{"id":8632,"date":"2021-01-23T18:26:21","date_gmt":"2021-01-23T17:26:21","guid":{"rendered":"http:\/\/echta-derminga.de\/?p=8632"},"modified":"2021-04-15T17:40:45","modified_gmt":"2021-04-15T16:40:45","slug":"echte-derminga-pfarrer-wilhelm-engel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=8632","title":{"rendered":"Echte \u201eDerminga\u201c: Pfarrer Wilhelm Engel"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Er war Pfarrer aus Berufung, Schriftsteller, Maler und Heimatforscher.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Pfarrer Wilhelm Engel hat unseren Heimatort wie kaum ein anderer gepr\u00e4gt und einen ma\u00dfgeblichen Teil zur Erinnerungskultur beigetragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Wilhelm Engel wurde am 19. Juli 1901 in Birkenfeld \/Nahe geboren. Als Sohn des Buchbindermeisters Ernst Engel wuchs er beh\u00fctet und umsorgt auf. Eigentlich stammte die Familie aus Rinzenberg einem Dorf im Hochwald. Im Wesentlichen bestand die Familie Engel aus Kleinbauern und Handwerkern. Wilhelm Engel war der \u00e4lteste von sechs Geschwistern. Seinen Vornamen Wilhelm bekam er in Anlehnung an die wilhelminische Zeit. Nach dem Besuch des Birkenfelder Gymnasiums machte Engel sein Abitur. Danach begann er im Jahre 1922 auf den Universit\u00e4ten in T\u00fcbingen, Marburg und Bonn mit seinem Theologiestudium. Im Jahre 1926 trat Wilhelm Engel seine erste Pfarrstelle in Leisel als Vikar an. Obwohl er dort dem Pfarrer von Niederbrombach unterstellt war, \u00fcbernahm Engel die komplette Verantwortung \u00fcber die Gemeinde. Im Jahre 1927 wurde Wilhelm Engel Vikar in Oberstein. Dort sammelte er wichtige Erfahrungen und wurde zu einem guten Geistlichen ausgebildet. Am 29. Juli 1931 wurde Wilhelm Engel zum Pfarrer in Dirmingen gew\u00e4hlt. Mit diesem Schritt war Engel endlich angekommen. Dort in Dirmingen am Zusammenfluss von Ill und Alsbach, im Herzen des Illtals, wollte er Leben und sich seiner Berufung hingeben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">In seinen Memoiren schrieb Engel:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong><em>\u201eAls es in der Obersteiner Gemeinde ruchbar wurde: Pfarrer Engel geht fort und zwar ins Saargebiet, da sch\u00fcttelten die Obersteiner den Kopf: Wie kann er nur! Aus Oberstein, der \u201ePerle des Nahetals\u201c mit seiner eben so sch\u00f6n erneuerten Felsenkirche fortgehen, dazu in ein Dorf im Saargebiet, ja, in ein Dorf, und das in dem Ru\u00dfloch.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"533\" height=\"729\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/1963_grundsteinlegung_600_003.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8642\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/1963_grundsteinlegung_600_003.jpg 533w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/1963_grundsteinlegung_600_003-219x300.jpg 219w\" sizes=\"auto, (max-width: 533px) 100vw, 533px\" \/><figcaption>Einweihung des Evangelischen Gemeindehauses<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Der Dirminger Kantor Emil Wendling, der als Organist und Leiter des Kirchenchores in Dirmingen t\u00e4tig war, hatte Engel w\u00e4hrend einer Singwoche in Sobernheim kennengelernt und diesen f\u00fcr seine Gemeinde geworben.&nbsp;Wendling sagte:<strong><em>\u201c Unsere Kirchengemeinde &#8211;  sie hei\u00dft Dirmingen- ist schon ein Jahr ohne Pfarrer. Wollen sie nicht zu uns kommen?&#8220;<\/em><\/strong> Obwohl sich Engel in Oberstein sehr wohlf\u00fchlte, reifte in ihm die \u00dcberlegung das Angebot anzunehmen. Das un\u00fcbersichtliche Arbeitsfeld in Oberstein setzte dem jungen Pfarrer enorm zu und nagte an seinem Selbstverst\u00e4ndnis. Pfarrer Engel lie\u00df sich schlie\u00dflich zum Pfarrer in Dirmingen w\u00e4hlen und mit Emil Wendling verband ihn bis zum Lebensende eine tiefe Freundschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">In seinen Memoiren schrieb Engel:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong><em>\u201eBei unserem Einzug in Dirmingen fanden wir die Kirche, das Gemeindehaus und das Schulhaus vor. Wahrhaftig! Einladend sah das gerade nicht aus. Der Turm der Kirche war schw\u00e4rzlich-grau. Im innersten der Kirche war auf den Emporen ein Gest\u00fchl von aller primitivster Art. Die Sitze der B\u00e4nke waren nur grob zugehauene Balken. Ihre R\u00fcckenlehnen war nichts als ein grobes Brett.