Am Beispiel „Dirminger Kappensitzungen“- Investitionen in das immateriellen Kulturerbe Fastnacht sind notwendig !

In ganz Deutschland geben sich die Narren in diesen Tagen der sogenannten „fünften Jahreszeit“ hin. Der Karneval trägt, je nachdem aus welcher Region man kommt, viele Namen: rheinischer Karneval, schwäbisch-alemannische Fastnacht, fränkischer Fasching oder saarländische „Fasend“. Überall wird mit viel Liebe zum Detail Fastnacht gefeiert. Unsere Straßenumzüge, Kostümbälle, Kappensitzungen und närrische Maskierungen sind Ausdruck von Lebensfreude und Ausgelassenheit. Die Fastnacht ist tief in der deutschen Kultur verwurzelt. Unlängst ist die saarländische „Fasend“ sogar zum immateriellen Kulturerbe des Saarlandes aufgestiegen. Fastnacht hat immer viel mit Heimat und eigener Identität zu tun. Das fastnächtliche Brauchtum begeistert die Menschen seit vielen Jahrhunderten. Damit es so bleiben kann, sollte in Zukunft einiges angepasst und verbessert werden. Am Beispiel der Dirminger Kappensitzungen sehen wir, dass sich Investitionen in den saarländischen, karnevalistischen Brauchtum lohnen.

Der Karneval findet seinen Ursprung im Christentum. Für die Katholiken ist am Aschermittwoch tatsächlich Schluss mit Lustig. Die Fastenzeit endet nach 40 Tagen voller Enthaltsamkeit an Ostern. Die Anfänge des närrischen Treibens liegen wahrscheinlich in den christlichen Klöstern. Die Mönche kamen vor der Fastenzeit noch einmal zusammen, um opulent zu speisen. Fleisch und alles Verderbliche musste aufgebraucht werden. Nachweislich wurden vom 12. bis zum Ende des 16. Jahrhunderts in unseren Kirchen Narrenfeste gefeiert. Dabei übernahmen Niedere Kleriker vorübergehend die Privilegien der höheren Geistlichkeit. Im Laufe der Jahre verlagerte sich das Geschehen allmählich aus den Kirchen in die Städte. Martin Luther hatte mit der Fastnacht seine Probleme. Die Reformation stellte die vor österliche Fastenzeit und zugleich die Fastnacht in Frage. In vielen protestantischen Gegenden geriet das karnevalistische Brauchtum in Vergessenheit.

Bundesweit gibt es tausende verschiedene Karnevalsvereine. Dabei trägt jeder Verein oder jede Organisation seine eigenen Farben, Wappen und Traditionen. In Köln wurde im Jahre 1823 das „Festordnende Komitee“ gegründet. Dieses Komitee sollte den bis dahin chaotischen Kölner Karneval mit neuem Leitfaden ordnen. Ursprünglich ging es bei der Gründung darum, einen neuen Maskenzug auf die Beine zu stellen. Die Organisation dieses Karnevalszuges lag beim „Kleinen oder lustigen Rat“; alle zahlenden Mitglieder des Komitees bildeten den „Großen Rat“, der sich in den folgenden Jahren regelmäßig zu „Generalversammlungen“ traf. Im Jahre 1833 wurden diese Versammlungen erstmals als „Komitee Sitzungen“ bezeichnet. Diese Sitzungen, deren Hauptzweck der Vorbereitung des Karnevalszuges diente, begannen am Neujahrstag bzw. am Dreikönigstag und fanden bis zum Fastnachtssonntag jeden Sonntag von sechs bis zehn Uhr abends statt. Es gab Musik, Getränke, ernste und humorvolle Reden und einen von Räten umgebenen Präsidenten sowie Ordensverleihungen. Im Jahre 1827 wurde das Brauchtum eingeführt, dass alle im Rat die gleichen Kappen tragen. Gemäß dem Motto: „Gleiche Brüder, gleiche Kappen!“ Im Grunde bildeten diese Sitzungen das Fundament zu unseren heutigen Kappensitzungen.

Es dauerte viele Jahrzehnte bis in Dirmingen die erste Kappensitzung stattfinden konnte. Organisiertes fastnächtliches Treiben wurde erstmals im Jahre 1903 durch die Gruppierung „Dr moss senn“ auf den Weg gebracht. Anfang der 1950-ger Jahre versuchte der Heimat und Verkehrsverein Dirmingen unter der Leitung seines Vorstandsmitgliedes Hans Müll, die Dirminger Fastnacht mit Kappensitzungen, Umzügen und Fastnachtsdienstagmarkt wieder zu beleben. In drei aufeinanderfolgenden Jahren wurde ein Prinzenpaar gewählt. Die allerersten Kappensitzungen und Fastnachtsumzüge am Fastnachtsdienstag wurden damals gut angenommen. Im ganzen Saarland entstanden in den 1940er- und in den frühen 1950er-Jahren die ersten Karnevalsvereine. In Dirmingen schwand irgendwann das Interesse des Heimat -und Verkehrsvereins Dirmingen an der Aufwertung des Fastnachtsbrauchtums.

Mit der Gründung der Kolpingfamilie Dirmingen nahm das fastnächtliche Treiben in unserem Heimatort wieder neuen Schwung auf. Im Jahre 1955 veranstaltete die Kolpingfamilie ihren ersten Maskenball im Hesedenz-Saal.  Mit dieser Auftaktveranstaltung setzte die Kolpingsfamilie neue Maßstäbe. Ohne großen technischen Schnickschnack entwickelte sich die Fastnacht in Dirmingen zu einer festen Größe. Nach diesem Maskenball sollte die erste Kappensitzung nicht lange auf sich warten lassen. Unter der Regie des damaligen Sitzungspräsidenten Edmund Jochum wurde Geschichte geschrieben.

