Schwere Zeiten für Gläubige – Gottesdienste und Messen fehlen an allen Ecken und Enden

Der Mensch braucht einen Halt im Leben. Dabei ist es völlig egal an was du glaubst oder an wen du glaubst. Irgendwie ist es nur wichtig, dass man glaubt. Ohne einen festen Glauben lässt es sich nur schwer aushalten.

Im Wonnemonat Monat Mai stehen zahlreiche Fest-Gottesdienste auf dem Programm. Ich habe diese Zeit immer genossen und richtig ausgelebt. Das Singen im Chor, die Gemeinschaft in meiner Gemeinde und das feiern des Abendmahls. Nun stehen wir kurz vor dem Pfingstfest, dem eigentlichen Geburtstagsfest der Kirche und blicken zurück auf traurige Zeiten. Ostern wurde abgesagt, die Kommunion und Konfirmation wurden verlegt und auch Christi-Himmelfahrt und aller Voraussicht nach auch Pfingsten werden in diesem Jahr nicht “richtig” gefeiert werden können. Traurige Zeiten für Christen und auch für Muslime, deren Moscheen auch geschlossen bleiben. Die Bestimmungen für die Durchführung eines Gottesdienstes bringen die Mitglieder eines Pfarrgemeinderates oder Presbyteriums zum Verzweifeln. Wie soll es unter diesen Auflagen gelingen Gottesdienst zu feiern und Gottes Wort zu verbreiten?

Natürlich haben sich viele Gemeinden umgestellt und nach Alternativen gesucht. Es wird „gestreamt“ was das Zeug hält, es gibt „Online- Gottesdienste“ und auch Andachten werden im Internet veröffentlicht. Die verantwortlichen Pfarrer, Priester und Mitglieder in den Gremien geben sich gerade in Zeiten der Pandemie erheblich Mühe dem Stillstand entgegenzuwirken. Dies gelingt mit mäßigem Erfolg. „Gottesdienst to go“ ist eine wunderbare Sache, aber ist es das was wir wirklich wollen?

Was ist mit den Menschen, die kein Internet nutzen oder den wöchentlichen Kirchgang auch als sozialen Aspekt ansehen? Wie gelangt die Kirche zu ihrer ureigenen Aufgabe: Der Nächstenliebe. Werden wir in Zukunft nur noch über unsere Avatare kommunizieren? Wie sieht die Kirche der Zukunft aus?

Meine Oma sagte immer:“ Angst ist ein schlechter Ratgeber“

Ich vertrete die Meinung, dass die Verbreitung des Wort Gottes in dieser Form kaum möglich ist. Als Beispiel dient hier eine kleine Geschichte:

Unser ehemaliger Pfarrer Siegfried Arneth erzählte einmal, dass über viele Jahre eine ältere Dame den Gottesdienst besuchte. Nach jedem Kirchgang verabschiedete Sie sich persönlich bei dem Pfarrer mit den Worten: „Danke für das Wort“

Danke für das Wort. Wo bleibt das Wort in Zukunft? Suchen wir es im Netz oder auf irgendwelchen Blättern? Mir persönlich fehlt die Gemeinschaft, die für den christlichen Glauben unverzichtbar ist. Ich glaube gerade die Kirche hat eine große seelsorgerliche Verantwortung. Diesbezüglich wird ihr Wirken, zugegebenermaßen aus verständlichem Grund, beschnitten.

Ich mache mir große Sorgen um unsere Kirche. Dabei meine ich keineswegs alleine die Evangelische oder Katholische, sondern vielmehr die Kirche als Ganzes. Der Kirche ging es schon vor der Pandemie eher bescheiden. Der Corona-Virus hat die Situation alles andere als verbessert.

Die Durchführung eines Gottesdienstes ist für Kirche unverzichtbar. Allein durch den Gottesdienst gelangen Christen überhaupt zu ihrem Lebenselixier. Nein, wir können auf den Gottesdienst nicht verzichten. Wir brauchen eine Lösung.

Natürlich würde es schon heute funktionieren einen Gottesdienst durchzuführen. Wenn wir die Hygienerichtlinien einhalten, ist vieles möglich. Stimmt vieles ist möglich, aber eben nicht mehr alles. Dabei bleiben gerade die wichtigsten Dinge auf der Strecke. Gottesdienst ohne Singen, gemeinsames Beten oder Abendmahl wie soll die Funktionen?

Mir stellt sich die Frage: Warum sollten Gottesdienste am Sonntag morgen ausfallen müssen, wenn ich während der Woche in einem Baumarkt, an einer Kassenschlange, von 30 Personen anstehen muss? In der Gemüseabteilung eines großen Discounters haben die Menschen zwangsläufig mehr Nähe und Kontakt wie während eines Gottesdienstes, der von ca. 20- 25 Menschen besucht wird.

Die großen Kirchen mit wenigen Besuchern bieten ohnehin die Voraussetzung, dass der Mindestabstand eingehalten wird. Angst ist ein schlechter Ratgeber. Natürlich sollten wir den Virus ernst nehmen und natürlich sollten wir alles daran setzen gerade die Älteren oder die Risikopatienten zu schützen. Wir haben aber auch einen seelsorgerlichen Auftrag und die Aufgabe Gottes Wort zu verbreiten. Guter Rat ist teuer !

Ich persönlich finde den derzeitigen Stand der Dinge untragbar. Wenn man sich zurecht Sorgen um unsere Wirtschaft und gerade um die kleineren Unternehmen macht, so sollte man sich auch Sorgen und den Fortbestand vieler kleineren Kirchengemeinden machen. Wir wollen doch auch zukünftig, dass wir in den Kirchen unserer Dörfer Gottesdienst feiern, oder etwa nicht?  Ist das der Anfang vom Ende für gerade kleinere Gemeinden? Im schlimmsten Fall gewönnen sich gerade junge Christen an den aktuellen Stand der Dinge.

Der “Status Quo” darf nicht fortgesetzt werden. Wir brauchen Lösungen und Ansätze, die allen gerecht werden. Selbst während des Krieges wurden Gottesdienste, Messen, Beerdigungen und Kommunionen gefeiert. Wie bereits erwähnt, grundsätzlich ist die Durchführung eines Gottesdienstes wieder möglich. Allerdings geht dies nur unter Beachtung strenger Hygiene-Auflagen. Ist es tatsächlich besser bei diesen vielen Auflagen doch noch zu warten, bis wieder „normale“ Gottesdienste möglich sind?

Fakt ist: Die Gemeinderäte, die Presbyteriums und die Pfarrer und Pfarrerinnen tun sich schwer mit ihren Entscheidungen. In den Gremien wird debattiert und diskutiert was das Zeug hält. Wie soll es weitergehen? Neue Ideen werden geboren: Auto-Gottesdienst, Summ-Gottesdienst, Video-Andacht oder “gestreamte” Lesungen. Das alles ist gut und keineswegs verwerflich. Ein intaktes Gemeindeleben wird dadurch jedoch nicht ersetzt.

In der Bibel steht in Epheser 5:19 geschrieben „Ermutigt einander durch Psalmen, Lobgesänge und Lieder, wie sie euch Gottes Geist schenkt. Singt für den Herrn und jubelt aus vollem Herzen!“

So wie es derzeit läuft, wird uns dies nicht gelingen!

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