Derminge

An den Ausläufern des Schamberges und am Zusammenfluss der Ill mit der Alsbach liegt, von bewaldeten Höhen umgeben, in lieblichem Illtal:

Dirmingen

Im Herzen des Saarlandes

Eine Reihe alter schmucker, durch ihre breite und behäbige Bauart auffallender Bauernhäuser und die Türme zweier Kirchen grüßen den Besucher. Wer einen Blick für die landschaftliche Schönheit hat, wird in Dirmingen auf seine Kosten kommen:

Da ist die Kastanienallee am Ausgang des Dorfes nach Wustweiler, die besonders zur Zeit der Blüte mit ihren ungezählten Kerzen das Auge erfreut. Da ist der Weg über den „Render“, jener vom großen Verkehr noch verschonte Durchgang, hinter der evangelischen Kirche zwischen den Mauern des alten Friedhofs, auf dem an wolkenlosen Tagen vom zeitigen Frühjahr bis zum späten Herbst eine warme Sonne liegt, dass die Lage in ihrer Geschichte schon öfters zum Weinbau lockte. Da ist der „Hübbesbüsch“ mit seinen an den Berghang angeschmiegten Häusern, der zur Zeit der Baumblüte oder im bunten Herbstlaub zu den schönsten Dorfbildern unserer Saarheimat zählt. Wer jedoch einen Rundblick von großer Schönheit genießen will, der lasse sich nicht verdrießen, einmal in der Frühe auf den Hundsberg bis zum Denkmal der im Weltkrieg Gefallenen zu wandern und von hier aus einem Blick über das Dorf im Tal, über fruchtbare Äcker, über Buchen – und Tannenwälder bis hin zum Schamberg und zu den Höhen des Saartals schweifen zu lassen.

Wer Naturdenkmale von seltenen Ausmaßen bewundern will, lasse es sich nicht nehmen, zu dem in Fachkreisen weit über unsere engere Heimat hinaus bekannte „Dirminger Steenrutsch” einem Konglomerat zu wandern, jenen wuchtigen Steinblöcken, die in grauer Vorzeit entstanden und sich bis heute allen Witterungseinflüssen zum Trotz erhalten haben. Von dort aus kann man auch die vier knorrigen Eichen am „Exerzierplatz“, die schon so alt sind, dass sie die ältesten Einwohner unseres Dorfes nur noch in ihrer jetzigen Gestalt in Erinnerung haben. Einst standen auch im Dorfe Bäume, die mit ihrer Pracht Schatten und Schönheit spendeten.

Wer jedoch einen Sinn für alte Bauten besitzt, wird in unserem Dorfe manches finden, was ihn an vergangen Tage erinnert. Da ist vor allem der Turm der evangelischen Kirche, der in seinen untersten Geschossen bis in die Zeit zwischen 1200 und 1300 Jahrhundert zurückreicht. Und sogar die Verwüstung des 30-jährigen Krieges gut überstanden hat. Neben dem Turm der evangelischen Kirche. in der Ortsmitte, weist kaum noch ein Bauwerk in die Zeit vor dem 30- jährigen Krieg zurück. Wie über viele Dörfer und Städte unseres Heimatlandes, so ging auch über Dirmingen der 30- jährige Krieg mit verheerender Wirkung hinweg. Nach vorliegenden Unterlagen darf man annehmen, dass Dirmingen im Jahre 1625 noch ein verhältnismäßig wohlhabendes Dorf gewesen sein muss. Ein Viehbestand von 119 Pferden, 106 Kühen und 599 Schafen wird uns aus dieser Zeit genannt. 1650 waren nur noch 6 Untertanen und 7 Pferde vorhanden. Sodann befand sich an der alten Bahnhofstrasse eine „Alte Mühle“, ein in den Jahren 1758-61 entstandener behaglicher Barockbau mit zwei Geschossen und gewalmtem Dach, in dem seit der Mitte des 18 Jahrhunderts die Guthörls als Müller saßen. In der Nähe der Dirminger Kirche, in der Ortsmitte, befanden sich zwei Gebäude, die wohl zu den ältesten noch erhaltenden Wohnstätten Dirmingens gehörten: das evangelische Gemeindehaus und das J. Wagnersche „Kläse“- Haus. Ersteres wurde um 1750 erbaut und diente lange als evangelisches Schulhaus. Später fand es als Schwesternwohnung und Kindergarten Verwendung. 1963 wurde es abgebrochen und durch ein neues Gemeindehaus ersetzt. Das „Kläse“- Haus dürfte etwa um die gleiche Zeit erbaut worden sein. Seltsamerweise ereilte dieses wunderbare Gebäude zur gleichen Zeit das gleiche Schicksal.

