Der Zeitgeist bereitet mir große Sorgen

……ich mache mir Sorgen. Neulich kam ich auf meiner Arbeit mit einem jungen Mann ins Gespräch. Er berichtete mir, dass er seit einiger Zeit Mitglied bei den „Gelb-Westen“ ist und dass es endlich Zeit für Veränderungen wird. „Veränderungen sind nie verkehrt“, entgegnete ich ihm und fragte nach, welche er den konkret meint? „Alles muss verändert werden, dass System stinkt und ist ungerecht“ war seine Antwort. Stimmt schon, dachte ich mir, es gibt einiges zu tun. Ich hackte erneut nach und fragte wiederum was er denn konkret meint und warum er schließlich auf die Straße geht. Ich bemerkte augenscheinlich, dass er von meiner Nachfrage genervt war. Seine Antwort war schließlich grob und abweisend: „ ….die gehören alle an die Wand gestellt“. Die? Wer ist: „Die“? Vielleicht die Politiker, die Manager, die Konzerne, die Lobbyisten oder die „Bel Etage“? Ich ließ ihn schließlich ziehen und machte mir meine Gedanken. Was ist das für ein Hass, der uns in der heutigen Zeit begegnet?

Als ich mich auf dem Heimweg befand, fiel mir ein Plakat ins Auge, auf dem geschrieben stand: „Rebellion“. Eine Rebellion kann etwas Gutes mit sich ziehen und zum Aufbruch ermutigen. Wenn eine Rebellion jedoch in Gewalt mündet, kann sie niemals die richtige Antwort sein.  Was ist los in unserem Land? Treibt die Kluft zwischen Arm und Reich uns alle in ein neues Dilemma oder ist die Asylpolitik wirklich an allem schuld? Wir müssen aufpassen, dass wir die Menschen, die in unserem Land Schutz suchen nicht als Bauernopfer abstempeln. Neulich behauptete eine ältere Frau:“… es muss erst wieder ein Krieg kommen, damit es wieder besser wird“. Stimmt das? Müssen wir uns Gedanken um unsere Demokratie und unser friedliches Miteinander machen?

Der Hass in den sozialen Netzwerken bereitet mir große Sorgen. Wo führt das hin? Am 26. Mai 2019 finden in unserem Land Europa- und Kommunalwahlen statt. Die Kandidaten der verschiedenen Parteien sind keineswegs zu beneiden. Täglich erleben unsere Politiker einen bösartigen und absurden Shitstorm mit völlig unpassenden und irrsinnigen Kommentaren. Damit wir uns nicht falsch verstehen, ein Politiker darf nicht dünnhäutig sein und sollte sich immer der Kritik der Menschen stellen. Nur, wo fängt es an und wo hört es auf? Wo ist die Grenze und wer gibt jemanden das Recht einen anderen aufs übelste zu beleidigen oder zu bedrohen. In letzter Zeit finde ich in den sozialen Medien immer schlimmere Bedrohungen und Beleidigungen. Meistens scheuen die kritischen Absender den direkten Dialog oder eine faire Diskussion. Vielmehr geht es darum den eigenen Unmut zu äußern und Hass zu schüren. Nein, es ist nicht alles gut in unserem Land. Auch in meiner Familie und in meinem Bekanntenkreis gibt es Menschen, die unter einer unfairen Politik gelitten haben. Die Themen: Soziale Gerechtigkeit, Altersarmut und Rente beschäftigen zu viele Menschen. Die Politik muss das endlich erkennen und ändern.

Eine Demonstration ist der beste Weg Unmut zu äußern und Änderungen einzufordern. Ich bin dafür, dass Menschen für ihr Recht kämpfen und demonstrieren. Ich bin dafür, dass Menschen sich einbringen und gegen Ungerechtigkeit eintreten. Ich bin dafür, dass Menschen mitmachen und sich engagieren. Ich bin dafür, dass sich unsere Politik ändert und das die Kluft zwischen Arm und Reich kleiner wird. Wie hoch ist jedoch der Preis, den wir alle zahlen müssen? Befinden wir uns auf dem richtigen Weg?

