„Make Eppelborn Great Again“ – Wie soll das funktionieren?
Die defizitären Kommunen im Saarland leiden unter einem enormen Investitionsstau. Überall im Land müssen Brücken, Straßen und kommunale Einrichtungen saniert werden. Die Bundesregierung möchte, dass die Länder, Städte und Gemeinden schnellstmöglich ihre Infrastruktur modernisieren und zudem ihre Schulen und Kitas sanieren. Ein Sondervermögen von mehr als 100 Milliarden Euro soll bei diesem Unterfangen helfen. Aus Sicht der Bundesregierung sollen Länder und Kommunen schnell, flexibel und zielgerichtet investieren. Stellt sich die Frage: Wie soll das funktionieren? Angeblich soll ein unkompliziertes Verfahren den Kommunen auf ihrem Weg weiterhelfen. Natürlich möchte jede Kommune ein großes Stück vom vergleichsweisen kleinen Kuchen. Machen wir uns nix vor, dass vorhanden Geld wird, bei Weitem nicht ausreichen, um den Kommunen vor Ort zu helfen. Ein eingebrachter Gesetzentwurf der Bundesregierung bietet den Ländern und Kommunen zudem die Möglichkeit neue Schulden aufzunehmen. Alles gut und schön, bleibt die Frage, wann rollen die Bagger ?
Ich persönlich favorisiere vielmehr eine Entschuldung der Länder. Wir benötigen einen Neustart und keine Verschiebung des Schuldenstandes. Die Entschuldung von Kommunen ist ein komplexes Thema, das sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene seit Jahren Priorität genießt und heiß diskutiert wird. Bisher leider ohne durchschlagenden Erfolg. Die Situation in den Städten und Dörfern ist stark angespannt. Viele Kommunen benötigen schnell finanzielle Unterstützung, um ihre Schulden zu bewältigen. Ohne Fördergelder oder einen finanzstarken Investor bewegt sich auch in unserer Gemeinde Eppelborn überhaupt nichts! Genauso ist das auch in der Gemeinde Eppelborn. Ohne einen Investor würde es in Dirmingen keinen neuen Nahversorger geben. Die kommunalen Abgaben an die Landkreise, die sogenannte Kreisumlagen, bilden eine hohe Belastung für Gemeinden und Städte. Obwohl ein Teil der Gelder immer wieder in die Infrastruktur der Kommunen einfließt, reißt diese Abgabe zunächst ein großes Loch in den gemeindeeigenen Haushalt.
Mit diesem Hintergrund wird es unsere Heimatgemeinde auch zukünftig schwer haben eigene Investitionen in Brücken, Straßen, Hallen oder andere kommunale Einrichtungen auf den Weg zu bringen. Wie soll das funktionieren? Ohne Fördergelder, Zuschüsse oder Hilfen aus dem Sondervermögen dreht sich kein Rad. Unsere Heimatgemeinde ist genauso wie viele anderen Gemeinden an der Saar dazu verdammt das Vorhandene zu schützen und zu verwalten. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass unsere Gemeinden kein Geld und keine Möglichkeiten haben die ganz dicken Bretter zu bohren. Zudem fehlt dem ein oder anderen Bürgermeister der Mut das ganz große Geschirr anzugehen. Schließlich ist nach den Wahlen, vor den Wahlen und man will ja keinem wehtun !

Wir müssen also zukünftig genau hinschauen, wo wir unser Geld investieren. Wir müssen genau aufpassen, wann wir welche Fördertöpfe anzapfen und wo es Sinn macht Geld in die Hand zu nehmen. In unseren Dörfern herrscht ein, über die Jahrzehnte aufgebauter, Investitionsstau. Was für den einen als Luxus angesehen wird, stellt für den anderen eine Notwendigkeit dar. Die Sanierung des Marktplatzes Eppelborn oder der Bau eines Multifunktionsplatzes in Eppelborn mögen manchen Bürgerinnen und Bürgern unnötig erscheinen. Für Menschen im Ortsteil Eppelborn bedeuten diese Maßnahmen jedoch eine Aufwertung des Lebensstandards. In Eppelborn wurde zuletzt viel Geld investiert. Neben dem Marktplatz, dem Multifunktionsplatz und der Hellberghalle wurde zudem auch das Hellbergbad saniert. Obwohl diese Maßnahmen überwiegend mit Fördergeldern gestemmt wurden, floss natürlich auch gemeindeeigenes Geld in diese Sanierungsmaßnahmen. Welche Investitionen sind wichtiger ? Ich gönne jedem Ortsvorsteher/in die wichtigen Investitionen in seinem Dorf. Neid, war noch nie ein guter Berater !
Investitionen in unsere Zukunft sind dringend notwendig. Zu einer liebenswürdigen Gemeinde gehören auch Anreize, die das Leben schöner machen. Bleibt die Frage, ob wir uns den Luxus leisten können? Man darf jedoch Äpfel nicht mit Birnen vergleichen. Natürlich werden die verschiedenen Maßnahmen aus unterschiedlichen Fördertöpfen unterstützt. Den Fördermitteln für den Eppelborner Marktplatzes können also nicht für den Neubau der „Hardter Brücke“ verwendet werden. Dennoch geht es am Ende auch um viel Geld aus dem gemeindeeigenen Haushalt. Den jeweiligen finanziellen Selbstanteil zu stemmen, bedeutet für unsere Heimatgemeinde eine Mamut Aufgabe.