Nicht vergessen sei der Jagdsitz der ehemaligen Nassauer Fürsten, ein um 1770 entstandenes Gebäude, das später als evangelisches Pfarrhaus diente und sogar dem Weltkrieg trotzte. Wo von der Hauptstraße der Weg nach Tholey abbiegt, stand die Wirtschaft Hell, genannt Karels. Sie war einst Zehntscheune und hatte somit als Finanzamt vergangener Zeit auch ein Stück Dirminger Geschichte geschrieben. Nimmt man die Tholeyerstraße aufwärts so liegt zur Rechten ein weiteres Gebäude besonderer Art: die neuerbaute katholische Kirche , eine Gottesburg auf dem Berge mit breitgelagertem massivem Turm, an dessen Mauern sich die Wogen des ungläubigen Zeitgeistes brechen müssen. Dort also auf den Höhen des Gänsberges steht der wiedererrichtete wuchtige katholischen Kirche. Der erst im Jahre 1912 erbaute Vorgängerbau wurde während des letzten Weltkrieges durch Bomben zerstört. Heute ragt das Bauwerk wie eine schützende Wacht über das Dorf.

Während des 2. Weltkrieges sind unserem Orte die Schrecken einer modernen Kriegsführung nicht erspart geblieben. Viele Opfer an Toten und Verwundeten auf dem Schlachtfeld waren zu beklagen und das Schicksal mehrerer Vermissten ist noch heute ungewiss. Durch die geographische Lage bedingt, oder durch die Kriegslage selbst hervorgerufen war unser Dorf mehreren feindlichen Bombenangriffen ausgesetzt. Schwere Opfer an Toten und Verwundeten haben viel Leid und Elend hinterlassen, viele Gebäude darunter auch die genannte katholische Kirche wurden vollständig zerstört oder stark beschädigt. Bis vor diesem unheilvollen Kriege standen in Dirmingen noch Häuser aus dem 17. Jahrhundert. Durch ihre breite und behäbige Bauart auffallender Bauernhäuser prägten unser Dorf. Sind es diese Häuser, in denen man meistens noch die alten Schränke und Truhen fand, aus denen noch später die Hausfrauen das Leinen hervorholten, dass schon die Großmutter gesponnen und der Großvater gewebt hatte?  Viele historische Bauten wurden gebrochen oder mussten der Zukunft weichen. Der Fleiß und Aufbauwille der Ortsbevölkerung war enorm und geprägt von großer Heimatliebe.

Dirmingen, dessen Namen wir erstmals in einer Urkunde vom 28.12.1281 als „Diermanges“ erwähnt finden, scheint sich nicht immer in seiner jetzigen Lage ausgedehnt zu haben. Die Flurnamen Buschweiler, Böllingen und Honscheid zeugen noch heute von Wüstungen, also untergegangenen menschlichen Siedlungen, die damals rings um den heutigen Ort lagen. Mündlicher Überlieferungen zufolge lag Dirmingen einst als „Remigius Hof“ oder Alt-Dirmingen weiter östlich gelegen in Richtung Urexweiler, in der Nähe des Kaselswaldes. Irgendwann ist Dirmingen im Laufe der Zeit aus einzelnen Höfen zu einer geschlossenen Ortschaft zusammengewachsen. Einst trug der Ort rein landwirtschaftliches Gepräge. Später stand bei dem Hof des Bauern das Haus des Bergmanns, der neben seinem schweren Beruf noch mit Frau und Kind den Acker bestellt. Beide Arbeitsstände sind nicht mehr und haben unserem Dorf doch so vieles gegeben. Geblieben ist Gottes schöne Natur, die sich in unserem Tal verbreitet. Der Besucher kann die Vielfalt des Finkenrechs genießen oder im Brühlpark spazierend den Vögeln lauschen.

Im 6. Jahrhundert war Dirmingen das wohlhabendste Dorf der Grafschaft. Die stetige Zugehörigkeit zur Grafschaft Saarbrücken wird im Jahr 1986 erschaffenen Ortswappen durch die sogenannte „Nassauische Wolfsangel“ symbolisiert. Noch heute findet man diese Wolfsnagel auf zahlreichen historischen Grenzsteinen auf der Dirminger Bannmeile. Wechselnd waren die herrschaftlichen Verhältnisse des Dorfes. Schon früh, etwa um 1330, gehörte Dirmingen den Grafen von Saarbrücken. Nachdem der Ort durch mehrere Herrscherhände ging landete er im Jahre 1530 beim Grafen von Nassau-Saarbrücken. In diesem gehörte Dirmigen seit 1550 zur Grafschaft Ottweiler. Unter dem Grafen von Nassau Saarbrücken Ottweiler wurde Dirmingen im Jahre 1575 protestantisch. Durch den Lüneburger Frieden 1801 kam Dirmingen unter französische Herrschaft und blieb unter ihr bis zum 10. Juli 1816 liegen. Danach fiel unser Heimatort mit der Grafschaft Saarbrücken und Ottweiler an Preußen. Seitdem ist vieles geschehen und manches vergessen.

