Warum Heringe ? – Auf den Tisch, kommt frischer Fisch – Was ist dran am neuen Fastenhype?

Am Aschermittwoch kommt in aller Regel Fisch auf den Tisch. Besonders der Hering wird vielerorts angeboten. Mit dem Heringsessen soll den Narren, die in den Tagen zuvor viel Alkohol konsumiert haben, geholfen werden wieder in die Spur zu finden. Der Ursprung des Heringsessens liegt keineswegs darin, den Kater eines Narren zu bekämpfen. Vielmehr geht dieser Brauchtum auf die kirchliche Fastentradition zurück. Früher war während der Fastenzeit das verspeisen von Fleisch verboten. Das Essen von Fisch hingegen bot eine echte Alternative. Woher kommt der Brauchtum des Heringsessens ? Hat diese Tradition tatsächlich nur einen religiösen Hintergrund ?

Mit Aschermittwoch beginnt eine 40-tägige österliche Fastenzeit. Besonders für Christen ist die Fastenzeit eine Zeit der inneren Einkehr und des Verzichts. Obwohl in den letzten Jahren immer mehr Menschen den Kirchen den Rücken gekehrt haben, erfreut sich das Fasten auch bei Nicht-Gläubigen einer großen Beliebtheit. Vermutlich hat das mit dem persönlichen Anspruchs des gesünderen Lebens zu tun. Das Fasten wird in vielerlei Formen zelebriert und durchgeführt. Während die einen bis Ostern dem Alkohol oder den Süßigkeiten entsagen, verzichten andere auf Alltagsgewohnheiten wie Fernsehen, Autofahren oder Stress.

Die katholischen Christen bekommen an Aschermittwoch ein Aschekreuz auf die Stirn gemalt. Als Kind einer protestantischen Familie habe ich diesen katholischen Brauchtum lange Zeit nicht verstanden und fühlte mich von meinen Klassenkameraden ausgeschlossen. Das Aschenkreuz ermahnt die katholischen Christen zur Einsicht, dass der Mensch aus Staub geboren und wieder zu Staub zurückkehren wird. Mit dem Aschekreuz wird die Vergänglichkeit des Menschen symbolisiert. Katholische Christen erkennen darin ein Zeichen zum Innehalten und zur inneren Umkehr. Davon abgesehen beteiligen sich auch immer mehr evangelische Christen aktiv an der Fastenzeit.

Das Heringsessen zum Aschermittwoch lässt sich bis ins hohe Mittelalter zurückverfolgen. Das Brauchtum entwickelte sich aus den damaligen Fastenregeln. Der konservierte Hering diente als Fastenspeise. Bis heute landen am Aschermittwoch a in vielen Häusern und Gaststätten Hering auf dem Teller. Die Tradition des Heringsessen hat religiöse Wurzeln, die weit zurückreichen in eine Zeit in der die Kirche den Alltag der Menschen bestimmte.

Der Aschermittwoch markiert den Beginn der 40-tägigen Fastenzeit vor Ostern. Christen empfangen an diesem Tag ein Symbol aus Asche als Zeichen der Buße und des Neuanfangs. Ich persönlich kann diesem kirchlichen Brauchtum so einiges abgewinnen. Tatsächlich kann der Verzicht auf Genussmittel wie Alkohol oder Süßigkeiten zur inneren Einkehr verhelfen. Wir leben in Zeiten, in denen der Verzicht durchaus helfen kann. Der Verzicht schärft die Sinne und den Verstand und leitet den Blick auf das Wesentliche. Fasten kann nicht schaden !

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Politik das Heringsessen am Aschermittwoch angeeignet. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Aschermittwoch zusehends nicht nur für religiöse sondern auch für politische Zwecke genutzt. Die Tradition einer politischen Kundgebung am Aschermittwoch geht auf eine Versammlung des Bayerischen Bauernbundes im Jahr 1919 zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Versammlungen geprägt von Rededuellen zwischen Spitzenpolitikern von Bayernpartei und der CSU. Irgendwann wandelte sich der politische Aschermittwoch zu einem Schlagabtausch zwischen CSU und den Oppositionsparteien. Die Bayern haben also den politischen Aschermittwoch erfunden und salonfähig gemacht. Die SPD erkannte im Jahre 1965, dass eine politische Veranstaltung am Aschermittwoch durchaus Sinn ergibt. Heutzutage richten viele Parteien einen politische Aschermittwoch aus. Der an Karneval hart kritisierte Politiker oder die Politikerin holt am Aschermittwoch zum verbalen Rückschlag aus und attackiert den politischen Gegner. Mittlerweile ist das Interesse am politischen Aschermittwoch so groß, dass einige Veranstaltungen sogar live im TV übertragen werden.

Bleibt die Frage, ob der politische Aschermittwoch oder das Heringsessen eine Zukunft haben ? Demokratie lebt von Meinungsaustausch und einer fairen Diskussionskultur. Der Spagat zwischen dem religiösen Brauchtum und der politischen Auseinandersetzung gelingt mir persönlich nicht. Am Ende bleibt ein Stückweit Tradition, Brauchtum und Kultur. Das Heringsessen hat sich über Jahrhunderte in unserer Gesellschaft etabliert. Der kirchliche Jahreskalender der katholischen Kirche hat die Menschen auf den Weg gebracht. Die Politik hat auf ihrer Suche nach neuen Möglichkeiten das Feld übernommen.

Eine schöne Idee kommt in diesem Jahr von der Evangelischen Kirche: Die Fastenaktion „7 Wochen Ohne“ der evangelischen Kirche lädt von Aschermittwoch bis Ostern zu mehr Mitgefühl mit sich selbst und anderen ein. Die Passionszeit soll helfen, inneren Ballast abzuwerfen und sich selbst und anderen neu zu begegnen. Unter dem Motto „Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte“ beginnt am Aschermittwoch die diesjährige evangelische Fastenaktion, in der wir von der allgemeinen Verrohung in unserer Gesellschaft Abstand gewinnen sollen. Einmal bewusst auf Härte im Umgang miteinander zu verzichten, ist eine echte Herausforderung. Das könnte man tatsächlich mal probieren, oder ?

In Dirmingen werden seit vielen Jahrzehnten Heringsessen angeboten und durchgeführt. Selbst wenn man dem kirchlichen Brauchtum oder dem politischen Wettbewerb nichts abgewinnen kann, lohnt sich ein Besuch beim Heringsessen ihrer Wahl in jedem Fall. Im günstigsten Fall kann man ein paar schöne Stunden in der Gemeinschaft und eine leckere Speise genießen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert