Lasst uns den „guten Ton“ nicht verlieren!
2018 sagte Alice Weidel im Bundestag die berüchtigten Worte: „Burkas, Kopftuchmädchen, alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse.“
2024 sagte Bundeskanzler Merz: „„Wir haben natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem.“
2026 fordert die CSU mit Teilen der CDU eine Abschiebeoffensive mit „Notfalls gegen deren Willen“ und mit „Rückkehr-Roadmap für Syrer“
Weihnachten 2025! Aus Sicht der CSU-Bundestagsgruppe ist es an der Zeit massiv abzuschieben, wobei insbesondere Syrer und Afghanen zurückgeführt werden sollten. Ausgerechnet die Partei, die unsere christlichen Werte vertreten soll, verliert zusehends den eigenen Kompass aus den Augen. Das christliche Abendland vergisst nicht nur die eigentliche Weihnachtsbotschaft, sondern auch die eigenen Werte. Mit ihrem Umgangston sorgen gerade Politikerinnen und Politiker der Union dafür, dass die Sprache der „Rechten“ salonfähig gemacht wird.
Der politische Umgangston wird auch wegen den Aggressionen in den sozialen Medien verstärkt. Immer mehr Menschen fühlen sich von den Politikern verraten und verkauft. Auf der Suche nach Lösungen vergreift sich so mancher Politiker im Ton. Dabei spielt auch die Angst eine gewichtige Rolle: Die Sorge um den eigenen Posten, den Wahlerfolg oder das eigene „Standing“ rücken in den Vordergrund. Schuld daran sind wiederum Beschimpfungen, Beleidigungen und sogar körperliche Bedrohungen gegenüber Politikern und Amtsinhabern über Mails, Posts oder Reels. Unsere Demokratie gerät zusehends ins Wanken.
Wenn ich mich bemühe, kann ich vieles verstehen. Natürlich versucht man als Politiker den eigenen Wähler zu erreichen und zurückzugewinnen. Bleibt die Frage, wie hoch der Preis dafür sein soll??? Die Bürgerinnen und Bürger sind natürlich gefrustet und haben sich nicht zuletzt durch die sozialen Medien eine Meinung gebildet. Die Menschen fühlen sich nicht mehr mitgenommen und schon gar nicht mehr repräsentiert. Das alleine ist die Schuld der Politik. Zulange hat die Politik sich auf ihren fragwürdigen Lorbeeren ausgeruht. Ich verstehe, dass gerade die Migrationspolitik viele Fragezeichen aufruft. Schon unter der „Rot-Grünen-Regierung“ wurde verstärkt abgeschoben. Die CDU wiederum, hat mit der Migrationspolitik Wahlkampf betrieben. Die Politik im Allgemeinen hat in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass sich der Fokus von einer sachlichen Debatte hin zu einer emotional aufgeladenen Pöbelei verschiebt. Die Schuld liegt im Übrigen bei allen politischen Lagern. Auch die „Linke“ vergreift sich aktuell allzu oft in ihrem Ton. Es scheint so, als wäre ohne einen harten Umgangston überhaupt keine Politik mehr möglich.
Die Menschen wollen Antworten und kein politisches Kalkül. Natürlich ist es nicht gut, wenn in unseren Städten ein neues Kalifat, also ein islamistischer Gottesstaat ausgerufen wird. Auch die Forderungen nach der Abschaffung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung sind inakzeptabel. Es kann nicht angehen, dass Menschen mit Migrationshintergrund, in unseren Großstädten, ihr Demonstrationsrecht nutzen und dabei unsere Polizistinnen und Polizisten angreifen. Meistens ist es so, dass diese Menschen in ihrem Herkunftsland überhaupt nicht demonstrieren dürften. Das Verhalten so mancher Gäste könnte besser sein. Kein Wunder, wenn sich so mancher Bürger angesichts dieses Verhaltens verschaukelt fühlt.
