Von „Schuhannesse -Wertschaft“ im Herzen unseres Dorfes

Mit jedem Sterben einer Dorfkneipe geht ein Stück Kultur verloren. Wir alle tragen für unsere Dorfkultur eine gewisse Verantwortung. Das Gasthaus „Schuhannesse“ steht wie kaum ein anderes Gewerbe für die Geschichte unseres Heimatortes.

Einen ersten Hinweis auf die Gaststätte „Schuhannesse“ finden wir im Namensbuch der Evangelischen Kirchengemeinde Dirmingen. Die lfd. Nr 200 enthält den Hinweis auf: Heintz Johannes, Schuster, später Wirt, genannt „Schuhannes“ Auch der Sohn Johann Nikolaus Heintz wurde Wirt und auch dessen Sohn trat in die gleichen Fußstapfen. Heute wissen wir, dass unser Gasthaus „Schuhannesse“ auf eine über 200 – jährige Tradition zurückblicken kann. Der erste „Schuhannesse“ war am 15. August 1750 in Dirmingen geboren und mit Luisa Margaretha Wagner verheiratet.

200 Jahre Dorfkneipe „Schuhannesse“! Was hat diese Wirtschaft nicht schon alles erlebt? Der deutsch-französische Krieg (1870-71), der erste Weltkrieg (1914-1918), der zweite Weltkrieg (1939-1945), dazu die Starkregenereignisse 2016 und nun auch noch die Corona-Pandemie. Wie lange hält der Atem noch?  Wenn man sich die tapferen Wirtsfrauen Rita und Inge anschaut möchte man nicht glauben, dass alles einmal zu Ende gehen kann. Die beiden Frauen leben ihren Beruf und haben ihr Handwerk von der Pike auf gelernt. Die Pandemie hat auch vor „Schuhannesse“ keinen Halt gemacht und einen merklichen Eindruck hinterlassen.

Wahrscheinlich ist die damalige Familie Heintz, im 18.Jahrhundert, über eine Schenkung oder durch Einheirat zu der traditionsreichen Wirtschaft gekommen. Wir wissen, dass bereits zuvor in einem Gebäude unterhalb von “Veltes” eine Wirtschaft existierte. Dieses Gebäude erhielt später im Volksmund den Namen „Alt Schuhhannesse“. Die Vorgänger-Kneipe wurde anfänglich von dem Schmied Hans-Jacob Wagner betreiben. Man muss sich jedoch vor Augen führen, dass die frühere Dorfstraße ganz anders verlief und damals an den beiden Häuser „Schmiddjere“ und „Veltes“ vorbeiführte. Die Wagner’sche Wirtschaft übernahm später Johann Valentin Schneider, dessen Schwester Maria Luisa im Jahre 1816 den Schmied Johann Georg Heintz heiratete. Das Ehepaar zog in „Unerscht Schmiddjere“ein.

