{"id":9151,"date":"2021-03-12T18:54:54","date_gmt":"2021-03-12T17:54:54","guid":{"rendered":"http:\/\/echta-derminga.de\/?p=9151"},"modified":"2021-03-12T18:54:55","modified_gmt":"2021-03-12T17:54:55","slug":"so-warn-die-alten-rittersleut-wie-aus-dem-lehen-hof-dirmanges-das-dorf-dirmingen-entstand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/echta-derminga.de\/?p=9151","title":{"rendered":"So war&#8217;n die alten Rittersleut &#8211; Wie aus dem Lehen &#8222;Hof Dirmanges&#8220; das Dorf Dirmingen entstand"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Dirmingen wurde im Jahre 1281 erstmals urkundlich erw\u00e4hnt. Offenbar geh\u00f6rte unser Ort schon sehr fr\u00fch als sogenanntes Allod zu der Grafschaft Saarbr\u00fccken. In den historischen Unterlagen wird unser Heimatort als \u201eDirminger Tal\u201c oder \u201eDirminger Hof\u201c als Verwaltungsbezirk erw\u00e4hnt. Nach kurzer Zeit verlor Dirmingen jedoch immer mehr an Bedeutung. Die Grafen begannen ab 1285 Renten und G\u00fcter als Lehn an Saarbr\u00fccker Bergmannsgeschlechter zu vergeben. 1285 erhielt der Ritter Johann Caze von Saarbr\u00fccken als erster die Lehn \u00fcber Dirmingen. Im Jahre 1335 bekam Edelknecht Nickel Rodebusch von Saarbr\u00fccken und im Jahre 1356 Edelknecht Niclas Kese aus Saarbr\u00fccken die Lehn zugesprochen. Im Jahre 1421 erhielt Ritter Arnold von den Motten die Saarbr\u00fccker Lehn \u00fcber Dirmingen. Diese Lehn fiel im Jahre 1430 an Ritter Friedrich zu Greifenklau zu Vollrats. Nach dem Aussterben der m\u00e4nnlichen Linie des Geschlechts zu Greifenklau fiel die Lehn im Jahre 1528 an den Ritter Heinrich von Hagen und Friedrich von Fleckenstein.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">Im Mittelalter vergaben die K\u00f6nige und Landesherren ein Lehn. Als Lehen wurde ein Land oder ein Amt, das die Soldaten oder Ritter vom K\u00f6nig f\u00fcr ihren milit\u00e4rischen Dienst erhielten, angesehen. Daf\u00fcr waren sie dem K\u00f6nig zu Dienst und Treue verpflichtet. Die Leheninhaber wurden Lehnsmann genannt. Die K\u00f6nige und Grafen hingegen wurden als Lehnsherren betitelt. Im Mittelalter bestanden die Herrschaftsgebiete aus Personenverb\u00e4nden wie St\u00e4mmen, Sippen, Gefolgschaft, Lehnsh\u00f6fen, Haus- und Schwurgemeinschaften. Das Zusammenleben wurde stets durch die Landesherren, Grafschaften oder K\u00f6nige bestimmt. Der K\u00f6nig vergab an geistliche F\u00fcrsten, Bisch\u00f6fe und weltliche F\u00fcrsten, Herz\u00f6ge und Grafen ein Lehen (lateinisch \u201efeudum\u201c) auf Lebenszeit. Diese F\u00fcrsten oder Adlige wurden zu Grundbesitzern. Der K\u00f6nig verlieh nicht nur L\u00e4ndereien, sondern auch nutzbare Rechte, \u00c4mter oder Eink\u00fcnfte. Die Ertr\u00e4ge aus diesen Leihgaben konnten die adligen Lehensinhaber, die Vasallen genannt wurden, behalten. Adlige, Geistliche oder auch K\u00f6nige, waren nicht nur Grundbesitzer, sondern verf\u00fcgten mit dem Lehen auch \u00fcber Verwaltungs- und Gerichtsfunktionen. Das in unserem ehemaligen fr\u00e4nkischen Reich entwickelten Lehnswesens hat sich seit dem 10. Jahrhundert in ganz Europa verbreitet. Im 11. Jahrhundert waren die meisten Ritter oder Edelknechte, die \u00fcber Grundbesitz verf\u00fcgen und wehrhaft waren, also R\u00fcstung und Ross besa\u00dfen, auch Lehenstr\u00e4ger. Wie oft die Lehensinhaber tats\u00e4chlich ihre Lehen besuchten oder durchritten ist nicht \u00fcberliefert. Ortschaften wie Dirmingen bestanden im Mittelalter eigentlich nur aus H\u00f6fen und H\u00e4usern. Die Ritter waren meistens nur auf Durchreise und k\u00fcmmerten sich nur wenig um die Bev\u00f6lkerung. Wichtig war einzig und allein die Lehensabgabe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Was die Lehensvergabe betrifft, d\u00fcrfte das 15. Jahrundert eher unruhig verlaufen sein. Kurzzeitig verf\u00fcgte, im Jahr 1430 sogar Friedrich von Ippelbrunn \u00fcber die Dirminger Lehen. Dies ist etwas besonderes, weil Ende des 13. Jahrhunderts aus einer Vogtei und der Abtei Tholey und dem Verduner Besitz um den Schaumberg eine lothringische Landesherrschaft entstand. Fortan waren die Geschicke Eppelborns und des Schaumberger Landes mit Lothringen verbunden. Dirmingen hingegen geh\u00f6rte als Nachbarort weiterhin zur Grafschaft Saarbr\u00fccken. Das Adelsgeschlecht von Greifenclau von Vollrats stammte aus Lothringen und besa\u00df ebenfalls ein Lehen \u00fcber Dirmingen. Sp\u00e4ter wurde Sophia von Greifenclau die Erbtochter zu Eppelborn. Auch das aus Lebach stammende Geschlecht der Herren von Hagen zur Motten geh\u00f6rte zu der Lothringischen Grafschaft. Ganz oft wurden zwischen den verschiedenen Grafschaften \u00fcber Mitgift oder als Geschenk Lehen vergeben. Erst nach dem 30-j\u00e4hrigen Krieg wurden die Herrschaftsgrenzen verdeutlicht, wobei es bis ins 18 Jahrhundert freundschaftliche B\u00fcnde und auch Patenschaften zwischen der Grafschaft Lothringen und Saarbr\u00fccken existierten. Letztendlich war die Lehensvergabe alles andere als einfach und oftmals nichts anderes als reine Willk\u00fcr.