{"id":8417,"date":"2021-01-04T18:48:02","date_gmt":"2021-01-04T17:48:02","guid":{"rendered":"http:\/\/echta-derminga.de\/?p=8417"},"modified":"2021-01-04T18:52:46","modified_gmt":"2021-01-04T17:52:46","slug":"von-dem-hof-zu-dirmanges-und-einem-angeblichen-kloster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=8417","title":{"rendered":"Von dem &#8222;Hof zu Dirmanges&#8220; und einem angeblichen Kloster"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Immer wieder wird in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden davon berichtet, dass der Legende nach einmal ein Kloster in unserer Ortsmitte stand. Heute wissen wir, dass vieles gegen diese Behauptung und die damit verbundene Legende spricht. In den Archiven der Abtei Tholey und des Bistums Metz gibt es keinerlei Hinweise auf die Existenz eines Klosters. Fall gekl\u00e4rt? Alle Unklarheiten beseitigt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Fakt ist, die heutigen Flurbezeichnungen \u201eIm gro\u00dfen Kloster\u201c oder \u201eIm Hof\u201c n\u00e4hrten jedenfalls \u00fcber viele Jahrhunderte die alten Sagen und Legenden. Die beiden Flure liegen in unmittelbarer N\u00e4he zur evangelischen Kirche und grenzen an das ehemalige Gel\u00e4nde der \u201eBrauerei Sch\u00e4fer\u201c, das heute wie ein leeres Loch in der Ortsmitte g\u00e4hnt. Aufgrund einiger \u00fcberlieferten Indizien n\u00e4hrte der Volksmund immer wieder die sagenumwobenen Geschichten um die Existenz eines Klosters.\u00a0 Der erste Posthalter von Dirmingen Johann Nikolaus Heintz berichtete, dass ihm als kleiner Junge erz\u00e4hlt wurde, dass von der evangelischen Kirche aus einer unterirdischen Gang bis hinter Heintz Haus gef\u00fchrt habe. Bei der Renovierung der evangelischen Kirche im Jahre 1890 habe man unter dem Altar einen Hohlraum gefunden, der wie ein Gang ausgesehen haben soll. Die gleiche M\u00e4r\u2018 gibt es in Bezug auf das alte historische \u201eSchw\u00e4ns-Haus\u201c. Als das Anwesen seinerzeit abgerissen wurde, entdeckten die Arbeiter einen unterirdischen Gang, der in Richtung Tholey f\u00fchrte. Genau dies war der Stoff aus dem Mythen entstehen?\u00a0 Heute vermuten wir, dass es sich bei diesem gefundenen \u201eG\u00e4ngen\u201c um ein sogenanntes \u201eH\u00e4hloch\u201c handelte. Ein \u201cH\u00e4hloch\u201d war fr\u00fcher nichts anderes als ein Versteck das zur Aufbewahrung von Lebensmittel oder Wertgegenst\u00e4nde diente. Das eine schlie\u00dft jedoch das andere nicht aus. Was ist nun dran an den Geschichten rund um ein vermeintliches Kloster? Ist die Legende am Ende nichts anderes als ein uraltes M\u00e4rchen oder k\u00f6nnte tats\u00e4chlich irgendetwas dran sein an dieser Geschichte?<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"496\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/232-700x496.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8422\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/232-700x496.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/232-300x213.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/232-768x544.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/232.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Best\u00e4tigt ist die Geschichte, dass fr\u00fcher auf dem Gel\u00e4nde der ehemaligen Sch\u00e4fer Brauerei ein massiver Steinbau mit dicken Mauern und nach oben halbrunden Fenstern stand. \u00c4ltere Einwohner best\u00e4tigten, dass ihre Vorfahren ihnen erz\u00e4hlten, dass diese als Kind in diesen Gem\u00e4uern gespielt h\u00e4tten. Was war das f\u00fcr ein Geb\u00e4ude? <\/strong><strong>Das Geb\u00e4ude soll laut Volksmund starke Mauern zum Schutz vor Angreifern gehabt haben. Die Heimatforschung hat herausgefunden, dass es sich bei diesem Geb\u00e4ude vermutlich um einen Hof fr\u00e4nkischer K\u00f6nige gehandelt haben soll. <\/strong><strong>Dabei darf man sich dies nicht prunkvoll und gro\u00dfartig vorstellen. Vielmehr d\u00fcrfte es eine kleine Residenz gewesen sein, die bestenfalls zur Rast oder \u00dcbernachtung von Adligen diente. K\u00f6nige d\u00fcrften wahrscheinlich nie dort gewesen sein. Vielmehr d\u00fcrften die Herrscher als Namensgeber und Eigent\u00fcmer genannt worden sein. In alten Schriften ist von dem \u201eHof zu Dirmingen\u201c die Rede. Schon bei der ersten urkundlichen Erw\u00e4hnung unseres Heimatortes im Jahr 1281 ist von dem \u201e\u2026Hof Dirmanges\u201c die Rede.