Am ersten Adventswochenende findet der „Mittelalterliche Weihnachtsmarkt“ in Dirmingen statt. Schon Monate vor der eigentlichen Marktöffnung wird organisiert, bestellt und geplant. Seit zwei Wochen ist der Kulturverein, in verschiedenen Arbeitseinsätzen, mit den Aufbauarbeiten beschäftigt. Dabei wurde unter anderem die Burgattrappe, der Stall und die Beleuchtungsanlage angebracht. Jährlich wird mit großem Aufwand an der Außendarstellung des Weihnachtsmarktes gebastelt. Das ganze natürlich ehrenamtlich bei Wind und Wetter. Unmittelbar vor Beginn des bunten Markttreibens wird man in der Mannschaft hin und wieder nachdenklich. Wie lange können wir in Dirmingen diesen wunderbaren Mittelaltermarkt noch stemmen? Keine Sorge, noch ist alles im Fluss und die Kulturaner sind weiterhin hoch-motiviert. Dennoch sollte gerade in Zeiten, in denen es gut läuft, die Frage erlaubt sein: Wie lange können wir den Standard noch halten?

Wenn sich das Jahr zu Ende neigt beginnt beim Kulturverein eine arbeitsreiche Zeit. Mit der saisonalen Veranstaltung „Herbst auf Finkenrech“ beginnt die Arbeitszeit der Kulturaner. Eigentlich kommt man aus dem planen und arbeiten überhaupt nicht mehr raus. Nach dem „Irischen Abend“ kommt die „Kerb“, dann noch ein Kleinkunst-Konzert und danach steht der Weihnachtsmarkt auf dem Programm. Eine Woche später findet ein Konzert in der Kirche statt und in der Woche vor Weihnachten werden die Weihnachtsbäume verkauft. Natürlich hat sich der Kulturverein diese Suppe selbst eingebrockt. Einen Gang zurückschalten kommt, für den rührigen Verein, jedoch nicht in Frage. Eigentlich kann man den Frauen und Männern vom Kulturverein nicht genug Danken. Die Durchführung eines solchen Marktes bedarf höchster Anstrengungen und Konzentration. In den letzten Jahren besuchten im Schnitt 3000 Menschen den beschaulichen Markt rund um die Borrwieshalle.

In Dirmingen kann man also zurecht stolz auf seinen gemütlichen Weihnachtsmarkt sein. Dennoch bleiben in jedem Jahr einige kritische Fragen unbeantwortet. Der finanzielle Aufwand kann einem schon Kopfzerbrechen bereiten. Bevor der erste Glühwein verkauft ist, hat der Kulturverein schon zahlreiche Kosten am Hals: Hallen-miete, Sicherheitskonzept, Brandwache, GEMA, Anmietung Spülmaschine und Einrichtung der Verkehrsänderung sind nur einige der Posten die jährlich gezahlt werden müssen. Damit wir uns nicht falsch verstehen, alles hat irgendwo seine Berechtigung und bestimmt auch einen guten Sinn. Gerade wenn es um die Sicherheit der Menschen geht sollten wir keinen Cent sparen. Auf der anderen Seite muss man sich allen Ernstes Fragen inwieweit man die Vereine noch belasten kann. Wann überschreiten wir den Punkt der Zumutbarkeit.

In den letzten Jahren habe ich immer mehr den Eindruck gewonnen, dass der Druck auf die Vereine, die noch festlichen Aktivitäten ausrichten, immer mehr steigt. Dies betrifft nicht nur den Kulturverein, sondern vielmehr alle Vereine. Man braucht schon genügend Durchhaltevermögen und ein großes Rückgrat, um diesem Druck standzuhalten. An diesem Punkt ist auch die Politik gefragt. Wenn wir von den Vereinen fordern, dass weiterhin Weihnachtsmärkte oder z.B Kappensitzungen stattfinden, müssen wir auch dafür Sorge tragen, dass die Vereine noch in der Lage sind diese zu stemmen.  Sei’s drum, ein Leben ohne Ehrenamt ist trotz alledem nicht erstrebenswert. Es hat etwas aufbauendes, wenn man am Ende des Tages dazu beigetragen hat, dass unser Dorf ein weiteres Event feiern darf. Genau davon lebt doch eine Dorfgemeinschaft, oder?

