„Dies ist nicht die richtige Zeit für Fragen, und auch nicht die richtige Zeit für Tränen. Dies ist nicht die Zeit zu schlafen, jetzt wo wir gerade kämpfen, und dies ist nicht die Zeit zu sterben.“

“Time to Wonder”- Fury in the Slaughterhouse – (Inoffizielle Meisterhymne)

Die Zeit vergeht. Ich hatte es schon überhaupt nicht mehr auf dem Schirm. Ist das wirklich schon 20 Jahre her? Im Jahre 1999 wurde der SV Dirmingen Meister der Kreisliga Ill/Theel und stieg am Ende der Saison in die Bezirksliga Nord auf. Nach sage und schreibe 35 Jahre gelang es dem Verein damals endlich wieder einen Titelgewinn zu feiern. Ich durfte damals Teil dieser großartigen Mannschaft sein, wobei ich als Ergänzungsspieler nicht zur Stammelf gehörte und am Ende der Saison lediglich auf mehrere Einsätze zurückblicken durfte. Dennoch war es eine großartige Zeit mit vielen schönen und emotionalen Momenten. Ich erinnere mich daran, dass wir in den beiden Jahren vor diesem Titelgewinn die Meisterschaft mit unserer zweiten Mannschaft feiern durften. Auch diese Erfolge bleiben mir bis heute in bester Erinnerung. Im Sommer dieses Jahres hatte Mannschaftskamerad Guido Spaniol und SVD Urgestein Thomas Kröner die Idee zu einem Jubiläumstreffen im SVD-Sportheim. Unterstützt wurden Sie bei ihrem Vorhaben von Thomas Bost und unserem SVD Vorsitzenden Björn Krabbe. Die meisten Mannschaftskameraden nahmen die Einladung zu diesem Treffen dankbar an und erlebten einen schönen Abend.

Schon kurz nach der Ankunft im Sportheim war es eigentlich wie immer. Klar, wir sind älter geworden und bestimmt auch ein paar Gramm schwerer wie früher. Nicht mehr viel übrig von der Leichtigkeit des Seins und dem Spaß nach der Jagd auf das runde Leder. Dennoch war es irgendwie wie immer, es war wie früher. Man kennt und schätzt sich und auch wenn man sich im Laufe der Jahre aus den Augen verloren hat, weiß man genau wie der andere tickt. Schon nach wenigen Sekunden wurde in Erinnerungen geschwelgt und Geschichten ausgetauscht. Viele dieser Geschichten kamen erst beim Erzählen wieder in Erinnerung. Eine Meisterschaft feiert man, wenn man nicht gerade zum FC Bayern München gehört, nicht allzu oft in seinem Leben. Für viele Fußballer ist die Anzahl einer errungenen Meisterschaft überschaubar. Zum Titelgewinn gehört auch ein einwandfreies Umfeld. Aus diesem Grunde wurden zur Jubiläumsfeier am 16. November auch Fans, Gönner und Freunde eingeladen. Manche Weggefährten sind bereits verstorben und hinterließen eine große Lücke in unserem Leben.

Mannschaftskamerad Thomas Bost hielt, auch in Funktion seiner Tätigkeit als Vorsitzender des Förderkreises, eine charmante, witzige und emotionale Rede. Gebannt lauschten wir seinen Worten und gerieten beim Zuhören einmal ins schmunzeln und dann wieder ins Grübeln. Viel zu schnell verging die Zeit. Viele Freunde und Weggefährten waren gekommen – Viele, aber nicht alle! Schade, manch einer hatte keine Lust auf ein Wiedersehen und wiederum andere hatten bereits andere Termine zugesagt. Diejenigen die gekommen waren erlebten eine echte Zeitreise mit vielen guten Gesprächen und alten Liedern. Schön war’s!

20.Jahre danach! Was ist geblieben von dieser Meisterschaft? Zugegebenermaßen feierte der SV Dirmingen auch danach noch so einige Meisterschaften und wird bestimmt auch in Zukunft wieder erfolgreich sein. Was bleibt also von genau diesem „einen“ Titelgewinn? Ich glaube am Ende wird jeder seine ureigene Erinnerung im Herzen tragen. Letztlich war es der Sieg über sich selbst und über die großen Enttäuschungen der vorausgegangenen Jahre ohne Titelgewinn. Wir wollten genau diese Meisterschaft und endlich den Aufstieg in die Bezirksliga feiern. Der Vereine hatte sich nach diesem Erfolg gesehnt und alles dafür gegeben. Aus dem Schwung dieses Aufstieges sollte ein neues Stadion mit einem Naturrasenplatz entstehen. Die Zukunft war genau geplant und der Druck auf unser Team war enorm groß. Zudem gab es mit dem SV Welschbach und der TSV Sotzweiler/Bergweiler eine starke Konkurrenz. 

