Dirmingen verfügt auf seiner Gemarkung über sehr viel Land und Waldfläche. Bereits im Jahre 1929 wurde das bis dahin verwildertes Finkenrech kultiviert und vom Kreis Ottweiler als Viehweide genutzt. Von 1929 bis zum Jahre 1971 standen im Sommer mehr als 1800 Rinder aus den Bauernhöfen der umliegenden Dörfer auf dieser Viehweide. Die Bauern mussten damals lediglich ein kleines Entgelt für die Nutzung bezahlen. Mit der Durchführung von Flurbereinigungen und der Entstehung von Aussiedlerhöfen legten die Bauern eigene Weiden in Hof nähe an. Im Jahre 1971 wuchs im Kreis Ottweiler die Überlegung, das stillgelegte Weideareal den Gartenfreunden zur Verfügung zu stellen. Am 27.März 1972 erfolgte die Gründung der „Arbeitsgemeinschaft Kreisschulungs- und Freizeitzentrum Finkenrech“. Das Ziel dieser neuen Arbeitsgemeinschaft war die Anpflanzung von sogenannten Versuchs -und Musterpflanzen. Bereits im Herbst des Jahres 1972 konnte mit den Anpflanzungen begonnen werden. Schon am 15.Oktober 1975 wurde ein neues Gasthaus mit Schulungsraum eingeweiht.

Genau dieses Gebäude bereitet uns heute im Jahre 2019 so manche Sorge. Wie geht es weiter mit dem Landhotel „Orangerie“ Finkenrech? Nach fünf erfolgreichen Jahren haben sich die Verantwortlichen des Landkreises Neunkirchen und die beiden Pächter darauf verständigt, den zum Jahresende auslaufenden Pachtvertrag nicht zu verlängern. Fünf Jahren haben Guido Rimkus und Silvia Gessner das Landhotel Finkenrech und das dazugehörige Restaurant „Orangerie“ im Freizeitzentrum Finkenrech Dirmingen betrieben. Am 30.09.19 endet nun die gemeinsame Zusammenarbeit und das Landhotel Finkenrech schließt vorerst seine Pforten. Ein neuer Pächter soll gesucht und gefunden werden. Ein Unterfangen, dass in unserer Zeit alles andere als einfach sein dürfte. Der Landkreis teilt mit, dass derzeit Gespräche mit potenziellen Nachfolgern geführt werden. Eine Entscheidung wird aller voraussichtlich im Laufe des Oktobers erwartet. Schade, Silvia Gessner und Guido Rimkus waren nicht nur eine echte Bereicherung für Finkenrech sondern auch für unsere Dorfgemeinschaft.

Während die Suche nach einem geeigneten Nachfolger bereits auf Hochtouren läuft, macht man sich in unserem Dorf darüber Gedanken ob es gelingt, den zahlreichen Gästen auch zukünftig ein attraktives Speise- und Getränkeangebot zu unterbreiten. Immerhin wurde in den letzten Jahren so einiges in das Landhotel Finkenrech investiert. Allerdings machte sich der Kreistag seine damalige Entscheidung im Jahre 2012 für den Standort Finkenrech nicht so einfach. Den Beschluss zur Renovierung des Landhotels hatte der Kreistag mit Stimmen der SPD, Linken und Unabhängigen mehrheitlich gefasst. Nach dem Beschluss suchte der Landkreis mehrere Monate einen geeigneten Pächter. Diese wurden schließlich mit Silvia Gessner und Guido Rimkus gefunden. Bevor das Parkhotel damals neu eröffnet wurde, mussten die elf Hotelzimmer und der Biergarten erneuert werden. Der Kreistag erhöhte zudem den ursprünglichen Kostenrahmen, um zusätzlich eine wesentlich teurere regenerative Heizungsanlage einzubauen. Der Weg zu diesem Beschluss war jedoch alles andere als einfach. Die CDU und FDP im Kreistag wollten einer »Luxussanierung« des Hotels nicht zustimmen. Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich mich damals sehr geärgert hatte und ich mir tatsächlich mehr Unterstützung der CDU-Kreistagsmitglieder aus dem Illtal gewünscht hätte. Am Ende hat es auch so gereicht und heute wissen alle, dass damals die richtigen Entscheidungen getroffen wurden. Der sanfte Tourismus auf Finkenrech konnte erfolgreich vorangetrieben werden.