Im Jahre 1794 entstand auf dem unserer heutigen Heimatgemeinde zwei Bürgermeistereien. Zum einen die Bürgermeisterei Eppelborn um die Orte der ehemaligen Herrschaft zu Eppelborn um Aschbach, Bubach, Calmesweiler, Dörsdorf, Eppelborn, Habach, Macherbach, Steinbach und Thalexweiler. Zeitgleich entstand die Bürgermeisterei Dirmingen mit den Ortschaften Dirmingen, Berschweiler, Hierscheid, Humes, Wiesbach und den Kolonien Mangelhausen und Steiterswald. Im Jahre 1822 wurden die beiden Bürgermeistereien Eppelborn und Dirmingen erstmals durch einen gemeinsamen Bürgermeister verwaltet. Über die beiden Weltkriege hinaus wurden die beiden Ortsteile von Eppelborn und Dirmingen immer wieder als selbständige Gemeinde mit wechselnden Orten geführt. Auf deiner Wanderung durch unser Dorf erblickst du lieber Besucher die Veränderung voranschreiten. Die Alten sind gegangen und die Jungen sind an Jahren gewachsen. So mancher Grabstein auf unserem Friedhof steht nicht mehr. Nur noch der Grabstein des Brauereigründers Konrad Schäfer, der am 17.Juli 1889 verstarb, erinnert daran das im Herzen des Dorfes einmal eine Bierbrauerei stand.

Dabei konnte man einst viel Arbeit in Dirmingen finden : da wurden Kalk gewonnen, Ziegeln gebrannt, Wurst verarbeitet und Bier gebraut.

Im Jahre 1974 wurden an der Saar zahlreiche Gemeinden zusammengelegt. Die eigenständige Bürgermeisterei Dirmingen wurde aufgelöst und der neuen Einheitsgemeinde Eppelborn zugeteilt. Steter Tropfen höhlt den Stein. Die Zeit kann man nicht aufhalten. Wo Wasser fließt, da ist auch Leben möglich. Müssen wir davon ausgehen, dass unsere Heimat schon viel länger bewohnt ist als wir alle zu denken wagen.

Die Kelten gaben ihr den schönen Namen „Ilara“ die „eilige“. Wie lange schon fließt die Ill durch unser Dorf? Der „Casselswald“ zwischen Dirmingen und Urexweiler entzieht sich ebenso dem keltischen und heißt übersetzt «Kasholz». Wobei sich das Wörtchen „Kasne“ der keltischen Bezeichnung für Eiche entstammt. Wer besiedelte zuerst unser Heimatgebiet? Waren es die Belgen oder der zu ihnen gehörende Stamm der Mediomatriker oder vielleicht doch das kämpferische Volk der Treverer? Waren es die Germanen die sich das Land zu eigen machten und welche Rolle spielten die Römer ? Wer gab unserem Dorf seinen Namen und womit begann unsere Geschichte.

Dabei wissen wir längst, dass unser Heimatort nicht immer Dirmingen genannt und geschrieben wurde. Am Ende sagt uns deine „-ingen“ Endung wie es gewesen sein könnte. Neben Illingen und Marpingen gehört Dirmingen zu den weitesten nördlich des rechten Saarufers gelegenen Orten mit dieser Namensendung. Die westgermanischen Franken ließen sich landnehmend auf unserem Lande nieder und benannten ihre Siedlungen nach solchen Verbänden. Die «-ingen» Endung erinnert uns daran, dass Dirmingen ursprünglich nicht als Ortsname benutzt wurde, sondern als ein Personenname, der im Laufe der Zeit zu einem Ortsnamen „erstarrte“.

Dirmingen, viele Namen hat man dir gegeben: In alten Urkunden finden wir Dich als «Dyrmendingas» – «Diermanges» – «Dyrmendinga» – «Dürmingen» – «Dörmingen» – und auch als «Dirming».

Ein weiterer Name fällt mir ein: „Derminge“ soll es sein !

Dehemm es Dehemm

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