Am Ende hat es gereicht, wobei dieser Erfolg viele Väter hatte. Zum einen profitierten wir von großartigen Einzelspielern und von einem hervorragenden Trainer Thomas Recktenwald. Zum anderen bildete der Verein eine beeindruckende Einheit. Zusammenhalt, Ehrgeiz und Willensstärke waren am Ende Wegbereiter für diese Meisterschaft. Ich erinnere mich, dass wir nach jedem Spiel und sogar nach jedem Training im SVD Sportheim die Nacht zum Tag machten. Es wurde gefeiert, getanzt, gesungen und gelacht bis zum Morgengrauen. Heute hingegen haben viele Vereine schon ein Problem damit ihre Spieler überhaupt noch zu motivieren das eigene Sportheim zu besuchen. Heute gehört es zum Alltag, dass Spieler nach dem Wettkampf ins Auto steigen und heimfahren. Früher hätte es dafür eines auf die Nase gegeben. Ich vertrete die Meinung, dass heute vielerorts die Verbundenheit zum eigenen Verein fehlt. Viele Spieler erledigen ihren Job und lassen jede Identifikation vermissen. Schade!

20.Jahre danach! Was ist geblieben von dieser Meisterschaft? Ich glaube wir „Alten“ haben heute auch eine Verantwortung. Wir sollten erzählen und versuchen den jungen Spielern wieder sportliche Tugenden zu vermitteln. Ist diese Einstellung spießig oder altbacken? Ich glaube nicht! Ein gutes Spiel allein, genügt lange nicht. Der Egoismus hat sich längst auch in unserem Sport breit gemacht. Lasst uns von früher erzählen und helfen es besser zu machen. Natürlich war früher bei weitem nicht alles gut! Vereine, Spieler und Funktionäre machen heute vieles besser als damals. Was jedoch oftmals auf der Strecke bleibt ist die erwähnte Identifikation mit dem Verein. Während unseres Jubiläumstreffens brachte es ein Mitspieler auf den Punkt, als er sagte:“……Wir sehen uns nur ganz selten und viele von euch habe ich jahrelang nicht getroffen. Als ich jedoch heute Abend hierher kam war es irgendwie wie früher, wie in einer großen Familie“. Genau das ist der Unterschied! Emotionen und Identifikation gehören zum Fußball!

20. Jahre danach! Was ist geblieben von dieser Meisterschaft? Ich denke eine schöne Erinnerung und der Stolz Teil eines großen wunderbaren Ganzen zu sein. Dabei pflegt jeder seine persönlichen Erinnerungen. Vieles davon bleibt ein Geheimnis der Mannschaft und wird nicht verraten. Anderes hingegen darf man gerne wieder aufwärmen und erzählen. Am Ende war es wie immer: „de Trainer“ sang das Musikantenlied und die Mannschaft fungierte als Chor! Wunderbar! Auch ich verbinde wunderbare Erinnerungen mit dieser Meisterschaft. Meister mit dem Heimatverein zu werden ist etwas ganz besonderes. Wir Ergänzungsspieler waren vollends integriert und akzeptiert. Trainer Thomas Recktenwald legte enorm viel Wert auf ein gutes Miteinander und einen gesunden Konkurrenzkampf. Thomas Recktenwald verstand es auf eine wunderbare Art und Weise jemandem das Gefühl zu geben, dazuzugehören. Unser Spielerkader war mit herausragenden Persönlichkeiten besetzt. Dennoch bekamen auch die Ergänzungsspieler ihre Einsatzzeiten, wobei es bei mir persönlich sogar zu einem Torerfolg ausreichte ( 4 – 0 Auswärtssieg beim SV Göttelborn).

20. Jahre danach! Was ist geblieben von dieser Meisterschaft? Heute können wir zufrieden und Stolz auf diese wunderbare Zeit zurückblicken. Jeder einzelne hat seinen Weg gefunden und steht mit beiden Beinen im Leben. Wir haben uns aus den Augen verloren, aber niemals aus dem Sinn. Als wir gemeinsam am Buffet ausgelassen in Erinnerung schwelgten erklang wieder das alte Lied, dass seinerzeit zu unserem inoffiziellen Hymen wurde und nach jedem Spiel lauthals im SVD Sportheim gegrölt wurde. Bei den Klängen von „Time to Wonder“ von „Fury in the Slaughterhouse“ tranken wir auf gute Freunde, alte Zeiten und auf die Meisterschaft unseres Lebens.

„Dies ist nicht die richtige Zeit für Fragen, und auch nicht die richtige Zeit für Tränen.Dies ist nicht die Zeit zu schlafen, jetzt wo wir gerade kämpfen, und dies ist nicht die Zeit zu sterben. Dies ist nicht die richtige Zeit für Fragen, im Moment bleibt uns nur die Angst. Mach Dir keine Gedanken um den Sinn. Mach dir keine Gedanken um die Welt. Es geht nur darum, die Dinge klar zu sehen. Dafür ist es jetzt an der Zeit.“

Time to Wonder“ Fury in the Slaughterhouse aus dem Jahre 1988 (Inofizielle Meisterhymne)

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