Fußballweltmeisterschaft 2026 – Ist das immer noch mein Fußball ?

Endlich wieder Fußball- Weltmeisterschaft! Endlich wieder großartige Fußballspiele, Weltklasse Stars, großartige Tore, schöne Momente und wunderbare Emotionen. Mit der größten Weltmeisterschaft der Geschichte beginnt der weltweite Ausnahmezustand. Sogar meine Frau und viele Menschen, denen jegliche Fußballbegeisterung fehlt, schauen sich dieses Spektakel an. Endlich wieder Fußball! Ich freue mich auf 5 Wochen mit großartigem Sport, großartigen Spielzügen, interessante Interviews, Schicksale und viele herrliche Tore. Das wird mein Sommer!

Stopp, Moment mal! Stimmt das wirklich, freue ich mich tatsächlich auf diese Fußball- Weltmeisterschaft? Irgendwie beschleicht mich seit langem ein ungutes Gefühl. Wenn ich ehrlich bin, hält sich meine Vorfreude in Grenzen. Wenn ich tief in mich rein höre, weicht meine Euphorie einer stillen Wut. Ich frage mich allen Ernstes, ob das wirklich noch mein Fußball ist und ob hier wirklich noch alles mit rechten Dingen zugeht.

Die Welt zu Gast bei Freunden. Wirklich? Ist das so? Es ist eine WM bei der längst nicht jeder willkommen ist und schon vorab Menschen einen Platzverweis erhalten. Der Schiedsrichter Omar Artan, 2025 von der Afrikanischen Fußball-Konföderation zum Schiedsrichter des Jahres gewählt, darf nicht einreisen. Angeblich soll der Schiedsrichter „Verbindungen zu mutmaßlichen Mitgliedern terroristischer Organisationen“ haben. Die FIFA steht schweigend wie ein Kaninchen vor der Schlange und lässt den verzweifelten Schiedsrichter im Regen stehen.

Auch die iranische Nationalmannschaft fühlt sich alles andere als willkommen und muss sich an großen logistischen Herausforderungen messen lassen. Laut der iranischen Botschaft darf das Team nur am Spieltag in den USA einreisen und muss es noch am selben Tag verlassen. Im Umkehrschluss muss die Mannschaft morgens einreisen und abends wieder ausreisen. Mit Fairplay hat das wenig zu tun. Auch hier blickt die FIFA nur stumm aus der Wäsche.

Keine Frage: Die Welt ist aus den Fugen geraten und das Thema Sicherheit sollte nicht vernachlässigt werden. Das gilt insbesondere für den selbsternannten Weltsheriff USA. Das hat auch die FIFA erkannt und hat sich einmal mehr vom eigentlichen Fußballgeschäft abgewandt und einen Friedenspreis auserkoren.  Kein geringerer als der US-Präsident Trump bekommt diesen Preis überreicht. Nicht wenige Menschen auf dieser Welt halten diese Preisverleihung für einen Treppenwitz sondergleichen. Die Nähe der FIFA zum Gastgeber USA ist erschreckend. Der FIFA-Präsident scheut auch nicht davor zurück eine rote Trump- Mütze aufzuziehen. Ja, es stimmt: Der Fußball hat längst seine weiße Weste verloren und ist bei weitem nicht mehr unpolitisch. Das Verhältnis zwischen den USA und der FIFA finde ich jedoch hoch bedenklich.

Die WM 2026 ist politisch, laut, kämpferisch, unberechenbar und Fanfeindlich. Wer soll bitte schön diese Ticket-Preise bezahlen? Früher war der Fußball ein Sport für den kleinen Mann und seine Familie. Davon sind wir mittlerweile so weit entfernt wie die Erde vom Mond. Wenn ein Vater mit seinem Kind ins Stadion möchte, muss er locker einen höheren dreistelligen Betrag aufbringen. Den Fans aus Haiti, Iran, Elfenbeinküste und Senegal wird das Leben schwer gemacht. Die Einreise ist nur unter großen Umständen umsetzbar. Wie schon in der Vergangenheit gab es auch bei dieser WM viele Probleme und viel Ärger um den Kauf von Eintrittskarten. Erneut sorgte die Ticketvergabepraktik der FIFA für reichlich Unmut.

Zu hohe Preise, Zuviel Politik und Zuviel Korruption. Ist das noch mein Fußball?  Die größte WM aller Zeiten zieht mit einem mächtigen Schatten über den Erdball. Auch für die Fußballer selbst wird es eine WM der Strapazen und Leiden. Ja, ich weiß: Die Jungs bekommen gutes Geld für ihren Sport. Dennoch ist es am Rande des erträglichen, wenn 48 Teams in insgesamt 104 Spielen auf Höchstleistung getrieben werden. Extreme Hitze, Luftverschmutzung, große Entfernungen und lange Anreisen bringen die Fußballer an ihre Grenzen. Das Ganze nach einer anstrengenden Saison mit Nationalen-, Europäischen- und Auswahlspielen. Hoffentlich leidet darunter nicht unser geliebter Fußball.

Natürlich wurden auch vor dieser WM traditionell neue Regeln eingeführt. Ich persönlich ziehe vor jedem Schiedsrichter meinen Hut. Die Unparteiischen, die bei diesem Druck und Regelbollwerk mit VRA und Fanhetze, noch den Überblick behalten sind Gold wert.  Ich frage mich jedoch, warum wir immer erst kurz vor der WM neue Regeln einführen. Wäre es nicht viel sinnvoller in der Spielrunde vor der WM den Mannschaften die neuen Regeln vorzustellen. Immerhin könnten sich die Vereine im Saisonverlauf an diese neuen Regeln aneignen.  

Ist das noch mein Fußball? Ich liebe diesen Sport und habe dem Fußball viele schöne Stunden meines Lebens zu verdanken. Der Fußball hat eine große gesellschaftliche Verantwortung. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob dies jedem Funktionär der FIFA bewusst ist. Das Geld, die Macht und die Korruption beherrschen nicht nur den Fußball, sondern auch andere Sportarten. Im Moment sehe ich niemanden der ein Interesse daran hat das zu ändern. Schade um den Fußball, die Spieler, die Fans, die Vereine und um die vielen Kinder und Jugendliche die diesen Sport so sehr lieben.

Nein, dass ist nicht mehr mein Fußball. Ich werde mir in diesem Jahr sicherlich nicht mehr die Nächte um die Ohren schlagen, um jedes Spiel zu sehen. Naja, natürlich werde ich mir die Spiele unserer „Elf“ anschauen und die Daumen drücken. Ich werde mich aber nicht mehr verrückt machen und diesem dreckigen Geschäft mein Geld, meine Zeit und meiner Aufmerksamkeit in den Rachen zu werfen.

Der Weltfußball hat seinen Charme und seine Basisnähe verloren. Wer kann sich heute noch ein Trikot seiner Fußballnationalmannschaft leisten? Eine Fußballweltmeisterschaft bietet immer eine großartige Chance den Fußball aufzupolieren und aufzuwerten. Die FIFA bevorzugt es einmal mehr mit sehendem Auge in das Verderben zu rennen. Schade um den Fußball!

Fazit: Nein, dass ist nicht mehr mein Fußball!