Meisterliche Aufstiegsfeier auf dem Belker – SVD-Frauen zurück in der Regionalliga

Ironie des Schicksals. Seit meinem Amtsantritt zum Ortsvorsteher meines Heimatortes Dirmingen durfte ich bisher leider noch keinen offiziellen Vereinstermin wahrnehmen. Die Pandemie hat uns alle weiterhin fest im Griff und unsere Vereine leiden sehr unter den Auswirkungen des Virus.

Am Samstag, 22. August war es endlich soweit und ich wurde zu meinem ersten offiziellen Vereinstermin eingeladen. Dabei feierte der SV Dirmingen völlig zurecht die Meisterschaft seiner ersten Frauenmannschaft. So spielt also das Leben: Mein erster offizieller Vereinstermin findet ausgerechnet an meiner ersten Wirkungsstätte auf den Belker statt. Dort beim SVD hat alles angefangen: Erster Verein, erstes Ehrenamt! Es war wie immer, es war wie heimkommen.

Nun sollte es aber an dieser Stelle nicht um mich gehen, sondern um die erste Frauenmannschaft. Die Frauenabteilung des SVD konnte seit ihrer Gründung 1971 schon so einige Erfolge verbuchen. Der diesjährige Aufstieg gehört zweifellos zu den größten Erfolgen. Schon 1975 schaffte die damalige Mannschaft den Aufstieg aus der Kreisklasse in die damalige höchst mögliche Spielklasse, die Landesklasse. Frauenfußball war damals alles andere als angesagt. Dennoch schafften es die Frauen in den folgenden Jahren immer wieder den Standard zu halten. Im Jahre 1996 glückte dem Team als Zweitplatzierter der Aufstieg in die Oberliga Südwest. Diese Spielklasse wurde 2002 durch Strukturänderungen innerhalb des DFB zur Regionalliga Südwest umbenannt. In der Saison 2006/07 wurde der SVD Meister der Regionalliga und schaffte den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Gleich im ersten Jahr der 2. Bundesliga Süd Zugehörigkeit erreichte die Mannschaft einen akzeptablen 8. Tabellenplatz und konnte die Klasse halten.Im folgenden Jahr 2008/2009 musste des SV Dirmingen die Segel streichen und stieg als Tabellenletzter, mit nur 5 Punkten, wieder in die Regionalliga Südwest ab. Ich kann mich an diese Zeit sehr gut erinnern. Die SVD Frauen betrieben schon damals, genauso wie die HF Illtal mit dem TV 04 Dirmingen, Werbung für unseren Heimatort. Im Jahr 2010/2011 musste der SVD den Abgang von zahlreichen Leistungsträgerinnen verkraften. Leider verfügte der Verein kaum noch über einen tauglichen Spielerkader. Schweren Herzens entschloss man sich, freiwillig eine Klasse abzusteigen und in der Verbandsliga Saar weiterzuspielen. Aus heutiger Sicht war auch das eine kluge Entscheidung. Die Frauenabteilung konnte sich wiederaufrichten und eine schlagfertige Mannschaft aufbauen.

Die SVD-Frauen gewannen insgesamt 6-mal den Saarlandpokal und standen allein 9-mal im Endspiel. Die Erfolgsgeschichte der SVD-Frauen ist beeindruckend. Gerne erinnere ich mich noch an die legendären DFB-Pokalspiele auf dem Belker. Im Jahr 2005 verlor man noch in der ersten Hauptrunde mit 0:4 gegen die starke Mannschaft des SC Köln. Ein Jahr später im Jahre 2006 konnten unsere Frauen, in der 1. Hauptrunde, die Zweitligamannschaft vom FC Erzgebirge Aue mit 1:0 schlagen. Der damalige Einzug in die zweite Pokalrunde war zeitgleich der bis dato größte sportliche Erfolg in der Vereinsgeschichte. Leider unterlag unser Team in dieser zweiten Runde dem 2.Ligisten SC Sand in der Verlängerung. Auch in der DFB-Pokal-Runde 2007/2008 unterlag man erst in der 2. Hauptrunde dem Erstligisten FC Bayern München mit 6:0 Toren. Trotz der Niederlage war dieses Spiel ein unvergessliches Erlebnis für den Verein und seine Frauenabteilung.

