“Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit, den Ihr um Euer Herz gelegt!”- Sophie Scholl ist ein Vorbild für Freiheit, Menschlichkeit und Gerechtigkeit 

Am 18. Februar 1943 wurden führende Mitglieder der Münchner Widerstandsgruppe “Weiße Rose” nach einer Flugblattaktion an der Münchner Universität verhaftet und nur vier Tage später durch das Fallbeil hingerichtet. Hans und Sophie Scholl bildeten den Kern der “Weiße Rose”. Sophie Scholl ist als eine Ikone des Widerstands gegen den Nationalsozialismus in die Geschichtsbücher gegangen. Bei all ihrem Wirken wurde Sie durch einen tiefen christlichen Glauben getragen. Bis heute gelten Sie und ihr Bruder Hans Scholl als wichtigste Persönlichkeiten im Widerstand gegen das NS-Regime. Sophie Scholl ist heute Heldin, Vorbild und Freiheitskämpferin. Mit ihrer Person vereinbart man Menschlichkeit und Zivilcourage. Für viele Menschen erfüllt Sophie Scholl eine Vorbildfunktion. Ich möchte mich da beim besten Willen nicht ausschließen. Für mich ist Sophie Scholl ein echtes Vorbild.

Seit einigen Jahren beschäftige ich mich mit der Geschichte von Sophie Scholl und frage mich bis heute:  Wer war Sophie Scholl und woher nahm Sie ihre Kraft.

Die Biologie-Studentin Sophie Scholl wurde am 9. Mai 1921 geboren. Die Eltern von Hans und Sophie legten großen Wert auf selbständiges Denken und menschliche Werte. Der Vater hatte im Ersten Weltkrieg den Dienst mit der Waffe verweigert und war als Sanitäter an die Front gezogen. Während des Nationalsozialismus ließ er sich den Kontakt zu jüdischen Freunden nicht verbieten.

Hans und Sophie Scholl waren zunächst vom Nationalsozialismus begeistert. Während Hans in der Hitlerjugend Karriere machte, trat Sophie dem “Bund deutscher Mädel” bei und stieg schon bald zur Führungspersönlichkeit auf. Im Jahre 1942 war der Glaube an Hitler und sein Regime erloschen. Die Geschwister merkten, dass ihr eigener christlicher Glaube und ihre moralischen Überzeugungen nicht mit den Zielen der Nationalsozialisten übereinstimmten. Hans Scholl fasste den Entschluss etwas gegen das verbrecherische Nazi-Regime zu unternehmen. Angesichts des Schicksals der verfolgten und deportierten Juden wollten die Geschwister ein Zeichen setzen. Die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ formierte sich und plante erste Aktionen. Die “Weiße Rose” bestand im wesentlichen aus Studenten. Auch der Saarbrücker Willi Graf war Mitglied in dieser Widerstandsgruppe. Willi Graf wohnte in St. Johann und ging in Saarbrücken zur Schule.

Ich habe es an dieser Stelle schon mehrmals betont: Für mich sich die Geschwister Scholl wahre Helden die im Grunde mehr Heimatliebe in sich getragen haben, als es alle Nazischergen zusammen. Gerade in der heutigen Zeit erinnern uns die Mitglieder der „Weißen Rose“ daran, dass es wichtig ist Zeichen zu setzen und sich gegeben falls auch zu widersetzen. In einer Zeit, in der politischer Widerstand mit dem Tod bestraft wurde, kämpfte die „Weiße Rose“ gegen ein Regime das grausamer nicht hätte sein können. Schon allein ihr bedingungsloser Mut machte die Geschwister Scholl zur Legende.

Im Januar 1943 hilft Sophie Scholl bei der Herstellung und Verteilung des fünften Flugblatts der „Weiße Rose“. In ihren Flugblättern rief die “Weise Rose” die Bevölkerung massiv zum Widerstand auf. Das unnötige Blutvergießen in Stalingrad oder in den Konzentrationslagern sollte ein Ende nehmen. Nach ihrer Verhaftung mussten sich die Mitglieder der Widerstandsbewegung einem tagelangen Verhör unterziehen. Dabei wurde schnell deutlich, dass die Beweislast gegen Sophie Scholl und ihren Bruder erdrückend war. Völlig uneigennützig versucht sich Sophie Scholl als Hauptakteurin der Weißen Rose darzustellen, um die Freunde zu schützen.

Quelle der Bilder: Gemeinfrei, Evangelisch. Wikipedia

Wenn man den historischen Berichten glauben darf, war Sophie Scholl eine beeindruckende Persönlichkeit, die mit Mut in den Tod ging. Trotz mehrerer Angebote der Nazis stand Sophie zu ihrer lebensbedrohlichen Überzeugung. Selbst als sie wusste, dass sie mit dem Tode rechnen musste, stand Sophie zu ihrem Handeln. Zum Ende ihrer persönlichen Stellungnahme sagte Sophie: “Wenn die Frage an mich gerichtet wird, ob ich auch jetzt noch der Meinung sei, richtig gehandelt zu haben, so muss ich hierauf mit ‘ja’ antworten, und zwar aus den eingangs angegebenen Gründen.”

Es ist noch nicht vorbei! Überall auf der Welt, nicht nur in Deutschland, sind Rechtspopulisten auf dem Vormarsch. Der Rechtsruck ist deutlich spürbar und kaum noch von der Hand zu weisen. Menschen wie Sophie Scholl, Hans Scholl, Hans Schmorell, Kurt Huber, Christoph Probst und dem im Saarland geboren Willi Graf fehlen heute und werden dringend gebraucht. Sophie Scholl war die einzige Frau im Kreis der „Weißen Rose“. Welche Gemeinde oder Landkreis hat heute keine Schule, die den Namen Sophie Scholl trägt? Wie gerne hätte ich einmal ein Glas Wein oder ein Bier mit den Widerständlern getrunken. Einfach mal reden und zuhören. Ich glaube Sophie Scholl hätte auch heute eine starke Stimme und kein Problem damit diese zu erheben.

«Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit, den Ihr um Euer Herz gelegt!» «Ich kann es nicht begreifen, dass nun dauernd Menschen in Lebensgefahr gebracht werden von anderen Menschen. Ich kann es nie begreifen und ich finde es entsetzlich. Sag nicht, es ist für’s Vaterland.»

Sophie Scholl

Hätte ich diesen Mut gehabt? Ist es nicht viel leichter die Augen zu schließen und mit dem Strom zu schwimmen? Was geht in einem 21-jährigen Mädchen vor, dass den Tod vor Augen hat und dennoch stur den Kurs hält? Während ihrer Gerichtsverhandlung schrieb Sophie Scholl auf die Rückseite des Protokolls: “Freiheit”

Sophie Scholl ist bis heute eine der bedeutsamsten Persönlichkeiten unseres Landes. Am Ende hat Sie sich bewusst für den Widerstand und ihren Tod entschieden. Als ihr im dreitägigen Verhör Milde angeboten wurde, wenn sie sich als Mitläuferin der “Weißen Rose” ausgeben würde, lehnte sie ab. Praktisch war dies ihr Todesurteil. Sophie Scholl entschied sich für das Fallbeil.

Ich bin nach wie vor der Meinung, das Beste getan zu haben, was ich gerade jetzt für mein Volk tun konnte. Ich bereue deshalb meine Handlungsweise nicht und will die Folgen, die mir aus meiner Handlungsweise erwachsen, auf mich nehmen.

Sophie Scholl

Ich frage mich was die Mitglieder der „Weißen Rose“ heute sagen und denken würden. Wären sie enttäuscht von uns? Würden sie sich kopfschüttelnd abwenden und uns fragen, warum wir uns den ganzen “rechten Müll” schon wieder antun? Hans Scholl sagte einmal: „Vergesst nicht, dass ein jedes Volk diejenige Regierung verdient, die es erträgt“.

Als am 22. Februar 1943 der Scharfrichter Johann Reichhart die drei junge Studenten Hans (24) und Sophie Scholl (21) und ihr Freund Christoph Probst (23) hinrichtete, starben diese für die Freiheit und ihre christlichen Werte. Sie starben aber auch in Liebe zu ihrem Heimatland. Ich glaube fest daran, dass die Geschwister Scholl das große Ganze im Blick hatten und am Ende nur das Beste für ihre Heimat wollten.

Ganz oft sehe ich mir eines ihrer Bilder an und frage mich: Wer war dieses junge Mädchen? Wer war Sophie Scholl? Übermittelt ist ihre Liebe zur Musik und zur Kunst. Sophie tanzte gerne und spielt Klavier außerdem war sie ist eine talentierte Zeichnerin. Zeitzeugen beschrieben Sophie Scholl als verletzbar und verletzend, zartfühlend und willkürlich, gläubig und zweifelnd.

Viele Zitate der Geschwister Scholl wurden uns als Vermächtnis hinterlassen. Manche dieser Sätze sind mahnend und beschwörend, während andere wiederum voller Hoffnung und Stärke sind.

“Man muss etwas machen, um selbst keine Schuld zu haben. Dazu brauchen wir einen harten Geist und ein weiches Herz. Wir haben alle unsere Maßstäbe in uns selbst, nur suchen wir sie zu wenig“.

Sophie Scholl

Was können wir also von Sophie, Hans und den Anderen lernen. Ich für meinen Teil bewundere ihre Beharrlichkeit, ihren Mut, ihre Zivilcourage, die Freiheitsliebe, ihre Nächstenliebe und ihre Heimatliebe. Ja, genau auch die Heimatliebe spielte für Sophie Scholl eine Rolle. Im Gegensatz zu den Nazi-Schergen hatte Heimat für sie jedoch eine ganz andere Bedeutung. Ganz deutlich spürbar wird dies in meinem Lieblingszitat von Sophie Scholl:

„Ich drücke mein Gesicht an seine dunkle, warme Rinde und spüre Heimat – und bin so unsäglich dankbar in diesem Augenblick.“

Sophie Scholl

In den letzten Monaten ihres kurzen Lebens war Sophie Scholl eine mutige Kämpferin im Widerstand gegen das totalitäre NS-Regime. In ihrem Leben vor dem Widerstand war sie ein ganz normales Mädchen.

“So ein herrlicher Tag, und ich soll gehen. Aber was liegt an unserem Leben, wenn wir es damit schaffen, Tausende von Menschen aufzurütteln und wachzurütteln”, so lautet der inzwischen vielzitierte letzte Satz von Sophie Scholl. Gesagt hat sie diese Worte am 22. Februar 1943 – am Tag ihrer Hinrichtung. Der Scharfrichter Johann Reichhart soll später einmal gesagt haben, dass er noch nie jemanden gesehen habe, der so tapfer war wie Sophie Scholl aus dem Leben ging. Sophie Scholl hat bis zuletzt niemanden verraten und die anderen Mitglieder der “Weißen Rose” geschützt. Sie starb für ihre Ideale. Bis zum Ende stellte sie sich und ihren Bruder Hans als die Hauptakteure der Widerstandsbewegung in den Vordergrund. Sie stand Auf und für andere Ein !

Hans Scholl’s letzten Worte unter dem Fallbeil waren: „ Es lebe die Freiheit!“

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