Heimat ist für mich der Ort, wo die Menschen sind, bei denen ich mich zu Hause fühle. Wenn ich an meine Leute Zuhause denke werden Kindheitserinnerungen lebendig. Meine Familie und meine Freunde befinden sich an dem Ort, in dem ich geboren und aufgewachsen bin. Wenn ich an meine Leute denke habe ich ein gutes Gefühl. Zuhause ist dort, wo ich mich angenommen und geborgen fühle. 

Gemalt von Tristan

Jeder kennt doch diesen Satz: „Das Essen ist fertig, kommt ihr bitte!“ Dieser Satz fällt bei uns zuhause nur noch selten. In einer Patch-Work Family ist das ohnehin recht schwierig und den Rest erledigt der Zeitgeist. Meine Frau und ich sind schon froh, wenn es uns gelingt am Wochenende gemeinsam mit unserem jüngsten Sohn zu Essen. Die Ältesten sind längst außer Haus oder nehmen ihre Speisen nach Belieben. Jeder isst wann er gerade Lust hat, beziehungsweise wann er nach Hause kommt. Dabei gehört laut einer wissenschaftlichen Studie das gemeinschaftliche Essen fest zum Familienleben. Die Zeiten ändern sich und aus meiner Sicht gehört das gemeinsame Essen nicht mehr unbedingt zum Familienglück.

Meine Frau Melanie ist der Kopf der Familie. Wenn Sie ausfällt geht nix mehr! Alles steht und fällt mit der Organisationsleiterin unserer Familie. Meiner Frau machst du nix vor. Sie kennt jede Schwäche und jede Stärke der einzelnen Familienmitglieder und weiß alles meistens schon im Voraus. Sie geht ihrem Beruf nach, macht die Wäsche und regelt den Haushalt. Manchmal frage ich mich wie Sie das macht. An manchen Tagen sehen wir uns nicht lange. Der Tag ist oft zu kurz und die Zeit vergeht rasend schnell. Meine zahlreichen Ehrenämter könnte ich ohne meine Frau nicht machen. Ich glaube das älteste Kind im Haus bin ich selbst.

Unser Haus ist nach dem Auszug des ältesten Sohnes meiner Frau etwas ruhiger geworden. Auch meine Töchter kommen nicht mehr jeden Tag vorbei und fragen nach meinem befinden. Unsere Kinder stehen mitten im Leben und haben ihre eigenen Interessen.

Vanessa gemalt von Annika

Der älteste Sohn meiner Frau aus erster Ehe hat mittlerweile seine eigene Wohnung und geht seinem Beruf nach. Er wird seinen Weg gehen und seine Spuren hinterlassen. Manchmal ist er wie ein Buch mit sieben Siegeln. Jedoch verbirgt sich hinter der rauen Schale ein weicher Kern.

Der mittlere Sohn meiner Frau aus erster Ehe wohnt noch bei uns Zuhause. Er hat feste Vorstellungen von seiner Zukunft und versorgt sich praktisch selbst. Auch er wird seinen Weg machen und irgendwann auf eigenen Beinen stehen. Er gehört nicht gerade zu den spontanen Menschen und überlegt sich seine Entscheidungen reiflich.

Ich habe diese beiden Jungs aufwachsen sehen und habe viel Zeit mit ihnen verbracht. Nein es sind nicht meine leiblichen Kinder, aber spielt das eine Rolle?

Meine älteste Tochter Annika ist das personifizierte Chaos. Sie steht mitten im Leben und ist ein echtes Energiebündel. Sie ist wundervoll, hat ein großes Herz und einige wunderbare Talente. Sie malt wunderschön und singt wie ein Engel. Ich weiß, dass Sie ihr Leben auf ihre ur-eigene Art und Weise meistern wird. Annika ist ein echter Dickkopf und entwickelt, wenn es darauf ankommt, einen enormen Kampfgeist.

Meine jüngste Tochter Vanessa ist sehr herzlich und weiß genau was Sie von Ihrem Leben erwartet. Auch Sie hat eine wunderbare Stimme und ist ein echtes Organisationstalent. Was Sie im Kopf hat, hat Sie im Kopf! Zur Not setzt Sie ihren Willen mit ihren wunderschönen Mandelaugen durch. Ich bin überzeugt, dass auch Sie ihren Weg gehen wird. Vanessa steht mit beiden Beinen auf dem Boden. Das „Nein-Sagen“ fällt ihr nicht leicht. Ihr Herz wird ihr den Weg zeigen.

Gemalt von Tristan

Die Leute sagen mein Sohn Tristan hätte viel von mir. Ich kann das schwer beurteilen. Tristan hat, genau wie seine Schwestern, ein großes Herz und ist im Wesen eigentlich eher sensibel. Genau wie seine Schwester Annika verfügt Tristan über ein großartiges Talent. Er malt wunderbare Bilder und verfügt über viel Phantasie. Er ist ehrgeizig und kann überhaupt nicht verlieren. Tristan hat das Herz am rechten Fleck und ist aus Sicht seiner Mutter manchmal zu redselig.

Auch wenn es nicht immer so scheint, unsere Kinder sind natürlich der Mittelpunkt unseres Lebens. Wenn ich an Sie denke, fühle ich mich oftmals unvollkommen. Ich habe viel Zeit mit ihnen versäumt und trage dafür die Verantwortung.

Ich liebe meine Kinder und bin froh, wenn Sie Zuhause sind. Obwohl Zuhause wo war das noch gleich? Für die Großen wird unser Haus wohl kaum noch ihr Zuhause sein. Auf dem eigenen Lebensweg sind sie damit beschäftigt an ihrem eigenen Zuhause zu arbeiten.

Dennoch erklingt einmal im Jahr für alle der Satz:“ Das Essen ist fertig, kommt ihr bitte!“

Dann ist Weihnachten und alle Kinder sitzen gemeinsam rund an unserem Tisch.

Also gibt es doch eine Art Familientradition im Hause Klein in der „Hennagass“