{"id":7992,"date":"2020-11-29T13:45:27","date_gmt":"2020-11-29T12:45:27","guid":{"rendered":"http:\/\/echta-derminga.de\/?p=7992"},"modified":"2020-11-29T14:41:29","modified_gmt":"2020-11-29T13:41:29","slug":"grenzkonflikte-zwischen-dirmingen-hierscheid-und-humes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=7992","title":{"rendered":"Grenzkonflikte zwischen Dirmingen, Hierscheid und Humes"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Unser Heimatort Dirmingen geh\u00f6rte mehrere Jahrhunderten, in der Grafschaft Nassau-Saarbr\u00fccken, zu einer Grenzregion. W\u00e4hrend der Gro\u00dfteil unserer heutigen Heimatgemeinde zu Lothringen geh\u00f6rte, war Dirmingen schon immer ein Teil der Grafschafft Nassau-Saarbr\u00fccken. Bei unserem Nachbarort Hierscheid hingegen wechselten im Laufe der Jahrhunderte \u00f6fter mal die Herrschaftsverh\u00e4ltnisse. Dies sorgte immer wieder zu Spannungen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Noch heute zeugen die Grenzsteine zwischen Dirmingen und Humes, Eppelborn, Hierscheid oder auch Thalexweiler oder Sotzweiler von einer mit Spannung beladenen Zeit. Die sogenannte \u201eDas-dat-Linie&#8220;, in der unser Heimatort liegt, erinnert noch heute an die ehemalige Grenzregion von Nassau Saarbr\u00fccken und Lothringen. Dabei gab es in unserer heutigen Gemeinde viele Jahrhunderte Spannungen zwischen den zu Nassau geh\u00f6renden Dirmingern und Hierscheidern und den zu den Lothringern geh\u00f6renden anderen Ortschaften wie Eppelborn, Wiesbach oder beispielsweise Humes. W\u00e4hrend es zwischen Dirmingen und Berschweiler immer wieder Auseinandersetzungen wegen Weideland gab, konzentrierten sich die Konflikte zwischen den nassauischen und lothringischen Ortschaften verst\u00e4rkt auf den Holzfrevel. Dabei gab es besonders zwischen Humes und Hierscheid viele Streitereien. Dirmingen spielte dabei aufgrund seines gro\u00dfen Waldgebietes, als direkter Nachbar beider D\u00f6rfer, eine gro\u00dfe Rolle. Mitte des 18. Jahrhunderts geh\u00f6rte Humes zu Lothringen und Hierscheid zu Nassau. Nachweislich waren es gerade die Lothringer die sich immer wieder der Teilfl\u00e4che des Hierscheider Banns bem\u00e4chtigten.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"450\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bann-700x450.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7996\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bann-700x450.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bann-300x193.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bann-768x494.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bann-1536x988.jpg 1536w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Bann-2048x1317.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Im Jahre 1741 musste der Forstbeamte der Meierei Dirmingen Christoph Hammerer anzeigen dass der &#8222;<em>Steinartzen Nickel von Humes n\u00e4chst dem dreyb\u00e4nnigen Stein welcher Hummeser, die Dirminger und die Hirschder Banne scheidet sich die sogenannten Dreyspitz auf dem Hirschder Bann widerrechtlich angemasset \u00fcberackert und besamt hat<\/em>&#8222;. Die Lothringer aus Humes schlugen trotz des Protestes der nassauischen Bewohner im Hierscheider Buchwald Holz  und rodeten die Teilfl\u00e4che des Waldes. In solchen F\u00e4llen ging es \u00f6fters extrem brutal zu Werke. Am 16.02.1741 spielte sich an der Hierscheider Banngrenze zu Dirmingen Folgendes ab:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Carl und Johannes aus Humes hatten am 16.02. 