Die Kosten für die Asylbewerber sind in den letzten Jahren massiv angestiegen. Dies sorgt gerade in der Bevölkerung für Unmut. Genau hier sollte man jedoch genau hinsehen und nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Gerade die Rechts Populisten unseres Landes nutzen diesen Punkt allzu oft zum Wahlkampf. Die Menschlichkeit darf hier nicht aus den Augen verloren werden und letztens auf der Strecke bleiben. Der Missbrauch unseres Sozialsystems ist unbestritten. Die Hürden für eine gute und sinnvolle Migration in unser deutsches Sozialsystem müssen auf den Prüfstand. Dabei dürfen wir natürlich nicht unsere eigenen Bürgerinnen und Bürger aus den Augen verlieren. Wir dürfen aber auch nicht unsere Menschlichkeit aus den Augen verlieren. Wo fangen wir an und wo endet unsere Hilfe ? Letztendlich haben wir Europäer eine große menschliche Verantwortung.
Die Antwort auf unsere Migrationspolitik liegt zumindest nicht in einem rauen Umgangston oder einer rechtspopulistischen Polemik. In den Sozialen Medien wird die Politik alleine schon durch die KI in ein rechtes Licht gerückt. Extreme Meinungen und radikalisierte Umgangstöne sind mittlerweile Standard. Wo führt das alles hin? Hatten wir das alles nicht schon einmal gehabt ? Die Aggressionen im Netz übertragen sich immer mehr auf das reale Leben. Die Anfeindungen gegenüber Politikerinnen und Politiker gehen soweit, dass Hassmails oder Falschmeldungen bis hin zur körperlichen Gewalt gestreut werden.
Aus meiner Sicht muss sich die Politische Rhetorik drastisch verändern. Ansonsten droht eine Gefahr für unsere Demokratie. Der raue Umgangston in unserer Politik und der Gesellschaft stört den sachlichen Diskurs. Ja, Lösungen müssen schnell gesucht und gefunden werden. Auch, oder gerade in der Migrationspolitik. Das Ganze sollte jedoch besonnen und vernünftig auf den Weg gebracht werden. Natürlich tragen alle Parteien eine große Verantwortung. Jedoch erwarte ich gerade von den ehemaligen Großparteien und auch von denen mit dem „C“ im Namen mehr Konzentration auf die Grundwerte unseres Landes.
So kann es nicht weitergehen. Neben der Belastung für Politikerinnen und Politiker und unsere Amtsinhaber wächst zudem die Spaltung in unserer Gesellschaft. Wir dürfen das nicht zulassen ! Durch den harten Umgangston entsteht eine Polarisierung zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen, den Migranten und den politischen Lagern. Das ist nicht gut und schon gar nicht zielführend. Jeder einzelne ist dazu aufgerufen dagegen zusteuern. Nein, dieses Land darf Asylbetrügern und religiösen Fanatikern keine neue Heimat bieten. Lasst uns jedoch nicht den Gleichen Fehler zweimal machen. Die Menschlichkeit darf in keinem Fall verloren gehen ! Die Jahreslosung für 2025 lautete: „Prüfet alles und behaltet das Gute!“ (1. Thessalonicher 5,21)
Eine Lösung liegt in der eigenen Identität und unserer Identifikation. Ein intaktes, starkes „Wir-Gefühl“ und das gegenseitige Erinnern an die eigenen Grundwerte kann schon vieles bewegen und verändern. Wir treten massenweise aus unseren Kirchen aus und wundern uns, wenn andere Religionen erstarken. Miteinander reden, Kritik äußern und sich einbringen ist gut und angebracht. Lasst uns jedoch nicht den guten Ton und unsere gute Kinderstube vergessen. Hass spaltet und erzeugt Wut und Ungerechtigkeit. Das alles hat es in diesem Land schon einmal gegeben. Das braucht kein Mensch und schon gar nicht, kein Deutscher mehr !