Oft genug stelle ich mir die Frage: …bin ich einfach zu doof, um NEIN zu sagen. Wegen dem Ehrenamt habe ich mit Sicherheit so manche schöne Stunde mit meiner Familie oder mit Freuden versäumt. Ich glaube es gibt viele Vereinsvertreter in unserem Dorf die das ganz genauso sehen und sich ebenfalls hinterfragen. Wo wären wir ohne das Ehrenamt und auf was müssten die Dorfbewohner alles verzichten? Unsere Vereinslandschaft, Schulen, Kindergarten und zahlreiche Organisationen und auch die Kirchen profitieren von dem Ehrenamt und wären ohne das Engagement einiger „Unverbesserlichen“ ganz schön aufgeschmissen. Leider sind immer weniger Menschen dazu bereit, ein Ehrenamt zu übernehmen. Obwohl unser Land für seine „Vereinsmeierei“ und seine vielen ehrenamtlichen Mitstreiter bekannt ist, fehlt es vielerorts am Nachwuchs. Na gut, die Zeiten haben sich geändert. Heute fehlen uns die Bergleute, die verhältnismäßig früh in den Ruhestand gingen und immer viel Zeit ins Ehrenamt investieren konnten. Zudem gibt es heute kaum noch eine Familie, in der nicht auch die Frau mitarbeiten muss. Die Menschen bekommen nicht nur immer weniger Kinder, sondern schicken diese auch recht früh in die Kita, um selbst wieder schnell arbeiten zu können. Der Stress beherrscht unser Leben. Eine Familie hat heute vieles zu leisten und findet kaum Zeit ein Ehrenamt zu begleiten. Der Stress als Ehrenamts-Killer? Kann schon sein! In Zeiten von “Burn-out” und Depressionen ist jeder selbst für seine Gesundheit verantwortlich. Wo aber bleibt das Ehrenamt? Werden wir in ein paar Jahren ganz neu denken müssen? Immer weniger Menschen sind bereit sich ehrenamtlich zu engagieren. Zudem fühlen sich immer mehr Menschen ausgenützt und ausgelaugt. Im Laufe des Jahres höre ich immer wieder den Satz:“ Ich habe keinen Bock mehr mich ausnutzen zu lassen“.

Wobei wir wieder bei unserem “Mittelalterlichen Weihnachtsmarkt” sind. Viele der fleißigen „Ehrenämtler“ des Kulturvereins gehören nicht mehr zu den Jüngsten. Wer wird die Arbeiten rund um unseren Weihnachtsmarkt in ein paar Jahren verrichten? Mittlerweile steigt die Zahl derer die gerne einmal anpacken und mithelfen möchten, ohne sich jedoch fest zu binden. Immer mehr Menschen sind bereit zu einer Dienstleistung oder einem Arbeitseinsatz ohne Verpflichtung. Wenn es aber darum geht sich konsequent um ein Ehrenamt zu kümmern oder vielleicht sogar eine Mitgliedschaft im Verein anzustreben, werden die Freiwilligen zusehends weniger. Jeder Mensch ist anders und man keinen zum Ehrenamt zwingen. Ich bin meilenweit davon entfernt jemandem einen Vorwurf zu machen. Es stellt sich mir jedoch die Frage, wie wir in ein paar Jahren mit unseren Veranstaltungen umgehen. Ich habe die Worte unseres Ortsvorstehers noch immer im Ohr als er sagte:“ Es geht immer weiter und nach uns kommen andere“. Stimmt das? ist das so einfach? Ich habe da so meine Zweifel. Wird es uns in ein paar Jahren noch gelingen mit einem solchen Arbeitsaufwand einen Weihnachtsmarkt auf die Beine zu stellen? Werden wir in einigen Jahren immer noch in der Lage sein ein „Folxfeschd“ oder ein „Parkfeschd“ durchzuführen?

