{"id":8033,"date":"2020-12-03T19:14:25","date_gmt":"2020-12-03T18:14:25","guid":{"rendered":"http:\/\/echta-derminga.de\/?p=8033"},"modified":"2020-12-03T19:40:27","modified_gmt":"2020-12-03T18:40:27","slug":"barbaratag-2020-erinnerung-und-tradition-bewahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=8033","title":{"rendered":"Barbaratag 2020 &#8211; Erinnerung und Tradition bewahren !"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Der Wohlstand unseres Dorfes basiert, neben der Landwirtschaft, auf Kohle und Stahl. In Spitzenzeiten war ein Gro\u00dfteil der arbeitenden Bev\u00f6lkerung entweder auf eine H\u00fctte oder irgendeinem Bergwerk besch\u00e4ftigt. Bereits im 19. Jahrhundert waren zahlreiche Bergmannsbauern aus Dirmingen als \u201eHartf\u00fc\u00dfler\u201c unterwegs. Ihren Spitznamen erhielten die Bergleute, weil viele von ihnen zu Fu\u00df von ihren Heimatorten aus zu ihren Gruben und zur\u00fcck laufen mussten. Dabei konnte man schon von Weitem konnte den Klang ihrer genagelten Schuhe auf dem Pflaster der Stra\u00dfen h\u00f6ren.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Mittlerweile bin ich schon seit 20 Jahren nicht mehr als Bergmann &#8222;unter Tage&#8220; besch\u00e4ftigt. Ein guter Freund sagte einmal:<strong>\u201c Bergmann bleibt man immer\u201c<\/strong>, ich glaube, da ist etwas dran. Als ich im Jahre 1984 bei den Saarbergwerken anfuhr und eine Ausbildung als Bergmechaniker begann, musste ich jeden Tag mit dem Bus nach Ensdorf oder zum Ausbildungszentrum Velsen fahren. Zu fu\u00df, wie die &#8222;Hartf\u00fc\u00dfler&#8220;, w\u00e4re ich dazu niemals in der Lage gewesen. Daf\u00fcr war ich t\u00e4glich viel zu m\u00fcde. Jede Busfahrt nutzte ich dazu meinen verpassten Schlaf nachzuholen. Im Jahre 1986 wurde ich auf das Bergwerk Camphausen verlegt. Gem\u00e4\u00df dem Motto: \u201cLehrjahre sind keine Herrenjahre\u201c erlebte ich einige schwierige und aufreibende Jahre unter Tage. Der Umgangston und die Arbeitsbedingungen waren alles andere als einfach. Die hohe Luftfeuchtigkeit und die hohen Temperaturen machten die schwere Arbeit zu einer echten Passion. Dennoch habe ich &#8222;Unter Tage&#8220; die wichtigsten Tugenden gelernt: Hilfsbereitschaft, Solidarit\u00e4t, Treue kurzum Kameradschaft. Viele dieser Werte und Eigenschaften sind l\u00e4ngst verloren gegangen. Der Bergmann war stolz auf seinen Berufsstand. Tradition wurde gro\u00dfgeschrieben und t\u00e4glich gepflegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Wenn ich mich aus dem Bus geschafft hatte, ging es in die Waschkaue, saubere Kleidung aus und schwarze Kleidung an. Anschlie\u00dfend schleppte ich mich in den Zechenzahl. Dort wurde man verlesen und bekam seine Arbeit zugeteilt. Ich werde die t\u00e4gliche Zeremonie, die mich bis heute mit Stolz erf\u00fcllt, niemals vergessen. Im Zechensaal herrschte vor Schichtbeginn immer reges Treiben. Pl\u00f6tzlich, wie aus dem nichts, ein Glockenschlag. Jeder Bergmann schweigt, von jetzt auf gleich, und zieht seinen Helm vom Haupt. Kurze Andacht vor Schichtbeginn, noch einmal in sich reingehen und sammeln. Immerhin geht es gleich einige tausend Meter unter Tage. Nicht selten erklang das Einfahrtsgebet:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><strong>Einfahrtsgebet<\/strong><\/p><p><strong>Wir richten, eh\u2019 wir niederfahren,Den Blick, o Gott empor zu dir. O woll uns, Herr, getreu bewahren, La\u00df wiederkehren uns nach hier.