Im Jahre 1981 wurde Finkenrech zum „1. Saarländischen Naturschutzzentrum“ erklärt. In diesem Jahr wurden wichtige Entscheidungen für den sanften Tourismus in unserem Landkreis getroffen. Damals wurde ein Zeltplatz angelegt und ein Waschraum und Toilettenanlage errichtet. Außerdem entstanden ein Bienenhaus, ein Kleintierstall und einige Gartenhäuser. Natürlich wurden auch Parkplätze eingerichtet und die Zu- und Ausfahrt zum Finkenrech ausgebaut. Zunächst pflegten ehrenamtliche Gartenfreunde die rund 5 ha große Anlage. In den ersten Beeten entstanden ca. 350 Irisarten, 350 Lilienarten und ca. 6000 Rosensorten. Außerdem wurden Staudenbeete und Gehölzsammlungen angelegt. Schließlich wurde ein Heide- und Steingarten angebaut.

Der Landkreis begann sehr früh damit Infoveranstaltungen, Vorträge, Lehrgänge und Seminare anzubieten. Jahrelang fanden gut organisierte Zeltlager auf Finkenrech statt. Zahlreiche Jugendliche verbrachten damals den Großteil ihrer Sommerferien auf dem Zeltplatz Finkenrech. Ich erinnere mich noch heut sehr gut an diese wunderbaren Zeltlager die ich als Kind erleben durfte. Man hatte das Gefühl, dass die gesamte Dorfjugend in diesen Wochen auf dem Finkenrech campte. Im Jahre 1984 wurde das Naturschutzzentrum Finkenrech Landessieger im Landeswettbewerb „Vorbildliche Campingplätze in der Landschaft“. Auch auf Bundesebene wurde der Zeltplatz mit einer Goldplakette ausgezeichnet.

Finkenrech gehört nicht nur aufgrund seiner Lage zur Gemarkung Dirmingen. In den letzten Jahren ist die Verbundenheit der Dirminger zu dem Naherholungsgebiet Finkenrech deutlich gewachsen. Mittlerweile ist man hier sehr Stolz auf “seinen Finkenrech”. Auch für unsere Gemeinde Eppelborn ist Finkenrech längst zu einem Aushängeschild geworden. Ich habe es immer genossen im Sommer mit dem Roller über die Feldwege bis hin zum Finkenrech zu „Driven“ um dann dort genüsslich mein, natürlich alkoholfreies Weizenbier, zu verköstigen. Gerne habe ich den Menschen zugehört, wenn sie die Vorzüge und die wunderschöne Lage des Naturschutzgebietes gelobt haben. Ich erinnere mich an viele schöne Abende in den Kreisen guter Freunde und an das hervorragende Essen. Soll dies alles nun ein Ende finden? Irgendwie wird es schon weitergehen. Genau darin liegt jedoch der Teufel im Detail. Es darf nicht nur einfach so weitergehen, sondern wir alle müssen es besser machen. Wir alle sind in der Verantwortung. Der Landkreis genauso wie wir Gäste und Touristen. Leider gab es auch einige Tage an denen der Besuch der Kunden zu wünschen übrig ließ. Wenn man einen solchen Schatz wie Finkenrech hat, muss man ihn auch zu nutzen wissen. Dies gilt für die saisonalen Veranstaltungen wie „Frühling- oder Herbst auf Finkenrech“ genauso wie für den gemeinen Wochentag.

Schade, dass wir nun wunderbare Pächter verloren haben. Ich persönlich war mit dem Service und dem vorhandenen Angebot immer hochzufrieden.

Es bleibt die Hoffnung, dass es nicht nur einfach so weitergeht sondern ständig versucht wird es noch besser zu machen. In der Hoffnung, dass wir schon sehr bald von einem neuen Pächter für das Landhotel hören wünsche ich den nun scheidenden Pächtern alles Gute und viel Glück.