“Geschäfte on Handwerker hamma genuch, ach Kirche on Schule sen do. E Zahnarzt, e Dokter ,e Psychiater sogar mache Kranke gleich werra froh……….

Liedzeile: “Derminga Dörfche (RASTLOS)

Früher war es üblich, sich im Wirtshaus die Haare schneiden zu lassen. Wenn man heute einen Termin bei dem Friseur seiner Wahl vereinbart, sitzt man ein paar Tage später gut aufgehoben auf dem Friseurstuhl unter der Schere. Während es heute im Friseursalon nach Haarspray, Tönungen und Haarkur-Mitteln riecht, war es früher der Geruch von Rauch und Tabak. Früher spielten die strengen Lebensmittelhygiene-Richtlinien noch keine Rolle. Der Wirt war in der Regel auch Friseur oder in manchen Fällen sogar Zahnarzt.

In vielen der vorhandenen Dirminger Wirtshäuser wurde im Laufe der vergangenen 150 Jahre mehr getan als nur „reinen Wein“ ausgeschenkt.

In den Gaststätten hat man, durch die praktische Ausführung von gewissen Tätigkeiten, immer wieder fehlende Dienstleistungen aufgefangen. Viele Wirtsleute haben nach dem zweiten Weltkrieg die Tätigkeit eines Zahnarztes oder eines Friseurs ausgeübt. Das Leben in der Gaststätte kam dabei keineswegs zum Erliegen. Nebenbei wurde fleißig ausgeschenkt und sogar Essen zubereitet. Nicht selten kam es vor, dass Wirtsleute sogar für ihr eigenes Bier, den eigenen Wein oder für die eigene Fleisch- und Wurstherstellung verantwortlich waren.

Immer wieder übernahmen Wirtsleute besondere Dienstleistungen, die im Dorf fehlten und dringend benötigt wurden. Meistens bekamen die Gaststätten somit ihren passenden Namen verabreicht. In Dirmingen z.B gab es das Wirtshaus „Alte Post“. Viele Jahre davor stand an dieser Stelle das „Alte Posthaus“. Ziel war es, mit einer besonderen Dienstleistung das eigene Geschäft der Gastronomie zu verkuppeln und davon zu profitieren. Am Ende hatte jeder etwas davon. Die Wirtsleute genauso wie die Dorfbevölkerung.

Der Wirt der ehemaligen Gaststätte „Hesedenz“ war z.B Metzger und der legendäre „Johne Dick“, Wilhelm Heintz,( Oben auf dem Beitrags-bild, links, zu sehen) betrieb Landwirtschaft und Viehzucht. Der Ur-Gründer des Gasthauses „Schuhhannesse“ Johannes Heintz war von Beruf Schuster und Wirt. Auch im alteingesessenen „Schuhhannesse“(Wirtschaft Richard Guthörl) wurden später mal die Haare geschnitten. Der Wirt des späteren „Tancafe Vogel“ war ebenfalls gelernter Friseur und schnitt viele Jahre in seiner Gaststätte, nebenbei auch noch die Haare seiner Kunden.  Flexibilität gehörte früher zu den wichtigsten Eigenschaften. Wenn man im Dorf überleben wollte, musste man sich zu helfen wissen.

Heute gibt es in Dirmingen fast genauso viele Gaststätten wie Friseursalons. In den Gaststätten und Wirtshäusern „Finkenrech“, „Destille“, „Six“, “Wutze Walter” und „Schuhannesse“ werden auch keine Haare mehr geschnitten. Dafür tragen heute die Dirminger Friseursalons „Haargenau“, Vera Spaniol, „La Biosthetique“, Friseurteam Sandra Röhrig, „Friseursalon Molter“, Astrid Molter und Inga Neufang’s Salon „hair & styling“die Verantwortung.

Friseursalons in Dirmingen haben Tradition. Der Friseursalon von Astrid Molter wird inzwischen in der dritten Generation geführt. Bereits am 02.Februar 1931 eröffnete Rudolf Molter seinen Friseursalon. Währenddessen schnitt der pensionierte Bergmann Johann Engel, im Gasthaus “Schuhannesse”, die Haare seine Kunden.Wenn es den Dirmingern an einem nicht mangelt, dann sind dies unsere Friseursalons. Auch darauf kann man stolz sein. In Dirmingen bekommt man immer noch „sauber die Haare geschnitten“.

