Der steinige Weg zum Neubau unseres Nahversorgers – Dann geh‘ doch zu NETTO !

In Dirmingen ist die Freude über den Neubau eines Nahversorgers riesengroß. Am Ende musste unsere Bevölkerung viele Jahre auf den Neubau dieses Marktes in der Ortsmitte warten. Schon unter Ortsvorsteher Manfred Klein wurde hart für einen neuen Nahversorger gekämpft. Natürlich war es gut, wichtig und richtig, dass Bürgermeister Dr. Andreas Feld seinen Job gemacht hat und mit der Firma „RATISBONA“ einen neuen Investor an Land zog. Auf der anderen Seite liegt es in der DNA eines Investors den sprichwörtlichen Markt abzuklappern und Geschäfte abzuschließen. Das Projekt „NETTO Markt Dirmingen“ hat viele Väter und Mütter. Auf dem Weg zum Nahversorger mussten zahlreiche Türen geöffnet und Gespräche geführt werden. Während die Gemeindeverwaltung, das Bauamt und der Investor zwangsläufig im geschäftlichen Austausch standen, war es für mich als ehrenamtlicher Ortsvorsteher schwierig meinen Einfluss geltend zu machen. Ich erinnere mich an viele Telefonate mit den Grundstücksbesitzern und dem Investor. Heute bin ich den Grundstücksbesitzern sehr dankbar. Am Ende haben nicht nur die Verwaltungsspitze um Bürgermeister Feld sondern auch der Investor und die Grundstückseigentümer den Kurs gehalten. Ich bin einfach nur noch froh und glücklich über diesen Neubau in der Ortsmitte. Das ständige ermutigen, aufmuntern und verkuppeln hat auch mich sehr viel Kraft gekostet. Ja, dieses Projekt in unserer Ortsmitte hat am Ende viele Väter und Mütter. Ich gönne es wirklich jedem, der sich mit diesem Projekt identifiziert und mit diesem Neubau seine Krone poliert und aufrichtet.

Früher fand man an jeder zweiten Ecke in Dirmingen einen kleinen „Tante-Emma-Laden“. Bis in die späten 1970-ger Jahre beherrschten diese Kolonialwarenläden das Ortsbild unseres kleinen Dörfchens. Eine Ausnahme stellte die Fa. SEVAG (Saarländische Ein- und Verkauf AG) in der Dirminger Ortsmitte. Die SEVAG war ein Vorläufer der ASKO Gruppe, mit Sitz in Neunkirchen. Die Geschäftseröffnung dieser SEVAG-Filiale im Hause Mar, gegenüber der evangelischen Kirche, erfolgte bereits im Herbst 1924. Das Lebensmittelgeschäft der SEVAG gehörte zu den ersten größeren Verkaufsmärkten in unserem Dorf. Einige Jahre war es sogar möglich, dass die zahlreichen Kolonialläden im Einklang mit dem Verbrauchermarkt in der Ortsmitte Leben konnte.

ASKO-Filiale

Im Jahre 1960 verlegte die SEVAG ihre Geschäftsräumen kurzerhand in das alte „Poschde Hauses“ in der Ortsmitte. Am 28. Januar 1960 wurde die neue Filiale in der Ortsmitte eröffnet. Der zuständige Filialleiter, Paul Heckmann, leitete bereits seit 1956 die SEVAG Filiale im Mar’sche Haus und erlebte mit, wie aus der SEVAG die ASKO-Filiale wurde. Im alten Mar‘sche Haus hingegen wurde fortan ein Schreibwarengeschäft untergebracht.

Auch mal ein REWE- Markt

Die erste ASKO Filiale in Dirmingen wurde von der Bevölkerung ausgesprochen gut angenommen. Die Geschäftsräume befanden sich genau dort, wo heute die Verkaufsräume eines arabischen Verkaufsladen untergebracht sind. Nach der Schließung der ASKO-Filiale versuchten weitere Verbrauchermärkte ihr Glück in den vorhandenen Geschäftsräumen. Neben der Handelsgesellschaft „Ihre Kette“ waren eine Zeitlang auch die REWE-Gruppe in den Geschäftsräumen in der Ortsmitte untergebracht.