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Engel kam jedoch mit den vorhandenen M\u00f6glichkeiten gut zurecht. Immer wieder machte er deutlich, dass es ihm allein um die Verbreitung der Botschaft Christi ging. Schon in den ersten Wochen bemerkte er in seinem neuen Heimatort eine gewisse Sonderheit. Der Gottesdienstbesuch war hervorragend, sowas hatte er zuvor noch nie erlebt. Aus allen Altersschichten pilgerten die Menschen in Scharen zu den sonnt\u00e4glichen Gottesdiensten. Pfarrer Engel bekam immer mehr das Gef\u00fchl, dass er hier richtig ist und das seine Arbeit in Dirmingen Fr\u00fcchte tr\u00e4gt. Als er mit seiner Familie, das im Jahre 1736 erbaute nassauische Jagdschloss bezog, kam der Pfarrer aus dem Schw\u00e4rmen nicht mehr raus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">In seinen Memoiren schreib Engel:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong><em>\u201eAls wir vor der T\u00fcr des Pfarrhauses standen, \u00fcberreichte mir der Kirchmeister den Schl\u00fcssel- altmodisch war auch das Gl\u00f6cklein an der Haust\u00fcr. Man musste einen blanken Messingknopf ziehen, um es in Bewegung zu bringen. Und dann l\u00e4utete es. Als das Presbyterium vor meiner Pensionierung vieles im Pfarrhaus erneuerte, meinte der Mann, der die Lichtleitungen verlegte: \u201eJetzt wird aber auch das alte Gl\u00f6cklein da weggeschafft! Ich stimmte dem nicht zu und ich freue mich, dass bis auf diesen Tag das Gl\u00f6cklein noch l\u00e4utet.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Als das Saargebiet im Jahre 1935 wieder \u201eHeim ins Reich\u201c kehrte, wurde der Kirchenkampf nicht nur in der eigenen Gemeinde sp\u00fcrbar, sondern auch im idyllischen Pfarrhaus. Im Jahre 1938 sollten auch die Pfarrer den Eid auf den F\u00fchrer leisten. So wollte es damals zumindest das Deutsch-Christliche Kirchenregiment. Wer den Eid ablehnte, musste f\u00fcr sich, aber auch f\u00fcr die eigene Gemeinde, mit allerlei Folgen rechnen. Pfarrer Engel lehnte den Eid auf den F\u00fchrer ab und verweigert die Gefolgschaft. Mit dieser Entscheidung zogen sich in jenen Tagen dunkle Wolken \u00fcber dem Dorf und der Kirchengemeinde zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">In seinen Memoiren schrieb Engel:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong><em>\u201eIn den Gottesdiensten und Passionsandachten sa\u00df monatelang ein Polizist. Nach neun Monaten hatte er eine Anzeige gegen mich fertig. Darin stand: Der Pfarrer hat gesagt: \u201eGottes Macht geht \u00fcber Menschenmacht.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Engel wurde zur Geheimen Staatspolizei nach Saarbr\u00fccken bestellt, Eine Strafe wurde angedroht und sp\u00e4ter \u201eamnestiert\u201c. Der Legende nach soll Engel einflussreiche Freunde gehabt haben. Ob es sich bei einem dieser Freunde tats\u00e4chlich um den Dirminger Pastor Didas handelte, ist bis heute umstritten und nicht belegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Vielerorts nutzten die Christen pl\u00f6tzlich zwei B\u00fccher: Hitlers \u201eMein Kampf&#8220; und die Bibel. Engel akzeptierte nur die Bibel und scheute nicht davor das Nazi- Regime zu kritisieren. Nat\u00fcrlich gab es auch Widerstand in der Bev\u00f6lkerung. Nicht jeder konnte den dickk\u00f6pfigen Weg des Pfarrers nachvollziehen und wendete sich kopfsch\u00fcttelnd ab. Belegt ist folgende Aussage einer B\u00fcrgerin: <strong><em>\u201eBei Engels Predigt schlafe ich nach 10 Minuten ein, dem F\u00fchrer kann ich drei Stunden zuh\u00f6ren.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Es waren schwere Zeiten, in denen auch der Pfarrer t\u00e4glich an seinem Profil arbeiten musste. Am 01. September 1939 brach der zweite Weltkrieg aus. Engel bot den vielen Fl\u00fcchtlingen oder Evakuierten, die in Scharen in das Dorf kamen, im Untergeschoss des Pfarrhauses eine Unterkunft. Die Leute lagen auf Stroh gebettet in Scheunen, Gastst\u00e4tten und auch in der Evangelischen Kirche. Die Zeiten wurden immer h\u00e4rter und die Familie Engel entschied sich aus Sicherheitsgr\u00fcnden die drei \u00e4ltesten Kinder nach Wuppertal zu Bekannten zu schicken. Monate sp\u00e4ter kehrten die Kinder wieder Nachhause zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Am 07.September 1943 erhielt Engel seine Einberufung zum Soldaten. Er f\u00fcgte sich dieser Aufforderung und wurde in der Sanit\u00e4tskompanie in Bad Kreuznach ausgebildet. Seine innere Einstellung und die Befehlsgewalt machten Engel schwer zu schaffen. In ihm wuchs die Sehnsucht nach Zuhause und zu seiner Gemeinde.