Die Zeiten haben sich nun mal geändert. Heute kann man sich kaum noch vorstellen, dass in einem gepflegten Friseursalon auch zünftig gezecht wird. Stimmt das? Ist das wirklich so unvorstellbar? In einem Pressebericht habe ich gelesen, dass in einem Dorf im nördlichen Saarland, alle 14 Tage ein Friseur- Team in die örtliche Gaststätte kommt, um dort ihren Service anzubieten. Geht doch: „Back to the Roots“.

Ich denke die nächsten Jahre werden uns alle wieder dazu bringen über alte Vorgehensweisen nachzudenken. Wenn wir eine funktionierende Dorfgemeinschaft möchten, müssen wir alle etwas zusammenrücken. Warum nicht fehlende Dienstleistungen mit vorhandenen verknüpfen? Hier dient das alteingesessene Geschäft „Zigarette Walter“ als gutes Beispiel. Vom Tabakgeschäft über Schreibwaren zur Dorf-eigenen Poststation. Gut das wir das Geschäft „Schreiben und Schenken“ der Familie Gordner haben.

Damit wir uns nicht falsch verstehen, ich erwarte keineswegs, dass ich zukünftig bei meinem Friseur ein gezapftes Bier bekomme. Vielmehr dient unsere Geschichte als gutes Beispiel. Ich weiß sehr wohl den vorhandenen Service zu schätzen und bin schon sehr dankbar für die herrliche Auswahl an Heißgetränken beim Friseur. Zu Essen gibt es ohnehin genug in Dirmingen. Ob Kebab, Saarländisch, Italienisch oder Chinesisch. Es geht mir insbesondere darum, neue Chancen auszuloten und wenn möglich wahrzunehmen. Wir müssen uns öffnen und versuchen neue Wege zu gehen. Dies gilt nicht allein für die Politik, sondern auch für jeden einzelnen Dorfbewohner oder Geschäftsinhaber.

Wir alle brauchen uns gegenseitig! Also Leute, lasst euch die Haare in Dirmingen schneiden und trinkt eurer Bier in einer Dirminger Wirtschaft. Kauft eure Zeitung beim „Zigarette Walter”, eure Blumen bei „Bettinas Floristik“, eure Brötchen beim Dorfbäcker und euer Benzin bei unserer Tankstation in Dirmingen. In Dirmingen gibt es längst nicht mehr alles, aber immerhin noch vieles zu kaufen. Wir müssen nur davon Gebrauch machen. Wenn wir unser vorhandenes Gewerbe nutzen, kommt dies uns allen zugute. Immerhin gibt es noch gut funktionierende Geschäfte. Der Rückgang des Dorfgewerbes ist keineswegs ein reines Dirminger Problem. 

Natürlich fehlt uns in Dirmingen ein Lebensmittelgeschäft. Zur Lösung dieses Problems brauchen wir Mut, Innovation und Risikobereitschaft. Kurzfristig genügt jedoch schon mal das Nutzen der vorhandenen Möglichkeiten. Entschuldigen möchte ich mich vorab bei denjenigen Gewerbetreibenden, die an dieser Stelle nicht genannt wurden .Es geht mir auch nicht darum Werbung zu betreiben. Natürlich bin ich dankbar für jede Firma, die in unserem Dorf sitzt. Egal ob z.B Elektro Wagner, „Esatec“, „SYKO GmbH“, Dachdecker Brill, “Dachbau KSH” Hinsberger, Firma Hell oder die Firmen in unseren Industriegebieten. Wir brauchen Sie alle und sollten sie alle nutzen! Unser Dorf lebt und hat Potential ! Warum nicht alte leerstehende Geschäftsräume auch mal anderwärtig nutzen ?

Übrigens: Wenn Sie erkranken werden sie in Dirmingen bestens versorgt. Zwei Arztpraxen, Zahnärzte, Psychiater, Hautarzt, Heilpraktiker und eine Apotheke sind vorhanden und sorgen für ihre Genesung. Das „Zähne-ziehen“ im Wirtshaus ist also nicht mehr nötig!

„Un wenn ma Doorschd han…geh’n ma bei de Babu!

Achso: Wenn da newebei noch de Führerschein mache wolle,..wisse da jo besched..orra ?

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