Von Dirmingen über Diemeringen im Elsass in den Schwarzwald

Wir leben dort, wo andere gerne urlauben. Manchmal muss es nicht die große Bühne oder das schönste Orchester sein. Nicht immer ist ein Urlaub in der Sonne oder am Meer von Nöten. Ein Urlaub zuhause kann genauso schon und zudem auch lehrreich sein. In diesem Jahr mussten wir uns mit mehreren kleineren Ausflügen zufriedengeben. Der große Urlaub war in diesem Jahr aus verschiedenen Gründen nicht möglich. Unser Heimatland bietet jedoch viele Sehenswürdigkeiten an. Dabei lockt auch unsere Nachbarregion mit vielen Ausflugszielen. Im angrenzten Elsass und Lothringen habe ich gelernt so manche bekannten Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen. Das Elsass und das Saarland teilen eine bewegte deutsch-französische Geschichte. Dazu gehört eine tiefe Verbundenheit zur guten Küche und eine ähnliche Kultur und sogar eine verwandte Dialektform.  

Auf meiner Reise durch das Elsass stellte ich fest, dass viele Ortsnamen genau wie im Saarland auf -weiler, -hofen oder -ingen enden. Beide Regionen sind historisch stark von fränkischen und alemannischen Dialekten geprägt. Überraschenderweise gibt es zahlreichen direkte Namensvettern und sehr ähnlich klingende Orte. Genau diese Tatsache hat mich praktisch umgehauen. Kommen euch folgende Ortsnamen bekannt vor:  Eywiller, Woustviller, Entzheim oder Diemeringen? Ja, richtig gelesen, auch Dirmingen scheint einen Namensvetter zu haben. Ich habe bereits eine Nachricht an das dortige Rathaus geschrieben. Ich finde das Thema höchstinteressant und bin an einem Kontakt zu dem elsässischen Dörfchen Diemeringen hochinteressiert.

Das Saarland hat eine enge Verbindung zu Frankreich. Die aus meiner Sicht unnötigen deutschen Grenzkontrollen haben längst vergessene Gräben wieder freigelegt. Das Schengen Abkommen ist ein Geschenk und darf nicht aufs Spiel gesetzt werden. Wir Saarländer profitieren von unserem Nachbarland Frankreich und das daraus entstandene „savoir vivre“ wurde Teil unserer Lebenskultur. Wir Saarländer sind aus besonderem Holz geschnitzt. Europa hat für uns Saarländer einen besonderen Stellenwert. Genau das ist mir bei meiner Reise durch das Elsass zum Schwarzwald wieder deutlich vor Augen geführt worden.

Es ist an der Zeit, dass sich die beiden ehemaligen Erbfeinde wieder annähern und sich an ihre gemeinsamen Wurzeln besinnen. Die deutsch-französischen Beziehungen basiert auf eine politische, wirtschaftliche und kulturelle Partnerschaft. Dabei wurde das Fundament dieser Freundschaft erst nach dem Zweiten Weltkrieg gelegt. Eine Wurzel des Übels dürfte im Deutsch- Französischen Krieg liegen. Dabei spielte die damalige Saarregion ebenfalls eine gewichtige Rolle. Innerhalb weniger Wochen besiegten die deutschen Verbündeten im Spätsommer 1870 die französische Armee. Mit dem Sieg der Deutschen wurde auch Elsass-Lothringen Teil des deutschen Kaiserreiches. Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 zwischen Frankreich einerseits und dem Norddeutschen Bund unter der Führung Preußens sowie den mit ihm verbündeten süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg, Baden und Hessen-Darmstadt andererseits war eine gewisse Geburtsstunde des deutschen Kaiserreiches.

Ein Teil des Schlachtfeldes in Spichern.

Die Schlacht bei Spichern am 6. August 1870 unweit der deutsch-französischen Grenze bei Saarbrücken ist bis heute tief im Bewusstsein aller Saarländer, Elsässer und Lothringer verwurzelt. Am 19. Juli 1870 erklärte Frankreich Preußen den Krieg und musste letztendlich eine schmerzliche Niederlage hinnehmen. Die Franzosen kamen mit dieser historischen Niederlage nur sehr schwer klar. Der Sieg der Alliierten über Nazi- Deutschland hat die damals angekratzte französische Ehre wieder hergestellt. Dabei spielte auch im zweiten Weltkrieg das Dörfchen Spichern eine gewichtige Rolle. Auf dem Plateau des Roten Berges in Spichern befinden sich zahlreichem Ehrenmale für die Gefallenen der deutschen und französischen Armeen und ein amerikanischer Panzer aus dem 2. Weltkrieg.

Amereikanischer Panzer in Spichern aus dem 2. Weltkrieg

Spicheren (deutsch Spichern) ist eine französische Gemeinde im Département Moselle. Historisch gehörte das Dorf zu Lothringen und heute zur Verwaltungsregion Grand Est. Das französische Dörfchen ist einen Katzensprung entfernt. Warum in die Ferne schweifen, wenn dass Gute liegt, so nah. Es lohnt sich immer ein wenig Heimatforschung zu betreiben. Dabei lernt man immer etwas Neues dazu. Ich dachte vor meiner Reise in dem Elsass schon vieles zu wissen. Ich wurde eines Besseren belehrt. Unsere Heimat und die angrenzenden Regionen haben vieles zu bieten. Ein Kurztrip oder eine kleine Reise lohnt sich in jedem Fall. Elsass, Lothringen und das Saarland eint mehr als so mancher Zeitgenosse glaubt. Im Laufe der Jahrzehnte ist ein neues europäisches Kulturgut entstanden. Das gilt es zu schützen !