In jedem Verein sind es immer die gleichen Leute, die enorm viel leisten und ein stück weit mehr tun als andere. Die Gefahr jemanden zu verheizen ist enorm groß und nicht von der Hand zu weisen. Ich bleibe jedoch dabei, wer sich ehrenamtlich engagiert geht mit gutem Beispiel voran und macht unsere Welt ein stück weit liebenswürdiger. Ehrenamt kann erbauend und erfüllend sein. Ehrenamt kann aber auch zerstören und krank machen. Noch haben wir in Dirmingen gute Leute, die viel leisten und gerne bereit sind anzupacken. Noch haben wir Vereine und Organisationen die bereit sind viel zu investieren. Noch haben wir Gönner und Sponsoren und immer noch haben wir eine motivierte Mannschaft. Was in ein paar Jahren ist, weiß keiner und Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Sei’s drum, wir sind bereit. Es ist angerichtet! Die Mannschaft hat alles gegeben und auch die teilnehmenden Vereine und Organisationen werden sich mächtig ins Zeug legen. Aus diesem Grund dürfen wir uns über ein weiteres Event in unserem schönen Heimatort freuen. Der “Mittelalterliche Weihnachtsmarkt” steht vor der Tür. Lasst uns diese Veranstaltung genießen und feiern.

Für die Zukunft rate ich jedoch dazu die Kräfte zu bündeln, enger zusammen zu rücken und noch mehr das miteinander zu suchen. Es gibt immer Luft nach oben. Wir müssen schon heute an Morgen denken. Wir müssen junge Menschen mitnehmen und fördern. Wir müssen auf einander zugehen und uns die Hand reichen. Dann funktioniert es auch weiterhin mit dem Weihnachtsmarkt, dem „Folxfeschd“, dem „Parkfeschd“, den Dorfturnieren, unseren Kappensitzungen, den vielen Vereinsfesten und insbesondere mit dem Ehrenamt.

2 thoughts on “Quo vadis Ehrenamt? – Vorbildliches Engagement am Beispiel „Mittelalterlicher Weihnachtsmarkt“

  1. Lieber Frank,
    du hast es auf den Punkt gebracht. Ehrenamtliches Engagement ist das Fundament des Gemeinwohls und sorgt für mehr Lebenszufriedenheit und einem sich wohl fühlenden Gemeinschaftsgefühl . Jedem der sich hier einbringt gebührt hohe Wertschätzung von Bürgerinnen und Bürgern und der Politik. Das Engagement ist nicht selbstverständlich und sollte Einzelne nicht überfordern, jeder gesunde und noch aktive Bürger steht hier in der Verantwortung, natürlich auch die politisch Verantwortlichen. Danke für diesen nachdenklichen Bericht.
    Viele Grüße
    Birgit Müller-Closset

  2. Lieber Frank,
    du hast es auf den Punkt gebracht. Ehrenamtliches Engagement ist das Fundament des Gemeinwohls und sorgt für mehr Lebenszufriedenheit und einem sich wohl fühlenden Gemeinschaftsgefühl . Jedem der sich hier einbringt gebührt hohe Wertschätzung von Bürgerinnen und Bürgern und der Politik. Das Engagement ist nicht selbstverständlich und sollte Einzelne nicht überfordern, jeder gesunde und noch aktive Bürger steht hier in der Verantwortung, natürlich auch die politisch Verantwortlichen. Danke für diesen nachdenklichen Bericht.
    Viele Grüße
    Birgit Müller-Closset

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.