{"id":6708,"date":"2020-07-05T11:57:21","date_gmt":"2020-07-05T10:57:21","guid":{"rendered":"http:\/\/echta-derminga.de\/?p=6708"},"modified":"2020-07-05T12:06:14","modified_gmt":"2020-07-05T11:06:14","slug":"mittendrin-und-doch-am-rand-von-der-hoheitsgrenze-zwischen-eppelborn-und-dirmingen-und-der-das-dat-linie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=6708","title":{"rendered":"Mittendrin und doch am Rand \u2013 Von der Hoheitsgrenze zwischen Eppelborn und Dirmingen und der \u201edas-dat-Linie\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Obwohl unsere Heimat zu den kleinsten Bundesl\u00e4ndern geh\u00f6rt, werden an der Saar die unterschiedlichsten Mundarten gesprochen. Nicht selten kam es dabei vor, dass schon von einem Dorf zum anderen v\u00f6llig anders \u201egeschw\u00e4tzt\u201c wurde. Ein Grund darin liegt in der sogenannten \u201edas-dat-Linie\u201c. Diese Grenze zieht sich quer durch unser L\u00e4ndchen aus von V\u00f6lklingen im S\u00fcdwesten nach St. Wendel im Nordosten. W\u00e4hrend im Osten Rheinfr\u00e4nkisch gesprochen wird, \u201eschw\u00e4tze\u201c die Menschen im Westen unserer Heimat das Moselfr\u00e4nkische. Ganz fr\u00fcher war es m\u00f6glich, dass man die Sprachgrenze auf D\u00f6rfer und Stra\u00dfen genau festlegen konnte. Dirmingen liegt in der Mischzone dieser &#8222;das-dat-Linie&#8220;. Unsere Mundart basiert \u00fcberwiegend auf dem rheinfr\u00e4nkische Dialekt, wobei sich hin und wieder auch W\u00f6rter aus dem moselfr\u00e4nkischen einschleichen. Mittlerweile ist unser Dialekt unsauber geworden und hat sich im Laufe der Jahre ver\u00e4ndert. Das hat auch mit unserem Verhalten etwas zu tun. Wir pflegen unsere Mundart nicht mehr und verzichten bei der Erziehung unserer Kinder immer \u00f6fter auf das Weitergeben dieses Schatzes. Die \u201edas-dat-Linie\u201c hat einen historischen Hintergrund und erinnert uns heute noch an die alten Grenzen des Bistums Trier und Metz.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Dirmingen, dass wie erw\u00e4hnt inmitten der Mischzone der sogenannten \u201edas-dat-Linie\u201c liegt, hat von jeher schon einen sehr eigenen Dialekt gepflegt. In unserem Heimatdorf sagt man z.B zu dem Leder &#8211; \u201eLerra\u201c oder zu dem Wetter \u201eWerra\u201c dabei wird das W\u00f6rtchen \u201ewerra\u201c auch im Zusammenhang mit \u201escho werra\u201c (schon wieder) gesprochen. Au\u00dferdem spricht der Dirminger etwas breiter und unterscheidet sich gerade in der Ausdrucksform deutlich von der Eppelborner Mundart. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Ich habe mir mal die Frage gestellt, inwieweit die geographische Lage unseres Heimatortes den Werdegang unserer Dorfkultur beeintr\u00e4chtigt hat.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"825\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Wappen_eppelborn-700x825.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6716\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Wappen_eppelborn-700x825.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Wappen_eppelborn-254x300.jpg 254w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Wappen_eppelborn-768x906.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Wappen_eppelborn-1303x1536.jpg 1303w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Wappen_eppelborn.jpg 1379w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><figcaption>Wappen Gemeinde Eppelborn<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Die Geschichte unserer Heimatgemeinde und die damit verbundenen Ortsteile k\u00f6nnte vielf\u00e4ltiger nicht sein. Dabei spielte gerade die herrschaftliche Zugeh\u00f6rigkeit der einzelnen D\u00f6rfer \u00fcber Jahrhunderte hinweg eine entscheidende Rolle. Im Wappen unserer Heimatgemeinde ist dies noch heute deutlich sichtbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Der gest\u00fcmmelte Adler in Rot steht f\u00fcr das Herzogtum Lothringen, wozu Bubach, Calmesweiler, Eppelborn, Habach, Humes, Macherbach und Wiesbach geh\u00f6rten. Die. \u201eWolfsangel\u201c war das Herrschaftszeichen des Grafen Nassau-Saarbr\u00fccken, zu dem Dirmingen und Hierscheid geh\u00f6rten. Der silberne Schr\u00e4grechtbalken ist Bestandteil des Wappens der Ortsherrschaft Ippelbrunn, eines ritterlichen Adelsgeschlechts, das Eppelborn im Mittelalter zu Lehen hatte. Der politische wie auch kirchlich-kulturelle Einfluss des f\u00fcrstbisch\u00f6flichen Kurtrier kommt in den Farben Rot-Silber zum Ausdruck.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Im Laufe der Jahrhunderte kam es immer wieder zu herrschaftlichen Ver\u00e4nderungen. Am meisten betroffen davon waren die beiden Mittelgemeinden Eppelborn und Dirmingen. Nach dem Wiener Kongress wurden beide Ortsteile Preu\u00dfen zugeteilt. Aus der im Jahre 1822 zusammengelegten B\u00fcrgermeisterei Eppelborn-Dirmingen entstand der sp\u00e4tere Amtsbezirk Eppelborn. Historischen Quellen zufolge kam es schon damals in der preu\u00dfischen Zeit immer wieder zu Querelen zwischen Eppelborn und Dirmingen. Im Wesentlichen ging es dabei um Grenzangelegenheiten. Im Gegensatz zu dem eher guten Verh\u00e4ltnis zwischen Dirmingen und Berschweiler kriselte es relativ oft zwischen den beiden Ortsteilen an der Ill. Bis zum 18.Jahrhundert lag Dirmingen und auch unser Nachbarort Eppelborn im Grenzgebiet zwischen der Di\u00f6zese Trier und Metz. Aus dieser beschriebenen Grenzlage entstand sp\u00e4ter die erw\u00e4hnte \u201edas-dat-Linie\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Stellt sich die Frage, wie diese Grenzen entstanden. Irgendwo m\u00fcssen schlie\u00dflich Grenzen gezogen werden. Dabei spielen jedoch mehrere Faktoren eine Rolle. Ein Grund liegt in der alten Grenzregion der galloromanischen Verwaltungsbezirke der Civitates. &nbsp;Zum einen lag in unserer Grenzregion der Einflussbereich der Mediomatriker, zu dem Dirmingen geh\u00f6rte und ihren Verwaltungssitz in Metz hatten und anderseits der Treverer, die in Trier beheimatet waren. Das Grenzgebiet, die sogenannte \u201edas-dat-Linie\u201c hat also unter anderem einen religi\u00f6sen Hintergrund basierend auf den herrschaftlichen Territorien der alten Kelten. Dirmingen wurde bereits recht fr\u00fch der Dioz\u00f6se Metz zugeordnet. Eppelborn hingegen geh\u00f6rte zur Dioz\u00f6se Trier.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Im Laufe der Jahrhunderte wurden neue Pfarreien gegr\u00fcndet und schlie\u00dflich auch verschoben. Die Historiker sind sich sicher, dass es schon immer zwischen Metz und Trier eine gewisse Konkurrenz existierte. Seit dem Jahre 634 geh\u00f6rt die in Tholey befindliche Abtei zum Bistum Trier. Wie schon einmal an dieser Stelle beschrieben deutet nichts darauf hin, dass unser Glaube von Tholey nach Dirmingen kam. Im Jahre 871 gr\u00fcndete der Bischof des Bistums Metz im Bliestal verschiedene Abteien und Stifte. &nbsp;Dabei wurde auch in Ottweiler ein Stift gegr\u00fcndet. Zu diesem Stift Neum\u00fcnster geh\u00f6rte die Kirche Illingen und die dazugeh\u00f6rige Kapelle in Schiffweiler. Zu diesem aufstrebenden Bistum Metz geh\u00f6rte die Pfarrei Dirmingen und auch das Gebiet Ottweiler, Illingen und Schiffweiler. Die Grenze zischen der Di\u00f6zese Trier und Metz verlief praktisch zwischen Dirmingen und Eppelborn. Davor geh\u00f6rte das Illtal vom sp\u00e4ten 13. Jahrhundert bis zum fr\u00fchen 14. Jahrhunderte zum Herzogtum Lothringen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"617\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Wappen-Busek-700x617.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6720\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Wappen-Busek-700x617.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Wappen-Busek-300x264.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Wappen-Busek-768x677.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Wappen-Busek.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><figcaption>Wappen von Buseck<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Im Jahre 1575 f\u00fchrte Graf Philipp III die Reformation nach lutherischem Bekenntnis in Dirmingen ein. Die Einf\u00fchrung der Reformation f\u00fchrte mit Sicherheit zu weiteren Spannungen zwischen den beiden Nachbargemeinden Dirmingen und Eppelborn. Dies wird in einem Rechtsstreit deutlich. Der Prozess zog sich viele Jahrzehnte hin und endete 1629 mit einem Vergleich. Danach gerieten die evangelischen Gemeinden in der Grafschaft Saarwerden in harte Bedr\u00e4ngnis durch die von Lothringen unterst\u00fctzte Gegenreformation.