<\/strong><\/p><p><strong>Schlie\u00df auf den Stollen Deiner Liebe, Den finsteren Schacht, in dem wir bauen. Schirm uns vor Ort und im Betriebe, La\u00df fromm und treu uns Dir vertrauen.<\/strong><\/p><p><strong>Herr, segne Streben, Schacht und Stollen, Bewahr uns vor Flut und Brand. Herr, dem wir treu geh\u00f6ren wollen, Du hast die Welt in Deiner Hand.<\/strong><\/p><cite>Einfahrtsgebet<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Danach erklang wieder eine Glocke, Helm auf den Kopf und weiter im Thema. Unter Tage mussten wir zusammenhalten. Der Ton war rau und herzlich und nix f\u00fcr schwache Gem\u00fcter. Letztendlich war der Bergbau eine gute Lebensschule. Als junger Bergmann wurde man auf raue Art und Weise mit den  Besonderheiten dieses Berufs und den damit verbundenen Traditionen konfrontiert. Wer kennt heute noch einen Grubenstempel, Kletzje, Knubbe, Gedinge, Portion oder den alten Mann? Der Bergbau hat nicht nur die Menschen, sondern auch unsere Region gepr\u00e4gt.<\/strong> <strong>In unserem Heimatort Dirmingen gab es um das Jahr 1900 einen Bergmannsverein. Im vergangenen Jahr bekam ich das Banner des Vereins geschenkt.<\/strong> <strong>Bis zu diesem Tag war mir nicht bekannt, dass es in unserem Heimatort einen solchen Bergmannsverein gegeben hat. F\u00fcr mich ist dies jedoch ein weiterer Indiz daf\u00fcr, wie sehr der Bergbau auch in Dirmingen verwurzelt war. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"644\" height=\"580\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG_20190404_212037_resized_20190426_051955989-644x580.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3641\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG_20190404_212037_resized_20190426_051955989-644x580.jpg 644w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG_20190404_212037_resized_20190426_051955989-300x270.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG_20190404_212037_resized_20190426_051955989-768x692.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/IMG_20190404_212037_resized_20190426_051955989.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 644px) 100vw, 644px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Noch heute hat der Barbaratag einen besonderer Platz in meinem Kalender. Fr\u00fcher mussten wir am 4. Dezember nicht einfahren. An diesem Tag wurde der Namenstag der Schutzpatronin der Bergleute, der heiligen Barbara, gefeiert. In Dirmingen wurde dieser Festtag immer mit einem \u00f6kumenischen Gottesdienst und einer anschlie\u00dfenden Feierstunde begangen. Viele Jahre trug ich, als Vorsitzender der IGBCE Ortsgruppe Dirmingen\/Berschweiler, f\u00fcr diese Veranstaltung eine Mitverantwortung. Die heilige St. Barbara verfolgt mich also bis zum heutigen Tage. Barbara von Nikomedien war der \u00dcberlieferung zufolge einer christlichen Jungfrau, eine M\u00e4rtyrerin des 3. Jahrhunderts. Sie wurde demnach von ihrem Vater Dioscuros enthauptet, weil sie sich weigerte, ihren christlichen Glauben und ihre jungfr\u00e4uliche Hingabe an Gott aufzugeben. Viele Erz\u00e4hlungen ranken sich um Barbara: Sie soll von ihrem heidnischen Vater in einen Turm eingeschlossen worden sein. W\u00e4hrend der Vater auf Reisen war, lie\u00df Barbara sich heimlich taufen. Auf der Flucht vor ihm soll sie durch eine Bergspalte entkommen sein und Unterschlupf bei einem Hirten gefunden haben, der sie schlie\u00dflich verriet. Ihr Vater soll sie dem Gericht \u00fcberantwortet und dann selbst enthauptet haben. Der Legende zufolge wurde der Vater anschlie\u00dfend von einem Blitzschlag getroffen. Seit dem