Schon sehr früh erkannte die Kolpingsfamilie Dirmingen, dass die Durchführung einer Karnevalisten Veranstaltung eine ernste Angelegenheit darstellt. Eine Kappensitzung kostet nicht nur viel Geld, sondern auch großes ehrenamtliches Engagement. Die Akteure müssen im Laufe des Jahres viel Freizeit entbehren und wöchentlich hart trainieren. Während es in den diversen Sportvereinen auch darum geht dem eigenen Körper etwas Gutes zu tun, dient der Karneval auch dazu, sich selbst nicht so ernst zu nehmen. Fastnacht ist längst nicht jedermanns Sache. Fastnacht hat immer etwas mit Heimat zu tun. Beim Karneval spielt der eigene Dialekt und das Dorf – oder Stadtgeschehen eine wichtige Rolle. Was wäre eine Kappensitzung ohne die Dorftratscherei und das damit Verbundene lästern über die Dorfprominenz?

Man muss schon positiv bekloppt sein, um ein echter „Faasebooz“ zu sein. Immerhin wird den Karnevalsvereinen sehr vieles abverlangt. Neben einem dicken Sicherheitskonzept muss zur Durchführung einer Kappensitzung so einiges finanziell gestemmt werden. Hallenkosten, Dekoration, Ausstattung der Akteure, Ausschankgenehmigung, Brandwache und nicht zuletzt auch noch die GEMA-Kosten liegen den Vereinen schwer auf der Tasche. Gut, dass es dennoch Menschen gibt, die unsere Fastnacht lieben, planen und feiern. Wenn wir in unserem Land auch zukünftig Fastnacht feiern möchten, müssen wir dafür Sorge tragen, dass Grundvoraussetzungen dafür geschaffen werden. Die saarländischen Karnevalsvereine haben mit diversen Problemen zu kämpfen. Die Durchführung einer Kappensitzung, eines Maskenballs oder eines Fastnachtsumzuges sind mit enormen Auflagen verbunden. Wer möchte bei diesen hohen Ansprüchen und gesetzlichen Vorgaben die Verantwortung übernehmen? Hinzu steigen jährlich die Unkosten dieser Veranstaltungen. In den letzten Jahren befasste sich die Landesregierung mit den Themen TÜV- und GEMA Gebühren. Wer soll das alles bezahlen? Ein weiteres Problem liegt in der Verfügbarkeit von Hallen oder Trainingsräumen. Immer mehr Karnevalsvereine müssen sich mit der Frage, wo ihre Akteure trainieren und wo ihre Veranstaltung durchgeführt werden, befassen. Nach der letztjährigen, landesweiten Debatte um die Kosten für den TÜV-Check von Fastnachts-Umzugswagen hatte die Landesregierung den Vereinen finanzielle Unterstützung versprochen. Auch bei den Gema-Gebühren soll eine Unterstützung folgen. Die steigenden Kosten durch die Nutzung Gema-pflichtiger Musik bringen viele Karnevalsvereine an den Rand ihrer Möglichkeiten. Fakt ist: Der Fastnachtsbrauchtum benötigt dringend jegliche Unterstützung !

Im Jahre 1977 wurden die Dirminger Kappensitzungen in die Dirminger Borrwieshalle verlegt. Bei der Bevölkerung stieß diese Umsiedlung zunächst nicht auf große Begeisterung. Dennoch wurden die Kappensitzungen in den folgenden Jahren mit viel Erfolg durchgeführt. Im Jahre 2003 wurde der heutige Kolping Karnevalsverein als Untergruppierung der Kolpingsfamilie gegründet. Der KKV Dirmingen kümmert sich seitdem mit viel Liebe zum Detail um die Dirminger Fastnacht. Bis zum heutigen Tag gelingt dies in beeindruckender Art und Weise. Wenn wir verlernen unsere eigenen Traditionen zu pflegen und unseren Kindern weiterzugeben geht unser Land den Bach hinunter. Dementsprechend spielt Kinder- und Jugendarbeit in einem Karnevalsverein eine gewichtige Rolle. Dabei geht es nicht nur darum den Kindern den Spaß an der Fastnacht zu vermitteln sondern auch das eigene Brauchtum näherzubringen.

In unserer Heimatgemeinde Eppelborn können mit dem KKV Dirmingen und dem benachbarten HUKV aus Humes zwei Karnevalsvereine aktuell nicht ihre heimatliche Ausrichtungsstätte benutzen. Zumindest in Dirmingen hoffen wir auf eine baldige Sanierung der Borrwieshalle. Fastnacht hat wie bereits mehrfach erwähnt viel mit Heimat zu tun. Ein Karnevalsverein ohne eigenen Saal oder Halle wird es schwer haben seiner Intention zu folgen. Unsere Karnevalsvereine sind zurecht stolz auf die Durchführung ihrer Veranstaltungen und den Erhalt des karnevalistischen Brauchtums. Immer mehr Vereine fühlen sich jedoch im Stich gelassen. Meistens steckt vielmehr dahinter als nur die paar Wochen im Winter. Der Karnevalsbrauchtum steht trotz seiner Beliebtheit vor einer großen Herausforderung. So mancher „Faasebooz“ droht im Dickicht aus Formularen, Unterlagen und Genehmigungspapieren nicht nur die Geduld, sondern auch seinen Humor zu verlieren. So weit darf es jedoch um Himmels Willen niemals kommen ! Hoppla Hopp!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert