{"id":7334,"date":"2020-09-05T13:10:03","date_gmt":"2020-09-05T12:10:03","guid":{"rendered":"http:\/\/echta-derminga.de\/?p=7334"},"modified":"2020-09-05T13:18:46","modified_gmt":"2020-09-05T12:18:46","slug":"die-legende-des-dirminger-klosters","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=7334","title":{"rendered":"Suche nach der Wahrheit &#8211; Von der Legende des Dirminger Klosters"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Im Mittelalter wurden auch in unserer Region zahlreiche Kl\u00f6ster gegr\u00fcndet. Abteien, Stifte und Kl\u00f6ster bildeten damals das Netzwerk der mittelalterlichen Gesellschaft. Neben den noch heute vorhandenen alten Kirchenbauten, Burgen und Schl\u00f6ssern sind in unserer Region immer noch zahlreiche Kl\u00f6ster erhalten. Die Menschen in unserer Heimatgegend werden in diesem Zusammenhang sofort an die Abtei Tholey denken. Wenn wir uns jedoch die historischen Quellen unseres Dorfes ansehen, deutet vieles darauf hin, dass nicht nur die Abtei in Tholey ihre Spuren in unserem Dorf hinterlassen haben. Das Benediktinerkloster in Tholey geh\u00f6rt zum Bistums Trier und geh\u00f6rt der Beuroner Kongregation an. Wenn man die N\u00e4he zu Tholey in Betracht zieht, ist es nat\u00fcrlich nahelegend zu glauben, dass die ersten christlichen Str\u00f6mungen von Tholey einflossen. In dieser Hinsicht vertrete ich jedoch eine ganz andere Meinung als viele etablierte Heimatforscher. Meine Forschungen ergebenen viel mehr, dass ein ganz anderer Orden sich in Dirmingen ausbreitete. <strong>Die Zisterzienser! <\/strong>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Das erste Kloster dieses Ordens entstand im Jahre 1098 in \u201eCistercium\u201c in Frankreich. Obwohl auch die Zisterzienser benediktinische M\u00f6nche waren gibt es auf den ersten Blick keine Verbindung zur Abtei Tholey. Zudem wurde der franz\u00f6sische Orden viel sp\u00e4ter als die Abtei Tholey gegr\u00fcndet. Nachweislich gab es jedoch Verbindungen zwischen den M\u00f6nchen des Benediktinerabteis in Tholey und den viel sp\u00e4ter in Frankreich entstanden Zisterzienserorden. Letztlich entstand der Zisterzienserorden durch Reformen aus der Tradition des Ordens der Benediktiner.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"732\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/1200px-Ordre_cistercien.svg_.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-7341\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/1200px-Ordre_cistercien.svg_.png 600w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/1200px-Ordre_cistercien.svg_-246x300.png 246w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Zisterzienser galten als hervorragende Fachleute der Landwirtschaft und waren beim fr\u00e4nkischen K\u00f6nig sehr beliebt. Wahrscheinlich hat ein Frankenk\u00f6nig daf\u00fcr Sorge getragen, dass in unserer Gegend M\u00f6nche aus dem Zisterzienserorden die Bev\u00f6lkerung in der Landwirtschaft ausbildeten. Die Zisterzienser erlangten im 12. und 13. Jahrhundert durch ihre landwirtschaftliche Pionierarbeit einen hohen Stellenwert. Der Orden schuf landwirtschaftliche Musterbetriebe, f\u00f6rderten Obst- und Weinbau, Pferde- und Viehzucht, Bergbau sowie den Wollhandel und trug auch zur Verbreitung der hoch mittelalterlichen Kultur bei. Alles Dinge, die es in Dirmingen nachweislich schon einmal gab und unsere Ort pr\u00e4gten. Auch der hohe Stellenwert der Landwirtschaft in Dirmingen w\u00e4re somit zu erkl\u00e4ren. \u00dcber viele Jahrhunderte war Dirmingen landwirtschaftlicher Grundpfeiler des sp\u00e4teren Oberamtes Ottweiler und z\u00e4hlte viele Jahre zu den wohlhabendsten Gemeinden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Ich vertrete die Meinung, dass die ersten christlichen Einfl\u00fcsse von Illingen in unser Dorf einflossen. Die dortige Kirchengemeinde geh\u00f6rte fr\u00fch zum Bistum Metz und die N\u00e4he zu Frankreich und dem Zisterzienserorden ist daher schon wahrscheinlich. Der Orden war bekannt f\u00fcr seinen gotische Baustil. Zun\u00e4chst nur z\u00f6gernd \u00fcbernommen, breiteten sich die Kirchenbauten des Ordens auch in Deutschland rasend schnell aus. Es k\u00f6nnte sein, dass der Zisterzienserorden die erste vorzeitliche kleine Kirche in Dirmingen erbaut hat. Wie ich darauf komme? Das Gew\u00f6lbe des Kirchturms unserer evangelischen Kirche hat an den vier Ecken Konsolen, die nach zisterziensischer Gewohnheit in zwei H\u00f6rnern auslaufen. F\u00fcr mich ist diese Tatsache viel mehr als ein Indiz.