280 Jahre Derminga Kerb – gelebte Tradition, große Herausforderungen und eine offene Zukunft

Dirmingen feierte auch in diesem Jahr ausgelassen seine nunmehr 280 „Derminga Kerb“. Am Rande der Veranstaltung wurde angeregt an der Theke diskutiert. Wohin führt der Weg der „Derminga Kerb“ ? Werden wir auch noch in 20 Jahren so ausgelassen unsere Kirmes feiern ? Steigende Kosten und die schwierige Suche nach geeigneten Schaustellern werfen Fragen zur Zukunft der Kerb auf. Die 280. Derminga Kerb liegt hinter uns. Es waren Tage, die einmal mehr gezeigt haben, welchen Stellenwert dieses traditionsreiche Volksfest für Dirmingen und seine Menschen besitzt. Mit einem besonderen Jubiläum, prominenten Gästen, einem engagierten Kerwepaar und zahlreichen Begegnungen wurde die lange Geschichte der Kerb gewürdigt. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Tradition allein nicht ausreicht, um ein Volksfest dieser Größenordnung dauerhaft in die Zukunft zu führen.

Unter der Schirmherrschaft von Torsten Lang, Staatssekretär, und Christian Petry, ehemaliger Bundestagsabgeordneter, erhielt das Jubiläum einen besonderen Rahmen. Gemeinsam mit Bürgermeister Dr. Andreas Feld sowie dem Kerwepaar Anke und Rico wurde die 280. Derminga Kerb gefeiert. Sie alle standen stellvertretend für eine Veranstaltung, die seit 280 Jahren fester Bestandteil des Dirminger Dorflebens ist. Seit Generationen gehört die Derminga Kerb zum kulturellen Leben des Ortes. Sie ist Treffpunkt, Heimatfest und ein Stück gelebte Dorfgeschichte. Gerade deshalb lohnt sich nach dem Jubiläum nicht nur ein Blick zurück, sondern auch eine ehrliche Betrachtung der aktuellen Situation.

Unsere Schausteller waren mehr oder weniger zufrieden. Die steigenden Kosten und der schon spürbare Besucherrückgang setzt den Schaustellern immer mehr zu. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden zunehmend schwieriger. Die Menschen achten stärker auf ihr Geld und halten sich bei ihren Ausgaben zurück. Gleichzeitig steigen die Kosten für Transport, Personal, Energie und den Betrieb der Fahrgeschäfte und Verkaufsstände. Für die Schausteller bedeutet die Teilnahme an einem Volksfest einen erheblichen organisatorischen und finanziellen Aufwand, der sich nicht immer wie erhofft auszahlt.

Umso höher ist es zu bewerten, dass unsere Schausteller Dirmingen weiterhin die Treue halten. Dieses Engagement ist keine Selbstverständlichkeit. Vielerorts wird es immer schwieriger, ausreichend Schausteller für kleinere und traditionelle Volksfeste zu gewinnen. Auch für die „Derminga Kerb“ stellt sich deshalb zunehmend die Frage, wie sie langfristig attraktiv und wirtschaftlich tragfähig bleiben kann. Erfreulich war, dass die Dirminger Familien und Kinder bei ihrer Kerb vor Ort waren. Sie zeigten, dass das Fest nach wie vor einen festen Platz im Leben der Dorfgemeinschaft hat. Die vertraute Atmosphäre, die Begegnungen mit Freunden und Bekannten und die Möglichkeit, gemeinsam zu feiern, machen den besonderen Charakter der „Derminga Kerb“ aus. Allerdings habe ich den Eindruck gewonnen, dass nur wenige Gäste aus anderen Orten und den angrenzenden Dörfern den Weg nach Dirmingen fanden. Gerade dieser Punkt gibt Anlass zum Nachdenken. Ein Volksfest lebt nicht allein von seiner Tradition, sondern auch von seiner überörtlichen Anziehungskraft. Neue Besucherinnen und Besucher können zusätzliche Impulse setzen und dazu beitragen, dass sich der Aufwand für die Schausteller lohnt. Ich stelle mir die Frage, wie es uns gelingen kann, die Derminga Kerb wieder stärker über die Grenzen des Ortes hinaus bekannt zu machen und Menschen aus der gesamten Umgebung für das Fest zu begeistern?