1741, in unredlicher Absicht, die Bannmeile im Hohlfelder Jungenwald bearbeitet. Bei ihrem Tun wurden die beiden vom Dirminger F\u00f6rster Hammerer \u00fcberrascht und zur Rede gestellt. Was dann geschah schildert der Forstbeamte Hammerer in seinem Bericht wie folgt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">\u201e&#8230;..wie ich nun nahe bei Johannes gestanden und ihn pf\u00e4nden wollte, gab dieser zwar gute Worte, aber der Carl, der auf dem Baum gesessen,stieg herunter und ihn Vermuths schlug er mir hinterhertragen, ich wei\u00df nicht ob mit der Axt oder womit, auf m\u00f6rderische&nbsp;Weise auf den Kopf. Desgleichen auch der Johannes da ich auf ersteren Streich nicht fallen wollte, bis sie mich zu Boden schlugen, sagten darbet : dass ist der rechte Schelm, der uns auch unsere Gerechtigkeit wehren will Holtz zu hauen, man muss den Hundt todtschlagen, wie dann auch wirklich, da ich auf dem Boden lag&#8230;.noch mehrere Streiche gefallen sind auf Kopf, Arm und H\u00fcfte und ich glaube, wenn nicht etlich Leute aus Hirscht und Hummes in der N\u00e4he gewesen w\u00e4ren&#8230;..so h\u00e4tten sie&nbsp; noch nicht aufgeh\u00f6rt zuzuschlagen. Weil mir nun nicht befohlen ist, um eines Astes oder eines Baumes wegen, einen Menschen krumm und lahm zuschlagen oder gar Todt zu schie\u00dfen, weil solches von beyden hohen Herrschaften nicht ausgemacht ist. So habe ich derenthalben keine Th\u00e4tlichkeit an ihnen ver\u00fcben wollen. Sollte mir aber k\u00fcnftighin einer von diesen Schelmen &#8230;..begegnen so werde ich Revange suchen, es mag befohlen sein oder nicht, weil mir die zwei sehr wehe Thun und ich in den n\u00e4chsten acht Tagen meinen Forst nicht versehen kann&#8230;&#8230;&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Die Sache landete schlie\u00dflich vor Gericht. Regierungssprecher Schultz leitet das Schreiben des F\u00f6rsters umgehend  an den Amtmann El Payen in Tholey weiter und forderte die Auslieferung und Bestrafung der beiden Holzfrevler. In seiner Aufforderung verwies der Beamte darauf, dass der Dirminger F\u00f6rster auf <em>&#8222;&#8230;&#8230;..unstrittige diesseitigem Territorium die T\u00e4ter angetroffen&#8220;<\/em> habe. Der F\u00f6rster sei nach den ersten Schl\u00e4gen davongelaufen und hingefallen. Daraufhin haben die T\u00e4ter wieder zugeschlagen. Das Ende dieses Verfahrens ist leider nicht bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Im Jahre 1766 fiel das gesamte Herzogtum Lothringen an Frankreich. Demzufolge wurden die Herrschaft Eppelborn und somit auch Wiesbach und Humes an das K\u00f6nigreich ausgegliedert. Alleine Hierscheid und Dirmingen verblieben bei Nassau Saarbr\u00fccken. Hierscheid war mit diesem Schritt praktisch eingeklammert&#8230;.und konnte rasch mal \u00fcber die Grenzen gehen. Diese Umklammerung des Hierscheider Bannes, durch das franz\u00f6sische Territorium, war nur von kurzer Dauer. Bereits 1768 wurde Wiesbach und Humes vereinbarungsgem\u00e4\u00df an Nassau Saarbr\u00fccken ausgetauscht . Als dann 1786 das gesamte Amt Schaumburg, inklusive der Herrschaft Eppelborn, an das Herzogtum Pfalz-Zweibr\u00fccken fiel, nahm die Reichsgrenze einen ganz anderen Verlauf wobei Hierscheid endg\u00fcltig aus dem Grenzgebiet ausschied . Bei der Bann Renovation im Jahre 1773 wurde die Grenzlinie endg\u00fcltig festgelegt und im Grenzbereich zu Eppelborn, mit den teilweise bis zum heutigen Tag erhaltenen Nassauer Steinen markiert. Diese auf dem Dirminger Bann befindlichen Grenzsteinen zeigen auf der zu Hierscheid zugewendeten Seite die Wolfgange und das K\u00fcrzel NS f\u00fcr Nassau Saarbr\u00fccken, auf der anderen Seite wurde 1786 die franz\u00f6sische Lilie durch das bayrische Rautewappen, das Symbol der im Herzogtum Pfalz Zweibr\u00fccken regierenden Wittelsbacher ersetzt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"487\" height=\"693\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Nassau.