&nbsp; Nach einem gro\u00dfen Bombenangriff, am 11. Mai 1944, bekam Engel Sonderurlaub. Als er Nachhause kam traute er seinen Augen nicht. \u00dcberall nur Tr\u00fcmmer und Elend. Pfarrer Engel und der katholische Geistliche Pastor Didas entschlossen sich gemeinsam die Beerdigung f\u00fcr die Opfer zu halten. Nach vielen Jahrzehnten im Streit, war dies der erste \u00f6kumenische Akt in unserem Dorf.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Pfarrer Wilhelm Engel war ein Mann mit Prinzipien und mit R\u00fcckgrat. W\u00e4hrend der Beerdigungszeremonie verweigerte Pfarrer Engel den gemeinsamen Ruf der Trauergemeinde: \u201eGott strafe England\u201c. Pfarrer Engel sagte damals: \u201eDies ist nicht meines Amtes&#8220;. F\u00fcr diese Aussage hagelte es erstmals nicht nur Kritik sondern auch Anerkennung.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"936\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Pfarrer-Engel-Kopie-700x936.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8643\"\/><figcaption>Pfarrer Engel im Alter von 78 Jahren<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Als am 21.Februar 1945 die hiesige katholische Kirche auf dem Rothenberg durch einen Bombenangriff zerst\u00f6rt wurde, war Pfarrer Engel an der Front eingesetzt. Durch ein Telegramm war er sich jedoch sehr schnell mit seiner Frau einig, den katholischen Mitchristen das eigene Gotteshaus zur Mitnutzung anzubieten. Pastor Didas willigte nach kurzer \u00dcberlegung ein und f\u00fchrte seine Gemeinde in die f\u00fcr ihn fremde Kirche in der Ortsmitte. Fast 5 Jahre lang wurde in der evangelischen Kirche das sogenannte Simultaneum durchgef\u00fchrt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Nach dem Krieg wurde Engel, im Jahr 1948, zum Superintendenten des Kirchenkreises Ottweiler berufen. Bis zum Februar des Jahres 1969 behielt er dieses ehrw\u00fcrdige Amt.\u00a0 Am 07. Juni 1981 verstarb Pfarrer Wilhelm Engel nach einem langen, arbeitsreichen Leben in Berschweiler.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Pfarrer Engel hat nicht nur f\u00fcr seine Kirchengemeinde, sondern auch f\u00fcr unseren Heimatort Dirmingen vieles in die Wege geleitet. Mit seinen B\u00fcchern f\u00f6rderte er die Heimatforschung und in so manchem Dirminger Wohnhaus h\u00e4ngt bis heute ein echtes Engel-Gem\u00e4lde. Im Jahre 1936 wurde die evangelische Kirche um den Anbau der Sakristei erweitert. Pfarrer Engel legte Zeit seines Wirkens gro\u00dfen Wert auf die Entwicklung seiner Gemeinde. Was jedoch am meisten in Erinnerung bleibt, ist seine Gradlinigkeit und sein Gottvertrauen. Pfarrer Engel lie\u00df sich nicht verbiegen und k\u00f6nnte mit seiner Einstellung heute noch als Vorbild gelten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Im Jahre 2019 entschied das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Dirmingen, im Anbetracht der gro\u00dfen Verdienste des Pfarrers Wilhelm Engel, sein Grabkreuz und das seiner Ehefrau an die Kirche zu verlegen. Ich bin mir sicher, dass sich Pfarrer Engel \u00fcber diese Geste gefreut h\u00e4tte. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"644\" height=\"848\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Kirsch-Pfarrer-Engel-644x848.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4744\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Kirsch-Pfarrer-Engel-644x848.jpeg 644w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Kirsch-Pfarrer-Engel-228x300.jpeg 228w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Kirsch-Pfarrer-Engel-768x1011.jpeg 768w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Kirsch-Pfarrer-Engel.jpeg 835w\" sizes=\"auto, (max-width: 644px) 100vw, 644px\" \/><figcaption>Gem\u00e4lde von Pfarrer Engel<\/figcaption><\/figure><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er war Pfarrer aus Berufung, Schriftsteller, Maler und Heimatforscher. 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