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Bei n\u00e4herer Untersuchung der Bezeichnung \u201eHof zu Dirmingen\u201c kommt man auch der Wahrheit \u00fcber das angebliche Kloster auf die Spur. Dirmingen lag damals mit Sicherheit an der \u00e4u\u00dfersten Westgrenze eines gro\u00dfen fr\u00e4nkischen Gaues, der bis Pirmasens reichte und wahrscheinlich als erw\u00e4hnter Hof mit Gerichtsst\u00e4tte vom fr\u00e4nkischen K\u00f6nig eingerichtet wurde. Vermutlich wurde dieser Hof von geistlichen oder M\u00f6nchen betrieben. Zur Zeit der Franken war es nicht un\u00fcblich, dass M\u00f6nche daf\u00fcr eingesetzt wurden, D\u00f6rfer bei ihrer Entwicklung zu unterst\u00fctzen. Wie bereits erw\u00e4hnt, gehe ich davon aus, dass es sich im Falle unseres Heimatortes um Zisterzienser handelte. Der Orden der Zisterzienser stand unter dem Schutz des fr\u00e4nkischen K\u00f6nigs. Die M\u00f6nche waren dazu beauftragt den Menschen die Landwirtschaft n\u00e4her zu bringen. Aus meiner Sicht der Dinge spricht vieles daf\u00fcr, dass diese M\u00f6nche auch f\u00fcr den Bau unserer evangelischen Kirche verantwortlich waren. Der Baustil mit den sogenannten Zisterzienser-H\u00f6rnern spricht eindeutig f\u00fcr diese These. Im 14. Jahrhundert wird in historischen Urkunden dar\u00fcber berichtet, dass in unserem Dorf zwei Bruderschaften existierten. Neben der Bruderschaft St. Katharina gab es nachweislich die Bruderschaft St. Michael. Heute wissen wir, dass unsere evangelische Kirche kurz nach ihrem Bau einmal der heiligen St. Katharina geweiht wurde. Aus dem 14. Jahrhundert existieren historische Niederschriften die erstmals erw\u00e4hnt, dass es sich bei den Bewohnern des \u201eHofes von Dirminga\u201c nicht mehr um M\u00f6nche handelt. Auffallend ist, dass schon damals in den Urkunden \u201eDorf und Hof\u201c genannt wurden. Wenn man also nun den Faden weiterspinnt, k\u00f6nnte man aus den vorliegenden Indizien schlie\u00dfen, dass Dirmingen ein germanisch-fr\u00e4nkischer Hof war, dessen Entwicklung von M\u00f6nchen vorangetrieben wurde. Im \u201eHof zu Dirmingen\u201c fand man Residenzr\u00e4ume und eine Kirche. Der Nachbarort Berschweiler k\u00f6nnte, wie in der Erw\u00e4hnungsurkunde berichtet, ein Vorort gewesen sein.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"525\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/de-700x525.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8423\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/de-700x525.jpg 700w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/de-300x225.jpg 300w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/de-768x576.jpg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/de.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Kloster oder k\u00f6niglicher Hof von Dirmingen, wo liegt die Wahrheit und was ist dran an diesen mythischen Geschichten? Die Existenz eines Klosters m\u00f6chte ich f\u00fcr meine Begriffe ausschlie\u00dfen. Vielmehr gehe ich davon aus, dass sich der Volksmund mal wieder seinen eigenen Reim auf die Sache gemacht hat. Die  Existenz eines fr\u00e4nkischen Hofes hingegen darf man laut mehrerer historischen Urkunden best\u00e4tigen. Was aber mit den Berichten \u00fcber vermeintliche Stollen und Gr\u00e4ben? Laut Volksmund soll sich fr\u00fcher auch im &#8222;Renderberg&#8220; mehrere Stollen befunden haben. Dies waren, wie bereits berichtet, alte Gew\u00f6lber\u00e4ume, die der Aufbewahrung von Lebensmittel dienten. Die Stollen d\u00fcrften auf die Bev\u00f6lkerung wie unterirdische G\u00e4nge gewirkt haben. Die Menschen haben um den vermeintlichen Hof und den vielen Stollen, die wie unterirdische G\u00e4nge aussahen, ihre Legenden gekn\u00fcpft. Unterirdische G\u00e4nge, M\u00f6nche, altes Gem\u00e4uer, die N\u00e4he zu Tholey, dass alles bildete den Stoff aus dem Legenden entstehen. Am Ende d\u00fcrften einige Generationen tats\u00e4chlich an die M\u00e4r\u2018 eines Klosters, mit einem unterirdischen Gang nach Tholey geglaubt haben. Nur so d\u00fcrften die alten Flurbezeichnungen entstanden sein. Wenn man sich abschlie\u00dfend vor Augen f\u00fchrt, dass die christlichen und kirchlichen Str\u00f6mungen in unser Dorf vermutlich aus dem Bistum Metz und der dazugeh\u00f6rigen Filialkirche Illingen ausgingen und nicht von Tholey, dass schon damals zu Trier geh\u00f6rte, kommt man leicht zu dem Schluss, dass ein unterirdischer Gang nach Tholey wenig Sinn gemacht h\u00e4tte und au\u00dferdem wohl kaum zu realisieren gewesen w\u00e4re.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer wieder wird in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden davon berichtet, dass der Legende nach einmal ein Kloster in unserer Ortsmitte stand. Heute wissen wir, dass vieles gegen diese Behauptung und die damit verbundene Legende spricht. 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