Während das klassische Kerwetreiben auf dem Festplatz mit wirtschaftlichen Herausforderungen zu kämpfen hatte, zeigte sich in den Dirminger Gaststätten ein ganz anderes Bild. Dort herrschte eine sensationelle Stimmung. Die Lokale waren bestens besucht, zahlreiche Menschen kamen zusammen und machten deutlich, dass die Lust am gemeinsamen Feiern in Dirmingen keineswegs verloren gegangen ist. Ein besonderer Lichtblick war dabei, dass das Gasthaus Schuhhannesse glücklicherweise wieder geöffnet hatte. Die Rückkehr dieser traditionsreichen Gaststätte bereicherte das Kerwe geschehen und bot den Menschen einen weiteren Ort für Begegnungen und geselliges Beisammensein. Das starke Treiben in den Gaststätten zeigt, dass die Derminga Kerb weiterhin Menschen mobilisieren kann. Es wirft aber auch die Frage auf, wie sich die Anziehungskraft der Gastronomie und die Attraktivität des Festplatzes künftig noch besser miteinander verbinden lassen. Wie können wir von unseren Gaststätten den Schwung mit auf den Festplatz ziehen ?

Das 280-jährige Jubiläum ist ein Grund zur Freude und zum Stolz. Es ist aber auch ein geeigneter Zeitpunkt, um über die Zukunft des Festes nachzudenken. Wie kann die Derminga Kerb für Schausteller wirtschaftlich interessant bleiben? Wie lassen sich mehr Besucherinnen und Besucher aus den Nachbarorten gewinnen? Und welche neuen Ideen können dazu beitragen, dass das traditionelle Volksfest auch für kommende Generationen lebendig bleibt? Diese Fragen lassen sich nicht von heute auf morgen beantworten. Sie erfordern den Austausch zwischen Gemeinde, Ortsrat, Schaustellern, Gastronomie, Vereinen und unseren Einwohnern. Entscheidend wird sein, gemeinsam nach Lösungen zu suchen, ohne dabei den besonderen Charakter und die lange Geschichte der „Derminga Kerb“ aus den Augen zu verlieren. Ein 280 Jahre altes Volksfest ist ein wertvolles Stück Heimat. Damit es auch in Zukunft Bestand hat, braucht es Menschen, die sich engagieren, Betriebe, die bereit sind, das Risiko mitzutragen, und eine Gemeinschaft, die ihre Kerb nicht nur als Tradition betrachtet, sondern aktiv mit Leben füllt.

Am Ende bleiben trotz vieler Herausforderungen vor allem Dankbarkeit. Ein herzliches Dankeschön gilt allen Helferinnen und Helfern, die mit ihrem Einsatz, ihrer Zeit und ihrem Engagement zum Gelingen des Jubiläums beigetragen haben. Ebenso gilt unser Dank den Schaustellern, die Dirmingen trotz schwieriger wirtschaftlicher Bedingungen die Treue halten, sowie allen Gastronomiebetrieben und Beteiligten, die das Kerwe geschehen mitgestaltet haben. Ein besonderer Dank geht auch an alle Gäste, Familien, Kinder und Besucherinnen und Besucher, die die Derminga Kerb gefeiert und damit gezeigt haben, dass dieses Fest weiterhin einen festen Platz im Herzen Dirmingens besitzt. 280 Jahre Derminga Kerb – das sind 280 Jahre Geschichte, Begegnungen und Gemeinschaft. Damit diese Tradition auch in Zukunft fortgeschrieben werden kann, braucht es weiterhin Zusammenhalt, neue Ideen und Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Die Jubiläumskerb hat gezeigt, was Dirmingen gemeinsam auf die Beine stellen kann. Nun gilt es, die richtigen Weichen für die kommenden Jahre zu stellen.