Ich erinnere mich unweigerlich an eine junge Frau, alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern, die weinend vor die Fernsehkameras trat und ihr Leid klagte. Demonstranten hatten während den damaligen G-20 Demos ihr kleines Auto in Brand gesteckt. Die junge Frau war völlig verzweifelt und wusste nicht mehr wie sie zur Arbeit kommen sollte. Für mich ist dies die Quadratur des Kreises. Ich kann nicht für soziale Gerechtigkeit auf die Straße gehen und dann anderen armen Menschen ihr Eigentum zerstören. Ich bin mir sicher: Auch die nächste Revolution wird ihre Kinder fressen. Was dann? Alles von vorne? Solange es den Menschen gibt, wird es auch Macht und Geld geben. Die zahlreichen Posts in den sozialen Medien sollten uns alle zur Vorsicht mahnen. Ich persönlich vermute sogar, dass in vielem ein Plan dahintersteckt und diverse Posts systematisch verstreut werden. Schade nur, dass viele darauf hereinfallen.

Wir leben in Zeiten, in denen ein „Gutmensch“ als Schimpfwort missbraucht wird und ein redlicher Kommunalpolitiker wegen seiner Mitgliedschaft in einer Partei angefeindet und beleidigt wird. Dabei spielt es keine Rolle ob derjenige es gut meint und seine Interessen allein seiner Heimat dienen. Ich frage mich, ist dies unser neues Verständnis von Demokratie? Wohin triften wir? Ist das der richtige Weg?

Letztens habe ich in einer Zeitung gelesen, dass Menschen, die der Politik und den Medien misstrauen, in den sozialen Netzwerken verstärkt Bestätigung suchen. Auf Facebook werden die Unzufriedenen zu einer leichten Beute für Hassprediger und Populisten. Eines ist sicher, jeder kann im Netz ohne Rücksicht auf Verluste seine Meinung von sich geben und darf ohne Befürchtungen andere beleidigen und anfeinden. Eine Hemmschwelle ist schon lange nicht mehr vorhanden. Wo führt das hin? Ich mache mir Sorgen.

Zurück zu unserem jungen Mann von den „Gelb-Westen“. Eine Antwort auf meine Frage habe ich nicht erhalten. Eigentlich war meine Frage auch unnötig denn ich weiß wohl sehr genau warum die Menschen in Frankreich und inzwischen auch in Teilen Deutschlands auf die Straßen gehen. Angefangen hat alles mit dem Benzinpreis! Heute bin ich mir nicht mehr sicher ob jeder Demonstrant wirklich weiß, wofür er die „Gelbe Weste“ trägt.

Wikipedia sagt: „Eine Revolution ist ein grundlegender und nachhaltiger struktureller Wandel eines oder mehrerer Systeme, der meist abrupt oder in relativ kurzer Zeit erfolgt. Der Beginn einer Revolution muss also nicht unbedingt schlecht sein. Veränderungen sind gut und oftmals auch notwendig. Leider kommen mit den ersten „guten“ Demonstranten auch viele Zeitgenossen die anderen Interessen vertreten und den wirklichen Kern des Aufstandes schnell vergessen.

Wir sollten froh sein, dass es noch Menschen gibt, die sich bereiterklären für einen Orts -oder Gemeinderat oder ein Bürgermeisteramt zu kandidieren. Auch wenn ich mit der Arbeit eines Amts -oder Mandatsträgers nicht einverstanden bin, gibt das mir keineswegs das Recht Beleidigungen oder Hasspostings zu verbreiten.  Diskussionen und Debatten bringen uns voran! Wir müssen den anderen nicht mögen, jedoch sollten wir ihn respektieren.

In der vergangenen Woche habe ich gelesen, dass vielerorts Wahlplakate mutwillig zerstört wurden. Was bitte soll das? Veränderungen bringen wir nicht damit voran, indem wir anderen Menschen Eigentum zerstören. Die politischen Ortsvereine müssen viel Geld, Arbeit und Aufwand betreiben, um diese Plakate anfertigen zu lassen. Jetzt kann man über die Sinnhaftigkeit eines Wahlplakates streiten. Eines ist jedoch sicher, dass Zerstören fremden Eigentums ist der völlig falsche Weg. Besser wäre, selbst einmal Verantwortung zu übernehmen und ein Mandat anzustreben.  Wenn ich etwas verändern will, muss ich mich dafür einsetzen. Wir sollten uns vielmehr darüber freuen, dass es noch Menschen gibt, die trotz manchem Wiederstand Verantwortung übernehmen und sich zur Wahl stellen. Anderorts müssen die Menschen um ihr Wahlrecht kämpfen. Immerhin haben wir die Wahl und wer die Wahl hat, hat bekanntlich die Qual. Eines dürfte dabei jedoch jedem völlig klar sein: Nur die dümmsten Kälber, wählen ihren Schlächter selber!

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