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7998\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Nassau.jpg 487w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Nassau-211x300.jpg 211w\" sizes=\"auto, (max-width: 487px) 100vw, 487px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">In der ersten H\u00e4lfte des 18 Jahrhunderts stand die f\u00fcrstliche Verwaltung in Ottweiler den Grenzverletzungen und&nbsp; Holzdiebst\u00e4hlen der Lothringer weitgehend machtlos gegen\u00fcber. Wenn Holzfrevler erwischt wurden drohte ihnen schlimmstenfalls eine milde Strafe oder eine Verwarnung. Weitreichende Strafen scheiterten an den lothringischen Amtsm\u00e4nnern von Tholey. Die Lothringer sch\u00fctzen immer wieder ihre Landleute und verhinderten somit die notwendige Rechtsprechung. Von daher d\u00fcrfte auch die Tat an dem Dirminger F\u00f6rster Hammerer vergleichbar milde ausgegangen sein. Als sich im Jahre 1762 der k\u00fcnftige Verlauf der Reichsgrenze abzeichnete bekam Nassau zusehends mehr Handhabe. Im Juli des Jahres \u00e4u\u00dferte die Nassauer Amtsverwaltung die Hoffnung auf Besserung. Die Drohung, dass Humes und Wiesbach alsbald nach der Grenzregulierung zur Nassau geh\u00f6ren w\u00fcrden und die T\u00e4ter somit der Gerichtsbarkeit der Nassauer unterstehen, sorgte f\u00fcr Respekt und Angst. Zuk\u00fcnftig w\u00fcrde es dann keine sanften Strafen mehr geben Sonden mehr H\u00e4rte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Der franz\u00f6sische Grenz-Kommissar Joseph Mathis setzte aufgrund seiner Souver\u00e4nit\u00e4t den r\u00e4uberischen Aktivit\u00e4ten der Lothringer ein Ende. Er lie\u00df im Juni 1765 auf Plakaten, die an allen Kirchent\u00fcren der Region angeschlagen wurden, verk\u00fcnden:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><em>Wie Joseph Mathis , k\u00f6niglicher Rath und Commissarius \u00fcber die Gr\u00e4nzen hiesiger Gegenden : zufolge derer uns zugekommenen Befehlen &#8230;..verbieten nochmals hierdurch ernstlich denen Gemeinden Wustweiler , Wiesbach und Humes auch sonst jederm\u00e4nniglich einigen Frevel oder Holtz Diebstahl zu begehen in den Waldungen des F\u00fcrsten von Nassau Saarbr\u00fccken unter der Verwarnung ,dass die so hierwieder handeln, arretiert und nach Saarbr\u00fccken ins Gef\u00e4ngnis gef\u00fchrt werden.\u201c <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Diese Ank\u00fcndigung zeigte bei unseren Nachbarn ihre Wirkung. Weiter Grenzzwischenf\u00e4lle und Holzdiebst\u00e4hle gegen\u00fcber Hierscheid und Dirmingen blieben weitgehend aus.&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Heute mag so mancher denken, dass solche Geschichten Schnee von Gestern sind und keinen mehr interessieren. Immerhin bleiben solche Berichte jedoch ein Teil unserer gemeinsamen Geschichte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Quelle und Infos u.a: Eppelborner Heimatheft Nr.12.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser Heimatort Dirmingen geh\u00f6rte mehrere Jahrhunderten, in der Grafschaft Nassau-Saarbr\u00fccken, zu einer Grenzregion. W\u00e4hrend der Gro\u00dfteil unserer heutigen Heimatgemeinde zu Lothringen geh\u00f6rte, war Dirmingen schon immer ein Teil der Grafschafft Nassau-Saarbr\u00fccken. Bei unserem Nachbarort Hierscheid hingegen wechselten im Laufe der Jahrhunderte \u00f6fter mal die Herrschaftsverh\u00e4ltnisse. 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