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Auf dem Gel\u00e4nde der Sch\u00e4fer Brauerei, dass heute als leeres Loch in der Ortsmitte g\u00e4hnt d\u00fcrfte laut unseren Quellen ein Hof fr\u00e4nkischer K\u00f6nige gestanden haben. Dabei darf man sich dies nicht prunkvoll und gro\u00dfartig vorstellen. Vielmehr d\u00fcrfte es eine kleine Residenz gewesen sein, die bestenfalls zur Rast oder \u00dcbernachtung von Adligen diente. Es gibt Hinweise darauf, dass Geistliche oder M\u00f6nche diesen Hof bewirtschafteten. Vieles spricht daf\u00fcr, dass es sich um M\u00f6nche des Zisterzienserordens handelte. Der Volksmund berichtete, dass am Renderberg, in dem sich einst die Brauerei befand, nachweislich Stollen existierten. Ganz fr\u00fcher wurden diese Stollen dazu genutzt verderbliche Waren aufzubewahren. Die Bev\u00f6lkerung und der damit verbundene Volksmund deuteten diese Stollen nat\u00fcrlich ganz anders. Im Laufe der Jahrzehnte entstanden die interessantesten und haarstr\u00e4ubendsten Geschichten. Gab es einen unterirdischen Gang von Dirmingen zur Abtei Tholey? Aus meiner Sicht: Ausgeschlossen! Gab es einmal ein Kloster in Dirmingen? Aus meiner Sicht: Ausgeschlossen!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Die heutigen Flurbezeichnungen \u201eIm gro\u00dfen Kloster\u201c oder \u201eIm Hof\u201c sorgen jedenfalls weiterhin f\u00fcr Spekulationen. Die beiden Fluren befinden sich in unmittelbarer N\u00e4he zur evangelischen Kirche und grenzen an dem ehemaligen Gel\u00e4nde der \u201eBrauerei Sch\u00e4fer\u201c, an der heutigen Stra\u00dfe \u201eAm Render\u201c. Ich glaube, dass es tats\u00e4chlich M\u00f6nche in Dirmingen gab, die hier ihre Pionierarbeit verrichten. Wahrscheinlich haben diese sogar auf der Flur des heutigen \u201eIm gro\u00dfen Kloster\u201c gelebt, gehaust oder \u00fcbernachtet. Allein daraus wird im Laufe der Jahrhunderte die Legende des Dirminger Klosters entstanden sein. Auf der anderen Seite war niemand von uns zu dieser Zeit dabei, insofern bleibt der Stoff aus dem Legenden entstanden sind vorhanden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"525\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2-2-700x525.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7339\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2-2-700x525.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2-2-300x225.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2-2-768x576.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/2-2.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Der Volksmund machte sich seinen Reim und irgendwann entstand die Geschichte von der Existenz eines Klosters in Dirmingen. Unterlagen die eine Existenz eines Klosters in Dirmingen beweisen w\u00fcrden, gibt es bis heute nicht. Eigentlich ist es auch sehr unwahrscheinlich das hier in Dirmingen jemals ein Kloster existierte. Das Kloster in Tholey entstand wahrscheinlich schon im 6 Jahrhundert, wobei zwei Kl\u00f6ster in so kurzer Entfernung schon eher unwahrscheinlich sind. Einer unbelegten historischen \u00dcberlieferung zufolge gab es fr\u00fcher einen unterirdischen Gang von diesem besagten Dirminger Kloster zum heutigen Benediktinerkloster in Tholey. Als das alte historische \u201eSchw\u00e4ns-Haus\u201c abgerissen wurde, entdeckten die Arbeiter tats\u00e4chlich einen unterirdischen Gang, der in Richtung Tholey f\u00fchrte. Genau das war f\u00fcr viele Einheimische der Beweis und letztlich auch der Stoff aus dem Legenden gemacht werden?\u00a0 Ich pers\u00f6nlich k\u00f6nnte mir vorstellen, dass es sich bei diesem gefunden Gang um ein \u201eH\u00e4hloch\u201c handelte. Ein \u201cH\u00e4hloch\u201d war fr\u00fcher nichts anderes als ein Versteck f\u00fcr Lebensmittel oder Wertgegenst\u00e4nde. Der ehemalige Dirminger Posthalter Johann Nikolaus Heintz berichtete, dass der \u201eKl\u00e4se Vater\u201c ihm, als kleiner Junge, von einem unterirdischen Gang erz\u00e4hlte. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Bei der Renovierung der evangelischen Kirche zu Dirmingen im Jahre 1890 entdeckten Arbeiter unter dem Alter einen Hohlraum, der wie ein Gang ausgesehen haben soll. Vor ca. 80 Jahren konnte sich die \u00e4ltesten Bewohner Dirmingens an einen alten Gew\u00f6lbe Keller in der N\u00e4he des \u201cKl\u00e4se- Hauses\u201c erinnern. Sind das nun alles Indizien, Beweise oder nur purer Zufall? Wie dem auch sei, dass ist der Stoff aus dem Legenden gemacht werden. Das \u201eKl\u00e4se Haus\u201c wurde vor \u00fcber 70 Jahren abgerissen und nur noch der alte historische \u201eKl\u00e4se-Keller\u201c erinnert an das Haus in der Ortsmitte. Einen echten Beweis f\u00fcr die tats\u00e4chliche Existenz eines Klosters in Dirmingen gibt es also wirklich nicht.  Allein der Gedanke, dass an jedem Bericht auch ein Funke Wahrheit steckt, macht die Sache so interessant. Meine pers\u00f6nlichen Forschungen ergaben jedenfalls, dass in unserem Heimatort wohl eher kein Kloster existierte. Irgendwie schade. Oder ?<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Mittelalter wurden auch in unserer Region zahlreiche Kl\u00f6ster gegr\u00fcndet. Abteien, Stifte und Kl\u00f6ster bildeten damals das Netzwerk der mittelalterlichen Gesellschaft. Neben den noch heute vorhandenen alten Kirchenbauten, Burgen und Schl\u00f6ssern sind in unserer Region immer noch zahlreiche Kl\u00f6ster erhalten. 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