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"504\" height=\"526\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/lehen-1.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9158\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/lehen-1.jpeg 504w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/lehen-1-287x300.jpeg 287w\" sizes=\"auto, (max-width: 504px) 100vw, 504px\" \/><figcaption>Sophia zu Greifenclau<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">W\u00e4hrend sich in Dirmingen eher Bauern und Handwerker aufgehalten haben d\u00fcrften, sah es ein paar Kilometer weiter schon ganz anders aus. Die an der Ill liegende Kerpenburg wurde urspr\u00fcnglich als eine Wasserburg gebaut. Im Jahre 1359 wurde die Burg erstmals urkundlich erw\u00e4hnt. Wom\u00f6glich wurde die Wasserburg bereits im 12. Jahrhundert von den Grafen von Saarwerden erbaut, zu deren Besitz der Ort Illingen damals geh\u00f6rte. Illingen war also zu dieser Zeit ein anderes Lehen als unser Heimatort Dirmingen. Durch Heirat kamen die aus der Eifel stammenden Herren von Kerpen zwischen 1324 und 1326 nach Illingen. Ein weiteres Wasserschloss stand in Eppelborn. Im Jahre 1663 war Christoph Ludwig von L\u00f6wenstein im Besitz des Schlosses zu Eppelborn. Nachdem das Schloss in einen schlechten Zustand verfiel kam es im Jahre 1668 in den Besitz der Herrschaft von Schellard, ehe es am Ende in den Besitz derer von Buseck fiel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Im Jahre 1617 zog der Graf zu Saarb\u00fccken die Lehn \u00fcber Dirmingen wieder ein. Vor\u00fcbergehend wurde das Dorf im 14. Jahrhundert wegen einer Mitgift an die Grafschaft Zweibr\u00fccken versetzt. Der geldbed\u00fcrftige Graf Walram zu Zweibr\u00fccken ging sehr selbstherrlich mit dem Lehn um und versetzt es weiter an Juden aus Wittlich und an den Erzbischof von Trier. Nachdem 1563 die Grafen von Saarbr\u00fccken durch Tausch von der Abtei St. Nabor den Zehnten und das Patronat der Dirminger Kirche erworben hatten und im Jahre 1617 das Greifenklau\u2018ische Lehen heimgefallen war, geh\u00f6rte Dirmingen fortan uneingeschr\u00e4nkt zur Grafschaft Nassau- Saarbr\u00fccken. Im 16 Jahrhundert wurde Dirmingen zum wohlhabendsten Bauerndorf der Herrschaft Ottweiler. Bis zum 18 Jahrhundert hatte Dirmingen mit seinem Ausbauort Berschweiler einen gemeinsamen Bann. Der 30-j\u00e4hrige Krieg hemmte die Entwicklung des Dorfes.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"745\" src=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Heinrich-von-Nassau-Saarbruecken-1.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9161\" srcset=\"https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Heinrich-von-Nassau-Saarbruecken-1.jpeg 500w, https:\/\/echta-derminga.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Heinrich-von-Nassau-Saarbruecken-1-201x300.jpeg 201w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption>F\u00fcrst Heinrich von Nassau-Saarbr\u00fccken<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\">W\u00e4hrend sich vielerorts erneut die Herrschaftsverh\u00e4ltnisse ver\u00e4nderten geh\u00f6rte Dirmingen bis zur franz\u00f6sischen Revolution zu der Grafschaft Saarbr\u00fccken. Danach begann die Zeit der Schulthei\u00dfereien und Meiereien. Dies wiederum war der Beginn der  Landkreise und Gemeinden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:18px\"><strong>Beim recherchieren, notieren und schreiben dieses Blogeintrages bin ich zeitweise dem Wahnsinn verfallen. Die Lehensvergabe der einzelnen Grafschaften ist sehr kompliziert und verzwickt. Oftmals verf\u00fcgten Lehensinhaber \u00fcber mehrere Lehen in verschiedenen Grafschaften oder Herrschaften. Sollte es in meiner m\u00fchevollen Auflistung einen Fehler geben, bitte ich diesen zu entschuldigen. Ich handelte nach bestem Gewissen !<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dirmingen wurde im Jahre 1281 erstmals urkundlich erw\u00e4hnt. Offenbar geh\u00f6rte unser Ort schon sehr fr\u00fch als sogenanntes Allod zu der Grafschaft Saarbr\u00fccken. 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