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Im Jahre 1767 wurde anl\u00e4sslich eines Herrschaftswechsels die damalige Hoheitsgrenze zwischen Frankreich und der Grafschaft Nassau-Saarbr\u00fccken mit den heute noch vorhandenen historischen Grenzsteinen markiert. W\u00e4hrend Eppelborn zu Lothringen geh\u00f6rte und dem K\u00f6nigreich Frankreich zugeteilt wurde, geh\u00f6rte Dirmingen weiterhin zur Grafschaft Nassau-Saarbr\u00fccken. Weitere \u00c4nderungen in den Herrschaftsverh\u00e4ltnissen f\u00fchrten dazu, dass auch die Grenzsteine ver\u00e4ndert werden mussten. So wurde u.a das Raute-Wappen als Hoheitszeichen von Pfalz-Zweibr\u00fccken eingemei\u00dfelt.Im Naherholungsgebiet Steinrausche findet man unter zahlreichen Grenzsteinen auch sogenannte Dreibanngrenzstein aus dem Jahre 1767. Diese Steine markieren die einstigen Grenzen zwischen Dirmingen und Hierscheid sowie Eppelborn und Thalexweiler. Die Grenzen zu Wiesbach und Humes wurden zudem gesondert markiert.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"810\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/heini-700x810.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6722\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/heini-700x810.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/heini-259x300.jpg 259w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/heini-768x888.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/heini.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><figcaption>Der letzt F\u00fcrst von Nassau<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>W\u00e4hrend der Gebietsverwaltungsreform 1974 verfolgten Dirmingen und Berschwieler aus alter territorialer Verbundenheit eigene Interessen. Der damalige Gemeinderat Dirmingen beschloss am 08.Juni 1973, unter dem Vorsitz des B\u00fcrgermeisters Hermann Bock, eine gesonderte L\u00f6sung. Eine Zuordnung unseres Heimatdorfes zu der neuen Einheitsgemeinde Eppelborn sollte nur dann entsprochen werden, wenn diese neue Gemeinde einem neuen Landkreis Region Saar Nord-Ost zugeordnet w\u00fcrde. Dem Dirminger Gemeinderat fehlte der Bezug zu dem neuen Landkreis Saarlouis. Aus Sicht unseres damaligen Gemeinderates sollten jahrhundertelange Verbindungen wie z.b zwischen Dirmingen und Berschweiler beachtet werden. Sollte dem Dirminger Wunsch nicht entsprochen werden, favorisierte unsere Gemeinde eine Eingliederung zu der Gemeinde Illingen oder zu der Gemeinde Marpingen mit dem Nachbarort Berschweiler. Die neue Einheitsgemeinde Marpingen hingegen wurden relativ schnell gegr\u00fcndet. Interessanterweise beantragte auch der Ortsteil Berschweiler, dass Dirmingen der Gemeinde Marpingen zugeordnet werden sollte. Als Argumente wurden, keineswegs \u00fcberraschend, die gleichen wie bei der Gemeinde Dirmingen aufgelistet.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Das Verh\u00e4ltnis zwischen Eppelborn und Dirmingen ist seit jeher ein Besonders. Heute scheinen die gr\u00f6bsten Grabenk\u00e4mpfe \u00fcberwunden zu sein. Die Gemeinde Eppelborn verf\u00fcgt \u00fcber 17 000 Einwohner. Eppelborn liegt im Zentrum des Saarlandes und verf\u00fcgt im Ortsteil Habach \u00fcber den geometrischen Mittelpunkt unseres Heimatlandes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Aus zwei rivalisierenden Gemeinden wurde eine Zweckgemeinschaft die dann in eine zukunftsf\u00e4hige Gemeinde m\u00fcndete. Mein Blick zur\u00fcck sollte informieren und keineswegs dazu beitragen, dass \u00e4hnliche Grabenk\u00e4mpfe wieder aufkochen.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Obwohl unsere Heimat zu den kleinsten Bundesl\u00e4ndern geh\u00f6rt, werden an der Saar die unterschiedlichsten Mundarten gesprochen. Nicht selten kam es dabei vor, dass schon von einem Dorf zum anderen v\u00f6llig anders \u201egeschw\u00e4tzt\u201c wurde. Ein Grund darin liegt in der sogenannten \u201edas-dat-Linie\u201c. Diese Grenze zieht sich quer durch unser L\u00e4ndchen aus von V\u00f6lklingen im S\u00fcdwesten nach St. Wendel im Nordosten. 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