Nun also wieder Meister und Aufsteiger in die Regionalliga. Dieser Erfolg basiert auf einer guten engagierten Arbeit und einem intakten Team. Mit guter Kameradschaft und kollektiven Zusammenhalt war diese Meisterschaft eine logische Schlussfolgerung. Dabei ist sich das junge Team auch nicht zu schade anzupacken und Kante zu zeigen. An der „Mitmach-Aktion“ im Dirminger Brühlpark beteiligte sich die komplette Meistermannschaft samt Trainerstab. Ich war mächtig Stolz auf die Mannschaft und und zutiefst beeindruckt.

Zur offiziellen Meisterschaftsfeier kamen zahlreiche Ehrengäste, darunter Bürgermeister Dr. Andreas Feld und etliche Vereinsvertreter. Der Saarländische Fußballverband ehrte die Meistermannschaft mit einer Urkunde und dem Meisterschaftsteller. Der Vereinsvorsitzende Bjorn Krabbe und der Meistertrainer Christian Walther überreichten persönliche Geschenke. Kurz bevor ich mich auf den Nachhauseweg machen wollte, wartete noch eine kleine Überraschung auf mich. Eine Spielerin überreichte mir ein Meister-Shirt und machte mir damit eine echte Freude. Ich werde das Teil mit Ehre tragen und danke ganz herzlich für diese tolle Geste.

Stolz bin ich auch auf den SV Dirmingen. Der Verein hat immer an seine Frauenmannschaft geglaubt. Selbst in schlechten Zeiten stand der Vorstand immer hinter seiner Frauenabteilung. Im nächsten Jahr 2021 feiert die SVD-Frauenabteilung ihr 50-Jubiläum. Zeit zurückzublicken und dankbar zu sein. Viele engagierte Menschen haben den Werdegang der Frauenabteilung begleitet und bereichert. Der SV Dirmingen und sein Frauenfußball gehören zusammen. Auf dem Belker setzt man völlig zurecht auf seine Frauenabteilung. Der SVD hat schon sehr früh, trotz massiven Gegenwindes, auf den eigenen Frauenfußball gesetzt.

Der im Jahre 1949 neugegründeten Deutsche Fußball-Bund verurteilte trotz der Gleichberechtigung den Frauenfußball als “unweiblich” und nicht “fraugemäß”. Im Jahre 1955 verbietet der DFB sogar den damaligen Damenfußball. Der DFB argumentierte: “Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand.” Am 30. Oktober 1970 hob der DFB sein Verbot auf und erlaubte die Gründung von Frauenmannschaften. Der DFB erließ jedoch eine Reihe von Regeln, die nur für den Frauenfußball galten: Frauen durften lediglich bei guter Witterung und nicht während der Wintermonate spielen. Die Frauen mussten Jugendfußbälle benutzen und eine Begrenzung der Spielzeit akzeptieren. Die Einführung eines speziellen Brustschutzes wurde gottlob nicht vorangetrieben. Das alles hinderte den SVD nicht daran eine Frauenmannschaft zu gründen. Dafür gilt es Danke zu sagen!

Ich gratuliere den SVD- Frauen, dem Trainerstab, dem Anhang und dem Verein ganz herzlich zur errungenen Meisterschaft und dem damit verbundenen Aufstieg in die Regionalliga. Sollten es nun auf eurem Streifzug durch den Südwesten dieses Landes einmal nicht so gut laufen, erinnert euch immer an unsere Vereinshymne und vergesst niemals, dass….

…ihr vom Belker seid ……

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