Die Geschichte der Gaststätte „Schuhhannesse“, in der Familientradition Guthörl, begann vor über 120 Jahren in unserer Ortsmitte. Der Gaststättengründer war,wie bereits erwähnt, der damalige Landwirt und Ortsvorsteher Peter Heintz, ein Nachkomme des ehemaligen evangelischen Pfarrers Heintz. Genau gegenüber der heutigen Gaststätte „Schuhhannesse“ entstand damals eine Weinwirtschaft. Zu der damaligen Familie gehörte ein lediger Onkel, der neben der Gaststube das ehrbare Schumacher-Handwerk betrieb. Aus diesem Zusammenhang ergab sich im Dirminger Volksmund die Bezeichnung „Schuhannesse Wirtschaft“. Diese Bezeichnung hat sich auf die nunmehr gegenüberliegende heutige Wirtschaft bis zum heutigen Tag gehalten. Die frühere Gastwirtschaft „Alt-Schuhannesse“ diente im vorigen Jahrhundert als Raststätte für den Transportverkehr mit Fuhrwerken aller Art auf der sogenannten „Kohlen -und Erzstraße“. Aus dem Hochwald kamen die sogenannten Erzfuhrwerke, die abends im Ort ankamen und übernachteten. Meistens ging es dann am nächsten Morgen weiter zum Neunkircher Eisenwerk um dort die Fracht abzuladen. Auf dem Rückweg nahmen die Transporter Kohlen für den Hochwald mit.Irgendwann übergab der Land- und Gastwirt Peter Heintz, dem aus der Verwandtschaft der nahe gelegenen “Guthörls Mühle” kommenden Sohn Jakob Guthörl, den Gesamtbetrieb des Hauses „Schuhannesse“. Zu der damaligen Zeit umfasste der Betrieb „Schuhannesse“ drei Gebäudeteile: das Stammhaus mit Wohnung, Gaststube, Schuhmacherei und Scheune, die Stallung und Geräteschuppen, mit einem im 2.Stockwerk hergerichteten Fest – und Tanzsaal. Im Jahre 1903 heiratete Jakob Guthörl, alias „Schuhannesse Jäb“, die Ida Guthörl vom Hosterhof. Nachdem das alte Gasthaus „Alt „Schuhannesse“ aufgegeben wurde eröffnete Jakob Guthörl im Jahre 1904 die noch heute existierende Gaststätte „Schuhannesse“. Seitdem hat das Gasthaus „Schuhannesse“, in alter Tradition, bis heute Bestand. Jakob Guthörl starb 1964 im Alter von 94 Jahren und überließ seinem Sohn Richard das Anwesen samt Gaststätte. Auch der Sohn Richard leitete, mit seiner Ehefrau Else und mit viel Hingabe, die Wirtschaft mit Nebenraum für Sonderveranstaltungen. Die beiden Töchter Rita und Inge führen den Familienbetrieb bis heute erfolgreich weiter. Im Jahre 1940 wurde das alte Gast -und Bauernhaus Guthörl abgerissen und der Platz eingeebnet. Heute befindet sich genau an dieser Stelle ein Geschäfts- und Arzthaus. Den vorliegenden Quellen zufolge müsste das ehemalige Gasthaus „Alt-Schuhannesse“ um das Jahr 1750 erbaut worden sein. Um Tanz- und Festsaal in „Alt Schuhannesse“ gibt es so einige überlieferte Geschichten. Angeblich soll sogar ein Holzsteg von der ehemaligen Wirtschaft „Alt Schuhannesse“ über die Straße zum Tanzsaal geführt haben.

„Schuhannesse“ im Wandel der Zeit. Das ist die Geschichte einer Weinwirtschaft über eine anerkannte Raststätte für Menschen und Pferde bis hin zu einer Kult-Kneipe. Zudem verbindet „Schuhannesse“ bis heute eine enge Verbundenheit zur ehemaligen Schäfer-Brauerei. Seit die Familie “Veltes” mit dem Bier brauen begann gehörte „Schuhannesse“ zu der Stammkundschaft. Die „Schäfer Brauerei“ und „Schuhannesse“ gehörten fest zusammen. Bis heute ist „Schuhannesse“, als typische Dorfwirtschaft ein Familienbetrieb. Im „Schuhannesse“ trifft sich die Bevölkerung zum Feierabend-Bier oder zum Thekengespräch.”Schuhannesse”, das ist ein Stück „Derminga“ Kultur und eigentlich kaum wegzudenken.

Dennoch, in Zeiten des massiven Kneipensterbens muss man sich Gedanken machen. Die Zeiten sind hart und überall schließen die Gaststätten, Lokale und Restaurants. Das Verhalten der Konsumenten hat sich verändert. Die Menschen gehen nicht mehr in die Kneipen und trinken ihr Feierabend-Bier lieber zuhause im schönen Garten.

Wenn wir jedoch daran interessiert sind das die Legende „Schuhannesse“ weiterlebt, müssen wir ihr auch eine Chance geben. Dies gilt im übrigen für alle Gaststätten. In Dirmingen gibt es derzeit noch vier Gastronomien wobei dieser Bericht den Stellenwert der übrigen Gaststätten keineswegs schmälern sollte. Neben dem besagten „Schuhhannesse“ findet wir die Gaststätte „Destille“ die sich ebenfalls tapfer als echte Dorfkneipe beweisen konnte und die traditionsreiche Gaststätte “Wutze Walter” in der man zudem gut Speisen kann. Außerdem gehört auch das Landhotel Finkenrech zu der Dirminger Gastronomie.

Im ganzen Saarland sind Kneipen vom Aussterben bedroht. Wohin führt der Weg der Dirminger Gastronomie ? Wenn wir unsere Heimatkultur schützen möchten ist ein Umdenken unbedingt erforderlich. Kneipen wie “Schuhhannesse” sind ein Stück Kulturgut. Dort kann man noch in alter Tradition an der Theke das frisch gezapfte Pils genießen und mit dem Nachbarn über Gott und die Welt plaudern. Sterben die Dorfkneipen, stirbt unsere Dorfkultur !

Ein Kommentar

  1. Ein toller Bericht der selbst heute viel Neues vom Alten erzählt. Interessant zu lesen. Anerkennung für die umfangreiche Recherchearbeit! So ein Bericht ist Arbeit… viel Arbeit! Danke dafür

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