Mittelalter geh\u00f6rt die Heilige auch zu den 14 Nothelfern und wird besonders zum Schutz vor j\u00e4hem Tod und als Beistand der Sterbenden angerufen. Als Schutzheilige der Bergleute wird sie wegen ihrer Flucht durch eine Felsspalte verehrt. In vielen Bergwerken lie\u00df man der heiligen Barbara zu Ehren das Licht im Stollen brennen. Somit wollte man sich vor dem Tod unter Tage sch\u00fctzen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Im heutigen Saarland wurde seit dem Jahre 1429, zun\u00e4chst in Sch\u00fcrfbetrieben, Kohle gef\u00f6rdert. In der ersten H\u00e4lfte des Jahres 2012 ging der Steinkohlenbergbau an der Saar zu Ende. Am 30. Juni wurde aus der Anlage Nordschacht das letzte St\u00fcck Kohle gef\u00f6rdert. F\u00fcr die Menschen an der Saar war dies eine emotionale Angelegenheit. Noch einmal gro\u00dfer Bahnhof f\u00fcr die Bergleute an der Saar. Die Bergkapelle spielte, und der Saarknappenchor sang noch einmal \u201eGl\u00fcck auf\u201c. Um 20:15 Uhr l\u00e4uteten von den T\u00fcrmen der saarl\u00e4ndischen Kirchen die Glocken. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Was ist von dem jahrhundertelangen Bergbau an der Saar geblieben? Die Kohle und das Saarland waren fast 260 Jahre lang untrennbar miteinander vereint. \u00a0Der Bergbau hat meine Familie gepr\u00e4gt. Ur-Gro\u00dfvater, Gro\u00dfvater und Vater waren als Bergmann unter Tage. Ich bin schon ein st\u00fcckweit Stolz darauf ein Teil dieser saarl\u00e4ndischen Geschichte, am eigenen Leib, erlebt haben zu d\u00fcrfen. Dabei war l\u00e4ngst nicht alles gut und sch\u00f6n. Als Bergmann wurde ich erstmals mit dem Tod konfrontiert. Viele gute Bergleute lie\u00dfen unter Tage ihr Leben. Das Grubenungl\u00fcck von Camphausen, am 16. Februar 1986, bleibt mir dabei ganz besonders in Erinnerung. Nur einen Monat zuvor wurde ich von Ensdorf nach Camphausen verlegt. Ich erinnere mich daran, dass es verdammt kalt war und dass wir eigentlich an diesem Montag Fr\u00fchschicht gehabt h\u00e4tten. Nat\u00fcrlich wurde meine Schicht nach dieser verheerenden Methangas-Explosion abgesagt. Wir fuhren dennoch nach Camphausen und wollten einfach nur vor Ort sein. Ich werde diesen Tag nicht vergessen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Manchmal plagt mich die Sorge, dass unsere Kinder den ehrvollen Beruf des Bergmanns vergessen werden. Wir d\u00fcrfen nicht aufh\u00f6ren davon zu erz\u00e4hlen. In unseren Geschichten lebt die Erinnerung an den Bergbau weiter. Wenn wir nicht mehr davon sprechen, berichten oder erz\u00e4hlen werden wir alle irgendwann vergessen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong><em>Ich w\u00fcnsche allen Bergleuten zum heutigen Barbaratag 2020 eine besinnliche Zeit in sch\u00f6ner Erinnerung und ein herzliches Gl\u00fcck auf !<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"933\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Grube-700x933.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8038\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Grube-700x933.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Grube-225x300.jpg 225w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Grube-768x1024.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Grube.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><figcaption>mde<\/figcaption><\/figure><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Wohlstand unseres Dorfes basiert, neben der Landwirtschaft, auf Kohle und Stahl. 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