Ohne Investoren oder Fördermittel geht kein Rad mehr rund. An die dicken Investitionen trauen wir uns schon lange nicht mehr. Dirmingen benötigt eigentlich ein neues Feuerwehrgerätehaus. Der aktuelle Standort an der Grundschule Dirmingen ist allein aus sicherheitsbedingten Gründen untragbar. Die Sanierung der Dirminger Borrwieshalle ist ebenso alles andere als eine Luxusinvestition und sollte oberste Priorität genießen. Ganz nebenbei trainieren, üben und spielen auch Vereine und Organisation aus unseren Nachbarorten in der Borrwieshalle. Für unsere Grundschule, die Rothenbergschule und unsere beiden Kitas ist die Borrwieshalle genauso wichtig, wie für unsere Vereine und Organisationen. Die notwendige Sanierung der Borrwieshalle ist mindestens genau so notwendig wie es einst die Sanierung des Hellbergbades und der Hellberghalle waren. Wo sollen unsere Kinder und Vereine hin?
Was ist also wichtig und was unwichtig? Wiegt der Neubau eines Feuerwehrgerätehauses mehr als die Sanierung eines Marktplatzes? Das Leben ist kein Wunschkonzert und wir sind längst nicht in der Position, dass Geld aus dem Fenster zu werfen. Wir müssen lernen Prioritäten zu setzen! Der Neubau eines Dorfgemeinschaftshauses darf keine Luxus- Investition sein. Nein, die Anschaffung von Dorfgemeinschaftszentren sind notwendig und stärken unsere Dörfer und deren Vereine und Organisationen. Wo sollen Menschen zusammenkommen und gemeinsam ihre Zeit verbringen?
Unsere Dörfer verändern sich! Während viele Menschen uns in den letzten Jahren verlassen mussten, haben andere hier in Dirmingen eine neue Heimat gefunden. Wie erreichen wir unsere neuen Einwohner und wie können wir ihnen unsere Mentalität vor Augen führen? Wo kommen wir zusammen und wie können wir uns wieder spüren und fühlen. Ohne Kommunikationsstätte wird dieses Unterfangen schwierig werden. Dirmingen verfügt über eine funktionierende Dorfkultur mit zahlreichen Veranstaltungen. Unsere Vereine und Organisationen lassen sich im Laufe der Jahre einiges einfallen um den Karren am Laufen zu lassen. Grundsätzlich ist es gut, dass die Gemeindeverwaltung die kulturellen Veranstaltungen stärkt und ausbreitet. Nicht gut ist es jedoch, wenn dadurch Konkurrenzveranstaltungen in der eigenen Gemeinde entstehen. Während manche Dörfer von der massiven Unterstützung der Gemeinde profitieren, haben es die Vereine und Organisationen in anderen Dörfern schwer mit ihren kleineren Veranstaltungen dagegen zu halten. Zwei Großveranstaltungen wie „Frühling auf Finkenrech“ und „Frühlingswiesen in Eppelborn“ an einem Wochenende könne sich die Menschen unserer Gemeinde nicht leisten. Zudem ist das wenig zielführend ! Es ist auch nicht gut, dass die vielen kleinen dörflichen Veranstaltungen zu Hexennacht in diesem Jahr eine gewaltige Konkurrenz im Eppelborner Festzelt erfahren. Wir brauchen nicht nur eine faire Verteilung der Mittel, sondern auch die Stärkung der jeweiligen Dorfkulturen. Immerhin sprechen wir hier von Steuergeldern, die in alle Richtungen fließen müssen.

„Make Eppelborn great again“ bedeutet eine faire, parteiübergreifende, neutrale Betrachtung des Staus quo. In der Gemeinde Eppelborn geht nichts mehr ohne Fördertöpfe oder Investoren. Kein Bürgermeister oder Ortsvorsteher gibt für die Verwirklichungen unserer Pläne sein eigenes, persönliches Geld aus. Am Ende geht es immer auch um das Geld der Menschen in unserer Heimatgemeinde. Während in den sozialen Medien gehetzt, gehasst und „kluggeschissen“ wird, sollte die Kommunalpolitik noch mehr am gemeinsamen Schulterschluss arbeiten. Auch wenn das dem ein oder anderen im Omnibus nicht gefallen mag, könnte darin der Schlüssel zu Erfolg liegen. Wir können den Karren nur gemeinsam aus dem Dreck ziehen. Wahre Größe beginnt im Geiste und in der Eigenschaft über den Tellerrand zu blicken !