicht verantwortlich f\u00fcr das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, daf\u00fcr schon.\u201d<\/em><\/strong><\/p><cite><strong><em>Max Mannheimer, Holocaust-\u00dcberlebender<\/em><\/strong><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"644\" height=\"481\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/J\u00fcdische-Gemeinde-Illingen-644x481.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5367\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/J\u00fcdische-Gemeinde-Illingen-644x481.jpg 644w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/J\u00fcdische-Gemeinde-Illingen-300x224.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/J\u00fcdische-Gemeinde-Illingen-768x574.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/J\u00fcdische-Gemeinde-Illingen.jpg 917w\" sizes=\"auto, (max-width: 644px) 100vw, 644px\" \/><figcaption>Quelle: Gemeinde Illingen<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201e\u2026\u2026Und viele sagen immer noch, So schlimm ist das doch wirklich nicht, Es ist doch hier weit und breit, Kein neues Drittes Reich in Sicht\u2026\u201c Liedtext: Sie brauchen keinen F\u00fchrer \u2013 Udo Lindenberg Am 27. 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