Der gute alte „Prima Markt“

Am 18.03.1980 eröffnete die „Primo-Kauf HUS Handels-Union Sudwest GmbH, Beteiligungsgesellschaft & Co“ aus Holland einen Lebensmitteleinzelhandel in der Illingerstraße in Dirmingen. Der zuständige Geschäftsführer war Glaser Vinzens aus Heilbronn. Die damalige Neueröffnung des „Prima Marktes“ prägte bis heute die Dirminger Geschäftswelt. Der gute alte „Prima Markt“ hat sich bis heute im Volksmund verankert. Ich kann mich noch gut an die damalige Eröffnung erinnern. Wir alle waren überwältigt von der großen Produktauswahl. Am 13. 10. 1991 endete das Kapitel „Prima Markt“ und die Ära des SPAR-Marktes begann. In den gleichen Geschäftsräumen wurde, nur einen Tag nach der Schließung des „Prima Marktes“, am 14.10.1991 eine Filiale der SPAR- Markt Kette eröffnet. Die neue SPAR- Filiale wurde unter dem Nachweis „Handel, Einzelhandel mit Lebensmitteln sowie Milch- und Milchprodukte“ durch Geschäftsführer Axel Mohr geleitet. Im Jahre 2007 übernahm der Völklinger Marcel Heckmann die Geschäftsräume des SPAR-Marktes und eröffnete einen „Einzelhandel mit Lebensmitteln und Non-Food-Artikeln“ der Handelskette „Nah und Gut“. Am 26. Juni 2017 wurde die „Nah und Gut „Filiale“ in der Illingerstraße geschlossen. Mit dieser Geschäftsaufgabe endete eine über 37-jährige Ära.

Der SPAR-Markt

Viele Generationen konnten über Jahrzehnte ihre Lebensmittel in Dirmingen beziehen. Es folgten eine schwierige Zeit, in der die Menschen lernen mussten auf einen Nahversorger zu verzichten. Gerade für ältere Leute bedeutete dies einen großen Aufwand. Im Jahre 2020 öffnete in Dirmingen ein neues Lebensmittelgeschäft seine Pforten. Die Fa. Cham Saar betreibt nun in den Geschäftsräumen der alten ASKO-Filiale ein Lebensmittelgeschäft. Neben den herkömmlichen Produkten wie Obst, Gemüse, Gewürze, Konserven und Fleisch werden zudem Lebensmittel aus Fernost angeboten. Mit der Öffnung dieses Marktes wurde die Grundversorgung in unserem Heimatdorf endlich wiederhergestellt.

Der mögliche Neubau eines Verbrauchermarktes in der Dirminger Ortsmitte beschäftigt jedoch weiterhin die Menschen in unserem Dorf. Innerhalb der Kommunalpolitik waren die Fronten zunächst verhärtet und das geplante Projekt wurde zum Wahlkampfthema auf beschworen. Wohl wissend, dass man ohne Investor eigentlich überhaupt keine Handhabe hat. Viele Jahre waren die kommunalpolitischen Ortsverbände meilenweit von einer gemeinsamen Lösung entfernt. Meistens verloren sich die Gremien in einem politischen Kleinkrieg. Die Menschen hingegen verloren zusehends den Glauben an die Umsetzung des Projekts in der Ortsmitte. Ich gebe zu, dass auch ich mich eine Zeitlang an diesem Spiel beteiligt hatte. Das hat sich geändert! Heute geht es mir alleine um die positive Entwicklung in meinem Dorf. Dieser Neubau bietet unserem Heimatort und seiner angeknacksten Infrastruktur viele neue Möglichkeiten. Auch wenn das nicht jeder im „Omnibus“ gerne hört, die Zeiten politischer Zwistigkeiten müssen der Vergangenheit angehören. Die Kommunalpolitik muss endlich lernen gemeinsame Kompromisse einzugehen.

Wer hat es erfunden ? Wer ist der „Held im Erdbeerfeld“ ? Es gab eine Zeit, in der auch die Verantwortlichen in der Verwaltung, die Amtsträger und auch Mitglieder in Orts-und Gemeinderat den Glauben an dieses Projekt verloren hatten. Es gab eine Zeit, in der es schwer war, den Kurs zu halten. Die größte Leistung liegt in der Beharrlichkeit ! Die Verwaltung, der Investor, die Grundstückseigentümer und alle Mandatsträger hatten den Schulterschluss gesucht und am Ende auch gefunden. Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen bedanken, die an dieses Projekt geglaubt haben. Vielen Dank an die Verwaltungsspitze, den Investor, die Grundstücksbesitzer und an alle guten Geister in unserem Heimatort.

2 Kommentare

  • Martin Kauth

    Hallo Frank. Ich habe 1966 im Asko als Lehrling zum Einzelhandelskaufmann angefangen .Paul Heckmann war ein Guter Chef. Ich habe auch Gute Erinnerungen an meine Kolleginnen und Kollegen.
    Danke für deine Tollen Berichte
    Gruss
    Martin Kauth

  • Stephan

    Heisst das nicht „Cham Saar“?

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