Proschd‘ Mahlzeit – Kneipensterben legt Dorfgemeinschaft lahm!
Gemeinschaft braucht Austausch, Begegnungen und Orte an denen die Menschen Zusammenkommen können. Kneipen, Gaststätten und Restaurants bilden soziale Anlaufstellen für eine funktionierende Dorfgemeinschaft. Gottlob haben wir in Dirmingen mit dem Gasthaus „Wutze Walter“ und dem „Botanico Finkenrech“ und hoffentlich bald wieder dem Gasthaus „Schuhhannesse“ eine gut aufgestellte Gastronomie. Das leise Kneipensterben in unserem Land breitet sich seit vielen Jahren aus. Gerade in Dörfern und kleineren Städten wurden zuletzt immer mehr Eckkneipen und Traditions-Gaststätten geschlossen. Die Gastronomie leidet seit der Pandemie unter der Kostensteigerung von Energie, Miete, Ausstattung oder Lebensmitteln.
Ein weiterer Grund für das Kneipensterben liegt im Konsumverhalten der Menschen. Der klassische Kneipengänger hat uns in den letzten Jahren still und heimlich verlassen. Immer weniger Menschen genießen nach der Schicht ihr Feierabendbier in der Stammkneipe. Irgendwie haben das Nichtrauchergesetz und die Pandemie vieles nachhaltig verändert. Zudem wollen viele Menschen wollen nicht mehr so viel Geld ausgeben. Der aktuelle Zeitgeist, die schlechte Stimmung und das damit verbundene Konsumverhalten macht es den Gastronomen nicht leicht. Unser Heimatort befindet sich in anstrengenden Zeiten. Wo sollen wir uns treffen um Gemeinschaft pflegen. Nach dem Brand im Gasthaus „Schuhhannesse“ im Jahr 2025 und der Schließung der Borrwieshalle benötigt unsere Dorfgemeinschaft neue Impulse. Mit dem Gasthaus „Wutze Walter“ und dem „Botanico“ auf Finkenrech haben wir immerhin noch zwei Anlaufstellen für den sanften Tourismus und unsere Dorfbewohner. Wie soll es unter diesen Umständen gelingen Dorfgemeinschaft aufzuwerten.

Früher kannte man solche Probleme nicht. Es gab eine Zeit, in der in unserem Heimatort über 20 Gaststätten gut miteinander leben konnten. Am Wochenende konnte man getrost einen abendfüllenden Kneipenbummel hinter sich bringen. Leute treffen, Gedanken austauschen, Diskutieren oder auch mal streiten gehörte zum Kneipenalltag. Bei einem Glas Bier wurden Probleme gelöst, Pläne geschmiedet oder Geschäfte abgeschlossen. Die Dorfbewohner nutzten die Möglichkeit des Zusammenseins und des gemeinsamen Austauschs. Leider gehört das heute nicht mehr für jeden Dorfbewohner/in zur obersten Priorität. Die Menschen in unserem Dorf und bestimmt auch in den umliegenden Ortschaften haben gelernt allein zurechtzukommen. Man braucht den anderen nicht mehr für sein eigenes Seelenheil.
In vielen Dörfern wird versucht dem Dorfkneipensterben mit neuen Ideen entgegenzuwirken. Dazu gehört auch, dass sich die Gastronomie selbst neu erfindet und neue Ideen kreiert. Dort, wo es noch Kneipen und Gaststätten gibt, kommt der typische Thekenbetrieb immer mehr zum Erliegen. Eine Lösung liegt in der Eventgastronomie. Mit neuen, kulinarischen Angeboten werden Kunden angelockt. Ziel ist es die mit Themenabenden die vorhandene Gaststätte zu beleben und neue Wege aufzuzeigen. Um zu überleben, muss sich die noch vorhandene Gastronomie und auch die Dorfkneipe neu erfinden.

„Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, muss der Berg zum Propheten kommen“. In Dirmingen ist, dass in den letzten Jahren ganz gut gelungen. Das Gasthaus „Schuhhannesse“, genauso wie das Botanico oder das Gasthaus „Wutze Walter“ werben immer wieder mit neuen kulinarischen Angeboten oder verschiedenen Themenabenden. Leider gibt es für unsere Dorfgemeinschaft fast keine öffentlichen Treffpunkte mehr. Wenn wir nicht entgegenwirken, kann es passieren, dass unsere Dorfgemeinschaft einschläft. Wir brauchen ein Umdenken in der vorhandenen Gastronomie und ein Aufbäumen in der Bevölkerung. Wenn ich etwas will, muss ich dafür kämpfen. Nichts kommt von selbst und bleibt auf Dauer.
Früher gehörte der tägliche Besuch in der Kneipe zum festen Ritual des einfachen Mannes. Ich weiß, früher ist vorbei und wir sollten nicht immer in der Vergangenheit denken. Das Leben ist Veränderung und dazu gehört auch, dass wir uns an die neuen Zeiten anpassen. Die Menschen möchten heutzutage in ihrer Freizeit unterhalten werden. Schade, dass sogenannte Feierabendbier ist aus der Mode geraten. Die Zahl derer, die heute noch bereit sind eine Gaststätte zu eröffnen oder zu führen ist deutlich gesunken. Die Verantwortung liegt unter anderem bei jedem Einzelnen von uns. Die wirtschaftliche Lage und die Verfassung unseres Geldbeutels zwingen viele Menschen zum Umdenken. Nach dem zweiten Weltkrieg existierten in Dirmingen weit über 20 Gaststätten. Dabei spielte nicht zuletzt die hiesige Schäfer Bier Brauerei eine gewichtige Rolle. Neben der gewöhnlichen Bierschenke gab es in unserem Dorf auch Weinstuben. Mit der Schließung der Brauerei im Jahre 1991 begann eine schwierige Zeit für die ortsansässigen Gaststätten. Das Nichtrauchergesetz, danach die Pandemie und schließlich eine Wirtschaftskrise brachte die Gastronomie in diesem Land an den Rand ihrer Existenz.

Wo sollen wir uns noch treffen und austauschen ? Unser Dorf hat sich verändert. Viele Menschen sind verstorben oder sind verzogen. Neue Bewohner sind zu uns gekommen und haben in Dirmingen eine neue Heimat gefunden. Wie sollen wir uns kennenlernen um eine Gemeinschaft am Leben zu halten ? Wo können wir uns treffen und miteinander kommunizieren ? Ohne Gaststätte, Restaurant oder einem Dorfgemeinschaftszentrum können wir nur schwer zusammenfinden. Wir müssen Veränderungen anstoßen und uns mehr bewegen.